Ich bin gerade wieder einmal umgezogen, also besser gesagt wieder zurück gezogen. Eigentlich mit Frederic und Jana zusammen, aber da die beiden losgezogen sind um andere Teile Indiens zu entdecken wohne ich momentan alleine. Also nicht ganz. Ich hüte nämlich nicht nur ein wunderschönes Haus in Certitude, einer wirklich netten Community, sondern auch noch zwei als Flauschbälle verkleidete Katzen und zwei wirklich süße, aber auch sehr anstrengende Hunde.
Es ist schön wieder hier zu wohnen. Ich fühle mich in diesem Haus, in dem ich schon von Anfang November bis Mitte Februar gewohnt hatte, einfach wohl, irgendwie zu Hause. Es birgt schon so viele Erinnerungen. Hier haben wir mit vielen aus der Gruppe zusammen sowohl den Sturm wie auch den restlichen folgenden Monsun entspannt überstanden, Weihnachten gemeinsam verbracht und einige lustige Abende veranstaltet. Wenn ich daran denke dann merke ich wie viel Zeit schon vergangen ist und wie viel ich erlebt habe. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt nun hier zu leben, alles was mir zu Beginn des Jahres fremd erschien ist vertraut geworden. Ich düse mit meinem Bike über die Straßen Aurovilles so als würde ich mein Leben lang schon nichts anderes tun.
Ich mache hier was mir Spaß macht -sowohl mit den Kiddos wie auch auf der Farm, mit geliebten, ziemlich verrückten, total normalen, lustigen, einfach allen Menschen hier und das alles an einem Ort der deutlich mehr Wald ist als Stadt. Klingt so erstmal für mich ziemlich perfekt. Irgendwie schon fast unwirklich.
fleißige Männlein im Garten
Als beim zweiten Zwischenseminar das Thema ‚wieder nach Deutschland zurückkehren‘ hochkam war ich total geschockt. Über mich selbst. Ich merkte einfach plötzlich dass ich mir gar nicht mehr so richtig vorstellen konnte wieder zurück zu gehen. Dass der bloße Gedanke mir tatsächlich Angst machte.
Hatte ich mir nicht gerade erst so wirklich ein Leben hier aufgebaut, war angekommen und hatte ein neues Zuhause gefunden? Wie zum Teufel sollte ich denn das alles jetzt einfach so hinter mir lassen können? Dann habe ich mich erst einmal mit dem Gedanken beruhigen können dass ich ja nun auch nicht übermorgen abfliegen muss sondern schon noch fast ein viertel Jahr vor mir liegt. Ich habe viel nachgedacht -dazu tendiert mensch hier gefühlt schnell gerne mal-.
Darüber, was ich toll finde hier und auch was ganz und gar nicht. Warum ich eigentlich tief in mir weiß das ich hier nicht mein Leben verbringen möchte, auch wenn ich grade noch nicht gehen will und hier zu leben wirklich, wirklich schön ist. Denn wenn ich ganz ehrlich zu mir bin dann möchte ich auch raus in die Welt und die Chance haben noch so viel mehr zu sehen, lernen und bewegen. Und dann noch die meist gestellte Frage in letzter Zeit: Und was machst du dann jetzt nach dem Jahr?
Meine Antwort: Da kommt dann das nächste Abenteuer…
Kennt ihr noch die Geschichte von Janosch namens „Oh, wie schön ist Panama“? Der kleine Bär findet eine Holzkiste auf der Panama steht. Er schnuppert daran und als sie nach wundervollen Bananen riecht weiß er, dass Panama das Land seiner Träume sein muss.
Ebenso schnell wie kleine Bären scheinen mir auch Weltwärtsler ab und zu gewissen Dingen und Orten zu verfallen.
Auch wenn es bei mir eher Orte wie die Matrimandirgärten oder der Schatten unter meinem Baum auf La terasse sind die mich entzücken, möchte ich euch lieber von einem Ort erzählen der gerade mein Zuhause ist.
Discipline.
Generell sind Leute immer erst mal verstört: „Du wohnst in … Discipline?“
Und ich bin dann immer erst mal verwirrt, weil ich gar nicht weiß was sie haben: „Ja doch, auf der Discipline-Farm“
„Heißt die wirklich so?“
„Achso du meinst den Namen. Ja die Mutter hat damals Basilikum den Namen Discipline gegeben, und das ist dort gewachsen… Daher heißt die Farm so und keine Sorge, eigentlich herrscht dort Anarchie.“
Meistens ist mein Gegenüber dann allerdings immer noch kritisch…
Aber generell haben die Communities hier merkwürdige Namen. Die meisten haben wir tatsächlich noch „der Mutter“ Mirra Alfassa zu verdanken. Und dadurch dass ziemlich viele Communities ziemlich merkwürdig-inspirierende Namen haben entstehen spät Abends dann schon mal solche Gespräche:
Du weißt schon das du gerade auf nem Dach in Discipline sitzt. Wenn du so weiter machst brauchst du bald ein wenig protection…
..wenn du mit grace vom Dach fällst.
Ich fall vom Dach mit certitude. Das wird ein Adventure. Oder ein miracle! Mehr courage wenn ich bitten darf.
Na das wird eine celebration. Surrender, surrender. Ein bisschen joy jetzt.
Leute ein wenig mehr creativity … und imagination! Lass uns das einfach acceptance that. ihr seid doch meine amis. Und Felix der ist Evergreen.
Ein wenig mehr discipline jetzt! Leute seid quiet! Das bringt mich voll auf neun Palmen.
Und bevor wir vor lachen tatsächlich alle vom Dach rollen natürlich noch das gute alte:
What happens in Cashew, stays in Cashew!
Zurück zu Disciplin.
Der Eingang mit Max Tetra Pak Roof 🙂
Discipline Farm ist der Ort an dem zurzeit Max, Frederic, Catha, Felix und Ich (Kaya) wohnen. Es ist einer dieser Orte die auf den ersten Blick irgendwie paradiesisch wirken
Vielleicht liegt es an den vielen Hängematten oder den Palmen, oder Menschen die diesen Platz besonders machen. Für mich ist es am meisten das Gefühl nicht immer von Wänden eingeengt zu sein. Keine Tür zu haben die darauf wartet zugeschlossen zu werden und nur durch eigene Regeln bestimmt zu sein. Und das trifft zwar hauptsächlich auf Discipline zu aber Freiheit findet man an so vielen Orten Aurovilles.
Ananas!!
Disciplin ist eine organische also eine Bio Farm. Hier wird allerlei angebaut was auch in Deutschland bekannt sein dürfte (auch wenn es dann hier auch wieder ganz anders aussieht und schmeckt als der stuff den man in Deutschland bekommt). Dazu gehört beispielsweise Minze, Basilikum, Pfeffer, Papayas, Kokosnüsse, Ananas, Bananen, Kürbisse, Auberginen, Mangos, Spinat, Salat, Limonen etc.
Der Sommer ist zu heiß für alle..
Aber dann gibs auf Discipline noch vieles was zumindest ich erst hier kennenlernte wie Chicos, Jackfruit, Passionfruit (weiße Maracuja) und gelbe Chilies. Ausserdem hat die Farm einige Kühe die die in Auroville am meisten gepriesene Milch geben. Als Veganer finde ich Kälbchen auch wirklich süß aber es ist immer hart, wenn diese dann plötzlich nicht mehr da sind weil sie männlich sind und die Farm sie deshalb nicht behält, oder wenn das Kälbchen im Alter von ein paar Tagen von der Mutter getrennt wird, die daraufhin die ganze Zeit nach ihrem Kälbchen ruft.
Max, Frederic und Catha arbeiten hier auf der Farm als Weltwärts Freiwillige und helfen zum Beispiel beim pflanzen, Löcher buddeln, Sprinkleranlagen zu installieren, Beete anzulegen, Werkzeuge reparieren etc.
Wir Weltwärtsler wohnen auf Discipline in Kapseln, geräumige Bambushütten mit Palmenblatt Dächern, die eigentlich total offen sind und durch die auch im Sommer ab und zu ein Windhauch pfeift.
Aufgeräumt??!
Oft sind wir allerdings nicht in den Kapseln sondern eher in unserer Küche die in einer gepflasterten kleinen Hütte ist, in der früher mal eine ganze Familie wohnte.
Ansonsten hängen wir Weltwärtsler meistens in den Leinen unserer Hängematten.
verschlafen
Oder Max macht mal wieder nen Feuer auf dem Küchendach. Frederic gießt seine Beete und Max repariert irgendwas, man hört schon von weitem die Musik vom Buena Vista Social Club. Catha rauscht im nächsten Kleid an mir vorbei und Felix schreibt mal wieder einen Witz an unsere Tafel. Avinash radelt mit seinem Kinderrad an unserer Küche vorbei. Man trifft Bärbel, die irgendwie immer lacht, Frank oder die anderen Discipline Bewohner: Karin, Lukas, Hilal….
Kapsel-Ganesh
Und dann sitze ich manchmal einfach auf dem großen Steintisch vor unserer Küche und beobachte.
Unsere wilden Nachbarn bzw. unfreiwilligen Mitbewohner sind auch wunderbar: An meinem zweiten Morgen hier wurde ich von einem kleinen Vogel geweckt, der neben mir saß und ein Lied sang. Später kamen dann die Ratten, die sich in meinem Dach einnisteten (und die ich gezwungenermaßen umsiedelte). Jetzt sind es die Streifenhörnchen, die sich teilweise immer noch über meine Wäsche hermachen und sich morgens, wenn sie denken ich schlafe noch, gegenseitig durch meine ganze Kapsel jagten. Auf der Farm trifft man Mungos, die aus unserem Komposttoiletten-häuschen flitzen, unseren Klofrosch Fridolin, unsere Riesenspinne die immer wieder nach Monaten des Verschwindens auftaucht. Oder man hört die ganze Nacht Karins Katze miauen.
Caro und Felix beim Küche anmalen 🙂
Aber das schöne für mich ist doch, dass das alles irgendwie real und gleichzeitig traumhaft wirkt. Ja in Brunnen kann man springen, Ananas wachsen auf dem Boden, Wände sind manchmal einfach zum malen da, es gibt Bäume die nachts glitzern, Kapsel Türen können auch einfach immer offen stehen. Und Kingsfischer sind blaue Blitze die manchmal über den Himmel zucken um sich dann gemütlich im nächsten Baum niederzulassen.
Jetzt wo überall die Aurovillianer vor der Hitze des Sommers fliehen und die Häuser leerstehen, sieht es so aus, als würde der Großteil der Discipline WG wenn nicht sogar alle meine Mitbewohner, sogenannte Housesittings machen und in andere Ecken Aurovilles ziehen. Ich selbst reise erst mal. Wer dann in der Discipline WG wohnen wird?
Anbei noch ein paar Bilder 🙂
Machts gut Leute!
Mal ohne Dach Bedeckung…
Was wird da mit meinem Dach gemacht?
Küchen Tafeln sind schon ne feine Sache.
Anneke und Felix beim Frühstück
Meine Kapsel 🙂
Auch das liegen in der Hängematte lädt zum Nachdenken ein. Who are You?
Von Dorina gemaltes Mandala
Das Wohnzimmer
Riesige Jackfruits im Baum…
Küche aufräumen…kann hart sein
Max in der Mittagspause
Minz Felder
Seien wir mal ehrlich: Kompost Klos sind das einzig Vernünftige.
In der Sommerausgabe des Auroville International Deutschland Rundbriefs 2015 erschien folgendes Interview mit der gebürtigen Aurovilianerin Kavitha, geführt von einem ehemaligen Weltwärtsler. Zwar hat sich seit dem bei Youthlink einiges getan, aber um das Projekt, dessen Aktivitäten sich auch an aktuelle Weltwärtsler und ehemalige Voluntäre in Deutschland wendet, vorzustellen, bietet der Artikel einen guten Überblick. Viel Freude beim Lesen!
Matthias: Kavitha, Du bist vor kurzem von deinem Studium im Ausland zurückgekehrt und arbeitest jetzt in Auroville mit Youth Link. Wie gestaltete sich deine Rückkehr nach Auroville und wie kam es zu deiner Mitarbeit bei Youth Link? Kavitha: Ich kam nach dem Abschluss meines Studiengangs „Globale Herausforderungen: Nachhaltige Entwicklung“ in den Niederlanden nach Auroville zurück. Es war ein fantastisches Studienprogramm, aber ich hatte immer dieses merkwürdige Gefühl, einfach dadurch, dass ich in einer intentionalen, internationalen, Ökodorf-artigen Gemeinschaft, die ich mein Zuhause nenne – Auroville – bereits mehr gelernt hatte. Als ich zurückkehrte, erkundete ich verschiedene Aspekte der Gemeinschaft. Dazu zählte eine Arbeit als Vertretungslehrerin in der New Era Secondary School, Fundraising sowie die Untersuchung unserer „Integralen Bildung“ und wie sie über Auroville hinaus in die indische Gesellschaft ausstrahlt. Die New Era Secondary School (NESS) leistet mit ihrem auf Aktivitäten ausgerichteten, Kind-zentrierten CBSE-Programm [CBSE= Central Board of Secondary Education] großartige Arbeit. Das CBSE-Programm ist eines der innovativsten Bildungsprogramme Indiens. Andere Schulen, die das CBSE-Programm anbieten, orientieren sich an NESS und übernehmen die Perspektive der integralen Erziehung. Das war eine aufregende Erkenntnis. Danach habe ich beim Auroville Entry Service gearbeitet. Dabei saß ich in der Town Hall, um die politische Organisation und Entwicklung unserer Stadt besser zu verstehen. Da ich Kommunikation liebe, landete ich auch beim Auroville Today Magazin, für das ich gelegentlich Artikel verfasste und eine Menge über unsere neuen Entwicklungen lernte.
Kavitha
Letztendlich fand ich mich in Pitchandikulam wieder, wo ich begeistert ein florierendes Zentrum für nachhaltige Entwicklung vorfand. Dort fielen mir zwei Projekte ins Auge, nämlich „Sustainable Enterprise Development in the Auroville Bio Region“ (SEDAB), für das ich die Verantwortung im Bereich Kommunikation übernahm. Dieses Projekt arbeitet daran, „Green Enterprise Solutions“, also Produkte aus dem Bereich der pflanzlichen Medizin und biologischen Nahrung wie Spirulina nach Indien zu bringen. Diese Produkte werden jetzt von Frauen hergestellt, die unter der Armutsgrenze lebten und nun ihr eigenes Einkommen verdienen können. Das SEDAB-Projekt erforscht eine integrale ländliche Entwicklung, die wir in all ihren Aspekten experimentell untersuchen. Die indische Regierung ist nun an Auroville herangetreten und möchte in Zusammenarbeit mit uns ein Institut für Nachhaltige Lebensgrundlagen (Sustainable Livelihood Institute) gründen. Als ich davon hörte, war ich unglaublich enthusiastisch, da ich in den Niederlanden genau darüber in meiner Abschlussarbeit geschrieben hatte, in der ich die Forderung erhoben hatte, dass es in jedem Ökodorf ein „Zentrum für Fertigkeiten & Dienste“ („Skills & Service Center“) geben sollte, das das Wissen der Gemeinschaft mit seinen Nachbarn und seinem Land teilt. Es war für mich also eine große Erleichterung und ein Aufruf zur Mitarbeit, dass Akademiker und geniale Köpfe in Auroville an so etwas arbeiteten. Mir wurde jedoch klar, dass so ein Institut, das im Grund eine Plattform für Bildung und einen Campus darstellt, der Beteiligung der Jugend bedarf – entweder als Studenten, Trainer oder fachliche Berater. Aber ich musste innehalten: Meine Freunde und ich waren uns nicht sicher, ob die Jugend Aurovilles für diese Entwicklung bereit und überhaupt vor Ort war!
„What2Where“ Event im Youth Center
Matthias: Wie hat sich die Auroville Jugend am Auroville Retreat und jetzt an Youth Link beteiligt? Kavitha: Auf dem Auroville Retreat repräsentierten 10 Aurovilianer die Jugend. Vor dem Retreat hatten wir im Youth Center oder an anderen Orten viele Treffen abgehalten, um Ideen zu sammeln. Wir veranstalteten auch ein „Festival der Ideen“, bei dem wir feststellten, dass die meisten Aurovilianer mit den Themen Housing (Wohnungs-Situation), Employment (Arbeitsmarkt) und Education (Bildung) – besonders für die Jugend – befasst waren. Nach dem Retreat präsentierten wir unsere Themen noch einmal bei SAIIER, woraufhin sich ca. 40 junge Aurovilianer anmeldeten, um mitzumachen und wir 35 ältere Mentoren gewannen, die uns unterstützen wollen. Wir bemühen uns immer noch darum, dass sich dieses Potenzial entfalten kann. Wir sind bei Youth Link jetzt vier Koordinatoren und zwei von uns bekommen eine Maintenance, um die Arbeit in Vollzeit zu bewältigen. Wir sind eine Kerngruppe von 10 bis 15 Mitgliedern. Wir treffen uns wöchentlich und erarbeiten Projekte und Aktivitäten mit der Jugend. Wir sind sehr glücklich darüber, mit den drei Jugendgruppen der Dörfer Kuilapalayam, Edyanchavadi (genannt „Kamban“) und dem Mohanam Kulturzentrum in Kontakt zu stehen.
Youth Link Sustainability Workshop
Matthias: Warum sind Housing, Employment und Education für die Auroville-Jugend wichtige Themen? Kavitha: Ganz einfach gesagt, verfügen wir nicht über genügend Wohnraum für die Jugend und unsere bereits existierenden Jugend-Wohnprojekte könnten etwas Hilfe gebrauchen. Wir hoffen, die Jugend an der Schaffung von Unterstützergruppen für diese Projekte und an der Ausarbeitung neuer Projekte zu beteiligen. Beispielsweise möchten wir, dass junge Unternehmer und Architekten neue Projekte umsetzen und sich an der Stadtplanung beteiligen. Es gibt Arbeitsmöglichkeiten. Es herrscht jedoch die Haltung vor, dass junge Leute zunächst als „Volunteers“ anfangen sollten oder nicht die benötigten Fähigkeiten für bestimmte Aspekte der Arbeit für die Gemeinschaft mitbringen. Wir hoffen, diese Hindernisse zu überbrücken. Beispielsweise ermutigen wir die Öffnung der Arbeitsgruppen (Working Groups) für Praktika, entwickeln neue Ausbildungsprogramme sowie Möglichkeiten zur Information über offene Stellen – irgendwann über eine Online-Plattform. Was Bildung anbelangt, verfügt Auroville über eine Infrastruktur und Institutionen bis zum Abitur. Danach musst du entweder Auroville verlassen, um weiter zu studieren oder – wie viele der Jugendlichen es ausdrücken – du „bleibst hängen und wirst zurückgelassen“. Die Budgets unserer Stipendien sind klein, Auroville zu verlassen ist relativ leicht, aber für viele ist Hochschulbildung zu einem Kampf und durch die schwere Bürde der Studienkredite zu einem Privileg geworden.
Youth Link Organigramm
Matthias: Kannst du uns die Vision von Youth Link beschreiben? Kavitha: Unsere Vision ist eng mit der Auroville Charta, speziell mit der „nie endenden Bildung und einer Jugend, die niemals altert“ verknüpft. Außerdem sehen wir unsere Mission als Teil der globalen Vernetzung und wollen durch unsere Arbeit Projekte zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ermutigen.
Matthias: Fühlt ihr euch als junge Aurovilianer in euren Aktivitäten von Youth Link durch die Gemeinschaft unterstützt?
Flyer für Youth Link Event
Kavitha: Obwohl wir so schnell und erfolgreich in Auroville aufgetaucht sind – was bedeutet, dass es einen eindeutigen Bedarf für mehr Beteiligung und Initiativen der Jugend gibt – hatten wir Probleme, dafür Unterstützung zu finden. Bei der älteren Generation findet sich die Einstellung, die Jugend sei „faul und unfähig“, während es in der Jugend eine Einstellung gibt, die man als „anti-Establishment“ bezeichnen könnte. Diese Einstellungen versuchen wir jedoch abzubauen. Wir wollen Brücken bauen, indem wir die Jüngeren dazu ermutigen, ein Verständnis für all die von unserer Eltern-Generation geleistete harte Arbeit zu entwickeln und unsere Ältesten ermutigen, die Jugend in einem positiveren Licht zu sehen.
Matthias: In welcher Beziehung steht die Auroville Jugend zu Auroville und seinen Idealen? Kavitha: In vielen Diskussionen unter uns Jugendlichen kommen wir auf das Grundlegende zu sprechen und stellen uns Fragen wie „Warum sind wir von den Idealen Aurovilles so abgetrennt?“ und „Warum haben wir unseren Sinn für Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit verloren?“ Wir haben keine Antworten, aber wir sind sehr daran interessiert, vom Herzen aus daran zu arbeiten, den Spirit der Pioniere wiederzuerlangen … durch Ermutigung zum gegenseitigen Schenken und dienstleistungsorientierte Arbeit in der Gemeinschaft … und über die Ermunterung zur Reflexion über die Frage „Warum Auroville?“
Einweihung des Youth Link Office in Bharat Nivas mit Mentoren
Matthias: Warum ist die Vernetzung über Auroville hinaus ein wichtiges Ziel von Youth Link und wie kann diese gestaltet werden? Kavitha: Wir würden uns gerne stärker mit der Welt, mit Auroville International, dem Globalen Ökogemeinschafts-Netzwerk GEN, den Vereinten Nationen, Universitäten etc. vernetzen. Wir sind uns der Erfolge und Stärken Aurovilles sehr bewusst, aber auch unserer Limitierungen. Wir können noch eine Menge von anderen Gemeinschaften und Individuen aus aller Welt lernen. Da Auroville jetzt wiederaufgeforstet ist und über einiges an Infrastruktur verfügt, ist das nächste anzustrebende Ziel, Auroville mit der Welt zu vernetzen und in den existierenden Netzwerken präsent zu sein. Dazu möchten wir ermuntern. Der beste Weg, uns zu inspirieren, liegt in der Erfahrung anderer positiver Experimente und der einzige Weg, weiter zu wachsen und zu lernen, liegt im Willkommen heißen dieser positiven Energie und in der Offenheit, andere Orte zu besuchen, um von ihnen zu lernen. Die finanzielle Frage stellt immer eine Einschränkung der Reisemöglichkeiten dar, aber wir würden gern zu anderen Formen der Unterstützung eines solchen Austauschs motivieren. Wir hoffen, dass junge Leute aus dem Netzwerk der Auroville International Center mit uns in Kontakt treten. So können wir herausfinden, was möglich ist und gemeinsame Projekte entwickeln, wie beispielsweise einen Jugendaustausch … es gibt unendliche Möglichkeiten.
Einladung zum Auftakt von „Youth Link Next-Gen“ am 28. März 2016
Matthias: Ein anderes Ziel von Youth Link ist es, die „dynamische Energie der Freiwilligen“ in die Youth Link Aktivitäten zu involvieren. Wie wollt ihr die Auroville-Jugend und die Freiwilligen zusammenbringen? Kavitha: Freiwillige haben uns oft gesagt, dass es schwierig ist, die Auroville-Jugend kennenzulernen. Um dies zu erleichtern, laden wir alle Freiwilligen ein, uns im Youth Link Office zu besuchen und an unseren Festivals und Aktivitäten teilzunehmen, sodass wir gemeinsam brainstormen und aktiv werden können. Youth Link ist ein Team, das niemanden ausschließt. Wir laden „alle jungen Leute in der Auroville-Region“ (Freiwillige, Newcomer, Dorfjugend etc.) ein, Teil unserer Gesprächsrunden zu werden. Auch wenn wir nur jemandem mit dem Status Aurovilianer eine Maintenance anbieten können, hoffen wir, in Zukunft gute Initiativen junger Menschen aus der Region, die Mitglieder unseres Youth Link Teams werden, mit geringen Summen unterstützen zu können. Natürlich muss diese Idee weiterentwickelt werden, sodass wir das „Wie“ und „Nach welchen Kriterien“ klar artikulieren können. Wir sind aber zuversichtlich, dass Offenheit und Inklusion von großer Bedeutung sind und dass wir als Jugend ein Beispiel dafür geben können, wie das Realität werden kann. Und tatsächlich tun wir das schon!
Vielen Dank für das Interview und dein Engagement! Wir wünschen euch viel Erfolg!
Youth Link ist ein junges Projekt, das unsere Unterstützung braucht. Das Youth Link Team würde sein Kern-Team gerne auf 5 bis 7 Mitglieder erweitern; damit diese in Vollzeit arbeiten können, muss jedoch ihre Maintenance finanziert werden. Langfristige Pläne sehen Spendentöpfe zur Förderung vielversprechender Ideen für Jugendprojekte sowie Bildungsstipendien vor. Wenn Ihr mehr Informationen wünscht oder andere Fragen habt, schreibt (in englischer Sprache) an [email protected]. Falls Ihr Youth Link direkt unterstützen wollt, könnt ihr dies gern unter dem Stichwort „Youth Link“ über das AVI D Vereinskonto tun. Ansonsten findet ihr YouthLink auch auf Facebook und auf ihrer Webseite: http://www.youthlink.org.in/
Dosa am Lagerfeuer und Komposttoilette im Wald- oder das 2. Auroville Volunteer Treffen in Wickenrode
Wir waren nicht viele beim zweiten Auroville Volunteer Treffen, dafür viele frisch aus Indien Zurückgekehrte. Das letzte Augustwochenende 2015 haben wir ehemaligen Weltwärtsler mit viel Sonnenschein, Wasser aus der Quelle, Outdoor-Dusche und Komposttoilette am Waldrand in Wickenrode bei Kassel verbracht. So unterschiedlich wie unsere Erlebnisse in Auroville und Indien waren auch unsere Aktivitäten:
Im frühmorgendlichen Nebeldunst wurden bei Yoga-Aufwach-Übungen müden Augen wieder munter.
Nach gemütlichen Frühstücksrunden war Zeit für Impro-Dance, Badminton, Holz hacken, …
… und Waldspaziergänge.
Gemeinsames Kochen, mit Dosa, Masala und anderen Leckereien durfte natürlich nicht fehlen.
Beim Schwimmen im Waldsee konnte man die Spätsommersonne nochmal richtig auskosten …
… und abends am Lagerfeuer bei Stockbrot Erinnerungen an Auroville ausstauschen.
Wickenrode war wunderschön und wird es wieder. Wir freuen uns schon auf das Treffen 2016.
Auroville bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten sich seine Zeit zu vertreiben und der Tag müsste schon 50 Stunden, die Woche 20 Tage, der Monat 15 Wochen und unser Jahr 30 Monate haben um alle Angebote wahrzunehmen. Und dann will man ja noch irgendwann schlafen und im eigenen Projekt mitarbeiten 😉
Jelly, Laura und ich (Darius) haben unsere Zeit am vergangenen Samstag jedenfalls gut genutzt und haben einen ganztägigen Acro-Yoga-Workshop besucht. Mit wenigen Vorerfahrungen ausgestattet konnten wir an diesem Tag all drei viel lernen, schwitzen, heben und vor allem fliegen!