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  1. Arbeitsplatz Aikiyam

    Oktober 5, 2017 by Niklas

    So jetzt ist es schon mehr als einen Monat her, dass ich mich von meiner/n Familie/Freunden verabschiedet habe.
    Schleichend und stück für stück würde ich sagen, dass ich hier angekommen bin.

    Ich fange an Hobbys zu finden, habe für Frühstück und Abendessen meine haupt Anlaufstellen, kenne schon jede Menge Einheimische und bin mit einigen auch befreundet. Ich denke nicht mehr bei jeder Kuh „Whoa krass! Ne Kuh auf der Straße“ und würde auch behaupten, dass ich mich mit meinem Fahrverhalten an die Inder angepasst habe.

    Und natürlich sind wir gerade dabei die Basics in Tamil zu lernen. Für ein bisschen small-talk sind wir schon gewappnet.

     

    Da ich noch nie wirklich Blog geschrieben habe, dementsprechend unerfahren bin, weiß ich nicht so ganz was jetzt Interessant ist. Aber ich denke ich kriege das schon hin.

     

    Fang ich mal mit meiner Arbeit an:
    Für die, die es nicht wissen oder vergessen haben, ich arbeite in der „Aikiyam school“.
    Leiter der Schule und gleichzeitig mein Chef ist Shankar. Shankar ist ein toller Chef und Schulleiter.

    Was ihn für mich zu einem guten Chef macht, ist ein großes Vertrauen in mich und Moira (Mitweltwärtslerin).
    So haben wir jede Menge Freiheit aber auch viel Verantwortung. Wir können eigentlich komplett entscheiden in welchem Unterricht wir Assistieren wollen.
    Ich bin in Shankars Englisch Unterricht, im Kindergarten, Clay Room, Suportive learning und Sport. Aber dazu gleich mehr.

    Was Shankar zu einem tollen Direktor macht:
    Wenn man mit ihm über den Schulhof läuft, kann man das kaum ohne Unterbrechung. Immer wenn er bei einer Schüler*in etwas sieht, was diese*r zum Beispiel gebastelt hat, lobt er diese*n und sagt was das für eine Tolle Arbeit ist.

    Wenn ich schon bei Shankar bin, mache ich mal mit seinem Unterricht weiter:
    Zwei mal die Woche assistiere ich bei Shankar im Unterricht. Er hat eine sehr, ich würde mal sagen, individualistiche Art seine Schüler zu unterrichten. Zum Beispiel hatten wir die Frage wann man im englischen ‚a‘ benutzt und wann ‚an‘.
    Er hat am Anfang gefragt, was die Schüler den denken, so dass sie einfach mal drauf los „raten“.
    Bei jedem Vorschlag war er begeistert, auch wenn es falsch war, er hat sich an mich gewendet und gesagt wie toll er das findet, so viele Ideen in den Köpfen.

    Kindergarten:
    Kindergarten ist ein Highlight meiner Arbeitstage! Wenn die Kinder bemerken, dass ich heute bei ihnen vorlese sieht man wirklich in den Augen, dass sie sich freuen. Alle fangen an zu strahlen. Dann setze ich mich auf einen Stuhl mit zwei „Büchern“ in der Hand und alle Kids setzen sich im Halbkreis so eng wie möglich um mich rum. Nach dem „good morning sir“,  fange ich dann mit den Büchern an. Immer wenn was zu sehen ist was sie kennen, lassen sie das hören, sie rufen z.B. „chicken“ oder „pig“.
    Sehr süß auf jeden Fall! Zum verabschieden noch ein „thank you sir“ und ab zum nächsten unterricht.

    Heute steht zum Beispiel Anbus class als nächstes an:
    Anbus class ist Suportive learning. Hier sind die Kinder die einfach bisschen mehr Unterstützung brauchen oder in der großen klasse dazu neigen quatsch zu machen. Mit Anbu zu unterrichten macht auch sehr Spaß.
    An Anbus Unterricht gibt es einige Sachen die mir positiv im Kopf bleiben, z.B. wenn die Kinder lesen ist es ok, wenn sie dabei rumlaufen oder auf dem Boden liegen. Hauptsache sie können gut lesen.
    Dann hat mich Anbu gefragt ob mir irgendwas aufgefallen ist was er besser machen kann oder anders.
    Hat man auch nicht immer, Lehrer die bereit sind so zu reflektieren.
    Wir hatten auch schon sehr interessante Gespräche über Politik, Gesellschaft etc.
    Ein Gespräch war zum Beispiel darüber, dass viele Erwachse sich quer stellen, wenn es darum geht von Kindern Tipps oder gar Verbesserungen anzunehmen. Wir sind der Meinung, dass man von allen was lernen kann, auch von Kindern und das es auch wichtig ist dahin gehend offen zu sein, weil einem sonst einiges an Wissen verwehrt bleibt.

    Clay Room mit Dev:
    Auch ein sehr tolles Fach. Hier geht es darum, mit Lehm einfach kreativ zu werden und zu bauen.
    Wenn die Kinder wollen gibt Dev was vor was sie Bauen können.
    Ich bin teilweise echt überrascht, was für krasse Sachen da von den Kids gebaut werden.
    Was mir auch so gut an dem Unterricht gefällt ist, dass ich mitmachen kann.
    Ich setzt mich dann zu den Kindern auf die Bank und mache mit. Ich habe von Dev so ein paar Grundlagen gelernt und baue darauf aufbauend verschieden Sachen.

    Sportunterricht:
    Der Sportunterricht ist der einzige, der meiner Meinung nach nicht außergewöhnlich ist.
    Es wird immer das gleiche gemacht: Volleyball, Basketball, Laufen und Springen. Für die einzelnen Gruppen immer was anderes.
    Spaß macht es dann wenn ich mitspielen kann, also beim Volleyball.

    Resume meiner Arbeit:
    Ich bin sehr glücklich mit meiner Arbeit! Ich fühle mich sehr gut aufgenommen, von den Lehrern so wie von den Kindern.
    Ich bin weder Überfordert noch Unterfordert. Ja, also in der Arbeit ist alles Top!

    Weil das Thema Arbeit doch länger geworden ist als erwartet, belasse ich es erstmal damit.

    Bilder gibt es dann auch bald mal 😉

    Und wie gesagt seid gnädig mit mir, wegen Rechtschreibung und Grammatik.


  2. Meine Bedenken und wie ich damit umgehe

    August 25, 2017 by Niklas

    Leicht verspätet, aber besser spät als nie. Jetzt komme ich dazu den Blog hochzuladen, den ich vor 15 Tagen geschrieben habe. Viel spaß damit.

    So, nun sind es heute nur noch 15 Tage. Es wird greifbar! Wie wenig das nur noch ist wird mir erst jetzt so langsam bewusst.

    Ich fühle eine Mischung aus unglaublicher Vorfreude und Angst.

    Jetzt hatte ich vom 24. bis zum 30. Juli mein letztes Seminar vor Indien. Auf diesem Seminar ist mir so einiges bewusst geworden. Vieles Positives und beruhigendes aber auch einiges bedrückendes.

    Und zwar haben wir unter anderem auch über Fallbeispiele geredet. Fallbeispiele, bei denen auf Konflikte, resultierend aus Kulturellen unterschieden, eingegangen wurde.
    Ein für mich ziemlich bedeutender Unterschied ist die Position der Frau in der Gesellschaft. Abtreibung weiblicher Föten, Mitgift bei Heirat, Misshandlungen und mehr.

    In dem Patriarchat Indien sind Männer deutlich mehr wert als Frauen.
    Mir wird bewusst, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau in Deutschland gerade zu paradiesisch ist, wenn man mit Indien vergleicht.
    Und da ich mich auch über die deutschen Verhältnisse aufrege erklärt es sich von selbst wie es mir geht wenn mir bewusst wird in was für Verhältnisse ich da fliege.

    Was wir auch besprochen haben, ist ob Weltwärts an sich überhaupt so gut ist wie man es sich so vorstellt.
    Mir war von Anfang an bewusst, dass wir da nicht als Erlöser hinfahren, mir war auch bewusst, dass unsere arbeiten auch von einheimischen übernommen werden können. Aber mir war nicht bewusst, dass die NGO’s sich teilweise dumm und dämlich verdienen.

    Riesige Häuser, teure Autos. Und gleichzeitig damit werben den Armen zu helfen. Als ich den Artikel fertig gelesen hatte, war ich erst mal ein bisschen verdattert.
    Ich habe mich gefragt ob ich das alles überhaupt will, ob das überhaupt das richtige ist.

    (Damit will ich nicht behaupten, dass ausser Auroville alle NGO’s und Weltwärts Programme grundsätzlich schlecht sind sondern nur erwähnen, dass NGO’s/Weltwärts Programme nicht „der Heilige Gral“ sind. Man muss wo wie alles andere auch NGO’s Kritisch betrachten und Hinterfragen.)

    Also habe ich mit meinen Mitweltwärtslern geredet.

    An dieser Stelle, ich weiß nicht wie präsent das alles noch ist. Ich fahre zusammen mit 18 anderen Freiwilligen nach Auroville. Wir haben alle andere Projekte.

    Als ich mit Manuel geredet habe hat er was gesagt was mir sehr eingeleuchtet hat. Und zwar fahren wir nicht irgendwohin, wir fahren nach Auroville. Ein Dorf basierend auf einer Vision. Einer Vision von Zusammenhalt, von geldlosem Handel und vielen weiteren Sachen die ich unterstütze. Auroville ist ein Experiment, was entdeckt und in die Welt getragen werden muss. Abgesehen davon fahren wir mit einer kleinen Organisation. Einer Organisation die nur nach Auroville verschickt, ohne große Häuser.

    Das hat mich sehr beruhigt.

    Nun war ich da erdrückende Neuigkeiten. Und ich musste mir überlegen wie ich damit umgehe. Also habe ich mich mit unserer Ansprechpartnerin Muna und der Ehemaligen Freiwilligen Nora zusammengesetzt und habe darüber geredet. Wir sind darauf gekommen, das es mich am meisten bedrückt, dass ich nichts gegen die Ungerechtigkeit machen kann. Das ich nicht aktiv werden kann und dann haben wir uns gedacht, dass ich vielleicht anders an das Jahr ran gehen sollte. Das Jahr wird kein Jahr voller Aktivierung, ich nutze das Jahr um mich weiter zu entwickeln. Ich informiere mich, ich gucke mir das Politische System in Auroville an, ich fange an zu schreiben, ich nehme meine Eindrücke und Emotionen mit um dann daraus Energie zu gewinnen, um dann aktiv zu werden.

    Ich bin optimistisch das ich meinen Weg finde.
    Was mir Positives bewusst geworden ist, ist das ich mit 18 netten Leuten zusammen in ein Dorf fahre. Ich habe immer jemanden an meiner Seite.
    Außerdem fahren wir mit einer super Organisation, wir werden unglaublich gut betreut. Wir haben Mentoren vor Ort. Wir haben Ansprechpartner in Indien und in Deutschland. Wir können Kontakt zu Ehemaligen aufnehmen, wenn wir fragen haben. Wir wurden super gut vorbereitet.

    Alles in allem freue ich mich sehr auf mein Jahr in Indien.