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  1. Auszüge aus Niki’s Abenteuer

    17. November 2017 von Niklas

    Wenn ich versuche, Indien bzw. Auroville meinen Freunden/meiner Familie zu beschreiben, fällt mir immer wieder auf, wie unmöglich das ist. Indien muss man erleben, beschreiben erfüllt nicht den Zweck.
    Ich versuche aber trotzdem mal, es euch ein bisschen zu vermitteln. Und zwar gibt es ein paar Sachen, die mir viel durch den Kopf gegangen und sehr präsent sind.

    Selbstverständlichkeit, (was helfen angeht):

    In Deutschland hatte ich die Wahrnehmung, dass selten ohne Eigennutz geholfen wurde.
    Auch wenn man auf den ersten Blick selbstlos handelt, hat es meistens den Nutzen, dass man ein gutes Gefühl kriegt.
    Man hat das schöne Gefühl, dass man etwas gutes getan hat.

    Also hilft man natürlich einerseits, um zu helfen, aber meistens auch für sich selbst.

    Das ist auf keinen Fall etwas Verwerfliches!

    Was wäre, wenn man kein gutes Gefühl hätte, wenn man jemandem hilft?

    Was ich aber in Indien beobachte, ist, dass helfen eine totale Selbstverständlichkeit ist.
    Ich kann natürlich nicht in die Köpfe reinschauen, um zu sehen ob die sich am Abend denken: „Toll! Heute habe ich mal wieder schön geholfen“. Aber was ich sagen kann, ist, dass hier Helfen sehr selbstverständlich ist.

    Woran das liegt, kann ich nicht sagen, aber was ich sagen kann, ist, dass ich versuche, mir davon einiges abzugucken.

    Beispiel:

    Ich habe meinem Kollegen nur beiläufig erzählt, dass ich auf der Suche nach einem Motorrad bin und er hat direkt gesagt, dass er mal guckt, wenn er das nächste Mal in Pondi ist.

    Am nächsten Wochenende bin ich dann mit ihm und Matthias nach Pondi gefahren, um nach einem Motorrad zu schauen. Wir waren insgesamt bestimmt 5 Stunden unterwegs, um hin und her zu fahren und am Ende das bestmögliche Angebot zu bekommen. Dev (mein Kollege) hat das mit einer vollkommenen Selbstverständlichkeit gemacht, ist mit mir dann auch noch mitgefahren, um die Versicherung zu verlängern und will auch noch mal einen kleinen Basiccheck mit uns machen lassen.
    Das alles, ohne das Gefühl zu vermitteln, eine krass selbstlose Tat geleistet zu haben. Er hat es einfach gemacht.

    Und solche Hilfen erlebt man hier sehr oft.

    Ich glaube in Indien herrscht ein sehr starker Zusammenhalt.
    Auch wenn man sich nicht so gut kennt, ist man sehr schnell sehr eng miteinander.

    Zum Beispiel benennt man sich hier gegenseitig ganz viel mit „Familienbegriffen“ wie Mama, Schwester, Bruder, etc.
    Wenn ich das auf Deutsch schreibe fühlt sich das schon so absurd an, hier ist es aber etwas sehr schönes. Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass ich mir vorstellen kann, dass daher die hohe Hilfsbereitschaft kommt. Aber das ist natürlich eine sehr vage Vermutung. Ich bin ja gerade mal 2 Monate hier.
    Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist, das man in Indien viel leichter und schneller Freunde findet. Also wirklich richtig Freunde, und nicht nur Kontakte oder Bekanntschaften. Man wird ganz schnell eingeladen, zum Film gucken, Essen, oder einfach nur Rumhänge.

    Für mich ist diese Herzlichkeit eine wirklich tolle Eigenschaft.


    Ehrlich gesagt ist, seit ich den ersten Teil geschrieben habe, schon eine Menge Zeit vergangen.
    Und gerade in der Schule hat es sich auch noch mehr zum Positiven verändert.
    Ich hatte schon von Anfang an Spaß in der Schule und habe mich gut mit allen verstanden, aber seit 1-2 Wochen bin ich wirklich mit den meisten Kids befreundet. Wenn ich mich nicht so gut mit den Kids verstehen würde, würde mir das alles nur halb so viel Spaß machen.
    Ich habe richtig Lust, den Kindern was beizubringen und sie zu unterstützen. Was sich auch verändert hat, ist, dass ich angefangen habe ein bisschen mehr Struktur in meine Vorbereitung zu kriegen. Seit ich genau weiß, was ich, zum Beispiel mit Anbu, unterrichten will, habe ich richtig Spaß und mache sichtbare Fortschritte.
    Besonders auffällig war das bei der 5. Klasse.
    Ich hatte nie Lust auf den Unterricht und habe auch überlegt, in der Zeit was anderes zu machen, aber seit dem ich einen Überblick habe, macht der Unterricht mir richtig Spaß und den Kindern auch.
    Wir haben angefangen spielerisch zu lernen. Zum Beispiel haben wir das Prinzip von „ich packe meinen Koffer“ übernommen und lernen so das „he/she/it“ im simple present.
    Die Kinder haben seitdem riesige Fortschritte gemacht und haben sogar richtig Spaß dabei. Zusammenfassend bin ich sehr glücklich mit meiner Arbeit!

     

    Aber vielleicht noch ein bisschen zum restlichen Leben in Indien:


    In Indien ist noch bis Dezember „Rain season“.
    Und wenn die Inder Rain season sagen, dann meinen sie auch season. Es regnet wirklich sehr viel, sehr stark und sehr plötzlich. Gerade ist eine Pause, für uns heißt das: Wäsche waschen, solange es noch trocken ist. Bei Regen kann man das fast vergessen. Aber so nervig der ganze Regen auch ist, so wichtig ist er auch für Tamil Nadu. Also kann man es schon überstehen.

    Meine Hobbys bestehend aus Parkour, essen, mit Freunden rumhängen … werden durch den Regen sehr eingeschränkt. Ich habe angefangen sehr viel zu Hause rumzuhängen. Das tat auf jeden Fall nicht gut. Vor allem Sport/Parkour hat mir gefehlt.
    Passend zur Regenzeit habe ich von einem Fitnesscenter erfahren, in welchem man auf ein paar Matten auch ein bisschen rumhüpfen kann.
    Seitdem bin ich fast jeden Tag am Parkour machen, Trainieren, Dehnen und sogar ein bisschen MMA ausprobieren.

    Ja und sonst so? Ich fahre viel Motorrad, was Spaß macht; finde die Kühe auf den Straßen ehrlich gesagt immer noch sehr cool und freue mich bzw. hoffe eher darauf, als nächstes in eine „Kapsel“ zu ziehen.

    Antwort an Tim: Also es kommt halt auf den Unterricht an, zum Beispiel ist der „clay“-Unterricht 100% Praxis.
    Im Kindergarten machen wir viel Praktisches wie Fische ausmalen und ausschneiden, aber auch Theoretisches wie Geschichten lesen. Im supportive learning haben die Kids schon ein Theaterstück geprobt und wie oben erwähnt, spielen wir gerade viele „Lernspiele“, was ich schon eher als praktisch bezeichnen würde.
    Ach und die andere Gruppe hat gerade Briefe aus Australien gekriegt, also sind die auch fleißig am Schreiben.
    Ich hoffe, das bringt dir ein kleines Licht 😉

    Und auch sonst: stellt mir ruhig immer Fragen. Ich freue mich! 🙂

    und jetzt die versprochenen Bilder:

    Abschied nehmen

    happy kindergarten

     

    Experimentieren

    Childrens day bei uns an der Schule

    traditionelle Kleidung aus verschiedenen Teilen Indiens

    spiderman

    der Herr Zirkusdirektor

    Auftritt am children’s day

    mit meiner Gang

    indische Baukunst

    Tempeltour mit meinem Homie Vince

    posen im Sonnenaufgang

    Motorradfahrt zur Bootstour

    Mangrovenwaldtour aufm Fischerboot


  2. Monsun ist,…

    13. November 2017 von Mira

    -wenn man die Sonne tagelang, gefühlt wochenlang, nicht mehr zu Gesicht bekommt

    -wenn es immer wieder nicht nur regnet, sondern wie aus allen Eimern schüttet

    -wenn alles beständig klamm, nein, sogar feucht ist und müffelig riecht

    -wenn alles anfängt zu schimmeln

    -wenn alle Sandpisten zu Matschpisten werden und man unweigerlich rote Füße durch die vielen Pfützen bekommt

    -wenn die Motorräder und Moppeds anfangen herumzubocken

    -wenn Stromausfälle noch häufiger werden

    -wenn man Abende und Wochenenden nicht mit Ausflügen füllt, sondern sich lieber in sein Bett verzieht und hunderte von Seiten liest oder mit Freunden Dauergast im kostenlosen Kino von Auroville wird (in dem Kino werden Filme aus aller Welt zumeist mit englischem Untertitel gezeigt)

    -wenn man das Wäschewaschen stets auf den nächsten Tag verschiebt, weil man sich denkt, heute wird die Wäsche ja eh nicht mehr trocken (und man ja auch richtig damit liegt)

    -wenn man ohne Regencape nicht mehr trocken von seiner Kapsel in die Küche oder auf die Toilette kommt

    -wenn sich in den nächtlichen Gesang des Grillenchores haufenweise laut quakende Frösche einreihen

    -wenn die Natur grüner wird

    -wenn man nachts bei 25°C friert und mindestens zwei Fleecedecken benötigt

    -wenn man manchmal nicht mit dem Plätschern eines kleinen Baches in der Ferne einschläft, sondern mit dem tosenden Rauschen eines Wasserfalls direkt neben seiner Hütte


  3. Coming home?

    13. November 2017 von Theodor Sperling

    Wegzugehen ist nicht einfach. Weg von Freuden. Weg von den Menschen, die man mag. Weg von dem bekannten und geordneten Leben. In ein Land das unterschiedlicher nicht sein könnte. Sich umzustellen und mit den geänderten Bedingungen zu leben ist nicht so einfach wie, man es sich vorher vorgestellt hat. Das Wetter ist gänzlich anders, die Menschen sprechen eine gänzlich andere Sprache und sind schlichtweg anders. Der Verkehr lauft nach anderen Regeln, die deutlich schwerer zu verstehen sind und alles ist so hektisch. Und mein Magen hat sich noch immer nicht gänzlich an der Essen gewöhnt.

    Mir geht es hier gut, ich hab ein Zimmer in einem festen Haus, täglich mehr zu tun und finde mich täglich besser zurecht, doch dennoch sehne ich mich zurück.

    Ich vermisse es am Morgen von den Streifenhörnchen geweckt zu werden. Ich vermisse die Musik morgens um 4, die Leichtigkeit, das Essen und nicht zuletzt die Arbeit auf er Farm. Ach wenn ich die Augen schließe sehe ich noch immer Indien.

    Ich bin im August mit den anderen aus Auroville zurückgekommen, aber noch immer nicht in Deutschland angekommen.

    Nach dem Rückflug war ich für sechs Wochen in Berlin, hatte aber volles Programm. Wie ich vor einem Jahr gelernt habe, hilft schließlich tun am besten gegen Heimweh.

    In den ersten Tagen und auch der erste Woche waren es nur die erwarteten Kleinlichkeit, die hier nicht hineinpassen. Das Essen mit den Fingern, auf der Straße links fahren, meine Würzung von Essen. Bei all dem war meine Umgebung (relativ) Tolerant. Nur ein paar entgeisterter Blicke und Zurufe von Autofahrern und eine Familie, die nur wenig von meinem Essen aß.

    Für mich problematischer wurde es beim Einkaufen. Während Aldi und co gerade noch auszuhalten sind, wenn ich genau weiß, was ich wo will, kann ich größere Läden wie Kaufland kaum mehr betreten. Erst jetzt merke ich in was für einem Überfluss wir hier leben. Es ist für mich nicht zu verstehen warum wir 40 Nudelsorten zur Auswahl haben müssen und das Obst vom Morgen, dass mittags noch nicht verkauft ist, entsorgt werden muss.

    Auch die Lebenseinstellung ist hier gänzlich anders. Hierzu eine kleine Anekdote.

    Als ich einem Bekannten erzählte, dass ich einen halben Tag nur in einem Wald gewesen sei und dort den Vögeln zugehört hatte, sagte dieser „Pass aber auf, dass du das nicht zu häufig tust. Du muss was Vernünftiges lernen damit du mal Geld verdienen kannst und glücklich wirst.“ Als Nachsatz kam noch. „Du hast doch jetzt schon ein Jahr (in Indien) verloren, jetzt musst du dich aber ran halten.“

    Das dieser Halbe Tag im Wald mich glücklich gemacht hat, wie kaum etwas anderes, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

    Draußen hört man häufig Deutsche seien nur auf Arbeit und Geld aus. Es stimmt leider. (Es gibt zum Glück einige Ausnahmen)

    Eine Andere ungewohnte Sache ist das Deutsch. Alles sprechen hier deutsch und viel dramatischer, alle verstehen es auch noch. Wasser einfach aus dem Hahn zu trinken ist ebenfalls noch immer ungewohnt.

    Das unangenehmste aber war das Wetter. Von 30° C in der Nacht zu 14 °C und Regen. Die ersten Tage wollte ich immer nur in Sandalen und T-Shirt raus, da war die erste Erkältung schon einprogrammiert.

    Aber Deutschland hat auch Vorteile. Endlich wieder Weihnachtssachen am 20. August kaufen, einen richtigen Herbst mit bunten Bäumen erleben und keine 10 Stunden für 600 km Bahnfahrt brauchen. Dafür ist aber auch alles sooo teuer.

    PS: Den ersten Teil des Textes habe ich vor einem Jahr in Indien geschrieben und nur ein wenig angepasst. Und die Frage wo ich Zuhause bin werde ich wohl noch eine Weile nicht eindeutig beantworten können.


  4. Kleinigkeiten

    6. November 2017 von Mira

    Es regnet und regnet und regnet. Alles geht langsamer, falls es überhaupt noch geht. Die Feuchtigkeit, nein, Nässe von allen Seiten, setzt den Motorrädern zu, die noch häufigeren Stromausfälle machen das elektronische Bezahlen an der Kasse mit der Aurocard oft unmöglich und es kostet einen sehr viel Überwindung, sich mehr als nötig durch diesen Regen zu kämpfen, um z.B. ins Fitnessstudio oder zum Salsaunterricht zu kommen. Der Schimmel hat längst schon auf mehr als nur unsere Kleidung übergesetzt. Nun möchte ich aber in diesem Beitrag einmal über die Kleinigkeiten der vergangenen zwei Monate berichten, die einem schon zum Alltag geworden sind:

    -Kardamon befindet sich hier in sehr vielen Lebensmitteln, egal ob in Chutneys, Süßigkeiten, Kichererbsenaufläufen, Erdnussbutter oder sogar im Brot

    -Dass Auroville keine Stadt und erst recht keine Großstadt wie Berlin ist, merkt man immer wieder auch daran, dass, wenn man mit dem Motorrad von einem Ende zum anderen (in 10 Minuten) fährt, man mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit jemanden trifft, den man kennt. Und mein Bekanntenradius wird von Woche zu Woche immer größer, sodass diese Wahrscheinlichkeit weiter steigt.

    -Wenn ich die Wahl zwischen Hock- und Sitztoilette habe, bevorzuge ich mittlerweile schon die Hocktoilette, denn sie ist nicht nur physiologisch betrachtet für den Körper besser, sondern irgendwie auch hygienischer.

    -In öffentlichen Bussen hier nimmt man auch mal die Einkäufe oder gar Kleinkinder anderer Leute auf den Schoß, wenn der Bus sehr voll ist und nicht alle sitzen können. Auch wird das Geld für die Fahrkarte durch den Bus zum Schaffner durchgereicht, wenn es sehr voll ist und das Ticket sowie evtl. Rückgeld wird auch problemlos zurück durch den Bus gereicht.

    -Die Ratten in meiner Kapsel knabbern mir meine Unterhosen weg, egal wie ich schon versucht habe, sie zu lagern. Selbst an meinen Stoffhosen und Fingernägeln haben sie sich versucht. Da ich nun bereits die Hälfte meiner Unterhosen verloren habe und man hier keine guten bekommt, habe ich Rattenfallen aufgestellt. Schon vier Ratten und ein Streifenhörnchen mussten dran glauben und eine Ratte hat es irgendwie geschafft, sich dabei den Schädel spalten zu lassen und ihr Hirn in meiner Hütte zu verteilen.

    -Kokosnüsse sind überall einsetzbar, ob frisch vom Baum oder geraspelt in einer Gemüsepfanne, ob zum Kratzen oder zum Feuer anzünden. Und dann gibt es sie hier auch noch in Hülle und Fülle zu niedrigen Preisen. Prinzipiell kann man die Kokosnuss in drei Altersphasen einteilen: Die ganz frischen vom Baum haben noch einen Saft, der prickelnd frisch ist, und wabbeliges Fruchtfleisch. Etwas ältere besitzen einen Saft, der nicht mehr ganz so lecker ist, dafür ist das Fruchtfleisch knackig fest. Die ganz alten Kokosnüsse, die vor dem Knacken schon klappern, besitzen gar keinen Saft mehr und das Fruchtfleisch ist zäh und gummiartig und hat noch einmal einen ganz anderen Geschmack als in jüngeren Phasen.

    -Indische Krankenhäuser sind so stark gekühlt, dass man sich eigentlich gleich eine Erkältung zuzieht und somit eher krank als gesund wird. Aber keine Sorge, ich war nicht krank und hatte auch keinen Unfall, ich habe mir nur einen Vortrag über ecological sanitation von Lucas, meinem Chef, angehört.

    -Die Sonne hier hat gefühlt eine enorme Strahlkraft. Selbst morgens um 7 Uhr treibt sie einem schon den Schweiß auf die Stirn.

    -Wenn man mich nach meinem Namen fragt und ich Mira sage, dann fragt man gleich oft hinterher, wie meine Eltern denn dazu gekommen sind, mich Mira zu nennen. Ertsens besitze ich nämlich den gleichen Vornamen wie „die Mutter“, die Gründerin Aurovilles, und zweitens ist Mira auch ein typisch indischer Name. Meine Antwort darauf ist stets dieselbe: Mira ist ein indogermanischer Name, der von Skandinavien bis nach Indien verbreitet ist und das erste mal schon vor 3500 Jahren schriftlich erwähnt wurde als Stadtname bei den Hethitern.

    -Ich vermisse das Klavierspielen sehr. In Auroville stehen ein paar wenige Klavier oder gar Flügel herum, doch wirklich auf ihnen spielen kann(darf) ich nicht. Nun hatte ich mir überlegt, mir ein Keyboard zu kaufen, doch während des Monsuns scheint es keine sinnvolle Idee zu sein, da die hohe Luftfeuchte (die während des Monsuns einfach noch höher als sonst ist) der Elektronik ziemlich schnell zusetzen könnte. Und sich Klavierunterricht in Pondi zu nehmen funktioniert irgendwie auch nicht. Also habe ich mir aus Verzweiflung eine Klaviatur auf Papier gemalt. Ob ich nun Fehler mache, kann ich leider nicht hören, doch ich hoffe, so zumindest meine Fingerfertigkeit beizubehalten (bzw. wieder aufzubauen).

    -Brot backen in einem Holzofen macht viel Spaß, auch wenn man zuerst dafür einiges an Holz hacken muss (was auf Dauer anstrengend ist) und man bei Regen und Feuchtigkeit mehrere Versuche zum Anfachen des Feuers benötigt. Auch wird man dabei ziemlich eingeräuchert und die Hitze des Feuers treibt einen den Schweiß aus den Poren. Doch am Ende darf man seine ersten eigenen, warmen Brötchen probieren, das macht die Mühe wett.

    -Es ist herrlich, jeden Tag barfuß laufen zu können, die Erde auf Discipline jeden Tag mit seinen nackten Füßen in all seinen Zuständen, mal matschig, mal trocken, mal glatt, mal picksig, zu spüren. Auch gefällt es mir, dass man in allen Cafes und Häusern, ob Town Hall, Supermarkt oder Büro, die Schuhe auszieht. Meine Füße sind irgendwie dauerdreckig, egal wie oft ich sie wasche. Oder ich gebe mir einfach nicht genug Mühe. Die anderen meinen, ich hätte ein besonderes Talent dafür, stets dreckige Füße zu haben. Ich glaube, so richtig sauber werden sie wohl erst wieder in Deutschland sein. Lediglich nach nächtlichen Poolpartys kommen sie nahezu an den Zustand vollständiger Sauberkeit heran.


  5. Leidenschaft

    4. November 2017 von Manuel

    Liebes Tagebuch, ich weiß noch genau, als ich meinen Eltern vor Jahren vorschlug, ich wolle doch einen Motorad Führerschein machen. Die dannach folgende Debatte habe ich nicht mehr ganz im Kopf, aber ich weiß noch, dass Sätze wie „wir enterben dich“, oder „ab jetzt bist du finanziell auf dich gestellt“ fielen. Da solche elterlichen Druckmittel in der Regel recht gut funktionieren, habe ich mir das Thema Motorad für viele Jahre aus dem Kopf geschlagen.

    Nun aber ist der glückliche Umstand gegeben, dass ich mehrere tausend Kilometer von meinen Erzeugern entfernt bin und sie über die Existenz dieses Tagebuchs nicht informiert sind, also kann ich’s dir liebes Tagebuch ja verraten: Ich bin stolzer Besitzer einer „Honda Passion Pro“ mit 100cc unterm Arsch. 

     

    Besonders das Fahren durch Pondycherry versetzt mich regelmäßig in einen Drogenrausch aus Benzin, Lärm und Smog. Die indische Seele lässt sich meines Erachtens am besten auf 2 Rädern erfahren. Der Mix aus meditativer Konzentration und latenter Todesangst versetzt mich in einen Zustand äußerster Extase.

    Hier der heransausende Bus, da das tuk tuk, das im Stil eines „mexican standoff“ auf mich zurast, wer bremst verliert und ich lasse mich weiter im Rausch der Farben durch den nie enden wollenden Schwall von Eindrücken treiben. Am Ende der Fahrt halte ich mit zitternden Händen und geweiteten Pupillen an und genieße das Gefühl, dem Tod ein weiteres mal von der Schippe gesprungen zu sein.

    Tja liebes Tagebuch, was soll ich sagen, ich und meine Passion Pro kommen uns jeden Tag ein Stück näher, vielleicht ist sie nur eine Liebschaft für ein Jahr, vielleicht aber auch viel mehr. Ich muss erstmal meine Gefühle sammeln und abwarten wie es sich zwischen uns entwickelt. Wie auch immer es ausgeht, ich werde dir davon berichten…