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Zurück von den Toten

7. Dezember 2013 von Isabel

11.11.2013 (Der Beitrag ist an sich nicht neu, nur dass ich vor kurzem erfahren habe, dass ich beim Bloggen alles falsch gemacht habe und jetzt nachbessern muss)

18:10 Uhr. Stockdunkel draußen und Powercut. JUHU!!!! Ich werde gerade förmlich gezwungen zu schreiben. Hm… Wie lange ist der letzte Eintrag her? Lieber nicht darüber nachdenken, denn ich kann die geistigen Ohrfeigen ziemlich deutlich spüren.

Schon merkwürdig man betätigt den Schalter: „klick“, „klick“, „klick“ Ach so! Stimmt ja, kein Strom. Es ist wirklich spannend. Man lernt nur so, die Dinge zu schätzen. Wenn man Pech hat, ist auch kein Wasser da- Pumpe braucht Strom. Man dreht den Wasserhahn auf: nichts. Und immer wieder versucht man es unbewusst. Oh, stimmt ja: Hände waschen is´nich´.

Kochen geht noch, weil alle einen Gasherd haben. Aber wenn ich dann den Kühlschrank aufmache und nichts sehe, fällt mir wieder ein, dass ich das Licht gar nicht nur zum Spaß ausgemacht habe.

Wer sich jetzt vorstellt: „Arme Isabel, lebt in einem Loch in Indien und macht Grenzerfahrungen.“ Ähem, nein, eig. nicht.

Ich lebe das erste Mal in meinem Leben alleine und das in einer sehr großen, sehr luxuriösen (AC, Waschmachine, Kühlschrank, Wasserfilter, Mülltrennung, 😮 KÜCHE!!!) Wohnung. Wie kann das Kind sich das leisten? Ganz einfach: Ich mache „housesitting“. Das heißt im Grunde wohne ich in einer fremden Wohnung und passe dort auf eine Katze namens Sally auf. Das Ganze für drei Wochen. Vorher bin ich aus meiner Gastfamilie ausgezogen. Nicht weil es Probleme gab, ich gehe sie jetzt immer besuchen, sondern weil das mein neues Hobby ist: umziehen.

In meiner Gastfamilie war es wirklich schön. Ich habe jetzt eine indische Mama, einen Vater, Schwester und Bruder. Ihr Haus ist genau in der Mitte von Auroville, gegenüber vom Matrimandir, zentraler geht es eigentlich nicht.

What else? Es ist schwierig etwas Genaues auszuwählen, worüber ich schreiben kann. Ich meine was würdest Du schreiben, wenn Dich jemand fragt: „Wie ist Dein Leben?“- „Ähm, gut, sehr gut sogar.“ Und weiter? Eigentlich müsste jetzt das deutsche Lieblingsthema folgen: Wetter. Das Wetter ist gut, zu gut. Eigentlich sollte es regnen. Das hat es aber nur einen Tag richtig stark, sonst scheint die Sonne und wir haben zwischen 28 und 36 Grad. Wir brauchen aber den Regen. Kein Regen jetzt, heißt kein Wasser morgen.

Eigentlich gibt es tausend Dinge, über die man berichten kann. Wasser z.B. Hier gibt es den ziemlich cleveren Brauch Becher nicht mit dem Mund zu berühren, wenn man trinkt. D.h. am Wasserspender hat man nur ein Glas, womit hunderte von Menschen trinken können ohne dass es auch nur ein bisschen unhygienisch wäre. Es ist sogar umweltfreundlich, was hier leider viel zu wenige Dinge sind.

Es tut schon weh, wenn man durch die Dörfer fährt und man die Leitungen aus den Häusern raus ragen sieht, die die Abwässer einfach auf die Straße leiten. Was glaube ich, egal welchem Angehörigen unserer Mülltrennernation mit am meisten schmerzt ist zu sehen wie Plastik, Bio, Papier etc. einfach zusammengeworfen und verbrannt wird.

Wenigstens in Auroville selber wird versucht Mülltrennung zu etablieren, was dennoch leider nicht überall getan wird, wie ich leider am eigenen Leib erfahren musste.

Ich hatte das unglaublich Vergnügen den Müll vom Bamboo Centre mit den Händen auf einen Truck zu laden. Der Beste Part war auf die Ladefläche in die Müllpampe zu steigen, angesichts der ganzen Maden und des Geruchs den Brechreiz krampfhaft zu unterdrücken und eine Tonne richtig gut auszuleeren. Spätestens da ist man motiviert genug etwas zu ändern.

 

Neuer Absatz, neues Thema. Ich liebe die Frauen bei meiner Arbeit. Sie sind unglaublich herzlich und liebenswert. Sie teilen ihr Essen mit mir, laden mich zu sich ein, versuchen mit mir zu reden auch wenn mein Tamil unglaublich schlecht ist. Ich will wieder anfangen abends zu lernen. Ich muss leider sagen, dass ich ziemlich faul in den letzten Wochen war, in vielerlei Hinsicht. Ich hatte auch angefangen morgens schwimmen zu gehen und nachmittags einen anderen Sport zu machen und das habe ich alles etwas schleifen lassen. Ab morgen ändert sich das aber: 6.45-8 am „Well being workshop“. Bin mir nicht so sicher was genau das jetzt ist, aber das werde ich ja morgen sehen. Um 8.30 ist dann der Morgenkreis bei der Arbeit. Jeder, JEDER muss pünktlich sein und wundersamer Weise ist 8:33 auch hier zu spät. Um 9 fängt ein Construction Workshop mit 65 Architekturstudenten aus Delhi an. Ich helfe mit und dokumentiere. Es macht richtig Spaß. Ganz viele neue Leute.

Heute war ich aber schon etwas entsetzt als mich ein 22-jähriger tatsächlich „Mam“ genannt hat. „Yes, mam.“ „No, mam“. „Are you calling me Mam?!“  „Yes?“ “Don´t do that!!!!!”

In Auroville wirst Du nie ein „Sie“ hören, also wundert Euch nicht wenn ich plötzlich so „unhöflich“ aus Indien zurück komme.


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