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  1. Kleinigkeiten

    November 6, 2017 by Mira

    Es regnet und regnet und regnet. Alles geht langsamer, falls es überhaupt noch geht. Die Feuchtigkeit, nein, Nässe von allen Seiten, setzt den Motorrädern zu, die noch häufigeren Stromausfälle machen das elektronische Bezahlen an der Kasse mit der Aurocard oft unmöglich und es kostet einen sehr viel Überwindung, sich mehr als nötig durch diesen Regen zu kämpfen, um z.B. ins Fitnessstudio oder zum Salsaunterricht zu kommen. Der Schimmel hat längst schon auf mehr als nur unsere Kleidung übergesetzt. Nun möchte ich aber in diesem Beitrag einmal über die Kleinigkeiten der vergangenen zwei Monate berichten, die einem schon zum Alltag geworden sind:

    -Kardamon befindet sich hier in sehr vielen Lebensmitteln, egal ob in Chutneys, Süßigkeiten, Kichererbsenaufläufen, Erdnussbutter oder sogar im Brot

    -Dass Auroville keine Stadt und erst recht keine Großstadt wie Berlin ist, merkt man immer wieder auch daran, dass, wenn man mit dem Motorrad von einem Ende zum anderen (in 10 Minuten) fährt, man mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit jemanden trifft, den man kennt. Und mein Bekanntenradius wird von Woche zu Woche immer größer, sodass diese Wahrscheinlichkeit weiter steigt.

    -Wenn ich die Wahl zwischen Hock- und Sitztoilette habe, bevorzuge ich mittlerweile schon die Hocktoilette, denn sie ist nicht nur physiologisch betrachtet für den Körper besser, sondern irgendwie auch hygienischer.

    -In öffentlichen Bussen hier nimmt man auch mal die Einkäufe oder gar Kleinkinder anderer Leute auf den Schoß, wenn der Bus sehr voll ist und nicht alle sitzen können. Auch wird das Geld für die Fahrkarte durch den Bus zum Schaffner durchgereicht, wenn es sehr voll ist und das Ticket sowie evtl. Rückgeld wird auch problemlos zurück durch den Bus gereicht.

    -Die Ratten in meiner Kapsel knabbern mir meine Unterhosen weg, egal wie ich schon versucht habe, sie zu lagern. Selbst an meinen Stoffhosen und Fingernägeln haben sie sich versucht. Da ich nun bereits die Hälfte meiner Unterhosen verloren habe und man hier keine guten bekommt, habe ich Rattenfallen aufgestellt. Schon vier Ratten und ein Streifenhörnchen mussten dran glauben und eine Ratte hat es irgendwie geschafft, sich dabei den Schädel spalten zu lassen und ihr Hirn in meiner Hütte zu verteilen.

    -Kokosnüsse sind überall einsetzbar, ob frisch vom Baum oder geraspelt in einer Gemüsepfanne, ob zum Kratzen oder zum Feuer anzünden. Und dann gibt es sie hier auch noch in Hülle und Fülle zu niedrigen Preisen. Prinzipiell kann man die Kokosnuss in drei Altersphasen einteilen: Die ganz frischen vom Baum haben noch einen Saft, der prickelnd frisch ist, und wabbeliges Fruchtfleisch. Etwas ältere besitzen einen Saft, der nicht mehr ganz so lecker ist, dafür ist das Fruchtfleisch knackig fest. Die ganz alten Kokosnüsse, die vor dem Knacken schon klappern, besitzen gar keinen Saft mehr und das Fruchtfleisch ist zäh und gummiartig und hat noch einmal einen ganz anderen Geschmack als in jüngeren Phasen.

    -Indische Krankenhäuser sind so stark gekühlt, dass man sich eigentlich gleich eine Erkältung zuzieht und somit eher krank als gesund wird. Aber keine Sorge, ich war nicht krank und hatte auch keinen Unfall, ich habe mir nur einen Vortrag über ecological sanitation von Lucas, meinem Chef, angehört.

    -Die Sonne hier hat gefühlt eine enorme Strahlkraft. Selbst morgens um 7 Uhr treibt sie einem schon den Schweiß auf die Stirn.

    -Wenn man mich nach meinem Namen fragt und ich Mira sage, dann fragt man gleich oft hinterher, wie meine Eltern denn dazu gekommen sind, mich Mira zu nennen. Ertsens besitze ich nämlich den gleichen Vornamen wie „die Mutter“, die Gründerin Aurovilles, und zweitens ist Mira auch ein typisch indischer Name. Meine Antwort darauf ist stets dieselbe: Mira ist ein indogermanischer Name, der von Skandinavien bis nach Indien verbreitet ist und das erste mal schon vor 3500 Jahren schriftlich erwähnt wurde als Stadtname bei den Hethitern.

    -Ich vermisse das Klavierspielen sehr. In Auroville stehen ein paar wenige Klavier oder gar Flügel herum, doch wirklich auf ihnen spielen kann(darf) ich nicht. Nun hatte ich mir überlegt, mir ein Keyboard zu kaufen, doch während des Monsuns scheint es keine sinnvolle Idee zu sein, da die hohe Luftfeuchte (die während des Monsuns einfach noch höher als sonst ist) der Elektronik ziemlich schnell zusetzen könnte. Und sich Klavierunterricht in Pondi zu nehmen funktioniert irgendwie auch nicht. Also habe ich mir aus Verzweiflung eine Klaviatur auf Papier gemalt. Ob ich nun Fehler mache, kann ich leider nicht hören, doch ich hoffe, so zumindest meine Fingerfertigkeit beizubehalten (bzw. wieder aufzubauen).

    -Brot backen in einem Holzofen macht viel Spaß, auch wenn man zuerst dafür einiges an Holz hacken muss (was auf Dauer anstrengend ist) und man bei Regen und Feuchtigkeit mehrere Versuche zum Anfachen des Feuers benötigt. Auch wird man dabei ziemlich eingeräuchert und die Hitze des Feuers treibt einen den Schweiß aus den Poren. Doch am Ende darf man seine ersten eigenen, warmen Brötchen probieren, das macht die Mühe wett.

    -Es ist herrlich, jeden Tag barfuß laufen zu können, die Erde auf Discipline jeden Tag mit seinen nackten Füßen in all seinen Zuständen, mal matschig, mal trocken, mal glatt, mal picksig, zu spüren. Auch gefällt es mir, dass man in allen Cafes und Häusern, ob Town Hall, Supermarkt oder Büro, die Schuhe auszieht. Meine Füße sind irgendwie dauerdreckig, egal wie oft ich sie wasche. Oder ich gebe mir einfach nicht genug Mühe. Die anderen meinen, ich hätte ein besonderes Talent dafür, stets dreckige Füße zu haben. Ich glaube, so richtig sauber werden sie wohl erst wieder in Deutschland sein. Lediglich nach nächtlichen Poolpartys kommen sie nahezu an den Zustand vollständiger Sauberkeit heran.


  2. Essensplan

    Oktober 23, 2017 by Mira

    Unsere Kleidung hing mehrere Tage hinweg durchnässt auf der Wäscheleine und wurde einfach nicht trocken, die Sandpisten haben sich in beständige Matschpisten verwandelt und alles in unseren Kapseln war (ist) klamm und fing an zu müffeln oder gar zu schimmeln. Außerdem wurde hier tagelang herumgeböllert (und gefeiert), denn es fand eines der Hauptfeste Südindiens statt: Deepavali. Die freien Tage mit Schlemmerein und auf ein paar Festen verbringend, gibt es mittlerweile auch wieder mal Sonnenschein, der unsere Wäsche zum Trocknen bringt.

    So viel über die aktuelle Lage. Doch wie der Titel schon verrät, will ich in diesem Blogbeitrag über etwas anderes berichten. Schon des Öfteren wurde ich danach gefragt und daher nun die Antwort auf die Frage: Was esse ich hier eigentlich?

    Frühstück:

    Ein frisch geborenes Kalb

    Ich wohne ja auf einer Farm. Und auf dieser Farm gibt es nicht nur viele Pflanzen, Insekten und Spinnentiere, sondern auch Ziegen und Kühe. Und Kühe liefern ja bekanntlich Milch. Um mich nicht völlig vegan ernähren zu müssen, habe ich gleich zu Anfang ein Milchabo auf Discipline bezogen. Nun gibt es jeden Morgen Milch frisch aus dem Euter. Als Großstadtkind kannte ich das bisher nicht und bin ziemlich froh, es hier ein Jahr lang erleben zu dürfen, denn diese Milch schmeckt wirklich sehr gut! Zum Frühstück gibt es daher meist Milchreis, Eierkuchen oder Porridge. Und Bananen. Bananen bekommt man hier überall zu billigen Preisen und sie sind nicht nur für Zwischendurch gut geeignet, sondern auch für jegliche Süßspeisen und manche herzhafteren Speisen. Doch nicht immer verwende ich meine Milch gleich sofort als solche. Manchmal stelle ich auch Joghurt oder Butter aus ihr her.

    Mittagessen:

    Mittags gibt es zwei Optionen für mich: Entweder gehe ich auswärts essen oder ich mache mir in der Küche auf Discipline meine Reste vom Vorabend in der Pfanne warm. Zeit zum Kochen finde ich während der Arbeitswoche eher weniger. Wenn ich nun auswärts essen gehe, gibt es eigentlich nur zwei Orte, die ich wirklich regelmäßig besuche. Option A ist das G.P.Cafe, ein Restaurant direkt gegenüber von meiner Arbeitsstelle. Dort bekommt man typisch südindisches Essen, also entweder ein meal (Reis mit verschiedenen Chutneys und Chapatis) oder z.B. paper dosa. Und man isst natürlich mit der Hand. Option B ist die solar kitchen. Das ist DIE Mensa von Auroville. Wenn man dort mittags essen geht, trifft man immer irgendjemanden, den man kennt. Seine Mitfreiwilligen, seine Mentoren und Koordinatoren, seinen Tanzlehrer oder irgendwelche anderen Aurovillianer und Volunteers. Wie sieht es hier mit dem Essen aus? So richtig typisch indisch ist das Essen eher weniger, aber typisch europäisch auch nicht wirklich. Es ist etwas dazwischen. Mal gibt es Reis, mal Hirse, mal Kartoffeln und mal Nudeln. Dazu stets irgendwelche Soßen, Salate, Joghurt und lemon juice. Und man darf sich so oft nachnehmen, wie man möchte. Außerdem ist es möglich, auch hier ein Abonnement zu beziehen, entweder für 3 oder für 6 Tage die Woche. Ich habe mich mittlerweile für erstere Variante entschieden.

    Eingang zur solar kitchen

    Vor der solar kitchen

    in der solar kitchen

    Abendessen:

    Abends koche ich mir meist selbst etwas. Mit anderen Worten: abends gibt es meistens eine Gemüsepfanne mit Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Und kleinen Variationen. So sind schon einge leckere Rezepte entstanden. In der Anfangszeit habe ich zum Kochen noch sehr viel Zeit gebraucht, doch mittlerweile verringert sich meine Kochzeit von mal zu mal. Außerdem werde ich experimentierfreudiger. Gerne würde ich mir auch mal für ein paar Tage vorkochen, doch leider ist unser Kühlschrank ziemlich klein und auch in diesem werden die Lebensmittel relativ schnell schlecht. Allgemein muss man frisches Obst und Gemüse, bedingt durch die hiesigen tropischen Verhältnisse, gleich sofort verarbeiten. Daher sind Großeinkäufe auf dem Markt von Pondi nicht möglich, auch wenn man das gerne sowohl aus zeitlichen als auch aus finanziellen Gründen sehr gerne tun würde, denn auf dem Markt von Pondi bekommt man alles am billigsten. Die Supermärkte von Auroville sind relativ teuer und die Supermärkte sowie die am Straßenrand aufgebauten Stände in den umliegenden Dörfern sind schon billiger, aber immer noch teurer als der Markt in Pondi.

    An vielfältigem Obst und Gemüse mangelt es hier nicht. Vieles wird hier verkauft, was auch in Deutschland leicht zu bekommen ist, jedoch sieht einiges anders aus und ist auch geschmacklich verschieden. Für uns „exotische“ Arten und Sorten haben wir auch schon probiert, doch nicht immer hat es uns geschmeckt.

    Wie man dem letzten Bild mit der Gemüsereispfanne vielleicht entnehmen kann, hat bei uns in der Küche auf Discipline tagelang das Licht nicht funktioniert, denn Ameisen hatten sich in unseren Lichtschalter eingenistet und irgendwie das gesamte Schaltsystem lahm gelegt. Es folgten daher viele Kochabende im Stirmlampen- und Kerzenschein. Doch mittlerweile konnte dieses Problem behoben werden – die regnerischen Tage sind nun jedoch auch vorbei (bzw. der Wintermonsun lässt noch auf sich warten).


  3. Einkaufen in Pondicherry

    September 16, 2017 by Mira

    Um kurz vor halb 9 kommt der Bus, der mich nach Pondicherry bringt. Bärbel und Frank fahren auch mit, denn auch sie wollen in Pondi einkaufen gehen. Wir verlassen Auroville und schon bald zeigt sich das typische Indienbild am Straßenrand. Je näher wir Pondi kommen, desto voller werden die Straßen und schließlich halten wir vor der Ashram Dining Hall. Frank und Bärbel wollen im Ashram zuerst noch meditieren und so mache ich mich allein mit der Wegbeschreibung auf zum Markt. Zuerst durchquere ich eine Tempelanlage, in der auch jetzt morgens schon reger Betrieb herrscht. Danach soll ich links in die Nehrustreet einbiegen, eine Haupteinkaufsstraße hier und so lange weiter geradeaus laufen, bis mir intensiver Fischgeruch entgegenkommt. Prompt finde ich mich in einem Gewimmel wieder, wie ich es bisher nicht kenne. Die Tamilen in ihren bunten Kleidern drängeln sich in Massen durch die engen Gänge. Jeder Verkäufer preist laut seine Ware an und man muss aufpassen, dass man nicht auf sie rauf tritt, wenn sie nicht gar schon in den Gang gefallen/gerollt ist. An der einen Ecke riecht es nach Fisch, an der nächsten nach den herrlich duftenden Jasmingirlanden. Obst und Gemüse wird in allen möglichen Größen und Formen angeboten. Nicht gekühltes Fleisch wird vor den Augen des Kunden kleingehackt. Lange laufe ich nur kreuz und quer, bevor ich anfange, etwas zu kaufen, denn erstmal möchte ich mir einen Überblick verschaffen. Zum Glück haben einige Händler Preisschilder ausgehängt, so dass ich weder durch fehlende Sprach- noch Feilschkenntnisse beeinträchtigt werde. Gemüse bekommt man hier ziemlich billig (3kg in der Summe für ca. 1€) und so laufe ich mit einer vollen Karstadtplastiktüte (denn erstaunlicher Weise gibt es hier beim Kauf keine Plastiktüten dazu) durch die Nehrustreet zurück zum Bus. Mittlerweile haben in dieser Haupteinkaufsstraße die ersten Geschäfte aufgemacht und voller Neugier schaue ich in einige Modegeschäfte hinein. Wie farbenfroh sich die Inder doch kleiden! Letztlich setze ich mich aber noch in einen Park, nasche ein bisschen Halwa und beobachte die Bewohner Pondicherrys. Pondi scheint nicht nur hinduistische (oder buddhistische) Tamilen zu beheimaten, denn es laufen auch immer wieder verschleierte Frauen und sogar ein paar Nonnen an mir vorüber. Doch eine französische Beeinflussung durch die Kolonialzeit macht sich mir bisher eigentlich nur an den Straßennamen sowie in gewisser Weise an der Architektur bemerkbar.

     

    Gerne würde ich euch ein paar Bilder von meinem heutigen Erlebnis zeigen, doch leider habe ich vergessen, meine Kamera mitzunehmen und daher kann ich euch nur das leckere Ergebnis des heutigen Tages zeigen.


  4. Der Geschmack von Mangos

    Juli 12, 2016 by Kaya

    Mangos… wie könnten wir den ganzen Tag nur Mangos essen. Kleine, Große, dicke dünne, grüne oder orangene, welche die gepunktet sind, zweifarbig, weich oder noch ein wenig unreif.

    Mangos gehören für mich genauso nach Auroville, wie das Bild der kleinen Aurovillianer, die auf den Mangobäumen sitzen und stundenlang die Mangos um sich herum pflücken und verspeisen.

    Jeder Mangobaum gibt Früchte anderer Farbe und Form und anderen Geschmacks her, und so hat man doch wirklich jede Menge Auswahl. Es gibt auch so viele Mangobäume in Auroville, dass dies die einzige Frucht ist die wirklich in großen Mengen von hier exportiert wird. Und da die Farm die kleinen kaum verkaufen kann bekommen wir die manchmal.

    Was macht man am besten mit einem Haufen Mangos?

    Mango Juice, von dem einfach niemand genug haben kann. Oder Mango Püree, das ich mir ins Glas mit ein bisschen Müsli abfülle.

    Aber aufpassen! Mangos sind trotz all ihrer gesunden Vitamine Hitze-Früchte die dem Körper wärme verleihen, was in den richtig heißen Tagen doch unangenehm wird und folgen wie ‚Prickly heat’ und weiteres auslöst.

    Dafür gibt es aber einen Einfachen Trick wie man dies vermeiden kann: einfach die Mangos ein paar stunden in Wasser einlegen und schon kann man so viele von ihnen wie man will ohne blöde Nebenwirkungen genießen.

    Hat die Mango ziemlich auffällige kleine punkte, ist das übrigens ein Zeichen dafür, dass sie gespritzt ist.

    Also meine lieben Indien Reisenden, oder alle die es einmal werden möchten.

    Freut euch auf die Mango Season.