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Momente

23. Juli 2014 von Isabel

Nach Ewigkeiten habe ich mein Passwort wieder gefunden und teile jetzt ein paar Momente aus meinem Alltag.

 

 

Vierzehn  Dreijährige, ein 12 m2 großer Raum und… ich. 24 dunkle Augen, die mich erwartungsvoll ansehen. ICH soll Euch das ABC beibringen? Äähhhhh.

Das denken sich die Kleinen bestimmt auch. Die Verrückte, die immer mit uns rumspringt und –schreit will uns jetzt wie die Lehrerinnen was beibringen?

Nach 30 Sekunden ”A for Apple, B for Banana, C for Car” war´s das auch schon. Sie sind außer Rand und Band, springen an mir hoch, rennen rum. Das erste Kind hat schon angefangen zu heulen. Toll. Ich kapier mal wieder nicht warum, aber die Kinder werden nicht müde mir das immer und immer wieder zu erklären. Hoffnungsvoll schiele ich auf die Uhr: noch 20 Minuten. Ayooooo…

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Auf geht’s mit Shakti zum Lunch. Die Gute hat eine Rundumerneuerung bekommen. Nach einer 300km Motorradtour und 15 kaputten Speichen hatte sie sich das auch ehrlich verdient.

Über ein Riesenschlagloch gebrettert, an Kolams und waschenden Frauen vorbei mitten in ein Huhn. SCHEIße!!!!!

 

Puh, es ist noch ausgewichen, weiter geht´s zu New Pour Tous esseeeeeeen ;=).

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New Pour Tous: einer meiner Lieblingsorte Aurovilles: der Supermarkt, funktioniert alles ein bisschen anders (es gibt z.B. keine Preise, keiner hetzt sich an der Kasse ab…) ist aber im Prinzip der Ort an dem ich mein Essen kriege.

Heute gibt’s Zucchinitart mh…., aber erst mal wird schön mit Mahesh gequatscht, das Gute in Person. Er schenkt mir Gulab Jamun (perverse Kalorienbombe, aber leider geil). Die nächsten 20 Minuten geht´s nur darum wie man sie am besten zubereitet. Wir haben eine gemeinsame Leidenschaft: Essen. Dann geht´s zur Kasse. Die Dame ist im Vergleich zu ihm schon fast barbarisch, soll heißen für Berlin ein Engel.

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20Kg schleppen werden eine Treppe runter geschleppt. Von mir. Ich wohne im 2. Stock. Von dem Umfang meines Packets soll ich zu dem Zeitpunkt aber noch nichts wissen. Wundersamerweise schaffe ich es bis zu Shakti, die sogar gleich anspringt. Die Gute hat ihre pubertäre Zickenphase endlich überwunden. Links, Links, Rechts gerade aus, über 5 speedbumps wo mir immer wieder das Herz vor Angst, das Packet zu verlieren, stehen bleibt und wir sind da. Auroville Postoffice.

Ein witziger Ort, hinter einem sehr hohen Tresen sitzt ein von Dutzenden von Packeten und Briefen umringter Mann. Betritt man die Post braucht er einen Moment um aus seiner Lethargie zu erwachen. Wenn Du Glück hast, bekommst Du dann sogar was Du möchtest. Ich hatte Glück, obwohl er das Packet sehr skeptisch beäugte („What is in there?!“) und ich meine liebe Mühe hatte das Packet auf die Wage zu wuchten. Er hat trotzdem nicht ganz die richtige Adresse eingetippt, das sei nicht so schlimm meinte er. Okeeee.  Au revoir Besitz, ich hoffe wir sehen uns wieder.

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5 Uhr AM(!!!!!!) eine Herde Papageien (eigentlich wirklich schöne, nur sind wir jetzt Feinde) beschließt es sei Morgen und Zeit eine Schlacht zu beginnen. Auf dem Neembaum vor meiner Terasse. 3 Meter von einer tief schlafenden Isabel entfernt. Kreischend werden Kreise um die Terasse gezogen um dann im Sturzflug auf dem Dach zu Landen. Entsetzt wache ich auf. Aber es gibt kein Zurück, soeben wurde der Tag eingeleitet.

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„ALL OF YOU GET UUUUUUP!”  Entsetzt schrecke ich auf. Ich habe mit den Kindern auf dem Boden geschlafen. Yoga hat mich heute ganz schön fertig gemacht. Aber irgendwie bin ich die Einzige, die aufgewacht ist. Die Kinder schlafen Seelig weiter. Wenn die Kinder aus ihrem Koma geschüttelt wurden, treten sie in eine Phase ein, die ich „das-was-Westler-als-Schlaf-bezeichnen“ nenne. Wirklich. Ich habe Pradipa mit offenen Augen hingestellt und sie ist einfach wieder zusammengeklappt und mit dem Gesicht nach unten eingeschlafen/hat weitergeschlafen irgendwie war sie gr nicht wach.

Dieses Talent einen Weltuntergang zu verschlafen, das bräuchten wir alle. Dann wäre ich auch den Papageien nicht mehr böse.

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9:30 Prayertime. Also eigentlich. Die Kinder sitzen zwar im Kreis und Schneidersitz, werden aber mal wieder von den Lehrerinnen ignoriert. Schön, es gibt ja so viele Dinge über die man ganz in Ruhe quatschen kann, während sich 45 Kinder langweilen. Ich sitze auch in dem Kreis; bin quasi eins der Kinder, das wartet. Also fange ich halt an mit den Kindern im Umkreis zu spielen. Sie sagen die Tiere, die sie sehen wollen, ich imitiere sie. Wir haben eine Menge Spaß. Aus den Augenwinkeln kann ich eine Migration von Kindern in meine Richtung beobachten, der perfekte Kreis weist allmählich große Lücken auf, während meine Ecke 2 Reihen hintereinander hat. Irgendwann fangen wir an zu schunkeln und zu singen.

Der Moment, indem den Lehrerinnen wieder einfällt, dass sie ja eigentlich ein paar Kinder zu betreuen haben. Mein Kreativer Ausbruch wird damit belohnt, dass die Kinder sich von mir wegsetzten müssen. Maaaan, ich wurde vorher noch nie auf die Einzelbank gesetzt….

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„Hellooooooo, Hellooooooo, CHALAAAAAAAA!“ Werde seit 30 Minuten ignoriert. Ich bin schon 3 Mal gegangen um zu fragen, ob ich bestellen kann und 2 weitere Leute, die Mitleid mit mir hatten, auch. Tanto ist wieder offen.

Für ein Abendessen hier, wird auch keine Fahrt im Dunkeln durch einen Sturm gescheut, denn es ist es wert; wenn man was bekommt, was normalerweise kein Problem ist. Normalerweise. Warum sieht mich bloß keiner?

 

Ich glaube ich sehe ein bisschen jämmerlich aus. Völlig durchnässt und alleine. Der Fan über mir und dass sie die Lampen bei mir ausgemacht haben macht´s auch nicht besser. Als wäre das nicht genug, fragt mich Rajaveni nach einer Weile, ob denn noch wer komme. „Ja, schon.“                                                                                                            Mit Andreas kommen dann auch endlich der Kellner und die Pizza, sogar das Licht!

Solange habe ich die Reste von Rajaveni und Balu(mein Chef und seine Frau) gegessen.  Wow, ich bin ein Hund. Nur das ich an einem Tisch sitzen darf und noch keiner Steine nach mir geworfen hat. Ist das sehr komisch? Also ich kann das ganz ehrlich gesagt nicht mehr einschätzen, aber mir kam es vor wie ein guter Deal-  gratis Pizza.^^


3 Comments »

  1. Kai sagt:

    Herrlich, herrlich … wie habe ich diese Berichte vermisst. Freu mich schon auf vielleicht noch weitere Berichte.
    Liebe Grüße unbekannter Weise. Und auch einen ebenso lieben Gruß an Nora 🙂

    Kai

  2. Dorothea sagt:

    Toller Bericht! Danke, Isabel!
    Vielen Dank auch an Dominik, der so fleißig schreibt und toll fotografiert.
    Es macht großen Spaß, euren Blog zu verfolgen!
    Liebe Grüße (auch unbekannterweise) und auch ganz liebe Grüße an Leo (sehr bekannterweise) von Doro

  3. Gabi sagt:

    so schön zu lesen deine Zeilen- zu blöd dass wir bald nicht mehr in den Genuss kommen sie zu lesen.
    Gabi

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