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  1. Bock auf nen Ausflug zum See?

    2. Januar 2019 von Julia

    Vorher müssen wir aber noch halten um den (angeblich) besten Cold Cofe in der Kofi Bar auszuchecken… Und ich muss sagen, ja stimmt sogar… Gerade frisch eröffnet und noch grün hinter den Ohren kann man diese Spilunke auf jeden Fall empfehlen.

    Okay, dann los. Konrad meint es sind ca. 15 km von hier. Welche Richtung? Keine Ahnung, ich trödel einfach mal hinterher… Und dieser Plan ist sogar aufgegangen. Die ersten Seebilder werden gemacht… Die Umgebung bewundert und die Sonne genossen. Ganz ohne Touristen und Müll. Fühlt sich wie Erholung an.

    Achso und ääh, das ist Maitili, eine unserer Mitbewohnerinnen in der Celebration Community
    Eine kleine, liebenswerte Plappertasche mit großem Herz für Katzen. 😉

    Ja und das bin ich, wunderschön gestellt mit Ausblick auf brunen Tümpel.  XD Vielleicht sollte ich lieber ein Portrait von dem Mann machen, der mich da vorhin angesprochen hat. Ich gehe mal fragen. Er scheint ja gerade lunch break zu machen.

    Konrad: Eigentlich wäre es total cool, wenn man auf dem See mit einem Boot fahren könnte. Da hinten fährt ja eins! Hmm sieht aber eher wie eine geführte Tour aus. Alleine fahren wäre spannender. Aber wir können ja mal schauen gehen. – und los.

    Gefunden! Zwar nur geführte Touren, aber besser als gar nicht Boot fahren. 15 Minuten für 100 Rupies.

    Rettungswesten reichen nicht für alle (Ich weiß Rettungsweste in Indien ist schon ein Witz an sich…) und beim Start verfängt sich das Seil in der Turbine. Ich glaube ja, dass wir untergehen.

    Okay hat doch geklappt. Hui, das sprudelt aber schön!
    Mann über Board… Achso ne – Land in Sicht!

    Okay. Und wohin jetzt? Mal sehen. Aber die Reise endet hier für euch, ein bisschen Privatsphäre muss gewährleistet sein, wenn man einen drauf machen will! War schön, dass ihr dabei gewesen seid. Bis Bald!


  2. Der Blog – ein Sorgenkind

    26. Dezember 2018 von Bastian

    Vielen von uns war von Anfang bewusst, dass der Blog als der essenzielle Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Auroville International Deutschland e.V. (AVID) – also unserer Entsendeorganisation – eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, die unsere Hände gelegt wurden war.

    Enthusiastisch planten wir, wie damit umzugehen sei. Es Bildete sich eine Bloggruppe bestehend aus drei Leuten und diese arbeiteten schnell einen Wochenplan aus. Die Idee war simple: Wenn jeder im Laufe des Jahres 2 Posts verfasst, dann hätten wir jede Woche einen Beitrag. Dies sollte eine Regelmäßigkeit gewährleisten, von der solch ein Blog nun mal auch lebt. So wurden alle Wochen des Jahres auf unsere Gruppe von stattlichen 18 Weltwärtslern verteilt.

    Doch was geschah dann?

    Indien!

    Hin und her gerissen zwischen all den
    interessanten Möglichkeiten, die uns Auroville bietet, der vollen Kulturklatsche in Indien, Liebelein und Herzschmerz, kulinarischen Offenbarungen, sportlichen Herausforderungen, einigen Kurztrips, Krankheiten und Unfällen, wunderschönester Natur und Müllbergen, Verirrungen und Selbstfindung sowie dem ganz alltäglichen Wahnsinn ist es einfach schwer sich die Zeit zunehmen und einen Eintrag über eben eines dieser Themen für den Blog zu schreiben.

    Man verstehe meinen Zynismus nicht falsch – ich meine das ernst! Mir geht es schließlich genauso.

    Als schließlich der Frust bei einem meiner Mitstreiter in der Bloggruppe zu Groß wurde, fiel mir die „ehrenvolle“ Aufgabe zu die wöchentlichen Erinnerung an die jeweilige Person zu schicken, die an der reihe war.

    Ich stehe nicht auf Zwang – so garnicht. „Alter, berühre meine Kreise nicht!“ – ist da ehr meine Devise. Aber wir hatten ja auch von der ganzen Verantwortung gegenüber unserer Entsendeorganisation gesprochen. (Hier nochmal ein kleines Danke es ist großartig, dass ihr jungen Menschen diese einzigartige Aurovilleerfahrung ermöglicht.)

    Tolles Dilemma – blöde Aufgabe.

    Was nun?

    Wie wäre es mit ein bisschen Motivation:

    Ich schrieb nicht einfach nur wöchentliche Erinnerungen – sondern begeisternde Aufrufe zur Stellungnahme und zum kreativen Ausdruck von innerem und äußerem Reisen. Oder naja – das habe ich zu mindest versucht:

    „Die kommende Woche gehört ganz dir. Alle Blogleseraugen sind auf deine tippenden Finger gerichtet. Und jeder fragt sich worum es in deinem Beitrag gehen wird:

    Wird über den Besuch von Freunden berichtet? über spannende Zusammenstöße mit der indischen Kultur geschreiben? den Ablauf eines ganz „normalen“ Tages in der Utopiestadt Auroville dargelegt? Oder eine Sammlung der beliebtesten Trinkspiele verfasst?

    Man weiß es nicht – doch die Spannung steigt.

    Hörst du das Knistern??

    Uh es ist kaum noch auszuhalten..

    Was für eine Woche!

    Wow!

    Der Wahnsinn!

    Echt verrückt!

    Aber wahr!

    Oyoyo!

    Boom

    Ps: jetzt im ernst mach nicht das mit den Trinkspielen!“

    Jetzt mal im Ernst: Wer würde bei solch einer Nachricht sich nicht sofort bis zum Nächsten Laptop oder wenigstens bis zum nächsten Notizblock durchschlagen, um eiligst loszuschreiben?

    Und das war nur ein Beispiel von vielen. Jeder bekommt seine persönliche Nachricht – Producemizing.

    (Ob dieser Producer hier ein an der Meise hat oder sich der Kapitalismus da noch eine Scheibe von abschneiden kann, über lasse ich dem Urteil des Lesers)

    Letztendlich waren wenigstens die Antworten auf diese Nachrichten positiv und nett.

    Auch wenn es dann nicht immer bis zu einem Blogeintrag kam.

    Und so bleibt der Blog ein Sorgenkind.

    Geschrieben im Taxi nach Chennai. Von da aus geht es weiter in die Berge. Ein Wochendausflug, über den man hätte auch berichten können…


  3. An excuse?

    11. November 2018 von Julia

     

    Is the dream just an excuse?


  4. Gingee, oh Gingee

    20. Oktober 2018 von Lara Schnellbach

    Gingee ist der Name einer Stadt, die sich auf halbem Weg von Pondicherry nach Tiruvannamalai befindet und hauptsächlich aus einer riesigen alten Festungsanlage besteht. Die Ruinen des Gingee Fort ragen hier aus der tamilischen Ebene. Das Fort besteht aus drei separaten Zitadellen, jeweils auf einem eigenen Hügel erbaut. Das Gelände ist insgesamt um die 7km² groß und ein einziges Märchenland. Das satte Grün, die alten Tempelanlagen und die steilen Felswände erinnern an eine Filmkulisse für das Dschungelbuch.

    Errichtet wurde die Anlage hauptsächlich im 16. Jahrhundert von den Vijayanagar-Königen, danach wurde sie von den Marathen, den Moguln, den Franzosen un den Briten besetzt. Zuletzt wurde sie im 19. Jahrhundert ihrem Schicksal überlassen. Pflanzen und Affen erschlossen sich das Gebiet und schufen eine friedliche und märchenhafte Idylle.

    Wir suchten uns als Ziel die am schwierigsten zu erreichende Zitadelle aus: Rajagiri. 150m Aufstieg, größtenteils Treppenstufen. Einmal rum und hoch hinaus. Bei strahlend blauem Himmel und in der prallen Sonne. Puh, war das anstrengend.

    Aber lasst mich ganz von vorne anfangen: los ging’s morgens um sieben bei uns vor der Haustür. Anna-Lena, Paula und ich packten gerade etwas zu essen ein, als Franka mit dem Fahrrad bei uns eintraf. Sie würde uns begleiten. Leider hatten wir gerade knapp einen Bus nach Pondi verpasst und mussten dann an der Straße stehend auf den nächsten warten. Das dauerte erst einmal ein Weilchen. Nach über einer halben Stunde kam dann endlich einer.

    Am Busbahnhof Pondicherry angekommen suchten wir uns einen kleinen Frühstückssnack: Vadais und Samosas. Danach fragten wir uns durch und wurden in irgendeinen Bus geschickt, der anscheinend nach Tiruvannamalai und über Gingee fahren würde. Wir setzten uns und bald ging die Holperfahrt auch schon los. Laute indische Musik beschallte uns und wir begaben uns auf den Highway in Richtung Gingee. Auf dem Weg kamen wir an dem Führerschein-Dings vorbei und dann durch Tindivanam. Hier gab es ganz viele schöne Marktstände an den Straßenrändern und sobald der Bus nur ganz kurz stoppte, sprang sogleich ein Snackverkäufer auf und bot den Fahrgästen Samosas oder andere Kleinigkeiten an. Er würde an der nächsten Kreuzung wieder abspringen und den nächsten Bus aufsuchen.

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    Dann kamen wir endlich (nach fast 2 Stunden Busfahrt) in Gingee an und waren erst mal komplett orientierungslos. Wir schnappten uns dann einfach einen Tuk-Tuk-Fahrer und sagten ihm, dass wir zum Fort wollten. Dank der Sprachbarriere gab es ein Missverständnis im Preis, den wir verhandelt hatten und er wollte am Ende doch mehr. Aber 100 Rupien, also 25 Rupien pro Person, sind immer noch im Rahmen, oder?

    Zum Glück hatten wir mittlerweile alle ein Residential Permit (eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung vom indischen Staat) erhalten, denn damit bekamen wir denselben Rabatt wie Einheimische und zahlten nur 25 Rupien Eintritt statt 300 (das wären umgerechnet mehr als 3,50€).

    Fahrtkosten:

    Kottakarai – Pondicherry Busbahnhof (öffentl. Bus) ‎13₹
    Pondicherry Busbahnhof – Gingee Stadt (öffentl. Bus) 50₹
    Gingee Stadt – Rajagiri (Tuk-Tuk) 100₹
    Rajagiri – Roadside Bus Stop Gingee (Tuk-Tuk) 60₹
    Roadside Bus Stop Gingee – Pondicherry (öffentl. Bus) 57₹
    Pondicherry – Kottakarai (Tuk-Tuk) 350₹

    Eintritt (Ganz wichtig: Residential Permit mitnehmen!! Als PDF auf dem Handy ist ausreichend.)

    • für Inder: 25₹
    • für Ausländer: ‎300₹

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    Außerhalb der Festungsmauern

    Endlich angekommen wurden unsere Taschen von einem Wächter durchsucht, der seine Waffe offen um die Schulter hängen hatte. Ganz schön einschüchternd.
    Als wir um mehrere Ecken der dicken Mauern gebogen waren eröffnete sich uns ein traumhafter Blick auf grüne Wiesen, weiße Tempelanlagen und die Rajagiri-Zitadelle weit oben auf dem Hügel, der aus der Ebene ragte. Wir standen inmitten des alten Palastviertels zu Füßen des Rajagiri. An jeder Ecke gab es eine neue Ruine zu entdecken oder einen riesigen schattenspendenden Baum, der vermutlich schon sehr sehr lange hier stand und viel miterlebt hatte.
    In der parkähnlichen Anlage wurde sogar gerade der Rasen gemäht. Alles schien sehr gepflegt und gut in Stand gehalten, wenn auch zu einem bestimmten Grad der Natur überlassen. Dies kreiert eine verwunschene und geheimnisvolle Stimmung.

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    Die siebenstöckige Kalyana Mahal (Hochzeitshalle)

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    Nachdem wir kurz gestaunt hatten, machten wir uns an den Aufstieg. Viele Treppenstufen lagen vor uns. Schon bald entdeckten wir die ersten Affen, die hier heimisch sind und wir genossen die fabelhafte Aussicht auf das riesige Fort. Als wir die erste Kuppe überwunden hatten eröffnete sich uns auch eine wunderbare Aussicht auf die dahinterliegenden (kleinen) Berge und grüne Reisfelder in der Ebene.

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    Auf geht’s!

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    Gingee, oh Gingee…

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    …du bist so wunderbar.

    Oben angekommen staunten wir, wie viele Höhenmeter wir hinter uns gebracht hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt ein echt gelungener Ausflug.

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    Halt mich an dir fest..

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    Hoch hinaus

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    Aber für diese Aussicht lohnt es sich!

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    ich – Anna-Lena – Franka – Paula

    Und dann kam da meine naive und dumme Idee ins Spiel, doch mein Essen auszupacken. Ich selbst hatte die anderen mehrmals vor den Affen und ihrer Aggressivität gewarnt und wollte es aber einfach nicht wahr haben, dass man hier seine Aussicht nicht mit einem kleinen Snack genießen können sollte. Gedacht, getan. Und wenige Sekunden später bereute ich meine Tat. Ich war so schlau mich nach allen Seiten umzuschauen, bevor ich mein Essen in die Hand nahm. Aber nach oben hatte ich nicht geschaut. Ein Affe sprang vom Dach, griff mich an und ich sprang erschrocken auf. Da er mein Essen nicht zu fassen bekommen hatte, schnappte er sich meinen Rucksack und griff sich das erste, das er fassen konnte. Mein kleines Täschchen, in dem ich mein Handy aufbewahrte. Doch halt, das hatte ich doch wo anders eingepackt heute? Richtig. Was ein Glück! Denn das Täschchen sah ich nie wieder. Weg waren meine Hausschlüssel, der Schlüssel zur Farm, mit ihnen mein neuer Schlüsselanhänger, mein schweizer Taschenmesser, das mich seit Jahren begleitete, meine einzigen Kopfhörer und meine homöopathischen Kopfschmerz-Tropfen. Ach ja und das Täschchen an sich natürlich. Es ist nicht so, dass ich versucht hätte es irgendwie zurück zu bekommen. Doch der Affe klimperte fröhlich mit dem Täschchen und stürzte sich damit den Felsabhang hinunter. Ich konnte ihn nicht mehr wiederfinden. Hörte nur noch meine klimpernden Schlüssel.

    Heute – ich verfasse den Artikel vier Wochen nach dem Ausflug (16. Nov.) – habe ich alles bis auf das homöopathische Mittel und das Messer ersetzen können. Ärgerlich bleibt diese Geschichte dennoch. Wie schön preisgünstig und unbeschwert wäre dieser Tag doch ohne meinen Leichtsinn gewesen? Meine Stimmung war natürlich erst mal am Boden.

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    Auf der Suche nach meiner Fassung. Oder vielleicht tut es auch ein Zeitumkehrer?!

    Nach einem schlecht gelaunten Abstieg hatte ich mich aber wieder gefangen und erkundete mit Paula sämtliche Ruinen und Steinbrocken, die im Fort verstreut waren.

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    Tor zum Paradies?

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    Versunken im grünen Meer

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    Auf Entdeckungstour

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    Erledigt machten wir uns danach auf den Heimweg, obwohl wir eigentlich geplant hatten den Krishnagiri auch noch zu besteigen. Das musste dann wohl beim nächsten mal geschehen.
    Halb schlafend, halb wachend ließen wir uns zurück nach Pondi kutschieren. Anna-Lena und Franka machten sich sofort auf den Heimweg. Paula war so nett und kam noch mit mir in die Stadt, um den Hausschlüssel direkt nachmachen zu lassen. Das ging erstaunlich schnell. Innerhalb von einer guten Viertelstunde hielt ich meinen neuen Schlüssel in der Hand. Ich war der Empfehlung unseres Vermieters gefolgt und zu einem Straßenstand gegangen, der jegliche Schlüssel in kurzer Zeit nachmachen konnte. Danach genossen Paula und ich noch einen leckeren Chai mit ein paar Polizisten, die sich begeistert mit uns unterhielten.

    Neuer Schlüssel

    Wir hatten gehofft einen öffentlichen Bus zurück nach Kottakarai zu finden. Unauffindbar. So nahmen wir am Ende ein Tuk-Tuk, das teurer war als unser ganzer Ausflug. Nach einer halben Ewigkeit kamen wir total erledigt zu Hause an und fielen todmüde ins Bett.


  5. Schnipp, Schnapp

    8. Oktober 2018 von Paula Mayer

    Mittwochmittag in der Solar Kitchen:

    Svea fragt in die Runde ob neben ihr und Leon noch jemand Lust hat sich in nächster Zeit seine Haare abzurasieren. Ich denke das erste Mal wirklich über diese Option nach und stelle fest dass ich prinzipiell mir dies sogar vorstellen kann. So ganz überzeugt bin ich allerdings noch nicht, Leon scheint es aber nicht anders zu gehen.

    Samstagabend im Youth Center:

    Svea: „Mein Shampoo ist alle. Paula hast du morgen Zeit mit nach Mailam zu fahren?“ Ich: „Öh. Ähm. Äh. Ja, also ich habe morgen noch nichts vor.“

    Sonntagmorgen um acht:

    Vier Gestalten sitzen auf einer Bank und warten auf das Taxi was sie zum eine Stunde entfernten Tempel in Mailam bringen soll. Carina freut sich voll. Sie möchte sich ihre Haare nicht abrasieren lassen. Leon, Svea und ich sind von unserer eigenen Spontanität immer noch etwas überrumpelt. Den Spontanitätspreis  bekommt jedoch Lara, die sich, als sie uns da morgens sitzen sieht, einfach entscheidet mitzukommen. Dann um 9:30 Uhr geht es endlich los. Zu sechst im Taxi ist es ein bisschen eng, aber Lara wechselt die Schöße regelmäßig auf denen sie sitzt. So gegen alle deutschen Sicherheitsstandards verstoßend, steigt die Anspannung und Vorfreude.

     

    Mit unserem Taxifahrer haben wir uns schon während unserer Fahrt angefreundet und so führt er uns netterweise zum Haarschneide Platz, der etwas unterhalb des Tempels liegt. 10 Rupies für eine neue Klinge und dann geht es los. Irgendwie bin ich die Erste und dann beuge ich meinen Kopf vor, mir werden zwei Zöpfe gebunden, etwas Wasser über den Kopf gegossen und langsam trennt sich Strähne um Strähne vom meiner Kopfhaut.

    Am Anfang brennt es ein bisschen aber es ist auch angenehm kühler. Für die nächsten Stunden bleibt das Gefühl von Phantomhaaren bestehen das sich erst auflöst wenn die Hand immer wieder zum Kopf wandert. Danach geht es zum Waschen zu einem großen Teich/Becken und wir reiben unsere frischen Glatzen mit gelber Farbe ein.

    Bei der ganzen Prozedur werden wir interessiert beobachtet und danach fröhlich angelächelt. Wir sind die einzigen Europäer die da sind. Die Haare die hier abgeschnitten werden dienen als Opfer an die Götter. Meistens ist das Opfer mit einem Wunsch verbunden, etwa dem nach Nachwuchs. Die geopferten Haare werden gesammelt und landen irgendwann in Europa oder in anderen Teilen der Welt als Perücken oder Haarverlängerungen.

    Nachdem ersten Schock und gegenseitigen betatschen der jetzt so kahlen Köpfe, fahren wir noch zum Tempel hoch. Auch hier ist unser Taxifahrer sehr hilfreich, denn alle Tempelschilder sind in tamil verfasst. Als wir nach einer Stunde wieder draußen sind bleibt ein chaotischer, überfüllter und teurer Eindruck zurück. Spannend aber sehr anstrengend.

    Als uns der Monsun und die Nachricht über die ersten Läuse diese Woche erreicht, nehmen wir das als gutes Ohmen uns von unserem Haar gelöst zu haben. Mitlerweile fühlt es sich auch schon wieder flauschig auf meinem Kopf an.