RSS Feed

‘Allgemein’ Category

  1. Pongal

    Januar 18, 2018 by Mira

    „Hausaltar“

    Vom 13.1. bis zum 16.1. wurde hier in Tamil Nadu Pongal gefeiert, ein Erntedankfest, und in etwa so wichtig wie bei uns in Deutschland Weihnachten. Am ersten Tag verbrennt man alte Dinge und bereitet sich auf die nächsten Tage vor. Der zweite Tag, den ich bei meiner Familie in Pondi verbracht habe, ist der eigentliche Pongaltag. Jede Familie feiert ihn etwas anders, aber letztlich ist allen gemein, dass sie ein Gericht namens Pongal und weitere Speisen kochen. Diese werden dann zuerst den Göttern gegeben  und erst dann selbst gegessen, nachdem gewisse Zeremonien durchgeführt wurden,

    Auch das Haus meiner Familie in Pondi ist festlich mit Kolams geschmückt

    mit denen man den Göttern und der Natur für alles, was sie einem gegeben haben, dankt. Auch sind die Kolams während Pongal noch aufwendiger und schöner als sonst, wobei diese vor Sonnenaufgang fertig sein sollen. In den Dörfern gibt es oft Wettbewerbe, wer denn die schönsten Kolams „malt“. Da Pongal ein Erntedankfest ist und man Wohlstand und Überfluss zeigen möchte, sollte das Essen möglichst überkochen.

    Am dritten Tag dankt man den Kühen für ihre Dienste, wäscht sie und führt Rituale mit ihnen durch. Auch landwirtschaftlichen Gerätschaften dankt man rituell. Diesen Tag haben Jasper, Nina und ich an einem Baggersee verbracht, doch auf dem Weg dorthin konnten wir dies alles beobachten.

    Wir hatten den ganzen See nur für uns. Und von den Felsen zu springen macht echt Spaß.

    Der vierte Tag wird auf dem Land und in der Stadt etwas anders verbracht. An diesem Tag bekommen die jungen Leute in der Stadt (vlt. auch auf dem Land) von älteren Personen, sei es Familie oder Nachbarschaft, Geld geschenkt. In Kuilappalayam, einem Dorf bei Auroville, wurden die Kühe geheiligt und „geschmückt“ und durchs Dorf getrieben. Es wurde mit Bananen und Konfetti um sich geworfen, laute Musik gespielt und sich auf einem kleinen Markt vergnügt. Selbst Leute aus Pondicherry sind angereist, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung unter den Menschen, doch ob auch unter den Kühen, sollte man bezweifeln. Hier noch ein paar Eindrücke von diesem Event und auch ein paar Bilder von Kolams, die es massenhaft in festlicher Gestaltung dieser Tage gab:


  2. Eindrücke aus dem vergangenen Jahr

    Januar 2, 2018 by Mira

    Zum neuen Jahr ein paar Bilder aus dem vergangenen Jahr…

    Die Palmenroad nach Pondicherry

    Fahrradtouren und Spaziergänge durch den Greenbelt von Auroville zu machen ist recht erholsam, es sei denn, einem reißt die Kette

    Während der Arbeit beim Besichtigen eines Dorfes

    Ein sogenanntes „Kolam“, hier in festlicher Ausführung. Einfachere werden von den ammas jeden Tag vor die Haustür gemalt

    Manche von uns gehen gerne vor Arbeit noch mal eben ne Runde im Meer schwimmen. Bei den warmen Wassertemperaturen auch kein Problem.

    ein Deepam-Kolam

    ein Sonntagsspaziergang mit Nina

    Said bei einer Deepam-Zeremonie

    Daniel beim Warten auf den Sonnenaufgang

    Allmorgendlicher Nebel zum Ende der Monsunzeit hin. Auch sind die Felder meist mit Tau bedeckt. Bei dieser hohen Luftfeuchte wird das Motorradfahren nur im T-Shirt schon recht frisch…

    Mein letzter Morgen auf Discipline. Wir sind (fast) alle umgezogen und ich wohne mittler Weile zusammen mit Moira und Camilla in Celebration.

    Küchengroßputztag auf Discipline

    Weihnachtliches Stoffekaufen in Pondicherry. Viele von uns besitzen jetzt schon erste indische Kleidungsstücke wie Lungis, Chudidars und Saris.

    Nach getaner Arbeit auf der Annapurnafarm

    Meine tamilische „Familie“ aus Pondicherry. Die Türen dieses Hauses stehen mir jeder Zeit offen und ich habe schon viele Abende und ganze Tage dort verbracht. Endlich komme ich noch intensiver mit der indischen Kultur in Berührung und habe schon vieles gelernt. Nur mein Tamil braucht wohl noch seine Zeit.

    So lässt sich das Jahr 2017 doch gut ausklingen…

    …auch wenn man tote Schildkröten am Strand findet.

    Und zu guter Letzt ein Neujahrs-Kolam. Ich hoffe, ihr Leute da draußen irgendwo in dieser Welt, seid alle gut ins neue Jahr gerutscht. Wir sind es hier in Auroville auf jeden Fall und starten voller Motivation und Freude, noch so viel Zeit in Auroville verbringen zu dürfen, in dieses neue Jahr.


  3. Call it Christmas…

    Januar 1, 2018 by Nina

    Unser Weihnachten in Indien ist nun vorbei, erledigt, abgehakt. Langsam ist der Magen von leckeren Speisen nicht mehr dauerbesetzt. Wie gut wir uns geschlagen haben? Dieses Urteil bleibt wohl jedem selbst überlassen. Jedoch gibt es einige Hinweise, die für einen erfolgreichen Abschluss unserer Mission sprechen:

    Hinweis 1: Die Einstimmung auf unsere Mission begann in meinem Fall schon im November mit inbrünstig gesungenen Weihnachtsliedern.

    Hinweis 2: Der Advent begann für drei Celebrator (damals noch in der Auroville Community Celebration lebenden Individuen) mit einem großen Frühstück, mit nach Zimt riechendem „Weihnachtstee“ und einer Kerze.

    Hinweis 3: So viele Plätzchen, die aus einem Ofennotstand heraus in einer Pfanne oder im Holzofen zubereitet wurden, dass einem schlecht davon werden konnte. Oder anders gesagt: eine Schlittenladung Weihnachtsplätzchen in einem indischen Kühlschrank in einem leidlich weihnachtlich  dekorierten Haus.

    Hinweis 4: Die erste Weihnachtsfeier, die es jemals im Sustainable Livelihood Institute, meiner Arbeitsstelle, gegeben hat inklusiv einiger Plätzchen und leckerem Kuchen, einem kitschigen übervollen Plastikweihnachtsbaum, frohlockendem Gesang (3,5 Weihnachtslieder) und erheiterndem Tanz, einem gemeinsamen Abendessen mit meinem Chef und einem Gespräch über europäische Politik.

    Hinweis 5: Der Hinweis aus Deutschland, dass ein Päckchen pünktlich zum 24. Ankommen soll (Kam es nicht).

    Hinweis 6: Ein gemeinsames Potluck unter den Sternen, eine Mahlzeit mit einer Gruppe bei der jeder Essen mitbringt (meist nur Chips und Kekse), der dies jährigen 10. Weltwärts-Generation, bei welchem natürlich aus Faulheitsgründen nicht gewichtelt wurde, es aber einen Christbaum gab. (Ich hätte bei „Wer bin ich?“ „Fritzchen aus den Witzen“ wirklich nie erraten.)

    Hinweis 7: Ein Telefonat nach Hause und das Versprechen auf eine baldige Wiederholung.

    Hinweis 8: In einem Kleinbus nach Pondicherry zu fahren, um dort eine Christmette im indischen Stil zu erleben. Indischer Stil: Live-Übertragung der Messe in „Lourdes TV“ (oder so ähnlich) mit einem ständig durchlaufenden Werbe-Schriftband, ganz vielen auf dem Boden sitzenden in farbenfrohe Festkleidung gehüllten Indern, einem lebensgroße Jesus-Kind-Puppe, die ihren Weg durch die Kirche auf den Händen der hohen Geistlichen antritt, während über ihr ein leuchtender Stern gezogen und Silent Night gespielt wird und schließlich von zwei als Engel verkleideten Mädchen in die Krippe gelegt wird.

    Hinweis 9: Zum Brunch/Mittagessen des folgenden Tages wurden selbstgemachter Rotkohl, Kartoffelklöße (ja, ohne Fleisch und Soße) und gekaufter Kuchen verspeist.

    Hinweis 10: Wenn sich bei dem vollen Italiener Tanto spontan am Abend des ersten Weihnachtstags eine große Weltwärtsler Gruppe bildet.

    Na, wie lautet dein Urteil?


  4. Tiruvannamalai

    Dezember 18, 2017 by Mira

    Am Wochenende haben sich unter der Führung von Jürgen ein paar von uns (Jasper, Daniel, Manuel, Camilla, Johann, Luk und ich) nach Tiruvannamalai aufgemacht. 3h hat die Motorradfahrt gedauert (ohne die Pausen) und gefahren sind wir über einige Landstraßen und Highways, wobei wir auf beiden in unserem jugendlichen Übermut mit Freude versuchten, das äußerste aus unseren Motorrädern herauszuholen, sofern der Verkehr nicht zu dicht war.

    In der Ferne ist der Berg schon von weitem zu sehen

    Angekommen sind wir in Tiruvannamalai am Samstagabend. Neben Bezug eines Hotels und irgendwo gemeinsam zu Abend essen gehen, haben wir uns noch den Ashram von Sri Ramana Guru angeschaut. Allgemein findet man in Indien überall hinduistische Tempel, Moscheen und Kirchen. Aber in dieser Stadt schien die Fülle an hinduistischen Elementen noch mehr zu sein als sonst, was vielleicht daran liegt, dass sich Tiruvannamalai am Fuße eines heiligen Berges befindet. So soll Sri Ramana eine Inkarnation von diesem heiligen Berg gewesen sein. Im Ashram selbst war, als wir dort ankamen, gerade ziemlich viel los. In einer großen Halle saßen viele Inder, aber auch recht viele Weiße in Reih und Glied und sangen bzw. sprachen immer wieder dieselben Sätze (oder Wörter?). Ein paar umrundeten auch einen goldenen Stuhl, reichlich mit Blumen geschmückt. Der fast monotone Sprechgesang schien die Anhänger Ramana Gurus in Meditation zu versetzen. In einigen Nebenräumen waren Leute in das Studieren seiner Lehren vertieft und in einem weiteren Raum wurden hinduistische Götter verehrt. Stets umgab einen hier der Geruch von Räucherstäbchen und brennenden Ölkerzen in Tonschälchen.

    Am nächsten Tag begann dann der Aufstieg auf den 800m hohen, heiligen Berg. Jürgen und ich machten uns bereits gegen 5 Uhr morgens an den Aufstieg, die anderen folgten später. Im noch Dunkeln kletterten wir somit den Berg hoch, wobei ich mit klettern meine, dass es keine ebenen Wege oder Treppen gab, sondern wir wirklich über große und kleine Steine und teilweise fast glatte Felswände hochkraxeln mussten. Während unseres Aufstiegs wurde der Himmel immer heller, doch einen wirklich schönen Sonnenaufgang konnte man nicht sehen, denn der Smog über der Stadt in Verbindung mit der hier allgemein hohen Luftfeuchte, verminderte die Aussicht extrem. Nach 1½h war der (anstrengende) Aufstieg dann geschafft. Sonderlich weit konnte man aus eben genannten Bedingungen nicht schauen, dennoch war die Aussicht überwältigend (und der starke Wind eisig). Ein paar Anhänger eines bereits verstorbenen Gurus, der hier oben 17 Jahre lang gefastet hatte, leben dort in einer winzigen Hütte. Einer kam zu mir und hat mir die heiligsten Stellen gezeigt und mir vorgemacht, wie ich mich zu verhalten hätte, um den Segen des Berges zu bekommen. Auch führte er mich in eine kleine Höhle mit einer blütenbedeckten Statue und einem bereits brennenden Räucherstäbchen. Dort saßen wir einige Zeit und führten ein paar Rituale durch, die ich nicht in Kürze zu beschreiben vermag. Später brachte er mich in ihre winzige Hütte und man bot mir etwas zu trinken an.

    Auch hier oben sind die Geräusche der Stadt noch nicht verklungen

    Nach einem scheinbar nicht enden wollenden Abstieg und einer kurzen Erfrischung im Hotel, machte ich mich noch auf den Weg in den Annamalaiyar Tempel. Es handelt sich hierbei um eine große Tempelanlage mit mehreren reich verzierten Tempeltürmen. Jährlich strömen Tausende von Pilgern hierher und auch als ich den Tempel betrat, herrschte Hochbetrieb. Was für ein Gedrängel – alle wollen sie einmal durch den heiligsten Teil des Tempels durchgeschleust werden, um zumindest für einen kurzen Moment vor einer Statue ein paar Worte zu sprechen und sich segnen zu lassen oder um Hilfe für etwas zu bitten. Im Gegensatz zum Ashram befanden sich hier ausschließlich Inder, mit Ausnahme von mir, was mich gleich zur Touristenattraktion machte – „Selfie, selfie?“.

    Im Nebenabschnitt des Tempels


  5. Indische Strandimpressionen

    Dezember 10, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch, was für ein Tag…

    Wie fast jeden Sonntag, habe ich mich auch heute dazu entschlossen, ein paar Muße Stunden am Strand zu verbringen.  Die Weite des Ozeans hat ja doch einen recht beruhigenden Effekt und die Wellen hier sind durchaus beachtlich hoch, was viel Spass garantiert. Mit mehreren anderen jungen Aurovillianern und Weltwärtslern, kam es dann zum vergnüglichen Wellenreiten in bester Sonntags Laune.

    Die Strände Tamil Nadus werden mit Sicherheit keinen Preis für Ihre Sauberkeit bekommen und so mancher Müll schwimmt in der Brandung. Als wir also gerade so vergnügt am planschen waren, schwamm etwas weißes mitten unter uns in der Menge. Nichts Ungewöhnliches hier. Zu erst hielt ich es für eine Plastiktüte, merkte dann aber schnell, dass es was andres sein müsse. Als es dann von einer Welle erfasst wurde und für einen kurzen Moment aus dem Wasser hervor trat, war mir schnell klar, dass mir meine Augen keinen Streich spielten. Ich erkannte einen leblosen menschlichen Körper in einem weißen Hemd der mitten unter uns seine Bahnen trieb. Schnell merkten die Anderen was da grade passierte und wir packten uns den Körper und hieften ihn an Land, dabei ist er noch ein paar mal heftig von Wellen erwischt worden und uns aus den Händen geglitten. Als wir die Leiche dann Schluss endlich an Land gehieft hatten, sahen wir, dass es ein alter tamilischer Mann war, nur noch bekleidet mit einem weißen Hemd. Der Tote Körper sah noch „frisch“ aus, schätzungsweise erst ein paar Stunden tot. Wir entschlossen uns dann als Gruppe das Wellenreiten und Strand Fussball spielen 100 Meter nach links zu verlegen, denn eine am Strand liegende Leiche kann einem ja doch den Spass an solchen Sachen verderben. Dass man weiterhin die Siluette der Leiche sehen konnte und die spielenden Kinder, die weiterhin ihre Sandburgen bauten in sicherer Entfernung, ergaben ein leicht verstörendes, aber faszinierendes Bild.

    Tja liebes Tagebuch, ich hab schon länger keine Leiche mehr aus dem Meer gezogen, demnach wird mir dieser Tag bestimmt noch länger gedanklich erhalten bleiben.

    Bis denn und Memento mori und so….