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  1. Komfortzone ade!

    24. September 2017 von Moira

    Der erste Monat ist um. Mehr und mehr merke ich, was mir wichtig ist und was mir hier fehlt. Da ich hier soweit außerhalb meiner Komfortzone bin, muss ich zwangsläufig Dinge tun, die ich lieber anders tun würde. Ich merke zum Beispiel, dass die Anstrengung, mit einem ganglosen Fahrrad zu fahren, nicht der einzige Nachteil des radelns ist. Da es hier schon früh dunkel wird und die Straßen nachts gefährlicher sind, kann ich mit dem Rad nicht unabhängig sein. Wenn ich also am abendlichen Sozialleben Aurovilles teilhaben möchte, muss ich mir wohl oder übel für diese Zwecke wahrscheinlich doch einen motorisierten Untersatz zulegen. Das mit dem Essen habe ich mir auch etwas anders vorgestellt. Es ist gar nicht so einfach, günstiges und gutes, vielfältiges Obst und Gemüse zu finden und da ich nicht Unmengen an Geld ausgeben möchte für jedes großartige Küchengerät, das mir hier fehlt, ändern sich meine Koch- und Essensgewohnheiten. Ich habe mich auch noch nicht an das indische Chaos gewöhnt, das hier in den Dörfern um Auroville ein wenig durchschwingt und bei Tagesausflügen nach Pondicherry nicht zu übersehen ist. Aber jede Herausforderung ist eine Chance und ich bin gespannt, wie ich mit kommenden Situationen umgehe.

    Jetzt stehen erstmal Schulferien an. Währenddessen werde ich an einem Lehrerausflug zu einem Tempel und an einem Schülerausflug in die Berge Tamil Nadus teilnehmen. Ich freue mich, mehr von Indien zu sehen.

     

    Eindrücke aus Pondicherry:


  2. Einkaufen in Pondicherry

    16. September 2017 von Mira

    Um kurz vor halb 9 kommt der Bus, der mich nach Pondicherry bringt. Bärbel und Frank fahren auch mit, denn auch sie wollen in Pondi einkaufen gehen. Wir verlassen Auroville und schon bald zeigt sich das typische Indienbild am Straßenrand. Je näher wir Pondi kommen, desto voller werden die Straßen und schließlich halten wir vor der Ashram Dining Hall. Frank und Bärbel wollen im Ashram zuerst noch meditieren und so mache ich mich allein mit der Wegbeschreibung auf zum Markt. Zuerst durchquere ich eine Tempelanlage, in der auch jetzt morgens schon reger Betrieb herrscht. Danach soll ich links in die Nehrustreet einbiegen, eine Haupteinkaufsstraße hier und so lange weiter geradeaus laufen, bis mir intensiver Fischgeruch entgegenkommt. Prompt finde ich mich in einem Gewimmel wieder, wie ich es bisher nicht kenne. Die Tamilen in ihren bunten Kleidern drängeln sich in Massen durch die engen Gänge. Jeder Verkäufer preist laut seine Ware an und man muss aufpassen, dass man nicht auf sie rauf tritt, wenn sie nicht gar schon in den Gang gefallen/gerollt ist. An der einen Ecke riecht es nach Fisch, an der nächsten nach den herrlich duftenden Jasmingirlanden. Obst und Gemüse wird in allen möglichen Größen und Formen angeboten. Nicht gekühltes Fleisch wird vor den Augen des Kunden kleingehackt. Lange laufe ich nur kreuz und quer, bevor ich anfange, etwas zu kaufen, denn erstmal möchte ich mir einen Überblick verschaffen. Zum Glück haben einige Händler Preisschilder ausgehängt, so dass ich weder durch fehlende Sprach- noch Feilschkenntnisse beeinträchtigt werde. Gemüse bekommt man hier ziemlich billig (3kg in der Summe für ca. 1€) und so laufe ich mit einer vollen Karstadtplastiktüte (denn erstaunlicher Weise gibt es hier beim Kauf keine Plastiktüten dazu) durch die Nehrustreet zurück zum Bus. Mittlerweile haben in dieser Haupteinkaufsstraße die ersten Geschäfte aufgemacht und voller Neugier schaue ich in einige Modegeschäfte hinein. Wie farbenfroh sich die Inder doch kleiden! Letztlich setze ich mich aber noch in einen Park, nasche ein bisschen Halwa und beobachte die Bewohner Pondicherrys. Pondi scheint nicht nur hinduistische (oder buddhistische) Tamilen zu beheimaten, denn es laufen auch immer wieder verschleierte Frauen und sogar ein paar Nonnen an mir vorüber. Doch eine französische Beeinflussung durch die Kolonialzeit macht sich mir bisher eigentlich nur an den Straßennamen bemerkbar.

     

    Gerne würde ich euch ein paar Bilder von meinem heutigen Erlebnis zeigen, doch leider habe ich vergessen, meine Kamera mitzunehmen und daher kann ich euch nur das leckere Ergebnis des heutigen Tages zeigen.


  3. Abenteuer Alltag

    10. September 2017 von Moira

    Die Einführungswoche ist vorbei, der Anfang vom Alltag ist an der Reihe. Wir sind aus dem gemeinsamen Wohnen im Guesthouse aus- und ins WG-Leben zu viert eingezogen. Das Einrichten fühlt sich seltsam an und obwohl ich hier ein eigenes Zimmer habe, muss ich es mit Ameisen teilen. Die Geckomitbewohner in meinem Badezimmer habe ich wieder der Natur überlassen. Auch die ersten Arbeitstage habe ich bereits erlebt. Ich bin total glücklich mit der Entscheidung, in der Aikiyam School zu arbeiten. Im Moment begleite ich den Unterricht der zweiten Klasse und helfe einer von zwei Lehrerinnen, da die andere wegen eines Motorradunfalls für eine Weile abwesend ist. Die Lehrerin ist super nett zu mir, im Englisch- und Matheunterricht helfe ich beim Aufgaben korrigieren und verteile Sticker. Beim Tamilunterricht bekomme ich Eindrücke von der Sprache und lerne ein paar Worte. Der Morning Circle in der Klasse ist ein Highlight. Jeden Morgen bevor der Unterricht beginnt, sitzen die Kinder mit geschlossenen Augen und singen gemeinsam ein Mantra. Auch sonst mache ich lauter erste Erfahrungen, die vielleicht mal mein Alltag sein werden, und überrasche mich dabei selbst. Spontan habe ich mir wie einige andere aus der Gruppe für eine Weile ein Moped ausgeliehen und tuckere damit durch die Straßen. Dass das zu meinem Alltag wird, bezweifle ich jedoch. Denn obwohl es einfacher als erwartet, sehr entspannt und spaßig ist, machen mir die Umweltfaktoren hier ein wenig zu schaffen. Ich möchte nicht auch noch langfristig zu dem Nachhaltigkeitsdefizit in diesem Land beitragen, indem ich Moped fahre, obwohl es ein Fahrrad auch tun würde. Inzwischen fällt mir auch der Müll immer mehr auf und ich sehe Menschen, die ihre vollen Mülltüten am Straßenrand und in der Natur auskippen. Auch die Gefahren der Straße sind nicht ohne und fallen auf. Gerade im Dunkeln, wenn alle mit ihren Fernlichtern durch die Städte rasen, passieren viele Unfälle. Ich habe mir also bereits ein gebrauchtes Fahrrad für weniger als 3000 Rupies gekauft, mit dem ich dann wohl bald auf den Straßen zu sehen sein werde. Trotzdem ist das Mopedfahren eine coole Erfahrung und ich bin froh, sie gemacht zu haben. Der Tamilunterricht für unsere Gruppe hat angefangen und ich bin sehr motiviert, diese Sprache zu lernen. Ich war bis jetzt zweimal im Schwimmbad, das Schwimmen tut gut und darf gerne zu meinem Alltag gehören. Am Meer war ich auch schon, es ist nicht weit weg und abgesehen vom Müll auch ganz schön. Alles in allem bin ich recht zufrieden und freue mich auf die nächsten Tage, Wochen, Monate.


  4. Ein Traum?!

    7. September 2017 von Mira

    Wir rasen mit unseren Fahrrädern durch die finstre Tropennacht, einzig erhellt durch den Vollmondschein und unsere schwachen Stirnlampen. Über holprige Sandpisten wollen wir nach Hause. Ständig blitzen grüne Punkte im Gestrüpp längs des Weges auf, wenn wir unseren Blick dorthin wenden. Auf einmal erscheinen zwei große, grüne Punkte. Beim sich ihnen Nähern fangen sie an zu bellen. Doch schon sind wir auf der Farm. Unter nur Silhouetteartig zu sehenden riesigen Kokospalmen und zwischen diesen umherfliegend winzige Glühwürmchen wandeln wir zu unseren Kapseln, freudig, unsere geduldeten Mitbewohner Ameise, Spinne und Co wiederzusehen. Lediglich die Mücken könnten gern fern bleiben. So legen wir uns zu Ruh. Den Grillen, Vögeln und Mücken sowie natürlich der tamilischen Tempelmusik träumend hörn zu.

    Hier mal ein paar Bilder dieser sogenannten Kapseln, in denen ich jetzt zusammen mit Daniel und Jasper wohne:

    Die ganzen schwarzen Punkte in der Kiste sind übrigens Ameisen. Und das kleine rote Häuschen ist unsere Komposttoilette. Wer  mehr über Discipline erfahren möchte, der kann sich auch gerne diesen etwas älteren Blogbeitrag durchlesen:

    Oh, wie schön ist Discipline!


  5. Liebes Tagebuch

    2. September 2017 von Manuel

    Liebes Tagebuch,  seit einer Woche bin ich nun an diesem heißen und staubigen Ort der sich Auroville nennt. Ein klebender Schweißfilm auf der Haut ist mein steter Begleiter und ich habe schon die Hälfte meiner Sonnencreme Reserven aufgebraucht, aber ansonsten erfreue ich mich bester Laune und Gesundheit. Dies liegt vor allem daran, weil die erste Woche voll von schönen ersten Malen war. Das erste Mal Pondicherry besuchen, das erste Mal Verlaufen und von einem freundlichen Tamilen wieder zum guesthouse gefahren werden, das erste Mal mit dem Moped über staubige Pisten ballern, oder das erste Mal das Matrimandir besuchen. Das Essen hier ist fantastisch und die erwartete Darmexplosion ist ausgeblieben. Die Stimmung in der Gruppe ist ebenfalls alles andere als explosiv, denn man lernt sich jeden Tag etwas besser kennen und Freundschaften entstehen. Jedem Anfang liegt ein Zauber inne, wie schon Hermann Hesse auf seinen Reisen fest stellte und Auroville scheint genauso zauberhaft wie erwartet. (bis auf die Mücken die kleinen Drecksviecher)