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‘Arbeit’ Category

  1. Ramco Cements Ltd.

    Dezember 13, 2017 by Mira

    Ramco Cements Limited ist eine zement-, beton- und mörtelherstellende Firma in Indien, die jährlich Gewinne im Milliardenbereich macht. Ein Fabrikstandort befindet sich in Alathiyur, Tamil Nadu (ca. 3h Autofahrt von Auroville entfernt). Ramco versucht seit Jahren mit den Dörfern in der Umgebung zusammenzuarbeiten und da die Frau des Geschäftsinhabers mit Lucas, meinem Chef, über die Zusammenarbeit von EcoPro und der AVM School in Chennai befreundet ist, kam es dazu, dass man EcoPro (bzw. Lucas) darum gebeten hat, mal nach Alathiyur zu kommen und evtl. Projekte in den Dörfern zu starten oder zumindest Ideen und Vorschläge an Ramco weiterzuleiten und somit consulting zu betreiben.

    So kam es dazu, dass wir, also Lucas, Abhinav (ein tamilischer Mitarbeiter) und ich, am frühen Montagmorgen, als die Sonne gerade versuchte, durch den kalten Nebel die taubedeckten Wiesen zu bescheinen, im Auto saßen und nach Alathiyur fuhren. Zusammen mit der Frau des Geschäftsinhabers, Nirmala, wurden wir im employee quarter untergebracht. Viele (höher) Angestellte bei Ramco kommen nämlich nicht aus den Dörfern und daher wurde auf dem Fabrikgelände extra eine Art Mini-Stadt angelegt, wobei alles ziemlich einem wohlhabenden, jedoch nicht übertrieben reichen Vorstadtviertel glich. Stets wuselten irgendwelche Leute, ich möchte gar sagen, Diener, in unserem Haus herum, die stets hilfbereit uns die Türen aufhielten und während des Essens dafür sorgten, dass es uns an nichts mangelte. Wir wurden in recht luxiorösen Autos herumkutschiert und auch mit Begrüßungsformalitäten hat man es nicht untertrieben. Nachdem man 3 Monate lang in Kapseln mitten in der Natur gewohnt hat und auch aus den Dörfern nur eine einfach, bescheidene Lebensweise gewöhnt ist, kann so etwas sehr abschreckend auf einen wirken. Und auch jetzt im Nachhinein sind mir die kleinen, schäbigen Buden der Dörfler noch immer sypmathischer als diese mehrstöckigen, den eigenen Wohlstand präsentierenden Vorstadtsviertelhäuser.

    Fabriktürme aus der Ferne

    Genug davon. Wie, wo, was haben wir gearbeitet? Neben Besichtigung der Minen, der Farbik und den Wiederaufforstungsstandorten, um Ramco besser kennenzulernen, haben wir uns für Besprechungen immer in irgendwelchen riesigen Konferenzräumen getroffen. Ich habe mich schon etwas fehl am Platze gefühlt, als einzige weiße, weibliche Person unter 30 schick angezogenen männlichen Tamilen. Da konnte die Anwesenheit von Lucas, Abhinav und Nirmala nichts dran ändern. In den Dörfern habe ich mich schon wohler gefühlt. Wir sind herum gelaufen, haben uns die Gegebenheiten angeschaut und sehr viel mit den Menschen vor Ort geredet, um zu erfahren, was sie benötigen, wobei Lucas und ich aufgrund fehlender Tamilkenntnisse uns so einiges übersetzen lassen mussten. Die meisten Bewohner der Dörfer haben uns ohne Schwierigkeiten berichtet, was sie (selbst oder als Dorf) bräuchten (und haben wollen), wobei die Frauen sich in Anwesenheit der Männer zumeist etwas zurückhielten und erst getrennt von diesen etwas gesprächsfreudiger und genauer wurden. Doch dann gab es in jedem Dorf ein oder zwei Personen, die die bisher so friedlichen Gespräche in hitzige Diskussionen verwandelten, indem sie Ramco und auch uns Vorwürfe machten, die letztlich meist nur bedeuteten: Warum habt ihr mich bisher noch nicht bei euch angestellt? Aufgrund solcher Leute durfte Nirmala nicht mit in die Dörfer kommen – (angeblich) zu gefährlich. Auch mussten Lucas und ich uns einmal während solch einer Debatte ins Auto begeben, die Ramcoangestellten hatten Sorge um unser Wohlergehen. Jetzt möchte ich jedoch nicht den Eindruck erwecken, in Tamil Nadu sei es gefährlich. Nein, die Tamilen sind sehr viel offener und gastfreundlicher als die Deutschen und schenken einem eindeutig schneller Vertrauen. Es ist zwar vieles sehr viel formeller, aber dafür menschlich nicht so distanziert wie in Deutschland. In den Dörfern um das Fabrikgelände jedoch hat sich das Leben politisiert. Einige wenige Leute wollen Profit machen, indem sie Ramco die Zusammenarbeit mit den Dörfern durch Vorwürfe und Aufhetzungen erschweren. Oft scheint es manchen Leuten so, dass, wenn Ramco irgendwo jmd hilft, die Firma für jmd Partei ergreifen würde, und das ist natürlich zumeist der persönliche Gegner, dem da geholfen wird. Lediglich in einem Dorf schien das Gemeinschaftsgefühl stärker vorhanden zu sein, da hatten wir nicht solche Probleme.

    Was ist das Ergebnis unserer Besichtigungstour? Diese Dörfer haben dieselben oder die ähnlichen Probleme wie viele andere Dörfer in Indien. Erstens Straßen: Ungeteerte und ungepflasterte Straßen sind während und auch nach dem Monsun noch lange fast unpassierbare Straßen. Doch falls die Regierung tatsächlich mal Straßen bauen sollte, baut sie sie oft so, als ob es keinen Monsun gäbe. Irgendwo aber müssen die Massen an Wasser ja schließlich hinfließen und betonierte Seitengräben (ohne großes Gefälle) sind reinste Moskitozuchtstationen. Letzteres ist ein besonders großes Problem auch in Pondicherry. Wie viele Plagen und Krankheitswellen hatte diese Stadt schon? Jeder weiß über dieses Problem mit den betonierten Seitengräben Bescheid. Dennoch lässt die Regierung sie weiterhin bauen. Zweitens Wasserversorgung: Mittlerweile hat fast jedes Dorf (denke ich) eine Pumpe, die Wasser aus tieferen Schichten hochpumpen kann in eine Art Wasserturm bzw. Tank. Dennoch klagen viele, dass sie nicht ausreichend (sauberes Trink-)Wasser zur Verfügung haben. Sie wollen einen neuen Tank. Aber der Tank ist hoch genug, um ausreichend Druck aufbauen zu können und auch sollte sein Volumen für die Dorfwohneranzahl reichen. Und auch wenn die Stromversorung nur 6h am Tag dauert, so sollte diese Zeit auch eigentlich zum Füllen des Tanks reichen. Das Problem könnte bei der Leistung der Pumpe, der Abdichtungen der Wasserleitungen oder an der Tiefe des Bohrlochs liegen. Oder daran, dass jmd schon immer zu früh die Pumpe ausschaltet. Hier muss eindeutig eine Analyse durchgeführt werden, bevor einfach irgendetwas gebaut wird. Drittens Toiletten: Open defecation (sprich, dass alle einfach auf die Felder gehen zum Entleeren ihres Darms, statt eine Toilette zu benutzen) stellt ein großes Problem da in Indien. Nun hat die Regierung erklärt, dass sie Indien zu einem open-defecation-free Land machen möchte und gibt jedem Haushalt, der eine Toilette baut (und bisher auch noch nicht hatte) 12.000 Rupien. Nun haben sich einige Haushalte in den Dörfern tatsächlich staatlich finanzierte Toiletten bauen lassen, jedoch für weniger als 12.000 Rupien. Yeah, vom Staat geschenktes Geld! Doch wie lange wird diese Toilette dann auch benutzt? So lange bis der septic tank (Klärtank/ septische Grube) voll ist, also höchstens einen Monat. Nun müsste dieser Sammeltank entleert werden, doch so gut wie keiner möchte mit diesen Fäkalien in Kontakt kommen: Das ist nicht die Tätigkeit meiner Kaste! Stattdessen wird die Toilette dann als Stauraum benutzt (falls sie überhaupt je als Toilette benutzt wurde) oder gar wieder auseinander gebaut, da man die Baumaterialien ja auch woanders verwenden könnte. Gekackt wird dann einfach wieder aufs offene Feld und der Krankheitsübertragung freien Lauf gelassen. Die Dorfbewohner scheinen nicht dasselbe Ziel zu haben wie die Regierung. Nun könnte man natürlich Trockentoiletten bauen, aber auch hier stellt sich die Frage, wie viele Bewohner würden die überhaupt verwenden? Einige Bewohner fanden die Idee zumindest nicht abwegig und falls sie wirklich Interesse daran entwickeln sollten, würde EcoPro natürlich zur Seite stehen.

    Diese zwei Tage waren sehr wissens- und bewusstseinsfördernd. Ich habe eine Menge gelernt und bin erneut sehr dankbar, hier gelandet zu sein. Nebenbei möchte ich einmal auf die Seite Berichte hinweisen, auf der wir (hoffentlich bald alle), unsere Quartalsberichte für das BMZ hochladen. Der erste Quartalsbericht handelt von unseren Arbeitsstellen.


  2. Ein besonderer Arbeitstag

    Oktober 30, 2017 by Mira

    Die dichten Nebelschwaden wabern über den Weiten von Tamil Nadu als sie von den ersten Sonnenstrahlen durchschienen werden. Ein diesiger Tag steht bevor, doch in den Dörfern und Städten leben die Inder ihren ganz normalen Alltag. Nach bereits zwei Stunden Autofahrt kehren wir fürs Frühstücken in ein Schnellrestaurant am Straßenrand ein – es gibt typisch südindisch Idlis. Weitere zwei Stunden stehen uns bevor, doch recht bald schon erheben sich wie aus dem Nichts Berge vor uns. Keine Steinhaufen wie in Gingee, nein, richtige Berge, denn heute steht mal wieder eine Visite in den Dörfern der Kalrayan hills an, um zu schauen, wie erfolgreich die Projekte von EcoPro dort sind. Für gewöhnlich besteht mein Arbeitstag darin, im Büro zu sitzen, research-Tätigkeiten zu erledigen oder an meetings teilzunehmen. Manchmal begleite ich meine Arbeitskollegen auch zu den Einsatzstellen ihrer Projekte, die sich zumeist in und um Auroville abspielen. Nicht so am vergangenen Dienstag. Die Einsatzstelle des Projektes meines einen Kollegen befindet sich in den ca. 230km entfernten Bergen.

    Nachdem wir die ersten Berge und sehr viele Serpentinen passiert haben, eröffnet sich vor uns eine Art Plateau und die Qualität der Straßenbeläge nimmt rapide ab. Während wir im Auto regelrecht durchschüttelt werden, bleibt Ganesha auf dem Amaturenbrett standhaft stehen. Etwas enttäuscht nach vier Stunden Autofahrt, dass ich nicht länger dem morgentlichen Treiben Indiens zuschauen kann, steige ich aus und sofort merkt man, dass es hier „oben“ ein paar Grad kälter ist. Auch die Vegetation ist geringfügig eine andere. Im Laufe des Tages schauen wir uns drei Schulen an, in denen die Kinder oft unter- und mangelernährt waren. Durch den Bau von Küchen, Beratung beim Speiseplan und dem Auftreiben von Sponsoren konnte dieses Problem einigermaßen behoben werden. Auch wurden in einigen Orten hier Komposttoiletten gebaut (die ich ein anderes mal genauer beschreiben werde). Sie scheinen von den Bewohnern mehr oder weniger regelmäßig benutzt zu werden und sind dennoch sauber. Im Gegensatz zu einer anderen Einsatzstelle sind diese Toiletten hier „angekommen“ und stellen somit einen weiteren Erfolg für EcoPro da. Zuletzt haben wir noch einige Bauern besucht. Die Bauern hier haben sich auf organisches farmen eingelassen und einige benutzen sogar EM (effektive Mikroorganismen – werden auch noch ein anderes mal erklärt). Die Farmer wurden auf Fortbildungen in die Thematik eingeführt und unterwiesen und sind nun konsequent bei der Umsetzung. Bald schon wird EcoPro die Projektarbeit in dieser Gegend beenden können.

     

    Steht eine Komposttoilette einsam in den Bergen und doch regelmäßig besucht…

    Es ist schön zu sehen, dass Projekte von Ecopro erfolgreich sein können. Doch was diesen Tag zu einem besonderen Arbeitstag gemacht hat, war das drum herum. Dass ich während der Autofahrt so viel von Indien sehen durfte. Wir sind durch viele Städte und Dörfer gefahren. Zuerst morgens, als sich alle so langsam zur Arbeit oder in die Schule begeben haben. Und dann abends, nach Arbeits- und Schulschluss. Überfüllte, lebendige Straßen nach Einbruch der Dunkelheit. Eine Reizüberflutung für alle (übermüdeten) Sinne, die ich einfach nicht in Worte zu verfassen mögen kann. Der Tag war lang, doch schlafen konnte und wollte ich während der Autofahrt nicht, zu groß war meine Gier, Indien zu sehen und zu beobachten. Verstehen tue ich dieses Land noch lange nicht. Dann die Mahlzeiten. Zum Frühstück in ein Schnellrestaurant am Straßenrand. Am frühen Mittag saßen wir bei einem Bauern herum. Was für ein herrlicher Ausblick auf die Berge, was für ein idyllisches Landleben mit all den frei herum laufenden Tieren und Kindern auf dem Hof, um den sich palmenbepflanzte Reisfelder ringen. Wir saßen dort bestimmt eine Stunde herum, haben geplaudert und bekamen schließlich eine frische Kokosnuss und eine gekochte Frucht, von der ich bis jetzt nicht weiß, was das war. Am späten Mittag begaben wir uns in einem Dorf in ein einfaches, düsteres Restaurant – Wände aus Lehm, ein Dach aus Palmenblättern. Zu Essen gab es Reis mit Sambar, serviert auf frischen Palmenblättern. Irgendwie hatte ich das Gefühl, von vielen Tamilen angestarrt zu werden. Habe ich mich beim Essen falsch verhalten, eine Regel vergessen oder lag es einfach nur an der Tatsache, dass ich „weiß“ war? Zum Abend haben wir in Pondi gegessen. Erneut Reis mit Sambar auf frischen Palmenblättern serviert, aber diesmal mit einer Hühnchenkeule. Ja, richtig echtem Fleisch. Es fühlt sich wie eine Sünde an, weil wir nicht mal einen Feiertag oder so hatten. Aber wer hätte gedacht, dass ich eines Tages mich wirklich mal nach Fleisch sehnen und darüber freuen würde, nachdem ich es in Deutschland des öfteren auch mal vermieden habe.

    Am Rande dieses Blogbeitrags sei noch erwänht, dass der Wintermonsun letzten Freitag hier offiziell angefangen hat. Regen, Schimmel und matschige Wege werden unsere nächsten Wochen prägen…


  3. Arbeit auf der Basilikum Farm

    Februar 14, 2017 by Theodor Sperling

    Seit nun fast einem halben Jahr arbeite ich neben meiner regulären Tätigkeit bei AIAT in meiner Freizeit auf der Discipline Farm mit. Was Anfangs mit der Holzkohle begonnen hat, entwickelte sich zu mehr und mehr Farmarbeit. Das schöne an der Arbeit auf der Farm ist, dass man sieht was sich entwickelt.

    Auf Discipline sind die Freiwilligen entsprechend ihrer Interessen eingesetzt. Wer gerne auf den Knien herum rutscht und Unkraut zupft kann sich an den Pfefferminzfeldern vergnügen. Dabei gibt es häufig auch Gesellschaft von Bärbel und anderen Helfern. Wenn es einen mehr nach körperlicher Arbeit unter freiem Himmel verlangt gibt es immer Wurzeln aus zu graben oder Löcher für neue Bäume zu schachten. Mit 32 Löchern für Dattelpalmen ist ein Mensch da auch gut einen Tag beschäftigt. Für die längere Produktionsdauer im Vergleich zu Europäischen Löchern ist vor allem der Boden verantwortlich, der nach der Regenzeit wieder Beton zu sein vortäuscht. Um ihn von dieser Idee abzubringen muss immer ca. 10 Zentimeter tief mit einer Brechstange der Grund aufgelockert werden. Im Anschluss kann dann der Spaten sein Werk verrichten. Dieses Teamwork wird solange wiederholt, bis das Loch auf eine Armlänge Tiefe und die Schwielen an den Händen gewachsen sind.

    Doch nicht in allen belangen ist völlige Freiheit geboten. Die Arbeit beginnt zwischen 7:30 und 8 Uhr und wird um 10 für eine Teatime unterbrochen. Die nächste Rast ist dann die Mittagspause um 12 Uhr die bis 14 Uhr geht. Wer kein Nickerchen machen will kann auch schon etwas früher wieder anfangen, um bereits zur zweiten Teatime um 15 Uhr sich in den Feierabend stürzen zu können. Wer lieber Mittags schläft sollte noch bis 16:30 Kräfte mobilisieren können.

    Die tägliche Arbeit wird immer wieder durch Aktionen wie das Fällen eines Baumes, das treiben der Kühe oder Abbrennen von Palmen und Holzresten unterbrochen. Insgesamt halten sich die wiederkehrenden Arbeiten wie Wässern, Biomasse auf Felder bringen, Kompost pflegen oder Unkraut zupfen die Wage mit abwechslungsreicheren Tätigkeiten bei denen auch mehr gelernt werden kann. Insgesamt ist die Farm eine sehr abwechslungsreiche Einsatzstelle die ich jedem, der sich für Pflanzen, Biologisches Farming und die Entwicklung von Böden und Strukturen interessiert, sehr ans Herz legen kann.


  4. Interview mit Ribhu und Chandrah von WasteLess

    September 23, 2016 by Kaya

    Hi ihr da draussen, wir (8. Generation) sind alle mehr oder weniger Gut in Deutschland angekommen…

    Letzte Woche war noch einmal ein großes Wiedersehen und das Aufleben des Auroville-Feelings bei unserem Rückkehrerseminar im wunderschön verlassenem Brandenburg…

    Darius und ich (Kaya) hatten vor einiger Zeit am Ende unseres Weltwärtsjahres ein Interview mit unseren Projektleitern Ribhu und Chandrah für die Zeitschrift „D+C“ geführt welches jetzt (auf Englisch) veröffentlicht ist…

    Dabei geht es natürlich um unsere NGO WasteLess aber auch darum, was (Weltwärts-) Freiwillige eigentlich für eine Organisation bedeuten. Viel spaß beim Lesen 🙂

    Hier der Link: http://www.dandc.eu/en/article/leaders-environmental-ngo-india-discuss-their-work-german-weltwarts-volunteers

     

     


  5. Email aus Auroville oder auch „Ein recht überschwänglicher Bericht“

    Februar 29, 2016 by Kaya

    Hallo ihr, ich hab vor einiger Zeit eine dieser Rundmalis gesendet, mit denen man allen Verwandten und Freunden ab und zu ein kleines Lebenszeichen – und die Versicherung noch nicht von einer Kokosnuss erschlagen worden zu sein – gibt.

    Als ich jetzt nochmal drüber las dachte ich mir – warum nicht auf den Auroblog? Also hier eine kleine Email – Bilder gibts auch am Ende 🙂

     

    Hallo ihr da draussen,

    als erstes mal vielen Dank für all die lieben Rückmeldungen die ihr mir zum Auroville- Advenskalender gegeben habt, schön zu hören, dass euch Auroville, mein Leben hier und ameisensichere Essensschränke so faszinieren 😉 Und natürlich Danke an alle die noch etwas gespendet haben und das hier alles ermöglichen 🙂

    Schon ist wieder soviel passiert dass ich hoffe wenigstens die Highlights noch zusammenzubekommen und vielleicht das ein oder andere schmunzeln auf euer Gesicht zu zaubern.

    Fangen wir mal mit meiner derzeitigen Lage an: Ich sitze draussen, ich habe einen langen Rock und TShirt an, es ist schon dunkel und die Grillen zirpen, um mich herum das Geklapper von Geschirr und Leute die auf allen möglichen Sprachen miteinander reden. Ich sitze auf steinen auf einer riesigen Terrasse über der Solarkitchen die ein Cafe mit dem wunderbaren Namen “La Terrasse” ist. Über mir ist der Ast eines Baumes der Kaya heißt (der Baum, nicht der Ast). Neben mir ein Teller auf dem gerade noch superleckeres Toastbrot mit Brushetta war und ein frischer Lemonensaft. Soviel zum Paradiesischen.

    Emotional bin ich nämlich da angelangt wo wahrscheinlich jeder junge Mensch der hier länger ist irgendwann hinkommt: Im ziemlichem Chaos. Auroville ist ein wunderschöner Ort zum Nachdenken und ich hab gerade dass Gefühl, dass ich das zu sehr tue (oder halt über die falschen Fragen: “Studieren oder Weiterreisen? Kann ich überhaupt wieder in ein Leben wie das in Deutschland, wo alles so geregelt ist? Werde ich irgendwann hier herziehen? Wer bin ich überhaupt?“ – solche Fragen halt.)
    Natürlich weiß ich dass das alles irgendwie Quatsch ist – und keine Sorge am 8. August werde ich auch wieder nach Deutschland zurückkommen – aber solche Fragen stell ich mir halt gerade…

    Trotzdem finde ich einige Sachen die es so in Deutschland gibt mittlerweile sehr merkwürdig und frage mich wie lange ich brauchen werde mich wieder dran zu gewöhnen: da wären Toilettenpapier zu benutzen, Warm zu duschen, feste Schuhe zu tragen, pünktlich zu kommen, mit Messer und Gabel zu essen , in einem geschlossenen Raum zu schlafen, 10 Grad zu haben (brr muss das Kalt sein), nicht dauernd irgendwelche Mitbewohner wie Kühe, Geckos, Streifenhörnchen, Ratten, Singvögel, Fledermäuse, Riesenspinnen, Mungos und Weltwärtsler zu haben, Angemessen (Helm, dicke Kleidung, mit (festen) Schuhen, nicht zu dritt und nicht mit Kleinkind) Motorrad zu fahren , sich nicht die halbe Zeit von Papayas, Annanas, Bananen, Passionfruits und Chicos zu ernähren, und so viel mehr..
    Mein Oha-Moment war allerdings als ich mir letztens Nachts (weils so kalt war) zum ersten mal seit 6 Monaten Socken angezogen hab und sie mir nach zwei Minuten wieder von den Füßen riss da es so ein merkwürdiges, unangenehmes Gefühl war…

    Was ich sonst so in letzter Zeit gemacht habe?
    War mit Ribhu zum Teachers-Training an der Westküste in Mangalore und dann in Mysore. Wir haben einen echten Guru getroffen und haben mehrere Nächte in indischen Nachtzügen verbracht – klasse aber ziemlich anstrengend – die mit gefühlt 35 km/h durch die indische Nacht fahren und bei denen man sich einfach auch mal aus der Tür lehnen kann. Das Teacher-training lief überall gut und wir hatten sogar ein bisschen Zeit Mangalore und Mysore zu erkunden. Dann haben wir auf dem Rückweg noch eine Präsentation vor Bossen von einer riesigen Firma gehalten, bei einer Milliadärin gegessen und sind in den Pongal-Stau hinter Chennai gekommen. Pongal ist neben Diwali der größte Feiertag in dieser Gegend und während man bei Diwali Feuerwerke zündet (Lichtfest) ist Pongal eher so etwas wie in manchen Teilen Deutschlands das Ernte-Dank-Fest. Das schließt wohl mit ein, dass Tempel wochenlang nachts um 4 anfangen mit einer unglaublichen Lautstärke Musik zu spielen – und alle Menschen aufzuwecken. An Pongal selbst werden die Kühe geschmückt, angemalt und vollkommen verängstigt durch die Menschenmassen getrieben, wobei dann schonmal eine Kuh in die Menge der Zuschauer rennt. Als heiliges Tier hat man hier scheinbar echt keinen Spaß.

    Von Indien sagt man ja immer man liebt es oder man hasst es. Mittlerweile muss sagen nach meinen anfänglichen Schwierigkeiten mit vollen Städten und scheinbar lebensgefährlichen Verkehr liebe ich es hier mit nem Motorrad durchs nächtliche Pondy zu fahren, abends in kleinen Spelunken Parotha oder Dosa zu essen oder nach mehreren Bussen endlich auf der Ladefläche eines kleinen Trucks nach Hause zu kommen. Auch das mit der indischen Mentalität habe ich irgendwann kapiert und weiß dass “Naleki, Naleki” (Morgen, Morgen) auch “in vier Wochen – aber das auch erst wenn du mich alle drei Tage erinnerst” heißen kann. Meistens muss man halt irgendwie einen Weg finden, dann ist aber alles auch plötzlich ganz einfach.

    Sonst haben wir noch ne Tour ins 70 km entfernte Gingee (ich mit 4-jährigem Nachbarskind einer Freundin und ihr auf meinem Motorrad hinten drauf) und in die Mangrovenwälder gemacht. Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben (mit Maya) eine Klasse neugieriger 5. Klässler unterrichtet – was merkwürdiger Weise total spaß gemacht hat. Wir entwickeln bei Wasteless (Facebookseite) gerade unser neues Memoryspiel um Kindern alles über Plastik beizubringen und Maya und ich schreiben und testen ein Schulprogramm zum Thema Waste. Wenn ich mal wegen irgendwas traurig bin und auf Arbeit Ribhu und Chani davon erzähle dann werden sie mich garantiert den halben Vormittag (erfolgreich) zum lachen bringen… Ich fühle mich gerade also trotz meiner hin und wieder aufkommenden Melancholie recht wohl hier. Leider werde ich die nächsten 20 Tage wegen verschiedener Veranstaltungen warscheinlich arbeiten, aber dafür gibts dann auch mal Buisness-Restaurant Lunch 🙂

    Bleibt noch zu erwähnen dass ich den Ratten, die irgendwann in meine Kapsel gezogen sind, die friedliche Ko-Existenz gekündigt habe, seitdem sie so dreist waren und 75% meiner Unterwäsche und meine Zehen angeknabbert haben. Hab mir von jemanden eine Lebend-Falle geliehen und fange jetzt auf “Daily-Basis” Ratten die ich dann mit meinem Motorrad (sie mögen meinen Fahrstiel so garnicht) ans andere Ende von Auroville bringe.
    Sonst gabs am Wochenende noch ne Party auf der ich mir irgendwie einen Zeh (nicht so schlimm) gebrochen habe. Kleine Anmerkung: Wer denkt in Auroville gibts keinen Alkohol der hat da was falsch verstanden…

    Meine Discipline-Kapsel-WG hab ich auch ganz doll lieb und mit dem Abwasch sind wir (sagen wir mal) auf dem richtigen Weg. Max hat unser Küchendach zum Feuerplatz auserkoren und der wackligen Bambusleiter dort rauf ist auch noch niemand (so wirklich) zum Opfer gefallen. Ich hab mir ein Fahrrad gekauft um neben Yoga und (ab und zu) schwimmen noch irgendwie anderen Sport zu machen (Indische Parotha und Samosa sind nun mal ziemlich fettig)..

    Das Kulturelle Angebot lässt hier auch keine Wünsche offen und mein halbes leben besteht aus Kino, Potluck, Cafe, Dinesh, Tamilischen Songs, Kolams zeichnen, Konzerten, etc.. und vielen ganz tollen Menschen 🙂
    Mittlerweile bin ich nach der Arbeit auch öfter mal im “Garden of Unity”. Das ist der Garten (die Gärten) ums Matrimandir (der goldene Ball) herum. Dort kann man wunderbar über Wiesen spazieren, am Banjam Baum sitzen, Meditieren, dem Rauschen der Brunnen zuhören, kleine Schwarze Vögel und Pfauen beobachten oder einfach Tagebuch schreiben… Leider muss man um einen Pass zu bekommen erst mal einige Tage herumrennen…
    Bleibt noch zu erwähnen, dass es gerade eine Crowdfunding-Kampagne für einen Aurovillefilm von zwei Deutschen gibt: In dem Film geht es um drei junge Menschen die in Auroville aufgewachsen, dann nach Europa gezogen und irgendwann hierher zurückgekommen sind. Einer der drei ist natürlich …. tadam…. Ribhu. Er selbst findet das ganze ein wenig “cheesy” was wahrscheinlich auch stimmt (hier der Trailer ) aber wenn sie ihn mal zu Wort kommen lassen wird das auf jeden Fall ein toller Film. Ich hoffe auf jeden Fall dass das mit dem Crowdfunding irgendwie klappt…

    Anbei noch ein paar Bilder die ich in einen Dropbox Ordner packe… [Am Ende des Auroblog-Artikels]

    So jetzt macht La Terrasse zu und ich sollte lieber mal nach Hause wo heute noch Catha in unsere zuvor Alles-Jungs-ausser-Kaya-Kapsel-WG zieht. Zum Glück hatte Anneke den Januar über auch hier gewohnt 🙂 YAY!!

    Liebe Grüße aus der Ferne. Ich hoffe euch gehts allen soweit gut, und ich versuch euch irgendwie Sonnenschein zu schicken..
    Kaya

    p.s. hab ne neue Email-Adresse, bitte Einspeichern! 😉 – Posteo ist Gut!

    p.p.s Anneke hat mir die Haare geschnitten