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‘Rückkehrer’ Category

  1. Coming home?

    November 13, 2017 by Theodor Sperling

    Wegzugehen ist nicht einfach. Weg von Freuden. Weg von den Menschen, die man mag. Weg von dem bekannten und geordneten Leben. In ein Land das unterschiedlicher nicht sein könnte. Sich umzustellen und mit den geänderten Bedingungen zu leben ist nicht so einfach wie, man es sich vorher vorgestellt hat. Das Wetter ist gänzlich anders, die Menschen sprechen eine gänzlich andere Sprache und sind schlichtweg anders. Der Verkehr lauft nach anderen Regeln, die deutlich schwerer zu verstehen sind und alles ist so hektisch. Und mein Magen hat sich noch immer nicht gänzlich an der Essen gewöhnt.

    Mir geht es hier gut, ich hab ein Zimmer in einem festen Haus, täglich mehr zu tun und finde mich täglich besser zurecht, doch dennoch sehne ich mich zurück.

    Ich vermisse es am Morgen von den Streifenhörnchen geweckt zu werden. Ich vermisse die Musik morgens um 4, die Leichtigkeit, das Essen und nicht zuletzt die Arbeit auf er Farm. Ach wenn ich die Augen schließe sehe ich noch immer Indien.

    Ich bin im August mit den anderen aus Auroville zurückgekommen, aber noch immer nicht in Deutschland angekommen.

    Nach dem Rückflug war ich für sechs Wochen in Berlin, hatte aber volles Programm. Wie ich vor einem Jahr gelernt habe, hilft schließlich tun am besten gegen Heimweh.

    In den ersten Tagen und auch der erste Woche waren es nur die erwarteten Kleinlichkeit, die hier nicht hineinpassen. Das Essen mit den Fingern, auf der Straße links fahren, meine Würzung von Essen. Bei all dem war meine Umgebung (relativ) Tolerant. Nur ein paar entgeisterter Blicke und Zurufe von Autofahrern und eine Familie, die nur wenig von meinem Essen aß.

    Für mich problematischer wurde es beim Einkaufen. Während Aldi und co gerade noch auszuhalten sind, wenn ich genau weiß, was ich wo will, kann ich größere Läden wie Kaufland kaum mehr betreten. Erst jetzt merke ich in was für einem Überfluss wir hier leben. Es ist für mich nicht zu verstehen warum wir 40 Nudelsorten zur Auswahl haben müssen und das Obst vom Morgen, dass mittags noch nicht verkauft ist, entsorgt werden muss.

    Auch die Lebenseinstellung ist hier gänzlich anders. Hierzu eine kleine Anekdote.

    Als ich einem Bekannten erzählte, dass ich einen halben Tag nur in einem Wald gewesen sei und dort den Vögeln zugehört hatte, sagte dieser „Pass aber auf, dass du das nicht zu häufig tust. Du muss was Vernünftiges lernen damit du mal Geld verdienen kannst und glücklich wirst.“ Als Nachsatz kam noch. „Du hast doch jetzt schon ein Jahr (in Indien) verloren, jetzt musst du dich aber ran halten.“

    Das dieser Halbe Tag im Wald mich glücklich gemacht hat, wie kaum etwas anderes, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

    Draußen hört man häufig Deutsche seien nur auf Arbeit und Geld aus. Es stimmt leider. (Es gibt zum Glück einige Ausnahmen)

    Eine Andere ungewohnte Sache ist das Deutsch. Alles sprechen hier deutsch und viel dramatischer, alle verstehen es auch noch. Wasser einfach aus dem Hahn zu trinken ist ebenfalls noch immer ungewohnt.

    Das unangenehmste aber war das Wetter. Von 30° C in der Nacht zu 14 °C und Regen. Die ersten Tage wollte ich immer nur in Sandalen und T-Shirt raus, da war die erste Erkältung schon einprogrammiert.

    Aber Deutschland hat auch Vorteile. Endlich wieder Weihnachtssachen am 20. August kaufen, einen richtigen Herbst mit bunten Bäumen erleben und keine 10 Stunden für 600 km Bahnfahrt brauchen. Dafür ist aber auch alles sooo teuer.

    PS: Den ersten Teil des Textes habe ich vor einem Jahr in Indien geschrieben und nur ein wenig angepasst. Und die Frage wo ich Zuhause bin werde ich wohl noch eine Weile nicht eindeutig beantworten können.


  2. Ein Jahr – Zuhause und doch ganz woanders?

    August 17, 2017 by Kaya

    Wiedergekommen sind wir (die 8. Generation) am 8. August 2016, also vor etwa einem Jahr.

    Dass wir jetzt genauso lange wieder hier sind, wie wir in Auroville gelebt haben haut alle mit denen ich drüber gesprochen habe schlichtweg vom Hocker. Ich hoffe der folgende Artikel beschreibt ein bisschen wie das Ankommen sein kann.

    Natürlich kann ich nur aus meiner Perspektive beschreiben wie das letzte Jahr war und sicher erlebt jeder die Zeit ein wenig anders, aber ich denke, dass es Vielen in gewissen Dingen sehr ähnlich geht und vielleicht hilft dieser Artikel dabei ja…

     

    Flughafen Chennai…

    Die Eindrücke die Indien hinterlassen hat sind überall in meinem Zimmer zu finden: Bilder und eine Auroville-map an der Wand, mit Kolams bedruckte Tagebücher im Regal, es fliegen indische Klamotten herum, die darauf warten von Hand gewaschen zu werden, weil sie die Waschmaschine nicht mögen. Auf einem kleinen Regal verstaubt die Ganesh Statue, die mir die damalige Disciplin-Gang zum 19. Geburtstag schenkte. An all den Dingen haften unglaublich viele Erinnerungen, beinahe als hätte ich versucht ein bisschen Indien mitzunehmen.

    Witzigerweise denken immer alle Leute das Weggehen wäre am schwierigsten. Aber tatsächlich war das Jahr in Auroville eine große Chance auszuprobieren wie das Leben sein könnte, eine Art Traumwelt wo so Vieles möglich war und die Verpflichtungen so gering. Es war von Anfang an klar, dass dieses Jahr wieder zu Ende gehen und wir „Nachhause“ fliegen würden.

    Im Gepäck hatten wir nicht nur Gitarren, eine Dosai-Pfanne, Tagebücher und bunte Saries, sondern hauptsächlich unglaubliche Momente, Erinnerungen, Eindrücke, Freundschaften und einen großen Haufen Tatendrang.

     

     

    Herbst

    An meinem ersten Morgen in Berlin lag ich in meinem Bett und fragte mich warum es so leise ist, vermisste die Geräusche der Farm und des Waldes und die Streifenhörnchen die garantiert gerade 6000km entfernt durch meine leere Kapsel jagten.

    Rückkehrerseminar und die große Frage „Wohin geht’s als nächstes?“

    Das Rückkehrer Seminar war Mitte September, also ca. einen Monat nach unserer Heimkehr. Wir waren alle irgendwie wieder angekommen und lachten über unsere anfängliche Panik in deutschen Supermärkten und freuten uns über das indische Kopfnicken, dass die meisten von uns immer noch unbewusst machten. Gleichzeitig merkten wir, wie gut es tut von Leuten umgeben zu sein die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die wissen was genau man meint, wenn man vom Schoko-Eis auf La Terrasse oder vom Verkehr auf der ECR redet.

    Kurzum, die meisten von uns hatten das Gefühl, das schlimmste Rückkehrer-Tief bereits überwunden zu haben.

    Wir verstreuten uns wieder in ganz Deutschland. Einige zogen gleich weiter, durch EcoVillages in Europa, mit Fahrrad in die Sahara oder zusammen durch Asien.

    Wie fast die Hälfte von uns fing ich an zu studieren. Ich hatte das Gefühl noch ein Jahr reisen würde meiner Motivation (konzentriert) in einem Hörsaal zu sitzen nicht gerade guttun. Rückblickend die beste Entscheidung.

    Die Ersten Monate in Deutschland waren Wunderbar – Endlich wieder die vermisste Familie und Freunde sehen, lange Erzählen was man alles erlebt hat, mit dem Fahrrad durchs nächtliche Berlin radeln und im Sari durch die Wohnung tanzen 😊 Dazu kam der Start der Uni und mit ihr viele unglaublich faszinierende Menschen, die ich kennenlernen durfte.

     

    Winter

    Erst später kam dann das wirkliche Rückkehrertief. Alle in AV hatten mir gesagt, dass ich was Ordentliches studieren soll, ein wenig Arbeiten, die Welt kennenlernen und dann immer noch entscheiden könnte ob ich nach Auroville ziehen möchte.

    Nach einigen Monaten Uni kamen dann aber Zweifel auf, ob das wirklich das Richtige ist. Der Studiengang ist zwar irre schwer aber eigentlich von den Themen her genau das, was ich machen möchte und was mir Spaß macht. Trotzdem hatte ich das Gefühl irgendwie das Falsche zu machen. Ich wollte wieder was bewirken, draußen sein und nicht nur das Gefühl haben stupide Matheaufgaben vor mich hin zu rechnen.

    Also ging ich wieder mehr zu Greenpeace, versuchte irgendeine Aufgabe zu finden die „richtig“ ist. Vince und ich kleisterten irgendwann den halben Boxi mit Plakaten zu einer großen Agrardemo voll und halfen bei der Demo als Ordner, wo plötzlich auch Jely auf einem Traktor an uns vorbeifuhr.

     

    In dieser Zeit verklärte Auroville für mich zu einem Idealbild wo alles so schön und einfach war und das Leben definitiv von mehr Freiheit geprägt war als hier.

    Letztendlich waren sogar meine (wunderbaren und sehr geduldigen) Freunde genervt von meinen Erzählungen, gemäß: „Dann geh doch zurück nach Indien wenn‘s da so schön ist.“ Aber irgendwann merkte ich, dass ich da eigentlich auch nicht mehr hinwollte. Ich wollte einfach nur raus, was erleben, neue Dinge entdecken, dem Unialltag und dem Winter entfliehen, Zeit zum Nachdenken haben und mal wieder schreiben. Witzigerweise merkte ich dann, dass es denjenigen von uns, die gerade diese „Freiheit“ lebten meist auch nicht viel besser ging – zu viel Zeit zum Nachdenken kann genauso schnell Probleme mit sich bringen.

     

    Sylvester trafen sich ein paar von uns Weltwärtslern in Vellmar bei Kassel (Felix hatte eine Deutschlandkarte genommen und die Mitte unserer Wohnorte errechnet). Es war draußen eiskalt und die tolle Ferienwohnung so kuschelig dass wir kaum je rausgingen. Schnell lag man wieder faul auf den Sofas und erzählte einander von beinahe Motorradunfällen oder lachte über die tamilische Variante von Ziemlich beste Freunde.

    In der Woche wurden so viele tolle Sprüche gekloppt, dass ich irgendwann mein Notizbuch holte und anfing mitzuschreiben 😉 hier ein paar davon: (wer uns kennt kann ja versuchen sie richtig zuzuordnen, als Urheber kommen in Frage: Jana, Jely, Felix, Laura und Caro)

    „Ihr Wessis mit eurem beschränkten Vokabular.“

     „Also mit Beziehungen, das ist so wie wenn du mit einem Motorrad gegen eine Kuh fährst.“ „Ahm, also?“ „Also wenn du mit deinem Motorrad gegen eine Kuh fährst dann gibt es noch tausend andere Kühe und tausend andere Motorräder!“

    „Entweder du folgst, oder die Decke ist weg.“

    „Für jede Lüge gibt es Abzug von deinem Schokoladenstück“

    „Community ist, wenn Andere für mich Kochen.“

    Erster Sonnenaufgang 2016

    Letzter Sonnenuntergang 2016

    Kalt…

     

    Frühling

    Den ersten wirklich warmen Frühlingstag verbrachte ich im März auf Annekes Terrasse in Tübingen.

    Vier Tage vorher hatte mich Caro mit der Aussage „Ich finde du solltest nach Stuttgart kommen“ angerufen, und da ich einfach zu überzeugen bin (und eine günstige Verbindung fand) fuhr ich zu Felix und Caro nach Stuttgart.

    Da das mit Felix und Caros Tandemreise durch Peru bis dahin nicht geklappt hatte ging es nun halt mit Tandem und Lastenesel durch die Stuttgarter Anden nach Tübingen.

    Die Verblüffung auf Annekes Gesicht machte die schwierige Fahrt wett und am nächsten Tag kamen noch Flo und Laura. Es war wunderbar sonnig, überhaupt ist Tübingen einfach wunderbar mit seinem Studentenleben und die halbe Zeit saßen wir auf Annekes Terrasse wo sie und Caro wieder die Gitarren hervorholten und wir eine Tafel Ritter Sport nach der anderen verzehrten, weil, (Zitat Felix) „Ist ja lokal!“.

     

    Zwar wurde der Frühling immer noch von krassen Fernwehanfällen geprägt, aber ich fing an mich Abzulenken, begann Klarinette zu lernen und mich so stark zu beschäftigen, dass für Fernweh schlicht keine Zeit mehr blieb.

    Ich fing an mit älteren Studis an der Ausgabe unseres Magazins zu arbeiten, was ausnahmslos witzig und anstrengend war, und was ich ohne die bei WasteLess gelernten Fähigkeiten so nicht hinbekommen hätte. Es tat gut endlich mal wieder etwas in den Händen zu halten, wo man einen Haufen Arbeit reingesteckt hat.

    Später kamen auch Frederic und Catha von ihrer Asienreise zurück, hatten unglaubliche Dinge zu erzählen und standen komischerweise immer noch so auf Tofu wie vor einem Jahr. Kaum angekommen hatten die beiden schon wieder neue Pläne was man machen könnte und waren die meiste Zeit des Tages beschäftigt.

    Vor der Uni noch schnell Picknicken

    Zu der Zeit war ich selbst jeden Abend unterwegs, alles war plötzlich spannend: politische Diskussionen, kleine Konzerte in versteckten Kneipen, legendäre Grillpartys bei Freunden, abendliches Rumsitzen am Kanal, Feste die Berlin einfach feiert wie keine andere Stadt – und jedes Wochenende war irgendwie auch mit kleinen Reisen verplant.

    Eine von diesen Reisen ging zu den AVI-Tagen nach Gut Frohberg, wo ja auch die neuen Weltwärtsler die bald nach AV fliegen (oder schon geflogen sind?) ihr erstes Seminar hatten.

    Der Rollenwechsel war extrem witzig: plötzlich waren wir diejenigen, die die Fragen beantworteten (Wo kann man eigentlich in Sadhana..?), Geschichten erzählten, bei bestimmten Stichworten plötzlich laut loslachten oder verschwörerisch in unserem kleinen Kreis zusammensaßen. Gleichzeitig waren die neuen Weltwärtsler in genau der Situartion in der wir selbst vor 2 Jahren waren. Ihre Aufgeregtheit und Neugierde zu erleben war einfach wunderbar.

    Sommer

    Mittlerweile ist es Sommer. Die reisenden Weltwärtsler kommen nach und nach zurück und Berlin ist so träge geworden wie Auroville im Mai – auch wenn es hier deutlich kälter und nasser ist 😉

    Mit den meisten Weltwärtslern meiner Generation bin ich noch in Kontakt, man sieht den ein oder anderen alle paar Monate oder Telefoniert um sich über den neusten Schwachsinn der mal wieder passiert ist kaputtzulachen.

    In den letzten Wochen habe ich so viele Unglaubliche Dinge erlebt (angefangen bei einer Entführung bis hin zu dem Fakt dass meine Mutter für ein Jahr nach Nepal und Indien zieht) dass ich letztendlich eingesehen habe, dass es hier doch genauso abenteuerlich sein kann wie in Indien und dass man sich Freiheit irgendwie auch selbst schaffen muss. Im letzten Jahr habe ich tatsächlich rückblickend fast genauso viel Tolles erlebt wie im Jahr in Indien und das Nächste verspricht gerade noch um einiges besser zu werden 😉

    Zwar hat das Ankommen emotional irrelange gedauert und wurde von einem Haufen Fernweh begleitet, aber letztendlich ist das ja vielleicht sogar ganz ok und führt dazu, dass man krass viele neue Dinge entdeckt und die Welt „Hier“ plötzlich doch besser ist als anfänglich gedacht.

    Bleibt noch zu erwähnen, dass Caro, Felix und das Tandem es tatsächlich bis nach Peru geschafft haben, von wo sie dann dieses Beweisfoto (natürlich mit indischer Bearbeitungsqualität) geschickt haben:


  3. Das Rückkehrerseminar

    September 26, 2016 by Kaya

    Vom 13. bis zum 18. September verbrachten wir, die 8. Generation der AV-Weltwärtsfreiwilligen (aka „die Kuschelgruppe“ und später „die Gruppe der Unfälle“), unser Rückkehrerseminar in dem wunderschön idyllischem und doch sehr verlassenem Örtchen Waldsieversdorf.

     

    Wie unser Weltwärtsjahr noch eine Woche weitergehen, und ein Brandenburger Dorf Auroville ersetzen sollte war den meisten von uns vor dem Seminar noch schleierhaft…

    Die Letzten Wochen hatten uns wieder ein bisschen an das, was man in Deutschland Zivilisation nennt, an Kälte und Supermärkte gewöhnt. Wir alle waren unterschiedliche Wege gegangen, gereist oder dageblieben, waren auf der Suche nach WGs, planten Weltreisen…

    Ich selbst hatte ein bisschen Angst vor dem Wiedersehen. Haben wir uns alle in den vier Wochen verändert? Werden wir je wieder die Weltwärtsler sein, die Auroville unsicher machten?

    Angekommen im Haus in Waldsieversdorf kam das Auroville-Feeling dann aber sehr schnell wieder. Wir lagen uns gleich wieder in den Armen und dann war alles zwischen uns sofort wieder so, als hätten wir Auroville nie verlassen. Selbst die Sonne zeigte ihre Indische Seite und der See der direkt neben dem Haus lag diente mehrmals am Tag als Abkühlung oder auch ganz Sadhana-like als Duschersatz.

    Die Vorbereitungs-Seminare vor einem Jahr waren von Morgens bis Abends voll gefüllt. Dass man auch das Nachbereitungsseminar so intensiv hinbekommt, verdanken wir Muna und Nora, die mit den verschiedenen, interessanten und interaktiven Einheiten schon wieder dafür sorgten, dass wir nachts tatsächlich in unseren Betten lagen.

    Im Rückblick auf Auroville wurden Dinge an- und ausgesprochen, die uns jetzt plötzlich erst in der Reflektion auffielen. Wir werteten unser Jahr mit Stimmungskurven aus, analysierten wie unsere Projekte eigentlich der Entwicklungszusammenarbeit helfen und diskutierten Ungleichheiten in verschiedenen Ländern und Kontinenten mithilfe von Rollenspielen.

    Uns ist allen Bewusst das es hier anders ist. Aber auch das sich unsere Werte und Selbstreflexion geändert haben. Das plötzlich viel mehr möglich scheint. So wurde auch noch lange und immer wieder darüber diskutiert wie man Auroville in das „normale“ Leben hier mitnehmen kann. Wie kann ich simple und glücklich leben? Wo engagiere ich mich am besten? Was bedeutet das vergangene Jahr für mich? Wie ordne ich das Jahr ein, was bedeutet es mir? Was werde ich machen?

     

    Obwohl das jetzt alles vielleicht eher nachdenklich klingt, denke ich doch, dass wir nochmal die schönste Zeit als Gruppe hatten: Wir schauten zusammen Bilder an, lachten Abende hindurch, merkten, dass eine Familie aus Bayern ein viel größerer Kulturschock für uns alle ist als Eine aus Tamil Nadu, wollten keine vegane Bratwurst essen da sie uns zu sehr nach Fleisch schmeckte, gruben den Auroville Garten um, ließen die wirklich immer dramatischen Sharings in Auroville mit all ihren Eigenheiten auf urkomische, originelle Weise noch einmal Aufleben.

    Wir lasen Briefe, die wir vor einem Jahr an uns selbst geschrieben haben, und staunten nicht schlecht wer wir einmal waren und wer wir jetzt sind, schrieben für Freunde Tickets in die Zukunft.

    Alles zwischen uns war so normal dass ich mich an einer Stelle total wunderte plötzlich mit Anneke und Lukas im Ikea zu stehen, denn ich hatte schon wieder vergessen dass wir ja in Deutschland waren und ein aufgeräumtes Ikea (mit zwei anderen Weltwärtslern drin) war für mich total verwunderlich…

    Am Ende galt es nochmal Auszüge aus den Abschluss Berichten vorzulesen die uns zeigten wie Ähnlich wir das Jahr doch alle erlebten. Wir Flochten ein Netz aus Danksagungen und ließen es natürlich total verplant vor Munas „Los!“ los. Aber so sind wir zum Glück.

    Jetzt geht es darum irgendwas anderes anzufangen: Sich arbeitslos melden, Augenoptik zu studieren und /oder die Welt zu bereisen zum Beispiel 🙂

    Ich persönlich bin Froh ein paar Weltwärtsler in meiner Nähe zu haben.

    Mit denen treffe ich mich auch gleich.

    An Alle: Danke für das wunderschöne Jahr und bis bald!

    Kaya & die anderen Pappenheimer

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  4. Sehnsuchtsort Auroville – Surya geht zurück nach Südindien

    Oktober 23, 2015 by Ehemaliger WWler

    Von Deutschland (zurück) nach Auroville … einmal anders.

    Dieser Beitrag aus der Reihe „Tandem“ des SWR vom 08. 10. 2015 zur ARD-Themenwoche Heimat erzählt die Geschichte von Surya, die nach ihrem Studium in Deutschland nach Auroville zurückkehrt.

    Aus der Beschreibung des SWR: „Surya hat deutsche Eltern und ist in Auroville geboren und aufgewachsen. […] Als sie 14 Jahre alt war, zog ihre Mutter mit ihr wieder nach Deutschland. Doch Auroville blieb immer Suryas Sehnsuchtsort. Im Sommer 2014 kehrt sie mit ihrem Freund und ihrem vierjährigen Sohn dorthin zurück. Sie ist 26 Jahre alt und zum zweiten Mal schwanger.“

    Der 25-minütige Beitrag gibt einen seltenen Einblick in das Leben von „Auroville-Kids“, die nach einem Aufenthalt im Westen wieder nach Auroville zurückkehren.

    Einschalten lohnt sich!

    SWR2: Sehnsuchtsort Auroville – Surya geht zurück nach Südindien (Von Nora Große Harmann)


  5. 242 qm AV in Berlin?

    Oktober 14, 2015 by Ehemaliger WWler

    Disclaimer: Nicht wundern, in diesem Beitrag geht es um einen Schrebergarten in Berlin und nicht, wie gewohnt, um spannende News und Berichte aus AV. Wir sind ein paar ExWeltwärtsler, die von der Rückkehrer-Arbeit mit dem Verein Auroville International Deutschland und dem „Drum-herum“ aus Deutschland berichten wollen.

    5 Fußminuten südlich des Bahnhofs Südkreuz in Berlin – Euch wahrscheinlich eher für seine lauten Clubs und Hipster bekannt – versteckt sich eine Schrebergartenkolonie. Hier findet man schnurgerade Hecken, frisch gemähten Rasen, Gartenzwerge und Gartenlauben. Schrebergärten halt. (Gefühlter Altersdurchschnitt > 90 Jahre.)

    Doch irgendwo mittendrin durchbricht Wochenende für Wochenende ein Hämmern, Schleifen und Klopfen die Idylle. Denn hier gestalten Isa, Georg, Bruno, David und viele andere Helfer seit letztem Jahr eine 242 m² Parzelle. Manche mit Auroville Verbundene aus Deutschland kommen nur für einen Nachmittag angereist, andere aus Berlin sind ein oder zwei mal in der Woche dort beim Unkraut jäten oder Pflanzen anzutreffen.

    Entstanden ist das ganze jedoch aus dem Wunsch eines aurovilianischen Pärchens nach Natur und selbst angebautem Gemüse. Das Paar aus Auroville musste auf Grund der Krankheit ihrer Tochter ihren heimischen Garten zurücklassen und sich nach Deutschland begeben. Aber wieso nicht auch hier einen Garten anlegen? Und warum nicht gleich im Stil ihres Hauses in Auroville eine kleine Laube errichten? Durch glückliche Zufälle war es entgegen aller bürokratischen Regularien möglich, sofort ein kleines Stück Land zur Verfügung gestellt zu bekommen, und dieses als Gemeinschaftsprojekt der Auroville-Community in Deutschland zu entwickeln.
    Dass die Parzelle sofort zur Verfügung gestellt wurde, hatte nur einen Haken. Wie Georg es bezeichnete, handelte es sich – wie Auroville ehemals – um ein „barran Plateau“:

    Der Garten im herbstlichen Sonnenschein.

    Die veralteten Sattelitenaufnahmen zeigen, hier war vorher „nüsch viel“.

    Die veralteten Sattelitenaufnahmen zeigen, hier war vorher „nüsch viel“.

    Inzwischen plätschert aber ein Brunnen vor sich hin, der aus einem kleinen Teich gespeist wird. Es gibt das erste Hochbeet, Apfel- und Birnenbäume und in der Mitte erhebt sich ein Schreberhäuschen in Aurovillemanier:

    Gebaut von vielen „Volunteers“ unter der Anleitung von Aurovilianer Volker und dem Berliner Bruno, hat die Hütte eine 6-eckige Grundfläche, auf die von oben durch ein Fenster in der gleichen 6-eckigen Geometrie Licht fällt. An der Wand der Laube erstreckt sich eine kleine Empore, die über eine kleine, liebevoll gestaltete Holztreppe zu erreichen ist.

    Photo & Video Sharing by SmugMug

    Neonfarbene Frösche am Teich

    Anfangs gab es sogar Frösche am Teich. Aber die scheinen dem ganzen Tumult entflohen zu sein.

    Auro-Willy

    Hat jemand Auro-Willy gesehen? 😉

    Das Innere der Hütte

    So sieht die Hütte von innen aus.

    Auch Bienen sind im Auroville-Garten heimisch geworden. David, Auroville-Reisender und Absolvent eines Imker-Workshops, hat zwei Völker mitgebracht. Auroville Killer Bees aka „(Carnica) Apis Mellifera“ (Eurobäische Honigbiene) fliegen seit Sommersonnenwende dieses Jahres die schönen Blumen des Gartens von zwei selbstgebauten Bienenkästen aus an. Die Boxen umfassen jeweils eine Etage (von Imkern „Zage“ genannt) mit vielen „Rähmchen“, in denen die Bienen den Honig lagern. In diese wurden Mittelwände aus Bienenwachs eingezogen. So können wir vielleicht bald unseren ersten Auroville(-Garten)-Honig genießen.

    Eines der "Rähmchen" mit Wachswand für die Bienen.

    Eines der „Rähmchen“ mit Wachswand für die Bienen.

    Im Zentrum des Auroville-Gartens steht, in Anlehnung an die namengebenden Gemeinschaft in Südindien, die Arbeit und der gemeinschaftliche Prozess als Mittel zur inneren Entwicklung. Wie in Auroville ist dem auch hier schwer auszuweichen. Wenn es beispielsweise darum geht, die richtige Methode zur Anreicherung der Erde mit Nährstoffen zu finden (einfach umgraben und Kompost-Erde drauf, Grass entfernen oder doch die „Lasagne-Methode“?), lernen wir einerseits etwas über Gartenbau, andererseits müssen wir aber auch unsere (spirituellen) Ideale in ganz praktischen Tätigkeiten mit unterschiedlichen Vorstellungen und Charaktären in Einklang bringen … puh! „All Life is Yoga“ kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Aber das kennt man ja aus Auroville.

    Für unseren einzigen „Experten“, da gelernter Handwerker, Bruno, steht der Gemeinschaftsaspekt ebenfalls im Mittelpunkt. Ehemals Inhaber einer eigenen Firma, verkaufte er diese um viele Jahre um die Welt zu reisen. So lernte er viele verschiedene Gemeinschaften und Weltanschauungen kennen, arbeitete jedoch auch immer in den von ihm besuchten Communities. Er freut sich über das Gemeinschaftsgefühl der Auroville-Verbundenen bei der Arbeit im Garten, bei dem man mal „Philosophie und Praxis zusammen bringen kann, denn diese sind eben tatsächlich eins“. Dies passt nicht nur gut zu Auroville, sondern auch zum Weltwärts-Programm. Besonders war dies für ihn zu spüren, als 15 zurückgekehrte Freiwillige im Garten auftauchten und tatkräftig mit anpackten.

    Und ebenfalls wie in Auroville, gibt es viele verschiedene Motivatonen und Möglichkeiten sich einzubringen und im Garten aktiv zu werden. Die Auroville-Reisende Viktoria zum Beispiel möchte ein Kompost-Klo bauen. Weitere Hoch- und Kräuterbeete sollen folgen, sowie eine Verschönerung der Inneneinrichtung der Laube. Und Internet wäre auch nicht schlecht, meint Kaspar und hält schon Ausschau nach den nächsten Dächern für eine Richtfunkstrecke.

    Die aus Auroville zurückgekehrte Freiwillige Clara treffen wir am Samstagnachmittag. Sie ist hier, „um was zu schaffen, nette Leute zu treffen und die Natur zu genießen. Vor allem aber um Blumen zu essen!“

    "Omnomnomnomnom" - Clara beim Frühstück im Garten

    „Omnomnomnomnom“ – Clara beim Frühstück im Garten

    Der Garten ist auf jeden Fall ein schöner Ort, um Auroville-Verbundene zu treffen und sich gemeinsam die Hände schmutzig zu machen. Und ganz neben bei lernt man noch etwas über sich selbst. 🙂 Jetzt geht die Saison wieder dem Ende entgegen. Alles wird winterfest gemacht und das Wasser abgedreht. Aber wenn nächstes Jahr die Fühlingssonne um die Ecke guckt und ihr in Berlin seid, kommt gerne mal vorbei! Location: Südwestlich vom Bf. Südkreuz, Priesterweg, Eingang D2, Grazer Weg, Parzelle 89.

    Sonnige Grüße!
    Matthias & Kaspar