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‘Monatsbericht’ Category

  1. Pitchandikulam – Eine Einführung

    Oktober 6, 2019 by Alina

    Gestern im Bus wurde ich gefragt, wie eigentlich mein Alltag im Projekt aussieht, woraufhin ich keine wirkliche Antwort geben konnte, da ich bisher kaum so etwas wie eine Routine entwickelt hat. Daher gilt dieser Beitrag als Versuch das Projekt Pitchandikulam Forest zu erklären – zumindest die Facetten, die ich in meinem ersten Monat hier kennenlernen durfte.

    Um den Unit Pitchandikulam Forest zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass im Zuge der Kolonialzeit fast alles an Urwald abgeholzt wurde. Vor über 50 Jahren war auf dem ganzen Land vom heutigen Auroville praktisch nichts an Flora und Fauna vorhanden – was schwer vorzustellen ist, da heute die Fülle an Bäumen, Sträuchern und Tieren immens ist. Einen bedeutenden Teil zur Wiederaufforstung trägt der Unit Pitchandikulam Forest bei, der sich zur Kernaufgabe gesetzt hat, die Fläche wieder mit einheimischen Bäumen zu bepflanzen und somit den sogenannten Tropical Dry Evergreen Forest wieder zu etablieren. Durch diese Maßnahmen gibt es dort heute über 800 verschiedene Gattungen von Pflanzen. Nicht nur in Auroville, sondern in vielen verschiedenen Regionen in Tamil Nadu, ist das Projekt involviert, um wiederaufzuforsten.

    Es gibt also doch Hoffnung für die Umwelt, wenn man hier sieht, wie viel in wenigen Jahren gepflanzt werde kann und wie eine einst karge Landschaft so viel grün zurückbekommen kann. Besonders genieße ich die Schmetterlingsvielfalt hier. Manchmal fühle ich mich dadurch wie in einem Märchen, wie Schneewitchen, das durch den Wald tanzt während alle Tiere um sie herumschwirren.

    Neu gepflanzte Bäume – mit Laub bedeckt um die Kleinen zu schützen
    Teil des Pitchandikulam Forest, im Hintergrund ein Windrad um Wasser zu pumpen
    Sicht vom Windrad über den Wald, im Hintergrund kommt dann das Meer 🙂
    Meine erste Einsatzstelle: Die Nursery
    Hier erwachen neue Heilpflanzen und Bäume zum Leben
    Im ethnomedizinischen Wald – ein kleiner Teil der Ausstellung der Pflanzengattungen

    Doch Wiederaufforstung ist nicht das Einzige, woran die Unit Pitchandikulam arbeitet. Weiterer zentraler Bestandteil vor Ort ist die Aufzucht von Heilpflanzen. So arbeitete ich in der ersten Woche zum Großteil in der Nursery (Baumschule), um die Sämlinge zu propagieren und lernte so ein paar Grundlagen indischer Heilpflanzenkunde. Die Arbeit mit den Heilpflanzen fällt auch unter den großen Bereich Community. So gibt es ein Team, das sich für Women Empowerment einsetzt und den Frauen zeigt, wie sie Heilpflanzen zu Medizin verarbeiten können. Diese Workshops finden hauptsächlich außerhalb Aurovilles in den Dörfern statt.

    Ein bedeutendes Zentrum der sogenannten „Outreach-Projekte“ liegt in Nadukuppam. Hier befindet sich ein ganzer Komplex von Umweltbildungsmaßnahmen. Neben Demonstrationskräuter und -gemüsegärten, die biologisch bewirtschaftet werden, wurde eine Schule eingerichtet, die den Fokus auf Umweltaktivitäten legt. In der Schule wurden beispielsweise sanitäre Anlagen installiert, die in einem Kreislaufsystem funktionieren: Mit Hilfe des Einsatzes von EM („effektive Mikroorganismen“) wird das Wasser so geklärt, dass es für das Bewässern der Felder benutzt werden kann. Sie ist die einzige Schule in Tamil Nadu, die ein solch integriertes Sanitärsystem besitzt.

    Wie anfangs erwähnt ist die Weitläufigkeit der Projekte immens, so habe ich beim letzten Meeting beispielsweise von der Kooperation mit Viva con agua – einer mir bekannten NGO aus Hamburg – mitbekommen, die an den Projekten interessiert sind, die sich um den Schutz des Wassereinzugsgebiet Kaluveli kümmern.

    Eine unserer Hauptaufgaben liegt nun darin das Museum im Forest selbst neu zu gestalten. Dazu basteln wir an Tierfiguren, um den Besucherinnen und Besucher die Bewohner des Waldes zu erklären und auf wichtige Merkmale wie die Unterscheidung von giftigen und ungiftigen Schlangen hinzuweisen. Außerdem werden bald neue Schulklassen zu Walderkundungen vorbeikommen, wo wir bei der Unterrichtsgestaltung mitwirken können.

    Der erste Versuch eine Schlange aus Ton zu formen, um sie in der „Waldszene“ auszustellen

    Alles in allem verstehe ich das Begreifen des Waldes und des Projektes als Prozess. So ist jeder Tag ein neues Erlebnis und ich habe großes Vertrauen darin, Tag für Tag mehr und mehr meinen Platz in dem ganzen Geflecht zu finden.


  2. Ein Monat in Indien

    September 24, 2015 by Felix Pander

    Hey liebe Leute, hier kommt mein erster Beitrag 🙂

    Seit genau einem Monat sind wir nun in Auroville, Tamil Nadu, Suedindien. In den ersten 1,5 Wochen haben wir Freiwillige gemeinsam in zwei Gasthaeusern gewohnt und Auroville erkundet. Dabei haben wir alle Projekte angeschaut, in denen wir nun als Freiwillige arbeiten, haben verschiedene Orte gesehen, u. A. das Youth Center oder den Strand und ausserdem viele Leute kennengelernt, die alle ihre eigene, spannende Geschichte und Verbindung zu Auroville haben. Unterwegs waren wir mit gemieteten Fahrraedern.

    Vor ca. 3 Wochen sind wir dann umgezogen und haben angefangen zu arbeiten. Ich wohne zusammen mit Catha, Jelly und Laura im indischen Dorf Kottakarai. Dazu gibt es weiter unten einen eigenen Beitrag.

    Ich arbeite im Auroville Bamboo Center. Dort werden viele verschiedene Dinge aus Bambus hergestellt (Lampen, Spielzeuge, Schmuck, Moebel, Tische, Spiegel, kleine Musikinstrumente, …) und Workshops angeboten, in denen man die Grundlagen der Arbeit mit Bambus erlernt.
    Ich habe gleich an einem Workshop zur Einfuehrung teilnehmen duerfen. Dabei haben wir erste Verbindungstechniken gelernt und letztlich zusammen drei Panels erstellt, die wir selber designt haben und spaeter, mit Weiteren zusammengesetzt, die neue Kueche fuer das BambusCenter werden.
    Nach dem Workshop war ich einige Tage in der Schreinerei beschaeftigt und habe weiteres gelernt, indem ich jeden Vormittag einen anderen Arbeitsschritt durchgefuehrt habe (Saegen, Schleifen, Bohren, Bambushaut abschaelen).
    In den letzten Tagen haben ein anderer Freiwilliger und ich eine parabolische Dachkonstruktion gebaut, um mehr Kenntnisse zu erlangen.
    Mal sehen, wie es weiter geht, ich habe auch schon ein paar eigene Ideen…

    Ansonsten bin ich die ganze Zeit gesund gewesen und, abgesehen von ein paar Kratzern, auch unverletzt. Das Klima ist ertraeglich, anfangs war es noch etwas heisser. Klar, man ist am Schwitzen wenn man sich in der Sonne aufhaelt.

    Abends wird es hier schon frueh dunkel, so um 6:30 Uhr. Wir kochen dann meist zuhause oder treffen uns gemeinsam mit anderen und jeder bringt etwas zu Essen mit. Man kann auch kostenlos ins Auroville Kino gehen, es hat super gemuetliche Sitze und Klimaanlage… ach ja, Filme werden auch gezeigt 🙂
    Heute Abend sind wir aus unserem Haus ueber unsere Vermieter bei einer indischen Hochzeit eingeladen, wir sind mal gespannt, wie das ablaueft. Um Abendessen muessen wir uns auf jeden Fall nicht kuemmern.

    Die letzten zwei Wochen hatten wir nachmittags immer Tamilkurs (die lokale Sprache), denn nicht jeder spricht hier gutes Englisch. Ab jetzt koennen wir einmal die Woche weiterhin am Kurs teilnehmen. Ich kann aber nicht behaupten, dass ich jetzt Tamil sprechen kann, die Sprache ist schwierig zu erlernen und es gibt keine bekannten Woerter. Andere Schriftzeichen haben sie uebrigens auch…

    So, das war mal ein erster Bericht, der dann doch recht lang geworden ist. Man sieht, es passiert viel hier und man koennte immer noch mehr tun und berichten…

    Liebe Gruesse,
    Felix
    (geschrieben am 23.09.2015)


  3. Ein Monat Indien

    September 24, 2013 by Leo

    Chili

    Jetzt bin ich schon seit einem Monat in Indien, doch ich habe das Gefühl wenig mit der indischen Kultur in Kontakt zu kommen. Auroville mit all seinen Vorzügen scheint im Moment nicht die Brücke sondern eher eine Barriere zwischen tamilischer und westlicher Kultur zu sein. Generell sind meine Eindrücke von Auroville anders als erwartet. Es ist noch zu früh um darüber zu urteilen, aber man merkt recht schnell wie weit Ideal und Realität teilweise von einander entfernt sind. Gerade der Einheitsgedanke ist in meinen Augen kaum umgesetzt und man hat ein bisschen das Gefühl, dass sich die vielen Communities und deren Bewohner untereinander wenig unterstützen bzw. wenig Interesse daran besteht Gemeinsamkeiten zu haben. Ich habe auch schon interessante Gespräche mit Aurovillianern gehabt, die mir meinen (ersten) Eindruck bestätigen konnten.

    Obwohl ich jetzt mit Kritik angefangen habe, überwiegen meine positiven Eindrücke und das Leben hier ist einfach sehr schön. Vorgestern war ich bei einer „Sandbag-Party“ in einer der zahlreichen Beachcommunities. Seit dem Tsunami von 2010 wird da der Strand kontinuierlich abgespült und die ersten Hütten sind der Strömung schon zum Opfer gefallen. Versuche die Strömung zu „brechen“ sind gescheitert und haben das Problem nur ein paar hunderte Strandmeter weiter verschoben. Der Strand ist jetzt geschätzt nur noch 3 Meter breit und das Wasser gräbt sich immer weiter in Richtung der Hütten. Am Sonntag haben wir deshalb Sandsäcke befüllt, zugenäht und mit einer Kontruktion aus tief im Sand vergrabenen Steinen und daran verketteten alten Fahrradreifen am Strand fixiert. Die Barriere soll optimaler Weise die ankommenden Wellen brechen und so das starke Abspülen verhindern. Die Aktion haben Tamilen geleitet die sowas offenbar schon öfter gemacht haben. Bei dieser Gelegenheit hab ich auch mal im Meer gebadet, was sehr angenehm bei der Hitze war. Ich haben sich natürlich auch prompt ein paar Mückenstiche am Fuß entzündet. Ist aber nicht weiter Schlimm 😉 Danach gabs noch Pizza und nen kühles Bier (Kingfisher oder so).
    In der Nacht sind dann schon die ersten Sandsäcke von der Strömung weggespült worden, weil sie durch die Reifenkontruktion entweichen konnten. Man könnte natürlich auch ein Fischernetz davor spannen, aber da stößt man auf ein indisches Grundproblem: Es wird viel geklaut, vor allem wenn mans gut gebrauchen kann: Und ein Fischernetz wird am Strand immer gebraucht. Auch Benzin wird gebraucht: Das wird einem oft abgezapft, wenn man sein Motorrad mal für kurze Zeit im Dorf allein lässt. Mir ist auch schon einmal der Sprit geklaut worden und es ist auch nicht weiter schlimm, weil man ja weiß wie man es verhindern kann: Ein Tankschloss für rund 20 Euro oder einfach vermeiden sein Motorrad an gefährdeten Plätzen zu parken.

    Ich arbeite momentan bis 5 Uhr und um halb 7 ist es dunkel, daher neigt man hier schnell dazu viel zu planen und vorzuhaben, obwohl es einem gut tun würde einfach mal in der Hängematte zu entspannen. Das nächste größere Vorhaben steigt am 4. Oktober. Da gehts in ein 5 Sterne Hotel nach Chennai. Der „deutsche Konsul“ lädt ein zu einem „edlen Dinner“, alles bezahlt natürlich, um mit seinen deutschen Freiwilligen mal so richtig zu glänzen. Auf der prunkvollen Einladung mit einem güldenen Adler vorne drauf ist natürlich auch der Dresscode erwähnt, so richtig edel mit „Lounge Suit“ sollen wir auflaufen und ganz unindisch die Schuhe anbehalten. Den Suit haben wir natürlich auch alle dabei, ist ja quasi Indiens zweitverbreitetes Gewandt nach Sari und Dhoti. Man munkelt auch das deutsches Essen eingeflogen wird. Insgesamt starker Kontrast zum indischen Alltag, aber trotzdem fahren wir alle hin: Ist ja gratis..

    Mal schauen ob ich es schaffe Berichte dieser Länge monatlich zu schreiben und ich hoffe, dass ich keine Erwartungen getrübt habe weil ich nicht jeden Tag schreibe, was es zu essen gab und wie das Wetter war.

    Liebe Grüße aus Auroville!

    PS: Ich füge auch noch ein paar Bilder vom Strand hinzu, wenn ich sie bekommen habe.