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Ein Druck auf den Ohren, Eindrücke auf den Straßen

27. August 2017 von Moira

Ich sitze im Flugzeug, es gibt kein Zurück mehr, ich bin unterwegs. Es ist ein seltsames Gefühl, denn gerade in den letzten Tagen hat mich dieser Zwischenzustand zwischen der nicht mehr greifbaren Vergangenheit und der noch nicht greifbaren Zukunft ziemlich verwirrt. Nachdem ich mit ziemlichen Ohrenschmerzen in Dubai zum Umsteigen lande und mit anhaltendem Druck auf den Ohren aussteige, bekomme ich bereits den ersten Eindruck von Hitze und Luftfeuchtigkeit, was aber für den kurzen Weg total erträglich ist. Es geht weiter Richtung Chennai. Ich habe einen Fensterplatz und kann Indien schon mal von oben sehen, dann sind wir auch schon da, holen unser Gepäck und verlassen den Flughafen. Auf diesen Moment war ich sehr gespannt. Es sind nur 25 Grad, das heißt, das Klima erschlägt mich nicht so wie befürchtet, es ist eigentlich recht angenehm für den Einstieg in einem Land, vor dessen Hitze ich mehrfach gewarnt wurde. Aber das Kofferziehen mit meinem wie ich feststellen muss doch eher unhandlichen Koffer ist etwas unbequem. Wir kommen aber relativ bald bei den beiden für uns bestellten Kleinbussen an. Man kann das Hupen vom Verkehr schon hören und ich sehe einige Straßenhunde. Das Gepäck in und auf die Busse gequetscht, setze auch ich mich an meinen Fensterplatz und suche vergeblich nach einem Anschnallgurt – ach ja, Indien ist anders. Es geht los. Ich sehe Familien zusammen auf Motorrädern, ich sehe Kühe auf den Straßen, ich sehe bunte Marktstände, ich sehe unseren telefonierenden Fahrer. Ich sehe Ziegen auf den Straßen, ich sehe einen Jungen auf einem Feld sein Geschäft verrichten, ich sehe einen Mann mit vielen Taschen auf seinem Motorrad, ich sehe Müll (allerdings noch nicht so viel wie erwartet), ich sehe Überholmanöver, die ich vielleicht als waghalsig bezeichnen würde, wenn ich nicht so vielen Eindrücken ausgesetzt wäre. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Kuh sehe. Ich bin so müde, aber ich zwinge mich, die Augen offen zu halten, um noch mehr Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Teepause, nachdem ich etwa zehn Mal sage, dass ich keine Milch im Tee möchte und daraufhin ein Glas Milch angeboten bekomme, nehme ich keinen Tee. Schließlich kommen wir in Auroville und in unserem Guesthouse für die erste Woche an, lernen unsere Mentoren und Koordinatoren kennen, essen etwas, das mir persönlich schon etwas zu scharf ist, bekommen Fahrräder und machen eine kleine Fahrradtour durch Teile Aurovilles, was sehr angenehm und entspannt ist (24./25.8.).

Am zweiten Tag kommt es mir schon deutlich wärmer vor und die Temperatur steigt über den Tag schleichend. Wir fahren viel Fahrrad mit einem für das Wetter eher unangemessenen Tempo. Ich erkenne die Nachteile vom Fahrradfahren mit langem Rock, binde mir Knoten hinein, aber halte es dennoch für sinnvoll, nächstes Mal eine Hose anzuziehen. Wir sehen uns ein bisschen in Auroville um, nachdem wir unser erstes indisches Frühstück essen: Idli mit Wadai und zwei Chutneys. Das Essen ist von der Schärfe absolut okay und schmeckt gut. Im Visitor Center wollen zum ersten Mal Leute ein Foto von/mit mir machen. Das Mittagessen ist schon schärfer, aber alles wird getrennt auf einem Teller angerichtet, so dass man gut aussortieren kann, was zu scharf ist. Ein Affe, der von einem Baum herunterklettert, klaut Johanna ganz frech ihr Brot, dann wird er verscheucht. Am Abend fahren einige von uns nochmal zum Visitor Center. Während wir dort bei schöner Beleuchtung sitzen, regnet und gewittert es. Wir schaffen es aber zum Glück in einer Regenpause trocken zum Guesthouse zurück zu fahren. Der dunkle und matschige Weg ist trotzdem abenteuerlich. Julian fährt mitten durch eine riesige Schlammpfütze und verliert dabei seinen Schuh. Nach der Rettungsaktion fahren wir an einer Horde bellender Hunde vorbei, dann kommen wir an (26.8.).

Heute, am dritten Tag, fange ich an, ein Gefühl für Orientierung zu entwickeln und finde schon einige Wege alleine, was gut ist, denn so bin ich nicht vom Tempo der anderen abhängig. Im Dunkeln würde ich aber natürlich trotzdem nicht alleine fahren. Ab und an kommen bei uns allen natürlich Fragen auf. Die Antworten der unterschiedlichen Leute hier sind aber auch meistens unterschiedlich. Ergo werde ich meine eigenen Erfahrungen machen müssen und auf meine Selbstständigkeit angewiesen sein. Ich bin gespannt auf die nächste Zeit (27.8.).


1 Kommentar »

  1. Helga Lenze sagt:

    Vielen Dank, Moira, das war ja interessant. Gerdi ist gerade in der Schockstarre, hört die Wahlergebnisse: AFD 13%. Ich mache mir Sorgen um unsere Flüchtlinge. Das ist nun nicht dein Problem. Dein Bericht ist so gut beschrieben, dass ich mir besonders euren Fahrradausflug gut vorstellen konnte.Dass man beim Essen auf Affen achten muss, ist lustig. Wir stellen hier fest, dass man dieses Jahr nicht mal auf Wespen achten muss, die sonst um diese Zeit plagende Mitesser sind. Für mich sind deine Berichte spannend, weil ich wahrscheinlich nie nach Indien kommen werde, ich flieg ja nicht.

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