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  1. Poesie auf 2 Rädern

    19. Juli 2018 von Manuel

    Ein Jahr nur waren wir zusammen

    vereint gab’s für uns keine Schranken

    Ich auf Dir war Leidenschaft

    4 Gänge mir das Glück gebracht

     

    Hohe Berge, Tiefe Täler

    Sumpfgebiet und Wüstensand

    Wenn uns’re Seelen sich berührten

    hielt keiner unserm Feuer stand

     

    Ich weiß es noch, als wir uns trafen

    du warst schon damals leicht betagt

    troztdem warest du die eine

    der ich dann mein Ja-Wort gab.

     

    Ich war in fremden Lande so verloren

    wusste nicht wohin mit mir

    du hast mich bei der Hand genommen

    und mich zu mir selbst geführt

     

    Doch muss ich dir nun was verraten

    was meine Seele seither plagt,

    ich hab‘ gelogen, bin nicht Solo,

    in Deutschland fahr ich wieder Volvo…♥

     


  2. Indische Millionenstädte

    2. Juli 2018 von Mira

    Indien hat über eine Milliarde Einwohner und immer mehr Millionenstädte sowie auch einige Megacities. Und auch wenn die Bundesstaaten einige Unterschiede in ihren Traditionen aufweisen, so ist doch all diesen riesigen Menschenansammlungen etwas gemein: Wie auch in Deutschland haben indische Städte einen alten Stadtkern. In diesen traditionellen Vierteln mit ihren engen, überfüllten, lebendigen Gassen findet man typische Märkte und Geschäfte und Menschen, die an ihrer indischen Lebensweise festhalten. Dem gegenüber stehen die modernen Vorstadtorte, in denen die (Wohn-)Hochhäuser nur so aus dem Boden sprießen und ein westlicher Lebensstandard herrscht mit allem drum und dran. Ebenfalls findet man in jeder großen Stadt Slums sowie Villenviertel. Indische Millionenstädte sind geprägt von starken Gegensätzen direkt nebeneinander. Lediglich der laute, chaotische Verkehr ist überall der gleiche ;P Dieser wird übrigens dadurch versucht zu entlasten, indem man über den ehemaligen Hauptstraßen noch eine Art Autobahn, also zweite Straße, baut. Und obwohl man nun auf zwei Ebenen fahren kann, ist der Verkehr, meiner Meinung nach, immer noch ziemlich dicht.

    Nun habe ich im Juni einige Wochenendtrips gemacht und eben vorrausgegangendes in all den besuchten Städten feststellen können. Doch irgendwo weist jede Stadt aber auch eigene Merkmale auf (oder ich habe sie nur in diesen Städten festgestellt):

    Chennai aus der Luft. So sieht es aus, wenn mehr als 8 Millionen Menschen zusammen wohnen und leben…

    Nach Chennai sind Camilla und ich zusammen mit dem Motorrad gefahren. (Und manchmal war ich auch schon aufgrund meiner Arbeit dort). Was mir ziemlich stark in Erinnerung geblieben ist, sind die vierspurigen (je Fahrtrichtung!) Straßen, die nach Chennai hinein geführt haben und die unverständliche Straßenverkehrsführung. Auch waren die Flüsse stark verschmutzt mit allerhand Müll und Unrat. Doch hier in Chennai habe ich auch zum ersten Mal in Indien (außerhalb von Auroville) Läden gesehen, die organische, regionale Lebensmittel verkaufen. Ein paar Eindrücke aus der Altstadt:

    Das Charminar

    In Hyderabad habe ich einen Bekannten, den ich auf dem Tango Festival in Auroville kennengelernt habe, besucht. Er wohnt zusammen mit seinem Bruder in einem Vorort, wo die mehrstöckigen Wohnhäuser so schnell in die Höhe gezogen werden, dass die Regierung gar nicht mit dem asphaltieren der Straßen hinterherkommt. Hyderabad zeichnet sich als eines der IT-Zentren Indiens aus und das spiegelt sich auch in den Namen der neuen, modernen Vorstadtorte wieder, die solche Namen wie Cyberabad oder Hitex-City tragen. Doch dieses rasante Stadtwachstum zieht natürlich auch Probleme mit sich. Viele Städte und Orte in Indien haben Probleme mit Wasserverschmutzung, doch bei Hyderabad kommt zusätzlich noch hinzu, dass es sowieso in einer Region mit Wasserknappheit liegt. Deshalb gehören hier riesige Wassertransporter zum alltäglichen Straßenbild. Typisch für Hyderabad sind übrigens noch – verglichen mit Tamil Nadu –  ein ziemlich hoher Anteil an Muslimen sowie die fleischhaltige Küche.

    Die Hochhäuser am Horizont markieren die modernen, wesltich orientierten Vorstadtorte

    Mein Gastgeber in Hyderabad

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bangalore ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Indiens und man merkt der Stadt an, dass sie Probleme hat, auch ihre Infrastruktur entsprechend schnell auszubauen und zu modernisieren, wie Jola und ich zwei Tage lang intensivst feststellen durften. Ich fand die Stadt vergleichsweise dreckig und auch wenn sie viele grüne Parks hat (in denen morgens von vielen Sport betrieben wird), so sind die Straßen umso müllüberzogender und stinkender. Dieses rasante Stadtwachstum kam u.a. mit dem IT-Boom einher, der auch den westlichen Lebensstil mit sich brachte. Geschichtlich hat Bangalore nicht allzu viel zu bieten, dafür findet man hier moderne Kunstgallerien, Theater und riesige Shopping Malls. Wenn man monatelang in einem Dorf im ländlichen Indien gewohnt hat und auch nur eine „Kleinstadt“ neben an hat, dann wirkt das alles doch sehr beeindruckend auf einen und man fühlt sich schnell in den Westen zurück versetzt. Entsprechend hatten wir auch Erwartungen, die jedoch teilweise enttäuscht wurden. Irgendwo bleibt Indien doch Indien und man sollte es daher nicht immer mit dem (vergleichsweise) ziemlich genau nehmenden Westen vergleichen. Eine Sache jedoch, die mich überrascht hat, war das Verhalten der Inder auf den Bahnhöfen der relativ neuen Metro von Bangalore. Wenn ein Zug einfuhr standen Dutzende von Indern entsprechend der Linien auf dem Boden in mehreren, langen Reihen, damit ein geordnetes Ein- und Aussteigen möglich ist. Die flughafenmäßigen Sicherheitskontrollen in den Eingangsbereichen der Bahnhöfe wurden jedoch (wie zu erwarten) typisch indisch nicht sehr ordentlich durchgeführt. Zu letzt fand ich noch die vielen Greifvögel in bzw. über Bangalore auffällig. Die finden hier wohl ausreichend Nahrung wie z.B. Ratten, von denen wir auch recht viele gesehen haben.

    Im Bangalore Palace verschmelzen die verschiedensten Stile – z.B. gotische Bogengänge mit Jugendstilgeländer und typisch indisch alles farbenfroh angemalt.

    Ein alltägliches Straßenbild in Indien und besonders in Bangalore


  3. Wizard zu zweit

    25. Juni 2018 von Nina

    Ziel: Kerala, Transportmittel: Bus, Personen: 2, Wettervorhersage: Monsun, Datum: 15-24.06.2018

    Wasserfall im unbekannten Hinterland

    Es gab im Vorhinein eine Erkenntniskette, an dessen glorreichen Ende die Vermutung stand, dass dieser Urlaub in ganz viel Regenwasser ertrinken würde. Am Anfang der erwähnten Kette, stellten Daniel und ich zufällig während der Planung fest, dass im Juni der Sommermonsun in Kerala in Form von Dauerregen sein Unwesen treibt. Kurz darauf stand ich vor meinen verbliebenen Besitztümern und fragte mich, warum genau ich meinen Eltern Regenjacke und -hose mit nach Deutschland gegeben hatte. Ein weiterer Grund, meine Intelligenz in Zweifel zu ziehen, war das ungeklärte Verschwinden meiner Socken, die vielleicht für das Tragen meiner geschlossenen Schuhe hilfreich gewesen wären.

    Unter diesen fröhlichen Vorzeichen begannen wir die Reise mit dem komfortablen AC-Sleeper-Bus nach Kochi. Während die Welt vor unserem großen Fenster vorbei zog, schliefen wir den unruhigen Schlaf der Nachtreisenden. Das schlaftrunkene Aussteigen nach dem wiederholten Hinweis „Last Stop“ und eine Tucktuck-Fahrt brachten uns am nächsten Tag mitten hinein in das sonnige Kochi. Die bürgerliche und westlich orientierte Touristenstadt empfing uns mit so viel fröhlichem Sonnenschein, dass die Regenschirme der Inder zu Sonnenschirmen wurden und das routinierte Abschreiten der Sehenswürdigkeiten (Palace, chinesische Fischernetze, Fort…) zu einer Rotfärbung einiger Hautpartien führte (Natürlich hatte ich beschlossen, die Sonnencreme nicht in den Monsun mitzuschleppen.) Am zweiten Tag brachen wir nach dem erfolgreichen Erwerb einer  Sonnencreme und einigen Umwegen der indischen Art mit dem Leihmotorrad auf, um einen Wasserfall zu besichtigen, den niemand zu kennen schien, den wir aber dennoch mit einigen indischen Touristen teilten.

    bergiger Zimmerblick

    Die Reise nach Munnar, welche übrigens eine sehr hässliche Stadt ist, gestaltete sich durch einen Busse-blockierenden Streik ungeklärten Grundes als schwieriger als gedacht. In der wunderschönen Landschaft der bewaldeten und bewohnten Berge, die manchmal Teeplantagen Hüte und Gewänder tragen, fror ich mir als verweichlichtes Geschöpf des tamilischen Flachlandes den Arsch ab. Gott sei Dank, stellte das Homestay bunte Hello-Kitty-Decken aus einem Vorrat unbekannter Größe bereit, unter die wir uns des Nachts flüchten konnten. Da wir nicht bereit waren für eine Jeep Safari nur „2000 rupees for 3 hours“ auszugeben, stapften wir ein wenig nach guter deutscher Rentnermanier über einen Umweg in das 20 min entfernte Dorfzentrum, gestatten uns Kaffee und Kuchen und gingen den Spaziergang in den entmutigenden Monsunschauern zurück zum Zimmer.

    Backwaters in Regenpause

    Unsere höchstdurchdachte Reiseroute führte uns als nächstes mit dem Bus (über Kochi) nach Allepey, das für die Backwaters bekannt ist, die laut dem Lonely Planet die zweit schönste Sehenswürdigkeit Indiens sind. Die Stadt, in der wir trockenen Fußes nach Essen gesucht hatten, beschloss uns eine nächtliche regendurchnässte Abenteuerreise mit Tucktuck und zu Fuß zum freundlichen aber mit reichlich Monsun-mief gestraften Homestay zu gewähren. Der Monsun, der uns nun doch vollständig eingeholt hatte, verführte uns zu einer gemütlichen Rundfahrt auf einem mit Dach und gemütlichen Sitzgelegenheiten ausgerüsteten Boot, das über die als privates Badezimmer und Spülmaschine genutzten Backwaters trieb.

    Staussee im Tigerreservat

    Die letzte Station unseres einwöchigen Regenspaziergangs durch Kerala bildete Kumily mit dem Periar Nationalpark und Tigerreservat in der Nachbarschaft. Da wir durch die Backwaters auf den Geschmack von Wasser von unten statt von oben gekommen waren, schipperten wir zunächst auf einem Dampferchen voller Touris über den See im Nationalpark. Während dieser 1,5 stündigen Fahrt, konnte die Gattung Mensch an Bord in viel eindrucksvollerer Art als die vereinzelten als braune Punkte auszumachenden Wildtiere am Ufer beobachtet werden. Um doch noch die Natur erleben zu können, entschlossen wir bei überraschend trockenem Wetter (Ja, du hast es voraus gesagt, Daniel!) mit einem Guide auf zu brechen, den Dschungel zu erwandern, gegen eine Armee aus hungrigen Blutegeln zu kämpfen. Diese als kleine Alien getarnten Vampire versuchten, während wir unschuldig in der Schönheit des wilden Waldes herumstolperten, an unseren Beinen empor zu klettern, um an unsere ungeschützte verletzliche Haut zu gelangen.

    Nach einer weiteren Nachtfahrt zurück im warmen Auroville stopfte ich die feuchten, dreckigen und stinkenden Klamotten in die Waschmaschine und dachte, dass es schlechtere Ideen gibt, als im Monsun durch Kerala zu wandeln.


  4. An die nächste Generation…

    25. Juni 2018 von Mira

    …hallo nächste Weltwärts-Generation! Auf der folgenden Seite bieten wir euch unsere zur Zeit benutzten Motorräder zum Verkauf an: Bikes. Im Laufe der nächsten Wochen werden noch weitere hinzukommen. Falls ihr euch fragt, ob ihr wirklich eines braucht oder wie man es am besten in Stand hält, dann werdet ihr auf derselben Seite auch fündig.


  5. Gewohnheit

    19. Juni 2018 von Mira

    Nur noch knapp 2 Monate hier in Auroville, Indien. Eigentlich möchte man noch gar nicht gehen. Die letzten 10 Monate seines Lebens hat man hier verbracht, sich eingelebt, ein neues Leben aufgebaut und sich weiter entwickelt. Man hat ein neues zu Hause gefunden, an welchem so einige Dinge anders sind als in Deutschland. Doch erst jetzt, im Zuge der immer präsenter werdenden Rückkehr nach Deutschland, fällt einem auf, was hier Normalität ist und in Deutschland (bisher) für einen eben nicht.

    Klar, Essen und Kleidung sind hier nur mal anders. Frauen, die farbenfrohe Saris tragen, und Männer in ihren Wickelröckern namens Lungi. Das alltägliche Straßenbild außerhalb von Auroville und teils auch innerhalb. Ebenso sind für mich Reis und Hülsenfrüchte aus meiner Ernährung nicht mehr wegzudenken. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht diese beiden Lebensmittel, das staple food Indiens, konsumiere.

    Denglisch. Man kann nichts dagegen tun. Es passiert einfach. Durch den ständigen Wechsel zwischen Deutsch, Englisch und Tamil, fängt man irgendwann an, Wörter aus einer anderen Sprache einzubringen. Und irgendwann dann sogar nach deutscher Art zu konjugieren und deklinieren. Schrecklich, aber man ist machtlos.

    Tiere. Wohnen tut man in Auroville nie alleine. Stets hat man tierische Mitbewohner, die einem entweder den Tag versüßen oder aber auch verderben können. Mücken und Ameisen sind dabei definitiv die unbeliebtesten Mitbewohner. Kein Stück Haut und kein Stück Essen ist vor ihnen sicher. Spinnen, Käfer und Frösche sind die Unscheinbarsten von allen. Geckos sind auch nicht sonderlich auffällig, außer sie jagen sich gerade gegenseitig oder erschrecken sich vor einem, so dass sie einem vor die Füße fallen und einen manchmal selbst erschrecken. Zu den größeren Mitbewohnern zählen Streifenhörnchen, Ratten, Mungos, Katzen, Hunde und manchmal auch ein Pfau. Und aus den Bäumen und Büschen rund ums Haus zwitschert (und krechzt) es stets Tag und Nacht.

    Tempelmusik. Auch diese bekommt man recht häufig zu Gehör, denn wo in Indien gibt es keinen Tempel?

    Altersübergreifende Aktivitäten. Waren wir bisher in Deutschland durch Schule und Uni hauptsächlich mit mehr oder weniger Gleichaltrigen zusammengepfercht, so ist es hier Normalität, auch viel Kontakt zu Älteren bzw. Jüngeren Leuten zu haben. Sei es auf Arbeit, in seinen Freizeitaktivitäten oder weil man sich einfach so trifft, um gemeinsam Zeit zu verbringen. So lernen die Altersgenerationen in Auroville nicht nur nebeneinander, sondern auch voneinander.

    Chaos. Na gut, dies war einem schon vorher bewusst. Aber dennoch ist es etwas, was hier so sehr zur Gewohnheit geworden ist, dass ich es in Deutschland vermissen werde. Für mich ist es einfach ein herrliches Gefühl mit dem Motorrad durch Pondi (oder gar Großstädte wie Chennai, Hyderabad und Co) zu fahren, sich einen Weg durch das Gewimmel an Fahrzeugen und Menschen zu bahnen und dabei mit allen Sinnen einer Reizüberflutung zu unterliegen. Man könnte schon fast meinen, dass ich süchtig danach bin. Oder ich brauche es einfach als Kontrast zum Leben im Grünen in Auroville (was mir übrigens auch viel Freude bereitet).

    Wahrscheinlich haben wir alle noch sehr viel mehr Gewohnheiten angenommen und uns an Dinge gewöhnt, was uns aber erst in Deutschland auffallen wird. Doch daran will ich jetzt erstmal nicht denken…