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Juni, 2023

  1. Alltag von einem Udavimensch

    Juni 21, 2023 by Valerie Schäfer

    Der 30ste Mai 2023

    
    Heute Morgen bin ich schlafen gegangen.
    Es ist Dienstag 3:00 Uhr morgens und ich versuche einzuschlafen. Es sind 37 Grad Celsius um diese Uhrzeit, plus Moskitos die von meinem Schweißgeruch angelockt werden. Ich schaue einen Anime an zum einschlafen… beziehungsweise ich starre auf einen schwarzen Ladebildschirm mit einem sich flink drehendem lade Kreis, falle dabei in einen Halbschlaf der dann wieder mit dem Schrei eines Moskitos unterbrochen wird und einem Stich an meinem Fuß. Ich nehme eine Dusche, die Zweite heute Nacht, die Dritte heute Abend, die Fünfte seit gestern Morgen. Jetzt bin ich wieder kühl. Ich rolle mich in mein Bettbezug und hoffe, dass nicht allzu viele Feuerameisen drin sind. Ich schlafe ein.
    
    6:30 Uhr Morgens, mein Wecker klingelt und ich bin wach. Seltsamerweise ein sehr erholender Schlaf, denke ich mir. Ich erledige mein morgendliches Geschäft und setze mich auf den Balkon, genieße den Sonnenaufgang im wunderschönen Udavi. 6:45 Uhr mein Wecker klingelt, energetisch spring ich auf zieh mein zerrissenes Farmershirt an und meine absolut stabilen Jeansshorts mit sechs Hosentaschen, perfekt zum Farmen gehen. 6:50 Uhr und ich nehm das Radel und fahr zur Arbeit.
    
    
    Durchs Dorf an Kühen und gerade erwachten, halb bekleideten Dorfbewohnern vorbei, die ihren Hauseingang mit Kolam versehen. Auf den Straßen dröhnt aus alten Lautsprechern an jeder Ecke verschrobene Tempelmusik. Meine Arbeitskollegen fahren an mir vorbei, grüßen mit einem winken nach hinten oder fahren neben mir her. 7:00 Uhr - ich setze mich direkt daran die Eier zu zählen, trage alle Zahlen ein und berechne ob sie stimmen. Es fehlen zwei Eier, das sind -18.82₹ für die Farm. Meine Mitarbeiter bringen die erste Ernte rein und ich trage das Gewicht in das Erntebuch ein. Nebenbei gehe ich durch die privaten Bestellungen an diesem wunderbaren Dienstag. Es ist Mango Saison und wir haben verdammt viele Mangos zu putzen und zu sortieren, ein Baum kann einfach über 100kg produzieren und wir haben einen ganzen Orchard voll mit Bäumen. Alles muss sehr rasch gehen Morgens, denn um 9:00 Uhr müssen wir ausliefern an die Kunden. Das heißt ich nutze jede freie Sekunde um die Kisten zu sortieren und es übersichtlich zu halten im Büro. Manchmal sind um die 15 Mitarbeiter da und helfen zu sortieren, bringen mehr Ernte, putzen Mangos oder fragen sich was sie als nächstes tun sollten in dem ganzen Gewusel.
    
    

    Wie auch immer schaffen wir es pünktlich um 9:00 Uhr die Lieferung abzusenden und es geht in die Küche wo Anita den Mangosaft am sieben ist und wir ihr helfen die Obstplatte fertig zustellen. Anita erzählt mir von den 40 Tagen Feierlichkeiten die aktuell im Dorf stattfinden, weshalb auf den Straßen Musik gegettoblastet wird. Alles zum Anlass der Erneuerung des Tempels. Das passiert wohl alle zehn Jahre, der Tempel wird erneuert, frisch gemacht für das nächste Jahrzehnt. Zum Anlass gibts freie Essensausgabe beim Tempel, da werd ich wohl heute Abend vorbeischauen.

    9:10 Uhr - Frühstück. Wir sitzen alle beisammen. Die go-to Gesprächsthemen drehen sich alle rund ums Farmen, exotische Früchte, deren Verarbeitung, verschiedenste Anbaumethoden, Kompost Tutorials und was wir als nächstes tuen sollten nach dem Frühstück. Ich melde mich für die Aufgabe das Hühnerhaus mit Minakshi und Emilia zu reinigen. Putzspaß bei lauter Musik erwarten uns die nächsten zweieinhalb Stunden, so viel besser als Unkraut zupfen und Beete mulchen. Ich bin heute gut davon gekommen hehe.
    Das zwei stöckige Haus wird von uns von oben nach unten durch geputzt. Ich repariere und putze Kabel im ganzen Haus und schraube ausgerissene Steckdosen wieder zusammen… vielleicht einen Schlag bekommen, aber der Fehler passiert mir nur einmal. Der Strom funktioniert, ich lade mein Handy. Die Küche ist geputzt, sowie die Wände und die Decke. Der Boden ist noch immer katastrophal dreckig voll mit Hühnerscheiß. Und ich gehe nach Hause. Es ist 12.

    Nehme eine Dusche, koch mir rasch Etwas, mach mir einen Limettensaft, esse, trinke, entspanne bis 2. Wieder zur Arbeit. Ich lege Kokosringe um frisch gepflanzte Bäume und Büsche in der prallen Nachmittagssonne. Mehr darüber in einem anderen Beitrag. Fülle die Schubkarre mit Kokos, leere die Schubkarre neben einer Pflanze, fülle die Schubkarre mit Kokos, leere die Schubkarre neben einer anderen Pflanze, fülle die Sc- wie auch immer, drei Stunden vergehen. Ich gehe nach Hause. 17:00 Uhr.

    UDAVI Ich gehe direkt nach unten ins Haus, da chillen Malina und Olli und jetzt auch ich. Ich nehm irgendwann eine frische Dusche mit wohl duftender Seife und wir entscheiden uns zum Abend zum Tempel zum Essen zu gehen. Wir laufen zu Fuß. Der Himmel ist dunkel; es ist Nacht. Ein Sturm zieht auf es fängt an zu donnern und zu gewittern. Wir sind gerade beim Tempel angekommen und gehen rein, begutachten die Renovierung. Olli trifft ein paar ihrer Schulkinder. Wir stellen sicher, dass es Freiessen gibt und stellen fest, dass wir zu faul sind uns anzustellen. Wir gehen zu Secret Garden, das Restaurant um die Ecke wo wir schon in den ersten Wochen unseres Aufenthalts essen waren, wo ich meine erste Lebensmittelvergiftung bekommen habe, von meinem ersten Mocktail. Erinnerungen. Es fing an stark zu regnen als wir den Tempel verließen. Bei Secret Garden ist Stromausfall und wir sitzen im dunkeln, bei dem Schein der einzigen Kerze des Ladens, die netterweise auf unserem Tisch platziert wurde vom Chef. In der Küche brutzelt unser Essen beim professionellen Schein einer Handylampe und der Gasflamme…


  2. Kokosnuss als Bodenschutz

    Juni 19, 2023 by Valerie Schäfer

    Guten Morgen 🌞

    Aktuell auf der Farm haben wir sehr viele dry Coconuts. Für die die es nicht wissen hier gibts zwei Sorten von Kokosnüssen. Die Eine zum trinken, die ist groß und grün, die wird einem mit einer speziell gebogenen Machete am Straßenrand aufgeschlagen und mit Strohalm serviert. Und dann gibt es noch die trockene Kokosnuss, der Kern dieser Nüsse ist was wir in Deutschland als Kokosnüsse bekommen, normalerweise ist da noch eine ganze Menge trockene, haarige Schale drumherum. Und um diese Schale geht dieser Beitrag heute.
    
    
    Es gibt hier sehr viele Kokosnüsse, besonders zu dieser Zeit. Auf der Farm wurden letztens Kokosnüsse geerntet, ein ganzer Anhänger voll. Die Kerne verkaufen wir und die Schalen verwenden wir als Mulch. Diese Schalen halten sehr gut Wasser unter sich, da sie so dick sind schützen sie perfekt vor Sonneneinstrahlung. Wenn ein junger Papayabaum, gerade gepflanzt, in der prallen Sonne steht, stehen seine Chancen nicht so gut, der Baum hat nicht viele Blätter und die wenigen Blätter sind komplett der prallen Sonne ausgeliefert und verlieren sehr viel Wasser, ebenso der Boden rings um die Pflanze herum. Die Pflanze wird zwar von uns gewässert aber die Erde ist in der Sonne, was den Standort perfekt für Gräser oder unseren stark invasiven Freund im Lemon Orchard ,Sphagneticola‘ macht. Dieses Kraut nimmt sich den Lebensraum der Papayapflanze und entzieht ihrem Grund Mineralien und andere wichtige Nährstoffe aber noch viel wichtiger das Wasser. 

    Daher wenn ein Papayabaum gepflanzt wird, wird ringsherum um diesen Baum in einem Kreis die Erde von allen Pflanzen befreit und ein hochstehender Erdring herum gegraben. In diesem Ring legen wir die Kokosnussschalen um die Pflanze herum, sodass der Boden um die Pflanze nicht sein Wasser verliert, vor anderem Pflanzenwachstum geschützt ist und natürlich damit die Papayapflanze selbst genug Lebensraum und Wasser bekommt. 
    Das fertig gelegte Muster sieht dann so aus:


  3. 3. Quartalsbericht für mein freiwilligen Jahr in Auroville ~ Jonas

    Juni 15, 2023 by Jonas Eisner

    Hallo alle zusammen und herzlich willkommen zu meinem vorletzten Bericht aus Auroville. Wenn ich heute zurück schaue auf die letzten drei Monate so ist seitdem mal wieder unglaublich viel passiert. Die Vorstellung, dass es jetzt nur noch rund 2,5 Monate sind die mir hier in Auroville bleiben, so überkommt mich ein trauriges Gefühl. Deswegen versuche ich mich im Moment nicht all zu sehr mit de Zukunft sondern mit dem Jetzt und Hier zu beschäftigen. Die letzten drei Monate waren für mich vor allem auf einer persönlichen Ebene challenging. Viele Beziehungen die sich verändert haben, sich noch immer verändern und auch einige Beziehungen die sich schlichtweg dadurch verändert haben, dass Menschen Auroville verlassen haben. Ein Gefühl, dass für mich neu ist, aber von dem ich denke das es dennoch ein großer Teil Aurovilles ist. Auroville ist durch die vielen Volunteers etc eine sich ständig verändernde Gesellschaft und das kommen und gehen von Menschen ist ein großer Teil davon. Freunde kommen und gehen zu sehen ist vielleicht auch einfach eine Lesson die Auroville einem beibringt. Dennoch geht es mir im großen und ganzen sehr sehr gut, Im Moment kann ich nicht wirklich laufen, ich habe mir irgendwie am Fuß weh getan ( das lasse ich heute mal noch röntgen), aber abgesehen davon bin ich sehr glücklich. Wenn ich die Frage etwas weiter öffne also im Rückblick auf die gesamten letzten 9 Monate so breit die Antwort dennoch die selbe. Mir geht es sehr sehr gut. Nach Auroville zu kommen war für mich nicht nur die richtige Entscheidung sondern auch das beste was mir hätte passieren können. Ich fühle mich als hätte ich mich von vielen Seiten verändert und sei gewachsen an all den Herausforderungen die Auroville für mich Bereit hielt und hält. Ich denke tatsächlich das auch die Frage nach der für mich größten Herausforderung schon in dem Thema mit sich verändernden Beziehungen lag. Ich habe in meinem bisherigen Leben häufig an Beziehungen fest gehalten und war auch irgendwie immer in der Lage alle Beziehungen so zu beeinflussen, dass sie sich für mich befriedigend gestaltet haben. Das hat in Auroville nicht so funktioniert. Ich musste lernen, los zulassen, zurück zutreten und vielleicht auch einfach mal Dinge passieren lassen und schauen was dann passiert, wo ich mich denn danach befinde und fühle. Das war für mich nicht einfach, da ich wie bereits erwähnt das bisher in meinem Leben kaum gemacht habe. Ein Teil davon ist, dass ich unglaublich Anpassungsfähig bin und das genutzt habe um Beziehungen zu meinem Vorteil zu gestalten. In den letzten 3 Monaten habe ich denke ich angefangen einfach mal ich selbst zu sein und meine Bedürfnisse klar zu benennen und ihnen auch zu folgen. Dadurch musste ich natürlich mit anschauen, was das mit meinen Beziehungen anstellt und auch

    akzeptieren wenn es die Beziehung beendet. Das war neu für mich und ganz bestimmt nicht einfach. Was das angeht war eine Veränderung in mir selbst schon seit langem fällig und ich glaube, dass sich hier für mich etwas verändert hat und verändert. Glücklicher weise hat sich das bisher häufig zu etwas sehr positiven Entwickelt und ich bin froh diesen Prozess durchzumachen.
    In der Isai Ambalam Schule ist gerade Sommercamp, es ist also nur ein Bruchteil der Schüler da, was den Schulalltag immens verändert. Ich habe diese vergangenen Wochen genutzt um mal andere Dinge mit den Schülern aus zuprobieren, zum Beispiel Acroyoga, was einfach sehr sehr cool war und nicht nur mir sondern auch den Schülern viel spaß gemacht hat. Ich fühle mich in meinem Projekt also sehr wohl und freue mich jetzt tatsächlich nach den vergangen drei, recht entspannten Wochen auch wieder auf den etwas genauer geplanten und gekanteteren Schulalltag voraus. ( Ich habe im Sommercamp auch keinen Englisch Unterricht gegeben, den ich definitiv vermisse). Spannend ist auch noch zu erwähnen, das ich bevor ich nach Auroville kam und Anfing in der Schule zu arbeiten eine Erwartung an mich selbst und die Schule hatte, davon wie produktiv mein Unterricht wie perfekt jede meiner Englisch und Sport stunden sein würde. Diese Vorstellung und Erwartung habe ich nicht mehr und ich denke es ist super wichtig und interessant dabei zu erwähnen, dass auch sonst NIEMAND diese Erwartung an mich hat oder hatte. Hätte ich die Möglichkeit mir am Anfang des Jahres etwas zu sagen oder wenn ich jemandem einen Tipp für die Arbeit als Lehrer in Isai Ambalam geben könnte, dann wäre es mit Sicherheit das: Du bist ein Freiwilliger, du bist kein Lehrer. Niemand erwartet, dass du einen bomben Unterricht planst und hältst. Insbesondere da du aus einer deutschen Schule kommst und noch nie zuvor eine indische Schule besucht oder erlebt hast. Lass dir Zeit anzukommen, schaue dir alles an und dann überlege dir was du geben kannst und willst um diesen Schülern etwas beizubringen.


  4. Es wird renoviert!

    Juni 11, 2023 by Valerie Schäfer

    Das Hühnerhaus im Lemon Orchard wird gereinigt. Im Lemon Orchard steht ein Haus aus Holz, ein paar Backsteinen und einem Blätter Dach. Früher lebte in dem Haus ein ehemaliger Mitarbeiter, wie alte Passfotos und verrottende Unterlagen bestätigen. Irgendwann zog er mit seiner Familie aus und das Haus wurde zum Hühner züchten umfunktioniert. Sie wurden in einem Brutkasten aufgezogen und sie lebten im Haus wie auch im gesamten Garten. Das Haus sieht jetzt dementsprechend aus, Federn in den Fugen und Ritzen, alte Impfnadeln und Flächen am Boden und von der Dusche ganz zu schweigen. Die Hühner sind nun auch ausgezogen... wir hatten leider keinen Nutzen mehr für sie x_x. Wie auch immer soll in dem Haus wieder jemand einziehen und  dafür muss es auf Vordermann gebracht werden! Das Chaos is unvorstellbar aber wir Freiwilligen packen gut an.