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‘Allgemein’ Category

  1. Einkaufen in Pondicherry

    September 16, 2017 by Mira

    Um kurz vor halb 9 kommt der Bus, der mich nach Pondicherry bringt. Bärbel und Frank fahren auch mit, denn auch sie wollen in Pondi einkaufen gehen. Wir verlassen Auroville und schon bald zeigt sich das typische Indienbild am Straßenrand. Je näher wir Pondi kommen, desto voller werden die Straßen und schließlich halten wir vor der Ashram Dining Hall. Frank und Bärbel wollen im Ashram zuerst noch meditieren und so mache ich mich allein mit der Wegbeschreibung auf zum Markt. Zuerst durchquere ich eine Tempelanlage, in der auch jetzt morgens schon reger Betrieb herrscht. Danach soll ich links in die Nehrustreet einbiegen, eine Haupteinkaufsstraße hier und so lange weiter geradeaus laufen, bis mir intensiver Fischgeruch entgegenkommt. Prompt finde ich mich in einem Gewimmel wieder, wie ich es bisher nicht kenne. Die Tamilen in ihren bunten Kleidern drängeln sich in Massen durch die engen Gänge. Jeder Verkäufer preist laut seine Ware an und man muss aufpassen, dass man nicht auf sie rauf tritt, wenn sie nicht gar schon in den Gang gefallen/gerollt ist. An der einen Ecke riecht es nach Fisch, an der nächsten nach den herrlich duftenden Jasmingirlanden. Obst und Gemüse wird in allen möglichen Größen und Formen angeboten. Nicht gekühltes Fleisch wird vor den Augen des Kunden kleingehackt. Lange laufe ich nur kreuz und quer, bevor ich anfange, etwas zu kaufen, denn erstmal möchte ich mir einen Überblick verschaffen. Zum Glück haben einige Händler Preisschilder ausgehängt, so dass ich weder durch fehlende Sprach- noch Feilschkenntnisse beeinträchtigt werde. Gemüse bekommt man hier ziemlich billig (3kg in der Summe für ca. 1€) und so laufe ich mit einer vollen Karstadtplastiktüte (denn erstaunlicher Weise gibt es hier beim Kauf keine Plastiktüten dazu) durch die Nehrustreet zurück zum Bus. Mittlerweile haben in dieser Haupteinkaufsstraße die ersten Geschäfte aufgemacht und voller Neugier schaue ich in einige Modegeschäfte hinein. Wie farbenfroh sich die Inder doch kleiden! Letztlich setze ich mich aber noch in einen Park, nasche ein bisschen Halwa und beobachte die Bewohner Pondicherrys. Pondi scheint nicht nur hinduistische (oder buddhistische) Tamilen zu beheimaten, denn es laufen auch immer wieder verschleierte Frauen und sogar ein paar Nonnen an mir vorüber. Doch eine französische Beeinflussung durch die Kolonialzeit macht sich mir bisher eigentlich nur an den Straßennamen bemerkbar.

     

    Gerne würde ich euch ein paar Bilder von meinem heutigen Erlebnis zeigen, doch leider habe ich vergessen, meine Kamera mitzunehmen und daher kann ich euch nur das leckere Ergebnis des heutigen Tages zeigen.


  2. Ein Traum?!

    September 7, 2017 by Mira

    Wir rasen mit unseren Fahrrädern durch die finstre Tropennacht, einzig erhellt durch den Vollmondschein und unsere schwachen Stirnlampen. Über holprige Sandpisten wollen wir nach Hause. Ständig blitzen grüne Punkte im Gestrüpp längs des Weges auf, wenn wir unseren Blick dorthin wenden. Auf einmal erscheinen zwei große, grüne Punkte. Beim sich ihnen Nähern fangen sie an zu bellen. Doch schon sind wir auf der Farm. Unter nur Silhouetteartig zu sehenden riesigen Kokospalmen und zwischen diesen umherfliegend winzige Glühwürmchen wandeln wir zu unseren Kapseln, freudig, unsere geduldeten Mitbewohner Ameise, Spinne und Co wiederzusehen. Lediglich die Mücken könnten gern fern bleiben. So legen wir uns zu Ruh. Den Grillen, Vögeln und Mücken sowie natürlich der tamilischen Tempelmusik träumend hörn zu.

    Hier mal ein paar Bilder dieser sogenannten Kapseln, in denen ich jetzt zusammen mit Daniel und Jasper wohne:

    Die ganzen schwarzen Punkte in der Kiste sind übrigens Ameisen. Und das kleine rote Häuschen ist unsere Komposttoilette. Wer  mehr über Discipline erfahren möchte, der kann sich auch gerne diesen etwas älteren Blogbeitrag durchlesen:

    Oh, wie schön ist Discipline!


  3. Liebes Tagebuch

    September 2, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch,  seit einer Woche bin ich nun an diesem heißen und staubigen Ort der sich Auroville nennt. Ein klebender Schweißfilm auf der Haut ist mein steter Begleiter und ich habe schon die Hälfte meiner Sonnencreme Reserven aufgebraucht, aber ansonsten erfreue ich mich bester Laune und Gesundheit. Dies liegt vor allem daran, weil die erste Woche voll von schönen ersten Malen war. Das erste Mal Pondicherry besuchen, das erste Mal Verlaufen und von einem freundlichen Tamilen wieder zum guesthouse gefahren werden, das erste Mal mit dem Moped über staubige Pisten ballern, oder das erste Mal das Matrimandir besuchen. Das Essen hier ist fantastisch und die erwartete Darmexplosion ist ausgeblieben. Die Stimmung in der Gruppe ist ebenfalls alles andere als explosiv, denn man lernt sich jeden Tag etwas besser kennen und Freundschaften entstehen. Jedem Anfang liegt ein Zauber inne, wie schon Hermann Hesse auf seinen Reisen fest stellte und Auroville scheint genauso zauberhaft wie erwartet. (bis auf die Mücken die kleinen Drecksviecher)


  4. Die ersten Tage

    September 2, 2017 by Mira

    Gelandet bin ich nun schon vor einigen Tagen und unsere „Einführungswoche“ ist vorüber. Am Montag beginnt dann endlich das „normale“ Leben hier in Auroville für mich. Doch wie waren die ersten Eindrücke für mich? Das erste, was einem auffällt, sind das tropische Klima und die Vegetation. Wir kommen aus dem Flughafen raus und eine feuchte, warme Luft kommt uns entgegen. Wir werden mit zwei Kleinbussen vom Airport Chennai nach Auroville gefahren und erleben gleich mal eine Kostprobe vom halsbrecherischen indischen Linksverkehr, mit dem ich immer noch Schwierigkeiten habe. Alles hupt, überall Kühe, Hunde und Müll und dunkle Menschen in indischen Gewändern. Das tropische Flachland von Tamil Nadu rast an uns vorbei während wir mit lauter tamilischer Musik beschallt werden. In Auroville selbst sieht man dann auf einmal wieder nicht nur Tamilen, sondern auch Nordinder, Ostasiaten und Europäer. Auroville selbst ist nicht Indien. Auroville selbst ist ein internationaler Ort, an dem so vieles möglich scheint.

    In unserer Einführungswoche haben wir die Projekte, in denen wir alle arbeiten werden, kennengelernt, die wichtigsten Orte von Auroville vorgestellt bekommen, viel Organisatorisches geklärt und Gespräche bzw. Diskussionen mit Aurovillianern gehabt. Noch leben wir (also 19 Weltwärtsler) zusammen in einem Guesthouse, doch am Sonntag ziehen wir alle in unsere eigenen Häuser oder Wohnungen und leben dann in kleinen WGs zusammen.

    In Auroville selbst ist der Verkehr glücklicher Weise nicht ganz so voll. Da wir uns gerade im Sommermonsun befinden, wimmelt es hier leider nur so vor Mücken. In unserem Guesthouse kreucht und fleucht es nur so vor Insekten, Geckos und Fröschen. Das Essen mit der Hand ist mittlerweile schon Normalität geworden, genauso wie die tagtäglichen Stromausfälle. Oft hört man aus den Dörfern rings um Auroville tamilische Tempelmusik. Viele Straßen sind weder geteert noch gepflastert und so wird bei Trockenheit von größeren Verkehrsteilnehmern sehr viel Staub aufgewirbelt. Während eines Regens dagegen verwandelt sich der holprige, rote Lateritboden in einen fast unpassierbaren, matschigen Weg. Die früh und schnell einsetzende Dunkelheit erleichtert das Fahrradfahren auch nicht gerade unbedingt. Nichtsdestotrotz ist das Fahrradfahren hier in Auroville tausendmal angenehmer als in der Stadt Pondicherry, die südlich von Auroville liegt. Aber ich habe es ohne einen Kratzer überlebt und wenn ich ehrlich sein soll: Ich liebe dieses Chaos. Ständig will sich jemand vor dich drängeln, Kühe stehen mitten auf dem Weg, tausend mehr oder weniger angenehme Düfte strömen auf einen ein und gleichzeitig zum Hupkonzert hört man einen Muezzin zum Gebet aufrufen. Ich denke, ich werde dieser Stadt desöfteren einen Besuch abstatten.

    Hier noch ein paar erste Bilder, viele weitere sollen noch folgen:


  5. Organic Farming

    März 14, 2017 by Cengizhan

    Bevor ich nach Auroville gekommen bin, hatte ich keinen blassen Schimmer ueber Farming. Genau genommen habe ich immernoch nicht viel Ahnung davon. Ich habe festgestellt, wie gross dieses Gebiet ist. Es wuerde Jahrzehnte in Anspruch nehmen, bis man sich einen Meister in diesem Gebiet nennen kann. Ich habe das Gefuehl, dass die Bauern in Deutschland wissen, wie man anpflanzt, duengt, erntet und das Feld danach wieder in seine Form bringt, aber das wars dann auch schon. Hier wird viel Wissenschaft mitreingebracht und man geht bis ins kleinste Detail, bis zum Mikrometer. Das hat mir gezeigt, dass hinter Farmarbeit, ganz besonders organic farming, enorm viel steckt und man nicht nur den Samen in die Erde klatscht und es wird food daraus. Dadurch, dass mir die Farmleiter viele Fragen beantworten und auch von selbst jeden Schritt erklaeren, den sie tun, ist mein Verstaendnis fuer Prozesse in der Natur gestiegen. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Pflanzen wissen, dass Voegel ihre Fruechte aufpicken und damit auch die Samen aufnehmen, die sie spaeter wieder auskacken. Deshalb sind Fruechte auch bunt und schmackhaft, um sie den Voegel attraktiv zu machen, denn der Vogel dient zum Transport der Samen und so kann sich die Pflanze problemlos fortpflanzen. Die Papaya ist ein gutes Beispiel. Sie ist extrem suess, strahlt mit buntem orange und wird sehr weich.

    Der Papayabaum mit dicken Fruechten.

    Ausserdem ist mir klargeworden, dass die Natur seine eigenen Ueberlebensstrategien entwickelt. Dadurch kann Leben sehr abstrakte Formen annehmen. Der Papayabaum im ganzen ist sehr weich und enthaelt viel Wasser. Man koennte ihn zu zweit problemlos zu Fall bringen. Eine andere interessante Frucht ist die Jackfruit. Ein gewoehnlicher Baum fuers westliche Auge, nur dass schwere, sehr grosse Dinge dranhaengen, die wie Abrissbirnen aussehen und dessen gelbe Fruecht im innern nach Kaugummi schmeckt.

    Die Jackfruit.

    Die Ananas waechst nicht auf einem Baum, wie die meisten wahrscheinlich gedacht haben, wie auch meine Wenigkeit. Es sind seltsame Tentakel mit aggresiven widerhaken und in der mitte spriest die Ananas heraus in ihrer vollen Pracht. Dank der Widerhaken kann man zwar von innen nach aussen  gleiten aber nicht von aussen nach innen. Eine kluge Selbstverteidigungsmethode von Mutter Natur. „Lasst mir bloss meinen Schoenheitsschlaf!“

    Die gute Ananas.

    Durch die ganze Farmarbeit ist mir ins Auge gestossen, dass farming etwas ist, dass es immer geben wird, denn ein grosser Teil unserer Ernaehrung kommt aus der Landwirtschaft. Sie wird weltweit betrieben und ich denke dass seit dem Anfang des klugen Menschen Pflanzen kultiviert werden. Das Prestige hier ist nur der switch zum organic farming, denn kein Mensch hat gerne krebserregende Stoffe in seinem Koerper, muss man zugeben.