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Begegnungen mit Mutter Natur

18. September 2016 von Theodor Sperling

Begegnungen mit Mutter Natur

In anderen Ländern gibt es nicht nur andere Sitten, sondern auch manch ein Bereich des täglichen Lebens ist anders organisiert. Und wenn man dann in einen so naturnahen Ort wie Auroville zieht, sind unerwartete Begegnungen mit netten und weniger netten tierischen und pflanzlichen Mitbewohnern kaum zu vermeiden.

Was kreucht und fleucht

Die ersten Kontakte dieser Art konnte man bereits beim ersten Toilettenbesuch knüpfen. Dort, hinter dem Bilderrahmen, auf der Dusche oder einfach an der Wand, hingen Frösche von daumengroß bis handtellerklein.

Wer nach dem Duschen auch noch die Dämmerung unter den Palmen im Garten genießen wollte, der konnte dort intensiven Kontakt mit den summenden Räubern der Dämmerung machen. Aber nicht alle Mitbewohner sind so lästig. Mit ein wenig Glück ist es möglich beim Einschlafen einem Gecko bei der Jagd zuzuschauen oder eine Spinne beim Weben ihres Netzes zu beobachten.

Geradezu verheerend kann allerdings die Begegnung von Fuß und Skorpion in einem geschlossenen Schuh verlaufen, wenn man vorher nicht nachgeschaut hat, wer es sich in seinem Schuh gemütlich gemacht hat.

Doch nicht nur Schuhe geben einen gute Wohngelegenheit für manch ein Tier ab. Wie oft schon hat ein bauwilliges Ameisenvolk einen Menschen um seinen liebsten Freund gebracht. Kaum zu sehen, nisten sie sich in den Ritzen zwischen Festplatte und Lüfter, Platinen und Tastatur ein. Ganz klein sind sie und doch können sie einen Rechner in wenigen Stunden restlos zerstören. Wer Glück hat, kann sie noch rechtzeitig vertreiben. Sei es durch schlichtes Aufheizen des Laptops oder durch das Auseinanderbauen und das anschließende Abfegen aller Einzelteile. In diesem Falle sollte man aber gut wissen, was man tut. Um aber gar nicht erst in die Qual dieser Wahlmöglichkeiten zu kommen, empfiehlt es sich, den Rechner in eine Zip-Tüte zu packen.

Wer trotz all der Gefahren das Abenteuer wagt und in eine bambushüttenartige Kapsel zieht, der wird viele Gelegenheiten haben, Mungos, Streifenhörnchen und Krähen zu beobachten. Auch sei die teilweise besonders gelungene Zucht an Kakerlaken zu erwähnen, die an manch einem Ort gedeiht.

Neben all den weniger erfreulichen Treffen gibt es aber auch viele schöne Momente. Wenn aus dem Hängestuhl der Blick auf eine Eidechse fällt, die einen, keinen Meter entfernt, erstaunt von seiner Wasserflasche aus beobachtet. Nicht zu vergessen seien auch die unzähligen Insekten, die in allen Farben des Regenbogens erstrahlen und das teilweise auch mitten in der Nacht.

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Oh, wer schaut einem den da beim Duschen zu?

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Ein Spielzeug, nur für Katzen und Mungos

Was wächst und gedeiht

Doch nicht nur die Tiere sind hier anders beschaffen, auch die Pflanzen haben eine andere Dimension. Da sie hier das ganze Jahr wachsen können, schießen sie nur so in die Höhe. Ein einjähriger Setzling hier könnte so manchem drei- und vierjährigen Baum in Europa das Wasser reichen. Dieser schnelle Wuchs wird auch noch dadurch beschleunigt, dass die Bäume immer Laub tragen und ihre Blätter sukzessive erneuern können.

Aber auch die enorme Verschwendung der Natur, die man hier beobachten kann, wäre an anderen Standorten nicht vorstellbar. So könnte es sich keine Pflanze in Europa leisten, jedes Jahr einen neuen Stamm aufzubauen, wie es die Bananen tun, oder riesige bunte Blüten zu treiben, die nach einem Tag in sich zusammenfallen, wie es die Hibiskus machen.

Doch nicht nur die schönen Dinge zieht ein immergrüner Trockenwald an. Wer einmal durch ein Gestrüpp gegangen ist und im Anschluss nicht mehr zu sagen vermochte, ob an seinen Unterschenkeln mehr Haut oder mehr Schrammen zu sehen waren, wird dem zustimmen können. Neben den normalen Dornen gibt es hier auch welche mit Widerhaken, gebogene und welche, die nur in eine Richtung zeigen. Letztere können aus einem Schuh, in den sie geraten sind, nur noch unter großen Schmerzen oder durch Aufschneiden des Schuhes entfernt werden. Hier empfehlen sich Sandalen, aus denen die bösen Äste einfach wieder herausgezogen werden können.

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Auch die Evolution scheint hier schneller voranzuschreiten, denn mit der Aufrüstung der Menschen auf zwei Räder haben auch die Pflanzen aufgerüstet. Mit zentimeterlangen Stacheln rauben Sie nun selbst erfahrenen Radfahrern die letzte Luft aus den Rädern.

Summa summarum ist die Natur hier eine Augenweide, es sollt nur nicht vergessen werden, wie man sich und seine Sachen richtig schützt.


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