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März, 2016

  1. Youth Link – Auroville-Jugend in Aufbruchstimmung!

    März 26, 2016 by Ehemaliger WWler

    In der Sommerausgabe des Auroville International Deutschland Rundbriefs 2015 erschien folgendes Interview mit der gebürtigen Aurovilianerin Kavitha, geführt von einem ehemaligen Weltwärtsler. Zwar hat sich seit dem bei Youthlink einiges getan, aber um das Projekt, dessen Aktivitäten sich auch an aktuelle Weltwärtsler und ehemalige Voluntäre in Deutschland wendet, vorzustellen, bietet der Artikel einen guten Überblick. Viel Freude beim Lesen!

    Matthias: Kavitha, Du bist vor kurzem von deinem Studium im Ausland zurückgekehrt und arbeitest jetzt in Auroville mit Youth Link. Wie gestaltete sich deine Rückkehr nach Auroville und wie kam es zu deiner Mitarbeit bei Youth Link?
    Kavitha: Ich kam nach dem Abschluss meines Studiengangs „Globale Herausforderungen: Nachhaltige Entwicklung“ in den Niederlanden nach Auroville zurück. Es war ein fantastisches Studienprogramm, aber ich hatte immer dieses merkwürdige Gefühl, einfach dadurch, dass ich in einer intentionalen, internationalen, Ökodorf-artigen Gemeinschaft, die ich mein Zuhause nenne – Auroville – bereits mehr gelernt hatte. Als ich zurückkehrte, erkundete ich verschiedene Aspekte der Gemeinschaft. Dazu zählte eine Arbeit als Vertretungslehrerin in der New Era Secondary School, Fundraising sowie die Untersuchung unserer „Integralen Bildung“ und wie sie über Auroville hinaus in die indische Gesellschaft ausstrahlt. Die New Era Secondary School (NESS) leistet mit ihrem auf Aktivitäten ausgerichteten, Kind-zentrierten CBSE-Programm [CBSE= Central Board of Secondary Education] großartige Arbeit. Das CBSE-Programm ist eines der innovativsten Bildungsprogramme Indiens. Andere Schulen, die das CBSE-Programm anbieten, orientieren sich an NESS und übernehmen die Perspektive der integralen Erziehung. Das war eine aufregende Erkenntnis. Danach habe ich beim Auroville Entry Service gearbeitet. Dabei saß ich in der Town Hall, um die politische Organisation und Entwicklung unserer Stadt besser zu verstehen. Da ich Kommunikation liebe, landete ich auch beim Auroville Today Magazin, für das ich gelegentlich Artikel verfasste und eine Menge über unsere neuen Entwicklungen lernte.

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    Kavitha

    Letztendlich fand ich mich in Pitchandikulam wieder, wo ich begeistert ein florierendes Zentrum für nachhaltige Entwicklung vorfand. Dort fielen mir zwei Projekte ins Auge, nämlich „Sustainable Enterprise Development in the Auroville Bio Region“ (SEDAB), für das ich die Verantwortung im Bereich Kommunikation übernahm. Dieses Projekt arbeitet daran, „Green Enterprise Solutions“, also Produkte aus dem Bereich der pflanzlichen Medizin und biologischen Nahrung wie Spirulina nach Indien zu bringen. Diese Produkte werden jetzt von Frauen hergestellt, die unter der Armutsgrenze lebten und nun ihr eigenes Einkommen verdienen können. Das SEDAB-Projekt erforscht eine integrale ländliche Entwicklung, die wir in all ihren Aspekten experimentell untersuchen. Die indische Regierung ist nun an Auroville herangetreten und möchte in Zusammenarbeit mit uns ein Institut für Nachhaltige Lebensgrundlagen (Sustainable Livelihood Institute) gründen. Als ich davon hörte, war ich unglaublich enthusiastisch, da ich in den Niederlanden genau darüber in meiner Abschlussarbeit geschrieben hatte, in der ich die Forderung erhoben hatte, dass es in jedem Ökodorf ein „Zentrum für Fertigkeiten & Dienste“ („Skills & Service Center“) geben sollte, das das Wissen der Gemeinschaft mit seinen Nachbarn und seinem Land teilt. Es war für mich also eine große Erleichterung und ein Aufruf zur Mitarbeit, dass Akademiker und geniale Köpfe in Auroville an so etwas arbeiteten. Mir wurde jedoch klar, dass so ein Institut, das im Grund eine Plattform für Bildung und einen Campus darstellt, der Beteiligung der Jugend bedarf – entweder als Studenten, Trainer oder fachliche Berater. Aber ich musste innehalten: Meine Freunde und ich waren uns nicht sicher, ob die Jugend Aurovilles für diese Entwicklung bereit und überhaupt vor Ort war!

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    „What2Where“ Event im Youth Center

    Matthias: Wie hat sich die Auroville Jugend am Auroville Retreat und jetzt an Youth Link beteiligt?
    Kavitha: Auf dem Auroville Retreat repräsentierten 10 Aurovilianer die Jugend. Vor dem Retreat hatten wir im Youth Center oder an anderen Orten viele Treffen abgehalten, um Ideen zu sammeln. Wir veranstalteten auch ein „Festival der Ideen“, bei dem wir feststellten, dass die meisten Aurovilianer mit den Themen Housing (Wohnungs-Situation), Employment (Arbeitsmarkt) und Education (Bildung) – besonders für die Jugend – befasst waren. Nach dem Retreat präsentierten wir unsere Themen noch einmal bei SAIIER, woraufhin sich ca. 40 junge Aurovilianer anmeldeten, um mitzumachen und wir 35 ältere Mentoren gewannen, die uns unterstützen wollen. Wir bemühen uns immer noch darum, dass sich dieses Potenzial entfalten kann. Wir sind bei Youth Link jetzt vier Koordinatoren und zwei von uns bekommen eine Maintenance, um die Arbeit in Vollzeit zu bewältigen. Wir sind eine Kerngruppe von 10 bis 15 Mitgliedern. Wir treffen uns wöchentlich und erarbeiten Projekte und Aktivitäten mit der Jugend. Wir sind sehr glücklich darüber, mit den drei Jugendgruppen der Dörfer Kuilapalayam, Edyanchavadi (genannt „Kamban“) und dem Mohanam Kulturzentrum in Kontakt zu stehen.

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    Youth Link Sustainability Workshop

    Matthias: Warum sind Housing, Employment und Education für die Auroville-Jugend wichtige Themen?
    Kavitha: Ganz einfach gesagt, verfügen wir nicht über genügend Wohnraum für die Jugend und unsere bereits existierenden Jugend-Wohnprojekte könnten etwas Hilfe gebrauchen. Wir hoffen, die Jugend an der Schaffung von Unterstützergruppen für diese Projekte und an der Ausarbeitung neuer Projekte zu beteiligen. Beispielsweise möchten wir, dass junge Unternehmer und Architekten neue Projekte umsetzen und sich an der Stadtplanung beteiligen. Es gibt Arbeitsmöglichkeiten. Es herrscht jedoch die Haltung vor, dass junge Leute zunächst als „Volunteers“ anfangen sollten oder nicht die benötigten Fähigkeiten für bestimmte Aspekte der Arbeit für die Gemeinschaft mitbringen. Wir hoffen, diese Hindernisse zu überbrücken. Beispielsweise ermutigen wir die Öffnung der Arbeitsgruppen (Working Groups) für Praktika, entwickeln neue Ausbildungsprogramme sowie Möglichkeiten zur Information über offene Stellen – irgendwann über eine Online-Plattform. Was Bildung anbelangt, verfügt Auroville über eine Infrastruktur und Institutionen bis zum Abitur. Danach musst du entweder Auroville verlassen, um weiter zu studieren oder – wie viele der Jugendlichen es ausdrücken – du „bleibst hängen und wirst zurückgelassen“. Die Budgets unserer Stipendien sind klein, Auroville zu verlassen ist relativ leicht, aber für viele ist Hochschulbildung zu einem Kampf und durch die schwere Bürde der Studienkredite zu einem Privileg geworden.

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    Youth Link Organigramm

    Matthias: Kannst du uns die Vision von Youth Link beschreiben?
    Kavitha: Unsere Vision ist eng mit der Auroville Charta, speziell mit der „nie endenden Bildung und einer Jugend, die niemals altert“ verknüpft. Außerdem sehen wir unsere Mission als Teil der globalen Vernetzung und wollen durch unsere Arbeit Projekte zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ermutigen.

    Matthias: Fühlt ihr euch als junge Aurovilianer in euren Aktivitäten von Youth Link durch die Gemeinschaft unterstützt?

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    Flyer für Youth Link Event

    Kavitha: Obwohl wir so schnell und erfolgreich in Auroville aufgetaucht sind – was bedeutet, dass es einen eindeutigen Bedarf für mehr Beteiligung und Initiativen der Jugend gibt – hatten wir Probleme, dafür Unterstützung zu finden. Bei der älteren Generation findet sich die Einstellung, die Jugend sei „faul und unfähig“, während es in der Jugend eine Einstellung gibt, die man als „anti-Establishment“ bezeichnen könnte. Diese Einstellungen versuchen wir jedoch abzubauen. Wir wollen Brücken bauen, indem wir die Jüngeren dazu ermutigen, ein Verständnis für all die von unserer Eltern-Generation geleistete harte Arbeit zu entwickeln und unsere Ältesten ermutigen, die Jugend in einem positiveren Licht zu sehen.

    Matthias: In welcher Beziehung steht die Auroville Jugend zu Auroville und seinen Idealen?
    Kavitha: In vielen Diskussionen unter uns Jugendlichen kommen wir auf das Grundlegende zu sprechen und stellen uns Fragen wie „Warum sind wir von den Idealen Aurovilles so abgetrennt?“ und „Warum haben wir unseren Sinn für Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit verloren?“ Wir haben keine Antworten, aber wir sind sehr daran interessiert, vom Herzen aus daran zu arbeiten, den Spirit der Pioniere wiederzuerlangen … durch Ermutigung zum gegenseitigen Schenken und dienstleistungsorientierte Arbeit in der Gemeinschaft … und über die Ermunterung zur Reflexion über die Frage „Warum Auroville?“

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    Einweihung des Youth Link Office in Bharat Nivas mit Mentoren

    Matthias: Warum ist die Vernetzung über Auroville hinaus ein wichtiges Ziel von Youth Link und wie kann diese gestaltet werden?
    Kavitha: Wir würden uns gerne stärker mit der Welt, mit Auroville International, dem Globalen Ökogemeinschafts-Netzwerk GEN, den Vereinten Nationen, Universitäten etc. vernetzen. Wir sind uns der Erfolge und Stärken Aurovilles sehr bewusst, aber auch unserer Limitierungen. Wir können noch eine Menge von anderen Gemeinschaften und Individuen aus aller Welt lernen. Da Auroville jetzt wiederaufgeforstet ist und über einiges an Infrastruktur verfügt, ist das nächste anzustrebende Ziel, Auroville mit der Welt zu vernetzen und in den existierenden Netzwerken präsent zu sein. Dazu möchten wir ermuntern. Der beste Weg, uns zu inspirieren, liegt in der Erfahrung anderer positiver Experimente und der einzige Weg, weiter zu wachsen und zu lernen, liegt im Willkommen heißen dieser positiven Energie und in der Offenheit, andere Orte zu besuchen, um von ihnen zu lernen. Die finanzielle Frage stellt immer eine Einschränkung der Reisemöglichkeiten dar, aber wir würden gern zu anderen Formen der Unterstützung eines solchen Austauschs motivieren. Wir hoffen, dass junge Leute aus dem Netzwerk der Auroville International Center mit uns in Kontakt treten. So können wir herausfinden, was möglich ist und gemeinsame Projekte entwickeln, wie beispielsweise einen Jugendaustausch … es gibt unendliche Möglichkeiten.

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    Einladung zum Auftakt von „Youth Link Next-Gen“ am 28. März 2016

    Matthias: Ein anderes Ziel von Youth Link ist es, die „dynamische Energie der Freiwilligen“ in die Youth Link Aktivitäten zu involvieren. Wie wollt ihr die Auroville-Jugend und die Freiwilligen zusammenbringen?
    Kavitha: Freiwillige haben uns oft gesagt, dass es schwierig ist, die Auroville-Jugend kennenzulernen. Um dies zu erleichtern, laden wir alle Freiwilligen ein, uns im Youth Link Office zu besuchen und an unseren Festivals und Aktivitäten teilzunehmen, sodass wir gemeinsam brainstormen und aktiv werden können. Youth Link ist ein Team, das niemanden ausschließt. Wir laden „alle jungen Leute in der Auroville-Region“ (Freiwillige, Newcomer, Dorfjugend etc.) ein, Teil unserer Gesprächsrunden zu werden. Auch wenn wir nur jemandem mit dem Status Aurovilianer eine Maintenance anbieten können, hoffen wir, in Zukunft gute Initiativen junger Menschen aus der Region, die Mitglieder unseres Youth Link Teams werden, mit geringen Summen unterstützen zu können. Natürlich muss diese Idee weiterentwickelt werden, sodass wir das „Wie“ und „Nach welchen Kriterien“ klar artikulieren können. Wir sind aber zuversichtlich, dass Offenheit und Inklusion von großer Bedeutung sind und dass wir als Jugend ein Beispiel dafür geben können, wie das Realität werden kann. Und tatsächlich tun wir das schon!

    Vielen Dank für das Interview und dein Engagement! Wir wünschen euch viel Erfolg!

    Youth Link ist ein junges Projekt, das unsere Unterstützung braucht. Das Youth Link Team würde sein Kern-Team gerne auf 5 bis 7 Mitglieder erweitern; damit diese in Vollzeit arbeiten können, muss jedoch ihre Maintenance finanziert werden. Langfristige Pläne sehen Spendentöpfe zur Förderung vielversprechender Ideen für Jugendprojekte sowie Bildungsstipendien vor. Wenn Ihr mehr Informationen wünscht oder andere Fragen habt, schreibt (in englischer Sprache) an [email protected]. Falls Ihr Youth Link direkt unterstützen wollt, könnt ihr dies gern unter dem Stichwort „Youth Link“ über das AVI D Vereinskonto tun. Ansonsten findet ihr YouthLink auch auf Facebook und auf ihrer Webseite: http://www.youthlink.org.in/


  2. 2. Auroville Volunteer Treffen in Wickenrode

    März 18, 2016 by Ehemaliger WWler

    Dosa am Lagerfeuer und Komposttoilette im Wald-
    oder das 2. Auroville Volunteer Treffen in Wickenrode

    Wir waren nicht viele beim zweiten Auroville Volunteer Treffen, dafür viele frisch aus Indien Zurückgekehrte. Das letzte Augustwochenende 2015 haben wir ehemaligen Weltwärtsler mit viel Sonnenschein, Wasser aus der Quelle, Outdoor-Dusche und Komposttoilette am Waldrand in Wickenrode bei Kassel verbracht. So unterschiedlich wie unsere Erlebnisse in Auroville und Indien waren auch unsere Aktivitäten:

    Im frühmorgendlichen Nebeldunst wurden bei Yoga-Aufwach-Übungen müden Augen wieder munter.

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    Nach gemütlichen Frühstücksrunden war Zeit für Impro-Dance, Badminton, Holz hacken, …

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    … und Waldspaziergänge.

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    Gemeinsames Kochen, mit Dosa, Masala und anderen Leckereien durfte natürlich nicht fehlen.

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    Beim Schwimmen im Waldsee konnte man die Spätsommersonne nochmal richtig auskosten …

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    … und abends am Lagerfeuer bei Stockbrot Erinnerungen an Auroville ausstauschen.

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    Wickenrode war wunderschön und wird es wieder. Wir freuen uns schon auf das Treffen 2016.

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  3. Activities in Auroville: Acro-Yoga Workshop!

    März 17, 2016 by Darius

    Auroville bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten sich seine Zeit zu vertreiben und der Tag müsste schon 50 Stunden, die Woche 20 Tage, der Monat 15 Wochen und unser Jahr 30 Monate haben um alle Angebote wahrzunehmen. Und dann will man ja noch irgendwann schlafen und im eigenen Projekt mitarbeiten 😉

    Jelly, Laura und ich (Darius) haben unsere Zeit am vergangenen Samstag jedenfalls gut genutzt und haben einen ganztägigen Acro-Yoga-Workshop besucht. Mit wenigen Vorerfahrungen ausgestattet konnten wir an diesem Tag all drei viel lernen, schwitzen, heben und vor allem fliegen!

    'I believe I can fly...'

    ‚I believe I can fly…‘

     


  4. Begegnung im Labyrinth – auf dem Pfad der Evolution

    März 11, 2016 by Ehemaliger WWler

    Vom 14. bis 17. Mai dieses Jahres trafen sich mit Auroville und dem Integralen Yoga Verbundene in Herbstein (Osthessen).

    Zunächst schien das Seminarhaus eine Notlösung. Der Seminarraum für die Veranstaltungen im Plenum wirkte etwas gedrängt, der erste Besuch bei Regen ließ es ungemütlich erscheinen. Als zu Beginn unseres Treffens am Donnerstag aber der strahlende Sonnenschein durch die großen Fenster auf das mit Tüchern und Blumen dekorierte Zentrum des Stuhlkreises in unserem Seminarraum flutete und sich die Auroville-Freunde zu einem ersten Austausch dazusetzten, zeigte sich schon, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Kaspar und Matthias starteten das Programm mit einem Kennenlernspiel, bei dem sich alte und neue Weltwärtsler, Aurovilianer und Auroville-Freunde zusammenfanden und sich ausmalten, wie sie gemeinsamen einen schönen Tag in Auroville verbringen würden. Danach ließen wir den Anreisetag mit einem neuen Film aus Auroville ausklingen.

    Am nächsten Morgen ging es von unseren gemütlichen Bungalows entweder über die Sonnenterrasse oder vorbei am Büchertisch mit Publikationen, Filmen, T-Shirts und Taschen aus Auroville zum Hauptgebäude und dem Essraum. Von dort hatten wir bei den Mahlzeiten – für die das bemühte Küchenpersonal sogar auf vegane Rezepte umstellte – einen wundervollen Blick ins Tal und auf die Wälder. Vor dem Frühstück meditierten besonders Aktive mit Gitta oder nutzten tagsüber die Wiese auf dem Hang ins Tal, um sich bei Gesprächen zu sonnen und Frisbee zu spielen.

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    Der erste Vormittag startete mit Georgs Vortrag „Harmonie im Missklang – die Welt als Entfaltung von Bewusstsein“. Ausgehend von Sri Aurobindos Philosophie eröffnete er uns eine inspirierende Perspektive auf die Prozesse in uns und in der Welt, die wir gern „Probleme“ nennen. Vielleicht steht ein anderes Bewusstsein hinter diesen negativ „wirkenden“ Dynamiken, das uns erlaubt, sie als Entwicklungschancen aufzufassen. Ausgehend von dieser Betrachtungsweise tauschten wir uns in Kleingruppen zu Themen wie Umwelt, Medizin oder Politik aus. Parallel bot Helmut einen Dialog zum Thema „Wissenschaft und Spiritualität“ an. Anschließend teilten wir im Plenum unsere hoffnungsvollen Blickwinkel. So könnten zum Beispiel die Herausforderung des globalen Klimawandels zu einem neuen Sinn von Einheit in der Menschheit beitragen oder Probleme im Gesundheitssystem zu einer stärkeren individuellen Selbstverantwortung.

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    Am Nachmittag ging es mit Berichten aus und einer Gesprächsrunde über Auroville weiter. Unter anderem entstand eine lebhafte Diskussion über die intensive und langjährige Arbeit der deutschen Pavillongruppe, als über aktuelle Entwicklungen in der Internationalen Zone und über die Europäische Zeremonie berichtet wurde. Interessante Perspektiven auf den Landkauf in Auroville bot eine Diskussion mit Aurovilianern und es wurden Möglichkeiten für weiteres Fundraising im Rahmen der „Acres for Auroville“Kampagne ausgetauscht. Außerdem wurde zum Bericht über den „Auroville Retreat“ ein Film der Auroville-Jugend über ihre Wünsche für Aurovilles Zukunft gezeigt. Besonders berührend war die Anwesenheit und kurze Vorstellung einer jungen Tamilin, die aufgrund des auch von einigen unserer Mitglieder geförderten Projekts „Ausbildung für Dorfmädchen“ ein Studium in Chennai absolvieren konnte und gerade ein Au Pair-Jahr in Deutschland hinter sich hatte. Insgesamt bekamen wir also eine Möglichkeit, mehr über Entwicklungen in Auroville zu erfahren und uns über Möglichkeiten der Mitarbeit zu informieren.

    Am Abend lauschten wir gespannt einem Vortrag von Anu und Vinaya mit dem Titel „Yoga Psychology – A Tool to know oneself“. Die beiden indischen Psychologen gaben uns einen Überblick über die westliche Psychologie und wie die praktische Psychologie der indischen Yoga-Traditionen unser Bewusstsein nach innen führen kann. Nach diesem intensiven Tag entspannten wir uns am Lagerfeuer, gut unterhalten durch Gitarren, Trommeln, unsere Sangeskünste und eine Feuer-Show der ehemaligen Freiwilligen Arina.

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    Der Samstag begann mit einer gut besuchten Herzmeditation für Frühaufsteher mit Christa. Bei der Mitgliederversammlung am Vormittag stellten die Kassenprüfer Christoph und Kaspar ihren Bericht vor. Der Vorstand wurde für seine Arbeit gelobt, entlastet und wiedergewählt. Kaspar und Matthias werden die nächste Kassenprüfung durchführen. Auch die Beteiligung der jüngeren Vereinsmitglieder wurde thematisiert. Es zeigte sich, dass sie sich selbst ausreichend wahrgenommen fühlen und sich nach eigenen Interessen und Kapazitäten involvieren. Es wurde noch einmal betont, dass der Vorstand zwar ein nach deutschem Recht notwendiges Organ eines gemeinnützigen Vereins darstellt, nützlich für Interaktion mit anderen Institutionen, das Sammeln von Spenden für Auroville, etc. – aber damit natürlich nicht die Zahl der aktiven Vereinsmitglieder auf „fünf“ reduziert ist. Alle Vereinsmitglieder – ganz gleich welchen Alters – sind eingeladen, in der Gemeinschaft der Auroville-Freunde aktiv zu werden und gemeinsame Projekte umzusetzen. Ähnlich wie in Auroville kommt es unabhängig von Titeln oder Ämtern auf die Eigeninitiative an. Der Wunsch nach weiteren gemeinsamen Aktionen über das Jahr und Möglichkeiten der Umsetzungen wurden im Abschluss-Sharing wiederholt. Am Nachmittag genossen manche von uns einen Spaziergang durch die schöne Natur in der Umgebung, während andere an einem Workshop zum Integralen Yoga mit Ortwin teilnahmen.

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    Danach trafen wir uns wieder zum Bericht der ehemaligen Freiwilligen zu ihrem Jahr in Auroville. Muna stellte gerührt fest, dass neben den langjährigen Auroville-Freunden in diesem Jahr aus jeder Weltwärts-Generation mindestens ein Freiwilliger vertreten war. In dieser familiären Atmosphäre teilten die Freiwilligen Paul (WW 2012) und Amelie (WW 2013) mit bewegender Offenheit ihre Erfahrungen mit uns. Paul ließ uns an seiner Entwicklung einer tiefen Naturverbundenheit durch die Arbeit in Sadhana-Forest, auf der Discipline-Farm und seine Reisen durch Indien und den Himalaya teilhaben, die sich jetzt im Studium nachhaltiger Landwirtschaft fortsetzt.

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    Amelie, die ihre Tatkraft ebenfalls auf der Farm einsetzte und uns Einblicke in ihre inneren Prozesse gab, studiert jetzt Psychologie. Durch ihre Erfahrungen in Auroville inspiriert, will sie ihren Beitrag dazu leisten, den Horizont der westlichen Psychologie zu erweitern.

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    Am Abend wurde das Qualitätssiegel für Entsendeorganisationen QUIFD mit einem großen Lob für die geleistete Arbeit vom Prüfer an AVID übergeben. Während die neuen Weltwärtsler meist parallel zu den Veranstaltungen der Auroville Tage auf ihre Zeit in Auroville vorbereitet wurden, stellten sie sich jetzt mit vorbereiteten Spielen und einem Auroville-Song vor. Zuerst gab Jan, der dieses Instrument während seines Freiwilligendienstes in Auroville erlernt hatte, ein Tabla-Konzert. Danach lachten wir uns durch pantomimische Darstellungen der Lieblingsspeisen der neuen Freiwilligen, errieten überraschende Begebenheiten ihrer Lebensläufe wie Rodeo-König-Titel, verschiedenste Haarfarben oder Festnahmen, die uns stereotype Vorurteile vor Augen führten, und sangen gemeinsam ein von ihnen komponiertes Auroville-Lied. Später teilte Mark, der Vater unserer ehemaligen Weltwärtslerin Mirella, mit uns seine Passion für historische Tänze, die er routiniert anleitete und uns nach Zugaben riefen ließen. Erschöpft aber glücklich unterhielten wir uns noch etwas an der Bar oder fielen in unsere Betten.

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    AVI D erhält das Qualitätssiegel für Entsendeorganisationen QUIFD

    Zum Abschluss des Treffens teilten wir eine besondere Meditation. Christoph hatte mit Aurovilianern, Weltwärtslern, Seil, Karabinern und viel Spaß an der praktischen Aktion ein Labyrinth entstehen lassen. Er erklärte uns, dass es sich nicht um einen „Irrgarten“ handle. Stattdessen könne sich jeder eine gerade wichtige Frage mit auf den Weg durch das Labyrinth nehmen. Den Windungen des Labyrinths hinein zum Mittelpunkt und zurück folgend, würden wir unser inneres Rätsel von verschiedenen Seiten betrachten können. Auf der grünen Wiese in der Nähe unseres Seminargebäudes war eine stille und konzentrierte Atmosphäre spürbar, als wir uns zuerst vor dem Labyrinth sammelten und dann nacheinander schweigend hindurchschritten. Die meditativen Spaziergänger begegneten sich auf ihren Wegen und grüßten sich mit einem Lächeln oder einer Umarmung.

    Beim Abschluss-Sharing spiegelte sich dann auch diese Atmosphäre wieder. Einer der neuen Weltwärtsler brachte es auf den Punkt: Er habe sich weniger wie auf einem Vereinstreffen, sondern mehr wie auf einem Familienfest oder einer Hochzeit gefühlt. Es wurde große Freude und Dankbarkeit über die gemeinsame verbrachte Zeit und den Austausch geteilt. Jemand empfand es so, als hätte das Treffen „immer im Moment“ stattgefunden – „wie bei der Begegnung von seelischen Wesen“. Der größte Wunsch war, diese Gemeinschaft auch über ein alljährliches Treffen hinaus zu erhalten und zu vertiefen. Hierzu haben wir jederzeit durch selbst organisierte Stammtische, Ausflüge, Feste, Regional-Gruppen, Fundraising-Aktionen oder andere Veranstaltungen wie Vorträge und Workshops die Möglichkeit. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. In diesem Sinne: Liebe Besucher der Auroville Tage 2015– vielen Dank für das schöne Wochenende! Bis bald.

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  5. Village Action aus Deutschland von Damian

    März 4, 2016 by Ehemaliger WWler

    2012 habe ich mein Studium der Finanzwirtschaft abgeschlossen und es war für mich schnell klar, dass ich nicht bei einer der großen Banken oder Beratungsgesellschaften enden möchte. Daher habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. So habe ich begonnen, mich u.a. für Mikrofinanz zu interessieren. Durch eine Anzeige bzw. Ausschreibung für ein Praktikum auf ideallist.org bin ich auf AVAG gestoßen. Erst durch AVAG habe ich zum ersten Mal von Auroville gehört. Schon bald wusste ich, dass ich diesen Ort und die Arbeit von AVAG kennenlernen möchte. Diesen Entschluss habe ich nie bereut. Während meiner Zeit bei AVAG wurde das BMZ-Projekt zur Ausweitung der Mikrofinanz-Aktiviten von AVAG gestartet. Ich habe u.a. die sogenannten Base-Line Studie mit erarbeitet und den ersten Quartalsbericht verfasst. Neben diesen Tätigkeiten konnte ich bei der Ausarbeitung von Geschäftsmodellen bei AVAG und anderen Sozial-Unternehmungen in Auroville helfen. Nachdem ich wieder in Deutschland war, habe ich bei der GLS Bank ein Traineeprogramm durchlaufen und bin mittlerweile in der Angebotsentwicklung der Bank tätig. Die Erfahrungen aus der Arbeit bei AVAG kann ich auch in der GLS Bank nutzten, da die GLS Bank sich stark in diesem Bereich engagiert.

    AVAG-Microfinance

    Ein erfolgreiches VFAVR-Projekt

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    Das aus Fördermitteln des BMZ finanzierte VFAVR-Projekt AVAG-Microfinance (AVAG steht für Auroville Village Action Group), das von November 2012 bis April 2014 lief, hatte die Bekämpfung der Armut durch Ermächtigung der Frauen zur Selbsthilfe in jeder Hinsicht zum übergeordneten Ziel. Zielgruppe des Projekts waren Selbsthilfegruppen (SHG) von Dorffrauen in der Region um Auroville – zu Beginn des Projekts handelte es sich um ca. 200 SHG von 3800 Frauen aus den ärmsten untersten sozialen Schichten, die alle von dem indischen Projektträger AVAG-Microfinance geschult und beraten werden. Während des Projekts wurden über 50 neue SHG gegründet (ca. 1000 weitere Frauen).

    Durch die Schaffung eines revolvierenden Fonds für Mikrokredite zugunsten der Zielgruppe (mit einen Volumen von 175 000 Euro – hiervon wurden 75% durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, 15% von den Menschen vor Ort und 10% durch VFAVR), wurden deren Lebensbedingungen teilweise deutlich verbessert. Die (positiven) Veränderungen der Lebensverhältnisse wurden durch die Teilziele des Projekts untergliedert:

    • Förderung der Persönlichkeit für ein selbstbestimmtes Leben in der Familie und im sozialen Verband
    • Ermöglichung, eigene Geschäftsideen umzusetzen und ein eigenes Einkommen zu erzielen
    • Finanzierung einer berufliche Ausbildung für sich selbst oder für Kinder
    • Ablösung von Notkrediten von Wucherern
    • Erhalt der eigenen Gesundheit oder die der Familie
    • Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen durch Investitionen
    • Gründung weiterer SHG

    AVAG trat und tritt weiterhin nicht nur als Verwalter des Fonds auf, sondern berät und unterstützt die Zielgruppe bei all ihren Aktivitäten und bei der Neugründung von SHG und gewährleistet durch zentrale Erfassung aller Transaktionen völlige Transparenz und Vertrauenswürdigkeit. Wegen der bisherigen Rolle von AVAG-MF geben auch Banken den im Dachverband Udhayam Women Centre organisierten SHG relativ günstige Kredite.Durch den Vergleich einer Base-Line Befragung zu Beginn des Projekts mit einer zum Ende des Projektzeitraums durchgeführten Studie konnten die Änderungen der Lebensverhältnisse der Zielgruppe gemessen werden. Die Auswirkungen der Arbeit von AVAG wurden in einer ausführlichen separaten Studie unter Einhaltung von wissenschaftlichen Standards ermittelt.

    Studien-Ergebnisse

    Zusammenkunft

    Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ein wichtiges Ergebnis ist die Steigerung der Selbstbestimmung der Frauen sowie der Mitbestimmung im Familienverbund. Dieser Umstand wird langfristig einen positiven Einfluss auf die Ausbildung der Kinder haben und damit auf ihre Möglichkeit, zum Haushaltseinkommen beizutragen. Es wurden bereits innerhalb des Projektzeitraums deutlich mehr Bildungskredite ausgegeben als geplant. Die Ausgabe der Kredite bestätigt auf der einen Seite damit nochmals die Stärkung der Rolle der Frauen innerhalb der Familie, anderseits die mittelfristig besseren Chancen für Kinder von Müttern/Eltern, die oft selbst nicht (richtig) lesen und schreiben können.

    Diese Faktoren führen langfristig zu einem nachhaltigen Rückgang der Armut der betroffenen Familien. Hinsichtlich der realen Höhe des Einkommens wurden keine substanziellen Fortschritte erzielt. Der Erfolg in diesem Bereich lag jedoch in der Verlagerung der Einkommensquellen von Tagesarbeit zu mehr stabilen Einkommensquellen: stabile Angestelltenverhältnisse, Eigenständigkeit oder Landwirtschaft – um einige Beispiel zu nennen. Der negative Effekt der hohen Inflation auf die Einkommenssituation der Zielgruppe konnte zumindest kompensiert werden.

    Auch der Gesundheitszustand der begünstigen Menschen hat sich bereits innerhalb des Projektzeitraums verbessert. Zwar konnte die Anzahl der Sanitäranlagen aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen (eine neue Regulierung im Bankensektor hat die geplante subventionierte Finanzierung unmöglich gemacht) in der Zielregion nicht erhöht werden, jedoch hat sich die Wohn- und Lebenssituation der Menschen trotzdem deutlich verbessert. Ein immer größerer Teil der Zielgruppe kann bzw. konnte bereits von einfachen Hütten in stabile Betonkonstruktionen ziehen. Durch die angebotenen Seminare und Fortbildungen werden kaum noch Pestizide und Herbizide im eigenen Anbau verwendet.

    Zudem erwirbt bereits jede sechste Kundin von AVAG regelmäßig biologische Produkte (hauptsächlich direkt bei AVAG) für sich bzw. ihre Familie, weitere Kundinnen konsumieren diese so oft wie möglich. Beim Ziel, Wucherkredite in der Zielregion durch faire Kreditpraktiken zu ersetzen, wurden ebenfalls deutliche Fortschritte erzielt. Die durchschnittliche Belastung der Kunden durch Wucherkredite konnte um ca. 40% reduziert werden. Dennoch erreichen AVAG immer noch mehr Anträge für eine Umschuldung als Mittel zur Verfügung steht. AVAG-MF muss daher auch künftig wachsen, um den Menschen in der Region auch weiterhin helfen zu können. Insgesamt ist noch in vielen Dörfern in der Auroville-Region entsprechende Hilfe zur Selbsthilfe nötig.

    Beitrag von VFAVR

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    Der Verein zur Förderung der Auroville Region (VFAVR) hat auch in Zusammenarbeit mit AVAG bereits vor der Durchführung dieses Projekts nachhaltige Entwicklungsarbeit in der Zielregion geleistet. Das Projekt, das durch das BMZ teilfinanziert wurde, wurde daher ebenfalls sehr erfolgreich durchgeführt und hat das Leben der Zielgruppe positiv beeinflusst. VFAVR war für die Strukturierung und das Funding des Projekts hauptverantwortlich. Die Hauptaufgabe ist die Beantragung der entsprechenden Fördergelder beim BMZ und die anschließende Dokumentation des Projekts. Im Anschluss müssen die Ergebnisse der Arbeit dokumentiert und ausgewertet werden. Dies erfolgt in regelmäßiger Berichterstattung (quartalsweise) und in ausführlichen Zwischen- und Abschlussberichten. Innerhalb des Abschlussberichtes wurde auch die oben zusammengefasste Studie erstellt.

    Bei Interesse kann die Studie natürlich gerne bei mir angefordert werden;  E-Mail: [email protected] .

    Damian Pilka

    Wer mehr über die Arbeit von VFAVR erfahren möchte findet hier weitere Informationen.