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  1. Indische Strandimpressionen

    Dezember 10, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch, was für ein Tag…

    Wie fast jeden Sonntag, habe ich mich auch heute dazu entschlossen, ein paar Muße Stunden am Strand zu verbringen.  Die Weite des Ozeans hat ja doch einen recht beruhigenden Effekt und die Wellen hier sind durchaus beachtlich hoch, was viel Spass garantiert. Mit mehreren anderen jungen Aurovillianern und Weltwärtslern, kam es dann zum vergnüglichen Wellenreiten in bester Sonntags Laune.

    Die Strände Tamil Nadus werden mit Sicherheit keinen Preis für Ihre Sauberkeit bekommen und so mancher Müll schwimmt in der Brandung. Als wir also gerade so vergnügt am planschen waren, schwamm etwas weißes mitten unter uns in der Menge. Nichts Ungewöhnliches hier. Zu erst hielt ich es für eine Plastiktüte, merkte dann aber schnell, dass es was andres sein müsse. Als es dann von einer Welle erfasst wurde und für einen kurzen Moment aus dem Wasser hervor trat, war mir schnell klar, dass mir meine Augen keinen Streich spielten. Ich erkannte einen leblosen menschlichen Körper in einem weißen Hemd der mitten unter uns seine Bahnen trieb. Schnell merkten die Anderen was da grade passierte und wir packten uns den Körper und hieften ihn an Land, dabei ist er noch ein paar mal heftig von Wellen erwischt worden und uns aus den Händen geglitten. Als wir die Leiche dann Schluss endlich an Land gehieft hatten, sahen wir, dass es ein alter tamilischer Mann war, nur noch bekleidet mit einem weißen Hemd. Der Tote Körper sah noch „frisch“ aus, schätzungsweise erst ein paar Stunden tot. Wir entschlossen uns dann als Gruppe das Wellenreiten und Strand Fussball spielen 100 Meter nach links zu verlegen, denn eine am Strand liegende Leiche kann einem ja doch den Spass an solchen Sachen verderben. Dass man weiterhin die Siluette der Leiche sehen konnte und die spielenden Kinder, die weiterhin ihre Sandburgen bauten in sicherer Entfernung, ergaben ein leicht verstörendes, aber faszinierendes Bild.

    Tja liebes Tagebuch, ich hab schon länger keine Leiche mehr aus dem Meer gezogen, demnach wird mir dieser Tag bestimmt noch länger gedanklich erhalten bleiben.

    Bis denn und Memento mori und so….

     

     


  2. Leidenschaft

    November 4, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch, ich weiß noch genau, als ich meinen Eltern vor Jahren vorschlug, ich wolle doch einen Motorad Führerschein machen. Die dannach folgende Debatte habe ich nicht mehr ganz im Kopf, aber ich weiß noch, dass Sätze wie „wir enterben dich“, oder „ab jetzt bist du finanziell auf dich gestellt“ fielen. Da solche elterlichen Druckmittel in der Regel recht gut funktionieren, habe ich mir das Thema Motorad für viele Jahre aus dem Kopf geschlagen.

    Nun aber ist der glückliche Umstand gegeben, dass ich mehrere tausend Kilometer von meinen Erzeugern entfernt bin und sie über die Existenz dieses Tagebuchs nicht informiert sind, also kann ich’s dir liebes Tagebuch ja verraten: Ich bin stolzer Besitzer einer „Honda Passion Pro“ mit 100cc unterm Arsch. 

     

    Besonders das Fahren durch Pondycherry versetzt mich regelmäßig in einen Drogenrausch aus Benzin, Lärm und Smog. Die indische Seele lässt sich meines Erachtens am besten auf 2 Rädern erfahren. Der Mix aus meditativer Konzentration und latenter Todesangst versetzt mich in einen Zustand äußerster Extase.

    Hier der heransausende Bus, da das tuk tuk, das im Stil eines „mexican standoff“ auf mich zurast, wer bremst verliert und ich lasse mich weiter im Rausch der Farben durch den nie enden wollenden Schwall von Eindrücken treiben. Am Ende der Fahrt halte ich mit zitternden Händen und geweiteten Pupillen an und genieße das Gefühl, dem Tod ein weiteres mal von der Schippe gesprungen zu sein.

    Tja liebes Tagebuch, was soll ich sagen, ich und meine Passion Pro kommen uns jeden Tag ein Stück näher, vielleicht ist sie nur eine Liebschaft für ein Jahr, vielleicht aber auch viel mehr. Ich muss erstmal meine Gefühle sammeln und abwarten wie es sich zwischen uns entwickelt. Wie auch immer es ausgeht, ich werde dir davon berichten…


  3. 2 kilo

    September 30, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch

    Gestern ist das Gewissheit geworden was ich schon seit einigen Tagen befürchtet habe. Ich, der neue aufgehende Stern der Aurovillianischen Sportlehrer,  habe entgegen aller Erwartungshaltung an mich selbst, ganze zwei Kilo zugenommen. Ich fühl mich so schlabbrig wie schon lange nicht mehr und bin entsetzt über meinen Fitness Zustand. In Deutschland wäre das nun der Punkt wo ich mich mit selbst-mobbing, wüsten Beschimpfungen und einer eisernen Diät bestrafen würde. Komischerweise kommt mir diese Idee hier nicht. Ich nutze weiterhin die tägliche „ich stopf mich voll, damit ich zu hause nicht kochen muss solar kitchen Flatrate“‚ und fühle mich großartig dabei. Entweder bedeutet dies, dass ich jetzt den letzen Funken von Selbstdisziplin verloren habe und im Begriff bin ein Fettsack zu werden, oder aber dass ich vielleicht lerne ein wenig netter mit mir selbst umzugehen. Was für letzteres spricht, ist auf jeden Fall die Tatsache, dass ich hier die meiste Zeit echt ne verdammt gute Laune hab und es als großen Segen empfinde hier sein zu können. Klar, das ganze Krabbelzeug, meine aufgekratzen Mückenstiche und so manch anderer Kram nerven mich manchmal gewaltig, aber alles in allem lebt es sich hier wirklich schön und ich freu mich auf die lange Zeit die ich hier noch sein darf.

    Bis zum nächsten mal liebes Tagebuch


  4. Liebes Tagebuch

    September 2, 2017 by Manuel

    Liebes Tagebuch,  seit einer Woche bin ich nun an diesem heißen und staubigen Ort der sich Auroville nennt. Ein klebender Schweißfilm auf der Haut ist mein steter Begleiter und ich habe schon die Hälfte meiner Sonnencreme Reserven aufgebraucht, aber ansonsten erfreue ich mich bester Laune und Gesundheit. Dies liegt vor allem daran, weil die erste Woche voll von schönen ersten Malen war. Das erste Mal Pondicherry besuchen, das erste Mal Verlaufen und von einem freundlichen Tamilen wieder zum guesthouse gefahren werden, das erste Mal mit dem Moped über staubige Pisten ballern, oder das erste Mal das Matrimandir besuchen. Das Essen hier ist fantastisch und die erwartete Darmexplosion ist ausgeblieben. Die Stimmung in der Gruppe ist ebenfalls alles andere als explosiv, denn man lernt sich jeden Tag etwas besser kennen und Freundschaften entstehen. Jedem Anfang liegt ein Zauber inne, wie schon Hermann Hesse auf seinen Reisen fest stellte und Auroville scheint genauso zauberhaft wie erwartet. (bis auf die Mücken die kleinen Drecksviecher)