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  1. Arbeit auf der Basilikum Farm

    Februar 14, 2017 by Theodor Sperling

    Seit nun fast einem halben Jahr arbeite ich neben meiner regulären Tätigkeit bei AIAT in meiner Freizeit auf der Discipline Farm mit. Was Anfangs mit der Holzkohle begonnen hat, entwickelte sich zu mehr und mehr Farmarbeit. Das schöne an der Arbeit auf der Farm ist, dass man sieht was sich entwickelt.

    Auf Discipline sind die Freiwilligen entsprechend ihrer Interessen eingesetzt. Wer gerne auf den Knien herum rutscht und Unkraut zupft kann sich an den Pfefferminzfeldern vergnügen. Dabei gibt es häufig auch Gesellschaft von Bärbel und anderen Helfern. Wenn es einen mehr nach körperlicher Arbeit unter freiem Himmel verlangt gibt es immer Wurzeln aus zu graben oder Löcher für neue Bäume zu schachten. Mit 32 Löchern für Dattelpalmen ist ein Mensch da auch gut einen Tag beschäftigt. Für die längere Produktionsdauer im Vergleich zu Europäischen Löchern ist vor allem der Boden verantwortlich, der nach der Regenzeit wieder Beton zu sein vortäuscht. Um ihn von dieser Idee abzubringen muss immer ca. 10 Zentimeter tief mit einer Brechstange der Grund aufgelockert werden. Im Anschluss kann dann der Spaten sein Werk verrichten. Dieses Teamwork wird solange wiederholt, bis das Loch auf eine Armlänge Tiefe und die Schwielen an den Händen gewachsen sind.

    Doch nicht in allen belangen ist völlige Freiheit geboten. Die Arbeit beginnt zwischen 7:30 und 8 Uhr und wird um 10 für eine Teatime unterbrochen. Die nächste Rast ist dann die Mittagspause um 12 Uhr die bis 14 Uhr geht. Wer kein Nickerchen machen will kann auch schon etwas früher wieder anfangen, um bereits zur zweiten Teatime um 15 Uhr sich in den Feierabend stürzen zu können. Wer lieber Mittags schläft sollte noch bis 16:30 Kräfte mobilisieren können.

    Die tägliche Arbeit wird immer wieder durch Aktionen wie das Fällen eines Baumes, das treiben der Kühe oder Abbrennen von Palmen und Holzresten unterbrochen. Insgesamt halten sich die wiederkehrenden Arbeiten wie Wässern, Biomasse auf Felder bringen, Kompost pflegen oder Unkraut zupfen die Wage mit abwechslungsreicheren Tätigkeiten bei denen auch mehr gelernt werden kann. Insgesamt ist die Farm eine sehr abwechslungsreiche Einsatzstelle die ich jedem, der sich für Pflanzen, Biologisches Farming und die Entwicklung von Böden und Strukturen interessiert, sehr ans Herz legen kann.


  2. Wie man einen Ofen baut

    November 13, 2016 by Theodor Sperling

    Wie man einen Ofen baut

    Wie ich nun nicht gerade zum ersten Mal feststelle, gibt es hier in Indien teilweise etwas anderen Sitten und Bräuche als daheim in Deutschland. Neben den bereits genannten möchte ich hier besonders auf die Kochgewohnheiten eingehen. Die indische Küche kennt zwar eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Gewürzen, aber bei der Art der Zubereitung ist sie sehr monoton. Gekocht, gebraten oder frittiert. Bei all diesen Methoden ist ein Ofen überflüssig. Und was überflüssig ist, steht nicht in unserer Küche. Ich koche nun aber gerne vielfältig, und Ofengemüse, Brot, Pizza, Kuchen und Plätzchen machen sich ohne Ofen schlecht. Ein Ofen musste daher also her. Nachdem die klassischen Modelle ausgeschieden waren (Elektro → Solarstrom, Gas → Flaschengas), blieb nur ein Steinofen. Zwar hatte ich so etwas noch nie gebaut, aber so ein Freiwilligenjahr soll ja auch zum Ausprobieren von Neuem dienen. Ziegelsteine lagen viele auf Discipline herum und als Lehmersatz konnte die hiesige Roterde dienen. Die Fundamente auszuheben schien erst einmal sehr einfach.

    Der Unterbau

    Vier Löcher a 40×40 cm und ca. 20 cm tief, das sollte nicht allzu lange dauern. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Härte des Bodens. Hammer und Meißel wären hier eher angebracht gewesen als die Grabschaufel, mit der ich es versuchte. Um kein Steinmetz werden zu müssen, sollte der Boden vor dem Arbeiten daher eingeweicht werden. Dies passiert am besten auch schon am Abend vor dem Arbeiten mit reichlich stehendem Wasser. Als Fundamente kamen dann Zielsteine um einen Kern aus Roterde-Kies-Asche Gemisch zum Einsatz.

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    Darauf kann man Bauen!

    Darauf mauerte ich die vier tragenden Säulen, auf die oben eine Betondrahtgeflecht-Platte kam. Um die Füße gegen Verschiebungen zu sichern und die Platte abzustützen, kamen noch Leisten zwischen die Füße. Da der Monsun immer näher rückte, musste ich zunehmend unter Zeitdruck arbeiten und fing in jeder freien Minute an, am Ofen zu werkeln. Auf die Platte kam dann ein Pflaster aus Ziegeln, die von oben mit Roterde verputzt wurden.

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    Darauf kann man einen Ofen bauen

    Der Ofen

    Auf die getrocknete Grundplatte mauerte ich danach den eigentlichen Ofen. Dieser besteht aus drei Abschnitten. Ganz unten ist ein Abschnitt, in dem sich die Asche sammeln kann und durch den die Luft in den darüber liegenden Abschnitt mit dem Feuer strömen kann. Ganz oben ist die eigentliche Ofenkammer, die vollständig vom Feuer getrennt und aus Blech geformt ist. Die Abschnitte sind durch Bewährungsstähle bzw. Bewährungsstähle und Blech voneinander getrennt. Hinter der Ofenkammer ist noch ein Abzugsbereich. Bei den Blechen hat mir Frank maßgeblich geholfen. Es war auch seine Idee, überhaupt Bleche zu verwenden. Um das Blech der Ofenkammer herum mauerte ich noch einen schönen Bogen und verputze die Innenwände der Brennkammer.

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    Da ist das Ziel schon zu erkennen

    Nun konnte der Monsun kommen. Da er dies aber noch nicht tat, überarbeitete ich noch einen großen Teil der Fugen.Am ersten Samstag im November, pünktlich zur Weihnachtsbäckerei, konnten wir den Ofen das erste Mal anschmeißen. Heraus kamen dabei ein sehr leckerer Zuckerkuchen von Bärbel und ein paar Bleche Plätzchen von mir. Die Weihnachtszeit kann nun getrost kommen.

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    Da steht das gute Stück mit provisorischer Tür und dem ersten Ruß


  3. Begegnungen mit Mutter Natur

    September 18, 2016 by Theodor Sperling

    Begegnungen mit Mutter Natur

    In anderen Ländern gibt es nicht nur andere Sitten, sondern auch manch ein Bereich des täglichen Lebens ist anders organisiert. Und wenn man dann in einen so naturnahen Ort wie Auroville zieht, sind unerwartete Begegnungen mit netten und weniger netten tierischen und pflanzlichen Mitbewohnern kaum zu vermeiden.

    Was kreucht und fleucht

    Die ersten Kontakte dieser Art konnte man bereits beim ersten Toilettenbesuch knüpfen. Dort, hinter dem Bilderrahmen, auf der Dusche oder einfach an der Wand, hingen Frösche von daumengroß bis handtellerklein.

    Wer nach dem Duschen auch noch die Dämmerung unter den Palmen im Garten genießen wollte, der konnte dort intensiven Kontakt mit den summenden Räubern der Dämmerung machen. Aber nicht alle Mitbewohner sind so lästig. Mit ein wenig Glück ist es möglich beim Einschlafen einem Gecko bei der Jagd zuzuschauen oder eine Spinne beim Weben ihres Netzes zu beobachten.

    Geradezu verheerend kann allerdings die Begegnung von Fuß und Skorpion in einem geschlossenen Schuh verlaufen, wenn man vorher nicht nachgeschaut hat, wer es sich in seinem Schuh gemütlich gemacht hat.

    Doch nicht nur Schuhe geben einen gute Wohngelegenheit für manch ein Tier ab. Wie oft schon hat ein bauwilliges Ameisenvolk einen Menschen um seinen liebsten Freund gebracht. Kaum zu sehen, nisten sie sich in den Ritzen zwischen Festplatte und Lüfter, Platinen und Tastatur ein. Ganz klein sind sie und doch können sie einen Rechner in wenigen Stunden restlos zerstören. Wer Glück hat, kann sie noch rechtzeitig vertreiben. Sei es durch schlichtes Aufheizen des Laptops oder durch das Auseinanderbauen und das anschließende Abfegen aller Einzelteile. In diesem Falle sollte man aber gut wissen, was man tut. Um aber gar nicht erst in die Qual dieser Wahlmöglichkeiten zu kommen, empfiehlt es sich, den Rechner in eine Zip-Tüte zu packen.

    Wer trotz all der Gefahren das Abenteuer wagt und in eine bambushüttenartige Kapsel zieht, der wird viele Gelegenheiten haben, Mungos, Streifenhörnchen und Krähen zu beobachten. Auch sei die teilweise besonders gelungene Zucht an Kakerlaken zu erwähnen, die an manch einem Ort gedeiht.

    Neben all den weniger erfreulichen Treffen gibt es aber auch viele schöne Momente. Wenn aus dem Hängestuhl der Blick auf eine Eidechse fällt, die einen, keinen Meter entfernt, erstaunt von seiner Wasserflasche aus beobachtet. Nicht zu vergessen seien auch die unzähligen Insekten, die in allen Farben des Regenbogens erstrahlen und das teilweise auch mitten in der Nacht.

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    Oh, wer schaut einem den da beim Duschen zu?

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    Ein Spielzeug, nur für Katzen und Mungos

    Was wächst und gedeiht

    Doch nicht nur die Tiere sind hier anders beschaffen, auch die Pflanzen haben eine andere Dimension. Da sie hier das ganze Jahr wachsen können, schießen sie nur so in die Höhe. Ein einjähriger Setzling hier könnte so manchem drei- und vierjährigen Baum in Europa das Wasser reichen. Dieser schnelle Wuchs wird auch noch dadurch beschleunigt, dass die Bäume immer Laub tragen und ihre Blätter sukzessive erneuern können.

    Aber auch die enorme Verschwendung der Natur, die man hier beobachten kann, wäre an anderen Standorten nicht vorstellbar. So könnte es sich keine Pflanze in Europa leisten, jedes Jahr einen neuen Stamm aufzubauen, wie es die Bananen tun, oder riesige bunte Blüten zu treiben, die nach einem Tag in sich zusammenfallen, wie es die Hibiskus machen.

    Doch nicht nur die schönen Dinge zieht ein immergrüner Trockenwald an. Wer einmal durch ein Gestrüpp gegangen ist und im Anschluss nicht mehr zu sagen vermochte, ob an seinen Unterschenkeln mehr Haut oder mehr Schrammen zu sehen waren, wird dem zustimmen können. Neben den normalen Dornen gibt es hier auch welche mit Widerhaken, gebogene und welche, die nur in eine Richtung zeigen. Letztere können aus einem Schuh, in den sie geraten sind, nur noch unter großen Schmerzen oder durch Aufschneiden des Schuhes entfernt werden. Hier empfehlen sich Sandalen, aus denen die bösen Äste einfach wieder herausgezogen werden können.

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    Auch die Evolution scheint hier schneller voranzuschreiten, denn mit der Aufrüstung der Menschen auf zwei Räder haben auch die Pflanzen aufgerüstet. Mit zentimeterlangen Stacheln rauben Sie nun selbst erfahrenen Radfahrern die letzte Luft aus den Rädern.

    Summa summarum ist die Natur hier eine Augenweide, es sollt nur nicht vergessen werden, wie man sich und seine Sachen richtig schützt.