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‘Vorbereitung’ Category

  1. Vorbereitungsseminar II – Der Countdown läuft…

    Juli 26, 2015 by Darius

    Ein herzliches Vanakkam von der „weltwärts-Generation“ 2015/2016 🙂

    In einem Monat heißt es für uns 17 Freiwillige: Abflug nach Indien.

    Wir werden am 22. August von Frankfurt und Hamburg starten und über Dubai nach Chennai fliegen – dem nächstgelegenen Flughafen zu unserem neuen Wohnort fürs kommende Jahr, Auroville.

    Die vergangene Woche haben wir gemeinsam in einer Fuldaer-Jugendherberge verbracht beim zweiten und somit letzten Vorbereitungsseminar vor Indien. Wir hatten dort eine sehr schöne Zeit, hatten jede Menge Spaß und haben auch noch einiges gelernt.

    Etwa, dass Vazhaipazham (geschrieben, „zh“ = gesprochen, „r“) Banane auf Tamil heißt. Dass wir uns auf unsere Mitfreiwilligen im wahrsten Sinne des Wortes „blind“ verlassen können. Dass an Festtagen zu Ehren der Abermillionen hinduistischen Götter gerne mal das Bild des Lieblingsschauspielers auf einen Gottesaltar gestellt wird. Dass der Gott Brahma in Zyklen 4320 Millionen Jahre lang schläft. Dass im indischen Straßenverkehr als einzige Regel gilt: „Der Größere hat Vorfahrt“. Dass auf Tamil die Frage: „Hast du gegessen?“ (saappttiy-aa?), quasi gleichbedeutend ist mit „Wie geht es dir?“. Dass die Gründer Aurovilles sich 1968 vorstellten, die Stadt könne innerhalb von ca. 15 Jahren die olympischen Spiele ausrichten und in Zukunft über „rollende Gehsteige von Stadtteil zu Stadtteil“ verfügen. Dass viele Freiwillige ihren größten Kulturschock nicht nach der Ankunft in Indien, sondern bei der Rückkehr nach Deutschland erleben. Dass sich hinter „Kneipp“ keine Lokalität verbirgt wo alkoholische Getränke ausgeschüttet werden. Dass die zu zahlende Miete sich flexibel an die Höhe der Wohnunterstützung für uns Freiwillige in Auroville anpasst (–> und nicht etwa andersherum). Dass man auf Tamil bei Bedarf auch einfach mal englische Verben benutzen kann, wenn man nur „-panne“ anhängt (cleaning-panne, eating-panne,cooking-panne). Dass auch im Körper einer ausgewachsenen Teamerin noch ein fispelndes, süsses Kleinkind stecken kann, welches sich bei dem Anblick von Rehkitzen offenbart. Dass ein quasi improvisierter tamilisch-englischer Filmsong mit seiner eingängigen Melodie schnell mal auf fast 100 Millionen Youtube-Klicks kommt. Dass der indische Staatsapparat de jure stark bürokratisch ausgerichtet ist, de facto jedoch nur wenige Regularien umgesetzt werden. Dass es das neu ersonnene Sternenbild des „Cityrollers“ gibt, dessen vorderes Rad vom Jupiter gebildet wird. Dass man bei seinem ersten Fallschirmsprung auch einfach mal ungeplant unter dem Flugzeug an einem Seil hängen kann. Dass für Frauen in Indien auf dem Land leider oftmals ein gewalttätiger Ehemann besser ist kein Ehemann. Dass die stark hierarchisierte, patriarchale indische Gesellschaft mit ihrem traditionellen Zweigeschlechter-Denken weit müheloser „Transgender“ als drittes Geschlecht anerkennt als es in den meisten westlichen Ländern der Fall ist. Und, dass viele indische Männer überaus gut Tanzen können. etc.

    Wie man an dieser unvollständigen Aufzählung hier merkt haben wir uns zumindest oberflächlich mit vielen verschiedenen Aspekten der indischen bzw. tamilischen Kultur auseinandergesetzt, haben uns als Gruppe noch intensiver kennengelernt, haben die ersten Grundlagen der tamilischen Sprache gelernt und uns mit zahlreichen Krisenszenarien auseinandergesetzt. Wir haben uns dabei auch mit unterschiedlichen Standpunkten gegenüber dem „weltwärts“-Freiwilligenprogramm und Kritik an diesem beschäftigt. Wie die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Programms zu beantworten ist scheint sehr kontrovers und zum Teil eine Frage des Blickwinkels zu sein. Ob es sich dabei etwa um einen „Ego-Trip ins Elend“ handele, das Geld effektiver eingesetzt werden könnte oder ob die Erfahrungen der Freiwilligen und der daraus resultierende Langzeitnutzen die Kosten wieder decken würden. Es bleibt für uns abzuwarten, wie sich unsere Sicht auf die Dinge während des Freiwilligendienstes verändern wird und ob wir letztlich zu einem klareren Ergebnis kommen, nachdem wir die Resultate unserer Arbeit für die Menschen vor Ort und für die eigene Entwicklung abschätzen können.

    Die Vorfreude ist durch das Seminar jedenfalls noch einmal gestiegen (ja Caro, das „Vorfreudeflugzeug ist gestartet“ 😀 ) und wir sehen dem nächsten Jahr gespannt entgegen. Auch (oder gerade weil!) in dem Bewusstsein, dass das Leben in Süd-Indien mit vielen Problemen und Unannehmlichkeiten behaftet ist, die wir in unseren Breitengraden überhaupt nicht kennen, sehen wir unsere Zeit in Auroville ebenso als gigantische Chance für eine persönliche Entwicklung und viele unvergessliche Erfahrungen.


  2. Sneak Peek – The next Generation!

    Juli 26, 2012 by Kaspar

    Hier könnt ihr euch schon mal an die Gesichter gewöhnen, die nächsten Monat den Blog übernehmen. Die komplette 16er-+1-Truppe (Marie fehlt) beim Vorbereitungsseminar in Deutschland:


  3. Das Visumsprozedere

    August 29, 2011 by Kaspar

    Wer nach Indien will, braucht ein Visum.
    Das Visum gilt immer ab Ausstellungsdatum und läuft genau ein Jahr später ab.
    Damit wir also so gut wie ein Jahr in Auroville verbringen können und nicht wesentlich früher abreisen müssen, beantragen wir unser Visum gut 10 Tage vor Abflug. Was für ein Visum? Ein „Entry X“ Visum. Dabei steht das X für „multiple entrys“, also mehrfache Einreisen nach Indien. Auf keinen Fall soll es aber ein „Employment-“ oder gar „Business Visa“ sein. Denn das verstoße gegen Aurovilles Vorschriften für Freiwillige. Alles „non commercial“. Für die Beantragung braucht man folgende Dokumente:Für die Ausstellung braucht das Konsulat circa 5-6 Arbeitstage.
    Soweit die Theorie.

    In der Praxis erwarten einen allerdings einige Hindernisse und Überraschungen.

    1. Indische Feiertage
    Indische Konsulate haben natürlich an Indischen Feiertagen geschlossen. Und an deutschen Feiertagen auch. Deswegen mussten wir uns erst mal informieren, wann die Konsulate geöffnet haben. Eigentlich wollte ein Großteil von uns am Montag, den 15. August, zur Visumsbenatragung. Das ist allerdings der indische Unabhänigkeitstag. Dann halt am Dienstag. Aber ein Tag früher oder später kann bei beim Visum schon sehr entscheidend sein. Einer von uns hatte sein Visum einen Tag später, also am 16., beantragt und bekam das Visum gestern. Am letzten Arbeitstag des Konsulats vor unserer Abreise. Und dass auch nur durch Drängen des Vereins. 11 Tage – so lange dauert die Ausstellung aber normalerweise nicht. Aber man muss damit rechnen.

    2. Bürgschaft der Eltern
    Das Konsulat verlangt ab diesem Jahr eine Bürgschaft unserer Eltern. Sie sollen versichern, dass sie alle Kosten unseres Aufenthaltes zahlen. Obwohl das eigentlich schon von AVI-Deutschland durch unsere Unterkunftspauschale, Essengelder und die Versicherung garantiert ist.
    Aber sicher ist sicher.

    3. Fotos im 5x5cm-Format
    Für das Visum braucht man zwei Fotos in der Größe 5×5 cm.
    5×5 cm? Richtig, dass sind keine typischen Passbildmaße. Aber zum Glück bietet das Konsulat einen Fotoservice an. Für 8 € (!) kann man 4 passende Fotos machen lassen.

    4. Willkür des Konsulats
    Teilweise haben wir „Employment Visa“ ausgestellt bekommen.
    Hatten wir nicht „Entry X Visa“ beantragt? Ja, das hatten wir alle.Aber in einigen Fällen hat das Konsulat aufgrund der Unterlagen, die sich nur durch Einladung vom jeweiligen Projekt unterschieden, beschlossen ein Arbeitsvisum auszustellen.
    Eigentlich kein Problem. Allerdings gibt es in Auroville Probleme damit. Denn wir sollen als Freiwillige nicht mit einem Arbeitsvisum herumlaufen. Denn wir sind keine angestellten Arbeiter. Wäre das so, würde dies gegen die örtlichen Richtlinien bezüglich Freiwilliger sprechen.
    Ob es aber wirklich richtig Ärger gibt, werden wir dann bald erfahren.
    Schuld haben wir zwar nicht daran, aber um das Visum wieder ändern zu lassen, fehlt uns die Zeit.


  4. 5 Dinge, die man nicht vergessen sollte:

    August 26, 2011 by Kaspar

    1. Den Reisepass, das Visum und Flugticket (32 g)
    Ohne diese Dinge kommt man gar nicht erst nach Indien, geschweige denn in das Flugzeug.
    Und gerade auf den Reisepass sollten wir gut aufpassen! Denn verlieren wir den, müssen wir im Zweifelsfall zurück nach Deutschland und einen neuen Beantragen. Und das Visum wohl auch…
    Aber das muss ja nicht sein.
    Deshalb gilt während des Aufenthalts: Sich lieber erstmal mit einer Kopie ausweisen und den Pass sicher im Safe verwahren.

    2. Eine wasserdichte Tasche (661 g)
    Während der Zeiten des Monsuns kommt man wohl nicht drum herum mit Hab und Gut durch den Regen zu müssen.
    Da empfiehlt es sich eine wasserdichte Tasche für die Sachen dabeizuhaben.
    Gerade jetzt, Ende August, hat der Sommermonsun in der Region von Auroville schon eingesetzt und füllt die Wasserreservoirs wieder auf  – aber er bringt auch ein etwas kühleres Klima mit. Das ist für uns in der Anfangszeit sicherlich angenehm und hilft bei der Akklimatisierung.

    3. Eine Kreditkarte (8 g)
    Ohne Moos nichts los – trotz Aurovilles eigentlicher Philosophie einer geldlosen Gesellschaft.
    Jeder von uns Freiwilligen bekommt monatlich 220 Euro von AVI-Deutschland überwiesen. Darin enthalten sind Unterkunftsgeld (60 €), Verpflegungspauschale (60 €) und Taschengeld (100 €). Um an das Geld kostengünstig dranzukommen, haben viele von uns ein kostenloses DKB-Cash-Konto eröffnet, das es ermöglicht mit der dazugehörigen Kreditkarte umsonst im Ausland Geld abzuheben.
    Ob das auch so reibungsfrei funktioniert, wie es sich jetzt anhört, werden wir dann bald erfahren. Unsere Vorgänger hatten damit aber keine Probleme.

    4. Desinfektionsspray + Plaster (97 g)
    Was in Indien so alles an Krankheitserregern, Parasiten, Viren und Keimen kreucht und fleucht will man vielleicht nicht so genau Wissen. Erst recht nicht welche Auswirkungen diese haben, wenn man sie sich erstmal eingefangen hat.
    Deshalb tut es Not jede noch so kleine Wunde oder Schnittverletzung sofort zu desinfizieren und mit Pflastern abzudecken – gerade an Händen und Füßen.
    Einer unser Vorgänger hat sich bei der Arbeit eine kleine Verletzung am Fuß zugezogen. Nicht weiter schlimm… Die Wunde ist verheilt und es war alles wieder gut – fast. Denn über die Wunde hatte er sich einen Keim eingefangen und einige Zeit später schwoll sein kompletter linker Arm an. Daraufhin musste er ins Krankenhaus nach Chennai, wo der Keim mit Antibiotika-Keulen überwunden wurde. Nur das Immunsystem leider auch. Eine Narbe am Ellenbogen erinnert ihn wohl sein Leben lang daran.
    Aber ich will hier jetzt auch keine Panik verbreiten.
    Das Desinfektionsspray und ein Pflaster tun es ja auch.

    5. Ein Taschenmesser (100 g)
    Der Survivalgegenstand schlecht hin und immer praktisch.
    Ob man sich nun an die „Cook it, peel it, or leave it“-Essenregel halten will, sich eine Stulle schmiert, das Seil für die Hängematte kürzt, oder, wie empfohlen, vom Neembaum probiert.

    Gesamtgewicht: 898 g
    (Passt also alles bequem ins Handgepäck, das 7 kg wiegen darf.)


  5. Filmseminar in Berlin

    August 23, 2011 by Kaspar

    Vom 12. – 14. August hatten wir ein Filmseminar in Berlin.
    Geleitet wurde es von Cosima Lange. Sie ist erfahrene Dokumentarfilmerin aus Hamburg und arbeitet gerade an ihrer Dokumentation über Auroville (Peonieers of Dawn).

    Auf dem drei tägigen Seminar ging es um die Geschichte des Dokumentarfilms, also vom Schwarz-weiß-stummfilm bis zum Farbfilm mit O-Tönen, die verschiedenen Techniken beim Filmen, das Schneiden von Filmmaterial (Cutten) und die Konzeption einer Dokumentation im Generellen.
    Im ersten Schritt haben wir uns viele Beispiele angeschaut und diese nach dokumentarischen und filmischen Aspekten analysiert und ausgewertet.

    Am 2. Tag folgte dann die Praxis. Nach einer kurzen Einführung in die Kameraeinstellungen, von der „weiten Totalen“ bis zur „ganz Großen“, sind bei einem bomben Wetter nach draußen, haben uns in Zweiergruppen mit den Kameras vertraut gemacht bzw. einfach mal darauf los gefilmt.
    Als alle mit der Technik vertraut waren haben wir noch Interviews mit unseren jeweiligen Partnern gefürt.
    Das Thema: Abschied. In dreier Teams, ein Kammeramann, ein Interview fürender und ein Interviewter, entstanden so circa viertelstündliche Fragerunden mit jedem von uns. Eventuell können wir die Sequenzen auch schon für unseren geplanten Weltwärts-Film benutzen.

    Photo & Video Sharing by SmugMug
    Charlotte beim Interview mit Hannes.

    Später sind wir dann genauer auf die verschiedenen Schnitttechniken, das Cutten, eingegangen. Beispielsweise, wie man Übergänge „sanft“ gestaltet, was der „unsichtbare“ Übergang ist und wie man eine „akustische Klammer“ setzt.
    Am Ende des Tages wurde dann unser Filmmaterial gesichtet und besprochen.

    Zum Abschluss haben wir ein Konzept für unseren Weltwärts-Film in Auroville erstellt und zum Beispiel beschlossen, dass unsere Veränderung über das Jahr zu sehen sein soll, wir  ein Videotagebuch anlegen und von uns eigene Musik für den Film komponiert wird.
    Vielleicht gönnen wir dem Film auch noch eine Tanzeinlage a la Bollywood, wer weiß.
    Die Zwischenergebnisse und der fertige Film können dann hier auf der Seite bestaunt werden.

    Vielen Dank an Cosima für das tolle Seminar und an AVI-D für‘s Finanzieren!

    Aber… – nicht das noch jemand den Eindruck gewinnt:
    Wir reisen nicht nach Auroville um einen Film zu drehen. Der wird wohl eher nebenbei von den „freiwilligen“ Freiwilligen gemacht, wenn wir im Alltag angekommen sind.

    Hier ist noch ein Kurzfilm, entstanden auf dem Seminar:
    (Humoristisch, hat aber noch nichts mit Auroville zutun.)