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  1. 2. Quartalsbericht für mein freiwilligen Jahr in der Isai Ambalam School

    Februar 18, 2023 by Jonas Eisner

     Hallo und herzlich willkommen zum Auroblog alle zusammen!

    Jetzt sind es schon fast 6 Monate seit wir in Auroville angekommen sind, damit wird auch schon der nächste Quartalsbericht fällig. Ich denke zunächst ist es mal wichtig zusagen, dass es mir mittlerweile in Indien und Auroville sehr gut geht. Ich hatte ja vor allem die ersten drei Monate sehr mit Überforderung im Projekt und einigen Krankheiten und Verletzungen zu kämpfen. Inzwischen fühlt es sich so an, als hätte ich diese Phase endlich überwunden, wodurch jetzt ganz viel Energie und Kraft wieder frei wird. Das fühlt sich irgendwie befreiend an. Das es jetzt schon 6 Monate sind fühlt sich auf der anderen Seite ein bisschen beängstigt an, da ich nicht das Gefühl habe schon fertig oder besser halbfertig mit Auroville und meinen Erfahrungen hier zu sein. Es fühlt sich für mich nach wie vor so an, als könnte mir Auroville noch sehr viel mehr bieten und beibringen. Auf der anderen Seite fühle ich mich nach diesen 6 Monaten schon sehr in Auroville angekommen, immer wieder fühlt es sich wie Zuhause an und manchmal kommen auch Vorstellungen darüber wie es wäre in Auroville zu leben, das ist natürlich ein sich ständig veränderndes Bild, stets aber eine schöne Vorstellung. Auch sind gerade meine Mutter und meine Schwester zu Besuch, wodurch natürlich nochmal ein Perspektivenwechsel stattfindet. Plötzlich bin nicht mehr ich der Neue der keinen Plan hat sondern meine Familie ist neu hier und ich plötzlich der der schon, nicht alles aber, vieles weiß. Ich zeige ihnen Auroville, erkläre Abläufe etc. Das gibt mir auch ein schönes Gefühl und zeigt mir einfach, dass ich hier nun doch nicht mehr so Neu bin.

    Wenn ich jetzt auf die letzten 3 Monate so zurückblicke, dann fällt mir auf, dass sich seit dem einiges Verändert hat. Im ersten Viertel meines Aufenthaltes hier, hatte ich sehr mit Überforderung zu kämpfen, ich fand auch nicht wirklich in einen Rhythmus, in dem ich gut arbeiten und leben konnte, was zwar bestimmt auch auf die Verletzungen zurück zu führen ist, allerdings bin ich mir recht sicher, dass auch die Verletzungen etwas mit meiner generellen Verfassung zu tun haben/ hatten. Die größte Herausforderung war wahrscheinlich tatsächlich die Kommunikation mit meiner Einsatzstelle darüber was für mich möglich und was für mich nicht möglich ist. Was ich leisten kann und was ich nicht leisten kann. Das alleine klingt jetzt vielleicht nicht allzu schwierig, es wird aber deutlich komplizierter wenn man in Rücksicht nimmt, dass diese Grenze mir selber vielleicht nicht so ganz klar war, beziehungsweise ich sie nicht akzeptieren wollte. Ich wollte mehr tun als ich konnte und hatte dann mit Überforderung zu kämpfen. Auch die Kommunikation mit der Schule war dadurch vielleicht auch von meiner Seite einfach nicht so klar, weil ich mir immer wieder dachte „ Hey stop, ich kann das doch! Lass mich das nochmal versuchen. Ist schon so okey so wie es ist…“ Zu erkennen, dass da vielleicht auch Fehler auf meiner Seite passiert sind und nicht nur auf Seiten der Schule, das ganze dann auch noch zu akzeptieren und daran zu arbeiten war für mich definitiv nicht einfach. Inzwischen habe ich was das angeht aber einen guten Weg gefunden. Ich arbeite jetzt einfach viel weniger Stunden in der Schule (ich habe weniger Klassen) und kann dadurch den Restmeiner Arbeitszeit dafür verwenden meine Unterrichtsstunden vor- und nachzubereiten. Abgesehen davon schreibe ich mittlerweile ein Protokoll in meinen Klassen um festzuhalten, was gut, mittel oder schlecht funktioniert hat. Wo meine Schüler Schwierigkeiten haben um dann in der nächsten Stunde daran arbeiten zu können. 

    Bei diesem ganzen inneren Prozess, das möchte ich erwähnen, war das erste Zwischenseminar und insbesondere Julia eine große Hilfe. Ich hatte meine Probleme zur Kollegialen Fallberatung als Beispiel vorgeschlagen woraufhin wir das ganze besprochen hatten und tatsächlich von Julia der Beitrag kam, dass da ja vllt auch ein innerer Konflikt bei mir selber vorliegen könnte. Das hat dann den Stein zum Rollen gebracht.

    Inzwischen geht es mir in meinem Projekt also super. Ich bin wirklich glücklich unf fühle mich nützlich. Ich kann etwas bewirken!

    Etwas anderes, nicht wirklich eine Herausforderung aber eine Erfahrung die ich hier gerne Teilen möchte hat ebenfalls in den letzten Monaten viel Zeit und Energie aufgebraucht. 

    Ende Januar kam nach mehreren Anläufen meine Mentorin Kavitha auf mich zu und erzählte mir über ihre momentane Situation und wie sich ihr momentaner Newcomer Status negativ auf ihre Finanzen niederschlägt und ihre Familie jetzt nicht mehr fähig ist die fast abgeschlossene Ausbildung zur Krankenschwester ihrer Tochter zu bezahlen. Sie bat mich also um Geld, worauf ich antworten musste, dass ich als Student und Freiwilliger natürlich gerade nicht Geld zum Spenden zur Verfügung habe. Insbesondere nicht 75.000 Rupies. Ich wollte allerdings helfen und startete deswegen ein Fundraising, das ich über alle meine Social Media Kanäle und per Email veröffentlichte. Anfangs hatte ich wenig Hoffnung damit wirklich etwas erreichen zu können, ich blieb aber hartnäckig und postete immer wieder und erinnerte die Menschen daran, dass da eine junge Frau ist, die ohne diese Ausbildung aufgeschmissen ist und das jede Spende noch so klein einen Beitrag dazu leistet, dass diese junge Frau sich einen Beruf und damit finanziell absichern kann. Und es funktionierte, langsam kamen immer mehr Spenden rein, von 2,3,4 Euro bis zu 50 Euro pro Spende. Ich fragte dann nochmal Kavitha wie viel Geld wir denn genau bräuchten um die Ausbildung zu finanzieren und sie sagte mir dass sie es irgendwie von 75.000 auf 50.000 Rupies runterhandeln konnten. Diese Summe haben wir vor einigen Wochen erreicht und ich bin dann mit dem Geld, Kavitha und ihrem Mann zu der Ausbildungsstelle gegangen um das Geld zu bezahlen. Auf der Rechnung standen dann 75.000 Rupies, obwohl ich sicher sagen kann, dass wir tatsächlich nur 50.000 bezahlt haben. Danach kam ein unvorstellbarer Dank von meiner Mentorin und ihrem Mann, beide hatten Tränen in den Augen und es fielen Sätze wie: „ we will never forget about this in our lifes. We can not thank you enough jonas!“ Das war für mich eine unglaublich schöne Erfahrung, ich musste im Endeffekt keinen Euro bezahlen um dieser Familie zu helfen und zusehen, wie Menschen spenden um jemandem zu helfen und dass das ganze dann auch noch so gut funktioniert hätte ich mir nie erträumt. Unglaublich schön.

    Wenn ich darüber nachdenke, was Auroville mit mir gemacht hat, wie sich Auroville auf mich auswirkt/ ausgewirkt hat, dann spuckt mein Gehirn vor allem anderen ein Thema aus. Meine Vorstellung davon, wie man ein Leben zu leben hat. Aus Sicht eines in Deutschland geborenen und in Deutschland zur Schule gegangenen jungen Erwachsenen. Also vollständig geprägt durch das europäische Lebensbild. Schule, Abitur, (vllt FSJ), Studium, Karriere und Familie. Für mich hat das mit meinem Traum davon Medizin zu studieren und Arzt zu werden, neben all den schönen Vorstellungen die damit verbunden sind, auch eine andere Seite gehabt. Für mich ist Medizin schon immer ein Traum, ich liebe den Menschlichen Körper und mit ihm zu arbeiten. Mit diesem Interesse direkt Menschen helfen zu können ist für mich die ideale Jobwahl. Allerdings bin ich überhaupt kein Fan vom deutschen/westlichen Gesundheitssystem. Wie Menschen durch Krankenhäuser geschleust werden, wie Teile auf dem Laufband, ist für mich keine sinnvolle medizinische Behandlung. Abgesehen davon ist die Vorstellung in einem Krankenhaus in Deutschland Karriere zumachen für mich wirklich nicht die schönste. Diesem System vollkommen ausgeliefert zu sein und jeden Tag ausgebeutet zu werden (gerade als junger Arzt, Facharztausbildung etc) ist für mich beängstigend. 

    Diese Sorge war mit dem Traum von Medizin also immer verbunden. 

    Inzwischen habe ich einen Medizinstudienplatz in Graz und werde mein Studium im Oktober antreten. Ohne diese Angst.

    Die letzten 6 Monate in Auroville haben mir eine so alternative „Lebensform“ gezeigt, all diese verschiedenen Menschen mit so unterschiedlichen Geschichten, die hier Leben und sich ihr Leben so gestalten wie es ihnen gefällt. Durch sie wurde mir klar, dass ich nicht an Deutschland/den Westen gebunden bin. Dumm gesagt: wenn ich kein Bock mehr auf Krankenhaus Karriere habe, komme ich nach Auroville arbeite hier 9-5 als Arzt und verbringe den Rest meiner Zeit mit Surfen 😉

    Nein also tatsächlich habe ich seit ich hier bin mehr und mehr die Angst vorm Medizinstudium und Arztleben verloren, dabei ist es egal ob ich irgendwann hierher zurück komme oder in Deutschland bleibe. Wichtig ist nur, dass ich diese Angst überwinden konnte, da das mir ein viel besseres mindset für das ganze ermöglicht.

    Vielen Dank fürs lesen, hier noch ein paar Bilder und bis bald 😉


  2. 1. Quartalsbericht Isai Ambalam School

    Februar 18, 2023 by Jonas Eisner

    Bevor ich euch hier meinen Bericht rein kopiere möchte ich nochmal kurz sagen, dass die wahrscheinlich viel bessere Quelle für Informationen mein eigener Block unter Jonasinauroville.com ist. Dort findet ihr ausführlichere Berichte die sich auch nicht nur um mein Arbeitsleben drehen. Schaut also gerne mal rein!

    Nach unseren Vorbereitungsseminaren und voller Freude ging es für mich am 23.08.22 ins Flugzeug nach Chennai, nachts am 24.8. sind wir gelandet und wurden von einem klein Bus gemeinsam mit einem Teil der restlichen Freiwilligen abgeholt und schon ging es nach Auroville. Dort angekommen fielen wir alle erst mal todmüde ins Bett. Die ersten Tage waren dann gefüllt mit Orgakram und Besichtigungen der Einsatzstellen in Auroville. Anfang September hatte ich dann meinen ersten Arbeitstag in der Isai Ambalam School. Die Isai Ambalam School ist eine Outreach school Aurovilles, das bedeutet dass ich nicht mit Kindern aus Auroville sondern mit Kindern aus den umliegenden Dörfern arbeite. Die Schule umfasst die 1. bis 8. Klasse. Bevor ich anfing zu arbeiten lernte ich erstmal den Projekt Leiter Sanjeev und meine Mentorin in der Einsatzstelle Kavitha kennen. Kavitha ist dabei meine Ansprechperson, da Sanjeev aufgrund von anderen Projekten in der er involviert ist häufig nicht da ist. Dementsprechend findet meine Kommunikation meist mit Kavitha und nur gelegentlich direkt mit Sanjeev statt. An meinem ersten Arbeitstag wurde mir dann gleich ein Stundenplan gegeben, dem ich folgen sollte. Meine erste Stunde war eine 1. Klasse Englisch Unterricht. Zusammen mit einer anderen Lehrerin begann ich also die Stunde. Die Lehrerin ließ mich erstmal machen, also versuchte ich mit den Kindern zu kommunizieren und ihre Englischkenntnisse abzutasten. Schnell stellte ich fest, dass es für mich der kaum Tamil spricht unglaublich schwierig ist mit den Kindern zu arbeiten. Darauf folgten eine dritte, fünfte und sechste Klasse. Alle mit dem gleichen Ergebnis: die Kinder sprechen kaum englisch beziehungsweise sind sehr schüchtern mit mir auf Englisch zu kommunizieren. Abgesehen vom Englisch Unterricht hatte ich Sportunterricht, manchmal mit einzelnen Klassen meistens jedoch mit mehreren Klassen gleichzeitig. Teilweise stand ich vor einer Gruppe Schülern Bestehens aus 1. bis 7. Klasse, also im Alter von sechs bis vierzehn. Für eine Gruppe mit diesen immensen Altersunterschieden fiel es mir unglaublich schwer erfolgreich Sportunterricht zu geben. Spiele die für die ersten Klassen geeignet sind, langweilen die älteren Klassen zu Tode. Ohne die älteren Schüler war es für mich aber unmöglich Spiele für die kleineren anzuleiten, da niemand für mich übersetzen konnte. All das endete damit, dass ich nach jedem Arbeitstag unglaublich erschöpft und frustriert nach Hause kam. Meine Erwartungen davon, wie ich hier unterrichten kann haben sich einfach nicht erfüllt. Nicht weil ich unfähig bin mein Wissen aus Schulpraktikas oder Sportkursen wiederzugeben, sondern weil die Sprachbarriere und die in der Schule gegebenen Strukturen es nicht zu ließen. Immer wieder lag ich also Abends im Bett und musste mir einreden, dass Morgen ein guter Tag wird, ich das hinbekomme und alles gut wird. Morgens aus dem Bett zu kommen viel mir dann immer noch sehr schwer und mit der Zeit sammelte sich immer mehr Frustration und Antriebslosigkeit an. Nach den ersten Vier Wochen war ich dann mehr oder weniger weit genug um um einen Projektwechsel zu bitten. Bei unserem ersten Monatstreffen Anfang Oktober sprach ich dann mit meinen Koordinatoren und Mentoren aus dem Weltwärtsprojekt. Diese hörten sich meine Bedenken an und baten mich es noch ein bisschen länger zu versuchen, worauf hin ich zwei Dinge tat. Ich ging auf Sanjeev und Kavitha zu und meinte, dass es für mich so nicht wirklich möglich sei weiterzumachen. Die erste Klasse im Englisch Unterricht mache keinen Sinn und auch in den anderen Klassen brauche ich mehr Unterstützung von Seiten der Lehrer. Außerdem wurde mir bewusst, dass ich mit dem von mir an den Tag gelegten Mindset darüber wie in meiner Vorstellung eine Unterrichtsstunde aussieht, nicht weiter komme. Ich legte also alle meine Erwartungen ab und ging völlig frei von ihnen in jede meiner Stunden. Das hatte zur Folge, dass ich nicht jedes mal vollkommen frustriert aus den Stunden kam. Außerdem trug das Gespräch mit Sanjeev und Kavitha recht bald Früchte. Von jetzt an übernahmen meist die Lehrer die Führung der Unterrichtsstunde und ich half mit. Seit dem fühle ich mich in meiner Einsatzstelle immer Wohler und freue mich auf die jeden neuen Arbeitstag. Ich habe neuerdings angefangen mir selbst und den Unterrichtsstunden eine Struktur/ Plan zu geben, dem ich folgen kann. Grammatik Unterricht für die 6. Klasse, Vokabeln durch Spiele mit der 3. klasse und in meiner fünften Klasse wird viel gelesen. Im Sport nehme ich mir immer kleine Gruppen in denen ich spiele anleitet oder zum Beispiel Volleyball Übungen durchführe. Leider hatte ich die letzten Wochen dann mit einigen Verletzungen zu kämpfen weshalb ich kaum arbeiten konnte und viel im Bett gefangen war. So langsam bin ich aber wieder auf dem aufsteigenden Ast und freue mich wieder regelmäßig Arbeiten und auch wieder selber Sport treiben zu können, da dass natürlich auch nicht möglich war.