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  1. Ramco Cements Ltd.

    13. Dezember 2017 von Mira

    Ramco Cements Limited ist eine zement-, beton- und mörtelherstellende Firma in Indien, die jährlich Gewinne im Milliardenbereich macht. Ein Fabrikstandort befindet sich in Alathiyur, Tamil Nadu (ca. 3h Autofahrt von Auroville entfernt). Ramco versucht seit Jahren mit den Dörfern in der Umgebung zusammenzuarbeiten und da die Frau des Geschäftsinhabers mit Lucas, meinem Chef, über die Zusammenarbeit von EcoPro und der AVM School in Chennai befreundet ist, kam es dazu, dass man EcoPro (bzw. Lucas) darum gebeten hat, mal nach Alathiyur zu kommen und evtl. Projekte in den Dörfern zu starten oder zumindest Ideen und Vorschläge an Ramco weiterzuleiten und somit consulting zu betreiben.

    So kam es dazu, dass wir, also Lucas, Abhinav (ein tamilischer Mitarbeiter) und ich, am frühen Montagmorgen, als die Sonne gerade versuchte, durch den kalten Nebel die taubedeckten Wiesen zu bescheinen, im Auto saßen und nach Alathiyur fuhren. Zusammen mit der Frau des Geschäftsinhabers, Nirmala, wurden wir im employee quarter untergebracht. Viele (höher) Angestellte bei Ramco kommen nämlich nicht aus den Dörfern und daher wurde auf dem Fabrikgelände extra eine Art Mini-Stadt angelegt, wobei alles ziemlich einem wohlhabenden, jedoch nicht übertrieben reichen Vorstadtviertel glich. Stets wuselten irgendwelche Leute, ich möchte gar sagen, Diener, in unserem Haus herum, die stets hilfbereit uns die Türen aufhielten und während des Essens dafür sorgten, dass es uns an nichts mangelte. Wir wurden in recht luxiorösen Autos herumkutschiert und auch mit Begrüßungsformalitäten hat man es nicht untertrieben. Nachdem man 3 Monate lang in Kapseln mitten in der Natur gewohnt hat und auch aus den Dörfern nur eine einfach, bescheidene Lebensweise gewöhnt ist, kann so etwas sehr abschreckend auf einen wirken. Und auch jetzt im Nachhinein sind mir die kleinen, schäbigen Buden der Dörfler noch immer sypmathischer als diese mehrstöckigen, den eigenen Wohlstand präsentierenden Vorstadtsviertelhäuser.

    Fabriktürme aus der Ferne

    Genug davon. Wie, wo, was haben wir gearbeitet? Neben Besichtigung der Minen, der Farbik und den Wiederaufforstungsstandorten, um Ramco besser kennenzulernen, haben wir uns für Besprechungen immer in irgendwelchen riesigen Konferenzräumen getroffen. Ich habe mich schon etwas fehl am Platze gefühlt, als einzige weiße, weibliche Person unter 30 schick angezogenen männlichen Tamilen. Da konnte die Anwesenheit von Lucas, Abhinav und Nirmala nichts dran ändern. In den Dörfern habe ich mich schon wohler gefühlt. Wir sind herum gelaufen, haben uns die Gegebenheiten angeschaut und sehr viel mit den Menschen vor Ort geredet, um zu erfahren, was sie benötigen, wobei Lucas und ich aufgrund fehlender Tamilkenntnisse uns so einiges übersetzen lassen mussten. Die meisten Bewohner der Dörfer haben uns ohne Schwierigkeiten berichtet, was sie (selbst oder als Dorf) bräuchten (und haben wollen), wobei die Frauen sich in Anwesenheit der Männer zumeist etwas zurückhielten und erst getrennt von diesen etwas gesprächsfreudiger und genauer wurden. Doch dann gab es in jedem Dorf ein oder zwei Personen, die die bisher so friedlichen Gespräche in hitzige Diskussionen verwandelten, indem sie Ramco und auch uns Vorwürfe machten, die letztlich meist nur bedeuteten: Warum habt ihr mich bisher noch nicht bei euch angestellt? Aufgrund solcher Leute durfte Nirmala nicht mit in die Dörfer kommen – (angeblich) zu gefährlich. Auch mussten Lucas und ich uns einmal während solch einer Debatte ins Auto begeben, die Ramcoangestellten hatten Sorge um unser Wohlergehen. Jetzt möchte ich jedoch nicht den Eindruck erwecken, in Tamil Nadu sei es gefährlich. Nein, die Tamilen sind sehr viel offener und gastfreundlicher als die Deutschen und schenken einem eindeutig schneller Vertrauen. Es ist zwar vieles sehr viel formeller, aber dafür menschlich nicht so distanziert wie in Deutschland. In den Dörfern um das Fabrikgelände jedoch hat sich das Leben politisiert. Einige wenige Leute wollen Profit machen, indem sie Ramco die Zusammenarbeit mit den Dörfern durch Vorwürfe und Aufhetzungen erschweren. Oft scheint es manchen Leuten so, dass, wenn Ramco irgendwo jmd hilft, die Firma für jmd Partei ergreifen würde, und das ist natürlich zumeist der persönliche Gegner, dem da geholfen wird. Lediglich in einem Dorf schien das Gemeinschaftsgefühl stärker vorhanden zu sein, da hatten wir nicht solche Probleme.

    Was ist das Ergebnis unserer Besichtigungstour? Diese Dörfer haben dieselben oder die ähnlichen Probleme wie viele andere Dörfer in Indien. Erstens Straßen: Ungeteerte und ungepflasterte Straßen sind während und auch nach dem Monsun noch lange fast unpassierbare Straßen. Doch falls die Regierung tatsächlich mal Straßen bauen sollte, baut sie sie oft so, als ob es keinen Monsun gäbe. Irgendwo aber müssen die Massen an Wasser ja schließlich hinfließen und betonierte Seitengräben (ohne großes Gefälle) sind reinste Moskitozuchtstationen. Letzteres ist ein besonders großes Problem auch in Pondicherry. Wie viele Plagen und Krankheitswellen hatte diese Stadt schon? Jeder weiß über dieses Problem mit den betonierten Seitengräben Bescheid. Dennoch lässt die Regierung sie weiterhin bauen. Zweitens Wasserversorgung: Mittlerweile hat fast jedes Dorf (denke ich) eine Pumpe, die Wasser aus tieferen Schichten hochpumpen kann in eine Art Wasserturm bzw. Tank. Dennoch klagen viele, dass sie nicht ausreichend (sauberes Trink-)Wasser zur Verfügung haben. Sie wollen einen neuen Tank. Aber der Tank ist hoch genug, um ausreichend Druck aufbauen zu können und auch sollte sein Volumen für die Dorfwohneranzahl reichen. Und auch wenn die Stromversorung nur 6h am Tag dauert, so sollte diese Zeit auch eigentlich zum Füllen des Tanks reichen. Das Problem könnte bei der Leistung der Pumpe, der Abdichtungen der Wasserleitungen oder an der Tiefe des Bohrlochs liegen. Oder daran, dass jmd schon immer zu früh die Pumpe ausschaltet. Hier muss eindeutig eine Analyse durchgeführt werden, bevor einfach irgendetwas gebaut wird. Drittens Toiletten: Open defecation (sprich, dass alle einfach auf die Felder gehen zum Entleeren ihres Darms, statt eine Toilette zu benutzen) stellt ein großes Problem da in Indien. Nun hat die Regierung erklärt, dass sie Indien zu einem open-defecation-free Land machen möchte und gibt jedem Haushalt, der eine Toilette baut (und bisher auch noch nicht hatte) 12.000 Rupien. Nun haben sich einige Haushalte in den Dörfern tatsächlich staatlich finanzierte Toiletten bauen lassen, jedoch für weniger als 12.000 Rupien. Yeah, vom Staat geschenktes Geld! Doch wie lange wird diese Toilette dann auch benutzt? So lange bis der septic tank (Klärtank/ septische Grube) voll ist, also höchstens einen Monat. Nun müsste dieser Sammeltank entleert werden, doch so gut wie keiner möchte mit diesen Fäkalien in Kontakt kommen: Das ist nicht die Tätigkeit meiner Kaste! Stattdessen wird die Toilette dann als Stauraum benutzt (falls sie überhaupt je als Toilette benutzt wurde) oder gar wieder auseinander gebaut, da man die Baumaterialien ja auch woanders verwenden könnte. Gekackt wird dann einfach wieder aufs offene Feld und der Krankheitsübertragung freien Lauf gelassen. Die Dorfbewohner scheinen nicht dasselbe Ziel zu haben wie die Regierung. Nun könnte man natürlich Trockentoiletten bauen, aber auch hier stellt sich die Frage, wie viele Bewohner würden die überhaupt verwenden? Einige Bewohner fanden die Idee zumindest nicht abwegig und falls sie wirklich Interesse daran entwickeln sollten, würde EcoPro natürlich zur Seite stehen.

    Diese zwei Tage waren sehr wissens- und bewusstseinsfördernd. Ich habe eine Menge gelernt und bin erneut sehr dankbar, hier gelandet zu sein. Nebenbei möchte ich einmal auf die Seite Berichte hinweisen, auf der wir (hoffentlich bald alle), unsere Quartalsberichte für das BMZ hochladen. Der erste Quartalsbericht handelt von unseren Arbeitsstellen.


  2. Indische Strandimpressionen

    10. Dezember 2017 von Manuel

    Liebes Tagebuch, was für ein Tag…

    Wie fast jeden Sonntag, habe ich mich auch heute dazu entschlossen, ein paar Muße Stunden am Strand zu verbringen.  Die Weite des Ozeans hat ja doch einen recht beruhigenden Effekt und die Wellen hier sind durchaus beachtlich hoch, was viel Spass garantiert. Mit mehreren anderen jungen Aurovillianern und Weltwärtslern, kam es dann zum vergnüglichen Wellenreiten in bester Sonntags Laune.

    Die Strände Tamil Nadus werden mit Sicherheit keinen Preis für Ihre Sauberkeit bekommen und so mancher Müll schwimmt in der Brandung. Als wir also gerade so vergnügt am planschen waren, schwamm etwas weißes mitten unter uns in der Menge. Nichts Ungewöhnliches hier. Zu erst hielt ich es für eine Plastiktüte, merkte dann aber schnell, dass es was andres sein müsse. Als es dann von einer Welle erfasst wurde und für einen kurzen Moment aus dem Wasser hervor trat, war mir schnell klar, dass mir meine Augen keinen Streich spielten. Ich erkannte einen leblosen menschlichen Körper in einem weißen Hemd der mitten unter uns seine Bahnen trieb. Schnell merkten die Anderen was da grade passierte und wir packten uns den Körper und hieften ihn an Land, dabei ist er noch ein paar mal heftig von Wellen erwischt worden und uns aus den Händen geglitten. Als wir die Leiche dann Schluss endlich an Land gehieft hatten, sahen wir, dass es ein alter tamilischer Mann war, nur noch bekleidet mit einem weißen Hemd. Der Tote Körper sah noch „frisch“ aus, schätzungsweise erst ein paar Stunden tot. Wir entschlossen uns dann als Gruppe das Wellenreiten und Strand Fussball spielen 100 Meter nach links zu verlegen, denn eine am Strand liegende Leiche kann einem ja doch den Spass an solchen Sachen verderben. Dass man weiterhin die Siluette der Leiche sehen konnte und die spielenden Kinder, die weiterhin ihre Sandburgen bauten in sicherer Entfernung, ergaben ein leicht verstörendes, aber faszinierendes Bild.

    Tja liebes Tagebuch, ich hab schon länger keine Leiche mehr aus dem Meer gezogen, demnach wird mir dieser Tag bestimmt noch länger gedanklich erhalten bleiben.

    Bis denn und Memento mori und so….

     

     


  3. Von der Wissenschaft ein Huhn zu schlachten

    7. Dezember 2017 von Mira

    Alle Leser, die aufgrund ihrer Liebe zu Tieren Vegetarier oder gar Veganer geworden sind, sollten sich nicht diesen Blogbeitrag durchlesen, da der Inhalt auf sie traumatisierend wirken könnte. Alle anderen Leser können getrost lesen, was Jasper und ich neulich erlebt haben.

    Es fing damit an, dass Ratten mir meine Unterhosen alle anknabberten und ich diesem Problem mit einer Falle entgegenwirken wollte. Doch nicht nur Ratten, sondern auch Streifenhörnchen gingen mir in die Falle und so saßen Daniel, Jasper und ich eines Abends zusammen vor unseren Hütten, während wir das tote Streifenhörnchen in der Falle betrachteten. Ich weiß nicht mehr, wem genau die Idee kam, doch wurde uns letztlich von Frank davon abgeraten, dieses Streifenhörnchen auseinander zu nehmen und zu essen. Die seien noch schlimmer als Ratten und hätten alles, was man sich nur vorstellen kann. Aber unsere Lust war geweckt, endlich mal etwas auszuprobieren, was uns in Deutschland bisher nicht in den Sinn gekommen war, wobei Jasper doch schon ein bisschen Erfahrung hatte.

    So machten wir (Jasper und ich) uns ein paar Wochen später mit unserem Mentor Segar auf, in die umliegenden Dörfer, um ein Huhn aufzutreiben. Natürlich mussten wir, weil wir weiß waren, einen überhöhten Preis zahlen, den selbst unser tamilischer Mentor nicht mehr herunter handeln konnte. Aber diese 400 Rupien waren es uns Wert.

    Zurück auf Discipline fingen wir gleich mit der Arbeit an. Ich hielt das Huhn fest und Jasper schlug mit dem Beil zu. Ein Schlag und der Kopf war ab. Doch ruhig liegen blieb das Huhn dann nicht. Hätte ich es nicht festgehalten, wäre es wohl ohne Kopf davon gelaufen, so zuckte es noch ein oder zwei Minuten lang unter meinen Händen und bespritze und besudelte mich mit reichlich Blut. Wie mulmig wurde mir bei diesem Geschehen, doch eigentlich war damit auch schon der schlimmste Schritt vollbracht. Wir ließen das kopflose Huhn noch kurz am Baum hängend ausbluten, übergossen es dann mit warmen (nicht kochend heißem!) Wasser ab, so dass sich die Federn besser entfernen ließen, und machten uns dann ans Rupfen. Bei all dieser Arbeit umgab uns beständig der mehr oder weniger unangenehme Geruch von Hühnchenfleisch und auch die Fliegen ließen nicht lange auf sich warten. Nach dem Federnrupfen hieß es, den Bauch aufzuschneiden und die Gedärme zu entfernen, wobei man aufpassen muss, nicht die Galle zu treffen. Es war schon irgendwie interessant, sich mit der Anatomie eines Hühnchens zu beschäftigen und zu versuchen, alle Innerein zu bestimmen. Ein Medizinstudium kommt für mich aber deshalb noch lange nicht in Frage.

    Nun konnte man sich endlich an das heran machen, wofür man das Huhn gekauft hatte: Ans Fleisch. Es erwies sich als recht aufwendig und wie ich erst im Nachhinein von Bärbel erfahren habe, funktioniert es besser, dass Fleisch von den Knochen zu schneiden, wenn man das Hühnchen vorher ganz kocht, anstatt erst das Fleisch abzuschneiden und es dann zu kochen. Naja, am Ende gab es dann eine Gemüsehühnerbrühe, die trotz des sehnigen Fleisches lecker geschmeckt hat. Von Hühnchen habe ich jetzt erstmal genug, aber Jasper und ich haben schon weitere Pläne…


  4. Drei Monate

    26. November 2017 von Moira

    Drei Monate bin ich jetzt schon in Indien. Die Zeit vergeht gefühlt immer schneller. Das liegt womöglich auch daran, dass so viel passiert.

    Zum Beispiel durfte ich vor einer Weile in den Genuss kommen, an einer indischen Hochzeit teilzunehmen. Diese bestand aus zwei Teilen, wobei der erste morgens sehr zeremoniell vonstatten ging und der zweite am Abend des darauffolgenden Tages daraus bestand, dass das Brautpaar auf einer Bühne stand und sich beschenken und fotografieren ließ. Das war etwas seltsam. Essen gab es bei beiden Teilen, Tanz leider bei keinem. Interessant war es aber allemal.

    Außerdem habe ich meinen indischen Führerschein gemacht und darf jetzt auch offiziell mit dem Motorrad durch dieses Land fahren. Zuerst bekommt man für etwa einen Monat eine learning license, mit der man dann auch im normalen Straßenverkehr fahren üben darf. Nach dem Monat macht man die Prüfung, bei der man eine kleine 8 fahren muss und fertig. Und dann bekommt man einen wunderschönen kleinen Ausweis, der mit seinem schiefen Siegel und der Laminierung ein bisschen lächerlich aussieht.

    Auch in diesem Monat haben einige von uns wieder einen Ausflug gemacht. Diesmal für ein Wochenende ins Gebirge nach Yercaud. Die Natur und die frische Bergluft dort waren beeindruckend schön.


  5. Alltag

    20. November 2017 von Mira

    Die sonnigen Tage werden wieder häufiger, einen Sonnenbrand habe ich mir auch gleich mal wieder zugezogen und was vom Monsun bleibt (falls er sich nicht dazu entschließen sollte, nochmal in voller Wucht zurück zu kommen), sind die unglaublich vielen Moskitos sowie eine nun ziemlich grüne, wuchernde Natur. Gerne würde ich beschreiben, wie denn nun mein Alltag hier eigentlich so aussieht, doch immer wieder kommt eine neue Aktivität hinzu oder ich höre mit einer anderen auf. Daher kann ich lediglich beschreiben, wie meine aktuelle Woche aussieht, nächste Woche könnte schon wieder ganz anders aussehen…

    Für gewöhnlich arbeite ich von Montag bis Freitag von 9 bis 5 Uhr im Büro. Manchmal komme ich auch schon früher, manchmal gehe ich früher nach Hause. Auch ist es möglich, dass ich mal an einem Samstag im Büro arbeite. Oder ich begleite meine Kollegen zu ihren Einsatzstellen. Man ist hier, was die Arbeitszeiten angeht, nicht nur recht flexibel, sondern Zeit ist auch etwas sehr relatives. Zeit für seine Freizeitaktivitäten findet man eigentlich immer, sofern sich diese nicht zeitlich überschneiden:

    Minzfelder auf Discipline

    Montagabends habe ich zuerst eine Stunde Tamilunterricht und dann gehts zu Zumba. Dienstagabends helfe ich in der after school von Alankuppam, einem Dorf bei Auroville, mit. Es handelt sich um eine betreute Hausaufgabenhilfe für Kinder aller Klassenstufen der staatlichen Schulen hier. Die Kinder, aber auch die anderen freiwilligen Betreuer (allesamt Tamilen), sind sehr offen und während man ihnen bei den Hausaufgaben hilft, lernt man einiges über das indisches Schulsystem. Diese after school ist auch ein Bestandteil des Projektes Thamarai, in dem Said arbeitet. Mittwochvormittags helfe ich in meiner Freizeit auf Discipline mit, der Farm, auf der ich auch wohne. Meine Arbeit in EcoPro macht mir Spaß, doch ist mir manchmal zu viel „Herumgesitze“.

    Hier entsteht Wurmkompost

    Aber diese fehlende körperliche Arbeit finde ich auf Discipline. Abends habe ich zuerst wieder Tamilunterricht und dann begebe ich mich zum Tangoabend von Auroville. Freitagabends besuche ich oft zusammen mit Nina Camilla in Sadhana. Dann wird dort auch immer ein Film gezeigt und mit der „Öffentlichkeit“ gemeinsam gegessen, aber diese Freitagabende in Sadhana Forest sind nur optional. Samstagabends habe ich Salsaunterricht und sonntagvormittags gebe ich einer jungen Tamilin aus Pondicherry, die nach ihrem jetzigen letztem Schuljahr in die Schweiz möchte, Deutschunterricht. Mithilfe eines Buches lehre ich sie die deutsche Sprache. Doch wir lernen auch gegenseitig voneinander etwas über die jeweilige Kultur des anderen. Und an den Sonntagnachmittagen backe ich oft etwas zusammen mit Nina. Wenn das Wetter mitspielt, im Holzofen, wenn nicht, auf dem Herd in der Pfanne. Brot/ Brötchen haben bisher nur im Ofen funktioniert, doch Kekse und Kuchen sind auch in der Pfanne machbar.

    Schokoladenkuchen 🙂

    Und neben all diesen regelmäßigen Aktivitäten gibt es natürlich noch einmalige, unregelmäßige und spontane Aktivitäten. Ins Kino gehen, mit Freunden und Mitfreiwilligen treffen und entweder auswärts essen gehen oder gemeinsam kochen, abendliche Einkäufe in Pondicherry erledigen, sich Konzerte anhören, morgens vor der Arbeit ins Fitnessstudio gehen, Fahrradtouren durch den Greenbelt von Auroville unternehmen, Erkundungstouren mit dem Motorrad durch Tamil Nadu durchführen oder Privattangostunden von seinem Salsatanzlehrer erhalten…

    Kino in Auroville

    Habe ich geschrieben, dass man eigentlich immer Zeit für seine Freizeitaktivitäten findet? Also die Wochenenden könnten schon noch länger sein, damit die Erkundungstouren mit dem Motorrad einen noch weiter führen könnten. Hätte man mir vor einem Jahr davon erzählt, wie schön es ist, mit dem Motorrad entlang an Reisfeldern auf Tamil Nadus Landstraßen zu fahren, die entweder von Schatten alter, großer, lianenbehangener Bäume gesäumt sind oder an die sich immer wieder lebendige Dorfszenen reihen, dann hätte ich es einfach nur für einen schönen Traum gehalten, dessen Realisierung mir sehr fern zu sein schien. Doch – und dafür bin ich sehr dankbar – dem ist nicht so. Ich befinde mich jetzt gerade in diesem Moment in Indien und mir ist es möglich, dieses unbegreifbare Land zu entdecken und zu erleben.

    Tempel in Mailam – von innen keine Fotos erlaubt, aber immerhin Nicht-Hindus