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Village Action aus Deutschland von Damian

4. März 2016 von Ehemaliger WWler

2012 habe ich mein Studium der Finanzwirtschaft abgeschlossen und es war für mich schnell klar, dass ich nicht bei einer der großen Banken oder Beratungsgesellschaften enden möchte. Daher habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. So habe ich begonnen, mich u.a. für Mikrofinanz zu interessieren. Durch eine Anzeige bzw. Ausschreibung für ein Praktikum auf ideallist.org bin ich auf AVAG gestoßen. Erst durch AVAG habe ich zum ersten Mal von Auroville gehört. Schon bald wusste ich, dass ich diesen Ort und die Arbeit von AVAG kennenlernen möchte. Diesen Entschluss habe ich nie bereut. Während meiner Zeit bei AVAG wurde das BMZ-Projekt zur Ausweitung der Mikrofinanz-Aktiviten von AVAG gestartet. Ich habe u.a. die sogenannten Base-Line Studie mit erarbeitet und den ersten Quartalsbericht verfasst. Neben diesen Tätigkeiten konnte ich bei der Ausarbeitung von Geschäftsmodellen bei AVAG und anderen Sozial-Unternehmungen in Auroville helfen. Nachdem ich wieder in Deutschland war, habe ich bei der GLS Bank ein Traineeprogramm durchlaufen und bin mittlerweile in der Angebotsentwicklung der Bank tätig. Die Erfahrungen aus der Arbeit bei AVAG kann ich auch in der GLS Bank nutzten, da die GLS Bank sich stark in diesem Bereich engagiert.

AVAG-Microfinance

Ein erfolgreiches VFAVR-Projekt

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Das aus Fördermitteln des BMZ finanzierte VFAVR-Projekt AVAG-Microfinance (AVAG steht für Auroville Village Action Group), das von November 2012 bis April 2014 lief, hatte die Bekämpfung der Armut durch Ermächtigung der Frauen zur Selbsthilfe in jeder Hinsicht zum übergeordneten Ziel. Zielgruppe des Projekts waren Selbsthilfegruppen (SHG) von Dorffrauen in der Region um Auroville – zu Beginn des Projekts handelte es sich um ca. 200 SHG von 3800 Frauen aus den ärmsten untersten sozialen Schichten, die alle von dem indischen Projektträger AVAG-Microfinance geschult und beraten werden. Während des Projekts wurden über 50 neue SHG gegründet (ca. 1000 weitere Frauen).

Durch die Schaffung eines revolvierenden Fonds für Mikrokredite zugunsten der Zielgruppe (mit einen Volumen von 175 000 Euro – hiervon wurden 75% durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, 15% von den Menschen vor Ort und 10% durch VFAVR), wurden deren Lebensbedingungen teilweise deutlich verbessert. Die (positiven) Veränderungen der Lebensverhältnisse wurden durch die Teilziele des Projekts untergliedert:

• Förderung der Persönlichkeit für ein selbstbestimmtes Leben in der Familie und im sozialen Verband
• Ermöglichung, eigene Geschäftsideen umzusetzen und ein eigenes Einkommen zu erzielen
• Finanzierung einer berufliche Ausbildung für sich selbst oder für Kinder
• Ablösung von Notkrediten von Wucherern
• Erhalt der eigenen Gesundheit oder die der Familie
• Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen durch Investitionen
• Gründung weiterer SHG

AVAG trat und tritt weiterhin nicht nur als Verwalter des Fonds auf, sondern berät und unterstützt die Zielgruppe bei all ihren Aktivitäten und bei der Neugründung von SHG und gewährleistet durch zentrale Erfassung aller Transaktionen völlige Transparenz und Vertrauenswürdigkeit. Wegen der bisherigen Rolle von AVAG-MF geben auch Banken den im Dachverband Udhayam Women Centre organisierten SHG relativ günstige Kredite.Durch den Vergleich einer Base-Line Befragung zu Beginn des Projekts mit einer zum Ende des Projektzeitraums durchgeführten Studie konnten die Änderungen der Lebensverhältnisse der Zielgruppe gemessen werden. Die Auswirkungen der Arbeit von AVAG wurden in einer ausführlichen separaten Studie unter Einhaltung von wissenschaftlichen Standards ermittelt.

Studien-Ergebnisse

Zusammenkunft

Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ein wichtiges Ergebnis ist die Steigerung der Selbstbestimmung der Frauen sowie der Mitbestimmung im Familienverbund. Dieser Umstand wird langfristig einen positiven Einfluss auf die Ausbildung der Kinder haben und damit auf ihre Möglichkeit, zum Haushaltseinkommen beizutragen. Es wurden bereits innerhalb des Projektzeitraums deutlich mehr Bildungskredite ausgegeben als geplant. Die Ausgabe der Kredite bestätigt auf der einen Seite damit nochmals die Stärkung der Rolle der Frauen innerhalb der Familie, anderseits die mittelfristig besseren Chancen für Kinder von Müttern/Eltern, die oft selbst nicht (richtig) lesen und schreiben können.

Diese Faktoren führen langfristig zu einem nachhaltigen Rückgang der Armut der betroffenen Familien. Hinsichtlich der realen Höhe des Einkommens wurden keine substanziellen Fortschritte erzielt. Der Erfolg in diesem Bereich lag jedoch in der Verlagerung der Einkommensquellen von Tagesarbeit zu mehr stabilen Einkommensquellen: stabile Angestelltenverhältnisse, Eigenständigkeit oder Landwirtschaft – um einige Beispiel zu nennen. Der negative Effekt der hohen Inflation auf die Einkommenssituation der Zielgruppe konnte zumindest kompensiert werden.

Auch der Gesundheitszustand der begünstigen Menschen hat sich bereits innerhalb des Projektzeitraums verbessert. Zwar konnte die Anzahl der Sanitäranlagen aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen (eine neue Regulierung im Bankensektor hat die geplante subventionierte Finanzierung unmöglich gemacht) in der Zielregion nicht erhöht werden, jedoch hat sich die Wohn- und Lebenssituation der Menschen trotzdem deutlich verbessert. Ein immer größerer Teil der Zielgruppe kann bzw. konnte bereits von einfachen Hütten in stabile Betonkonstruktionen ziehen. Durch die angebotenen Seminare und Fortbildungen werden kaum noch Pestizide und Herbizide im eigenen Anbau verwendet.

Zudem erwirbt bereits jede sechste Kundin von AVAG regelmäßig biologische Produkte (hauptsächlich direkt bei AVAG) für sich bzw. ihre Familie, weitere Kundinnen konsumieren diese so oft wie möglich. Beim Ziel, Wucherkredite in der Zielregion durch faire Kreditpraktiken zu ersetzen, wurden ebenfalls deutliche Fortschritte erzielt. Die durchschnittliche Belastung der Kunden durch Wucherkredite konnte um ca. 40% reduziert werden. Dennoch erreichen AVAG immer noch mehr Anträge für eine Umschuldung als Mittel zur Verfügung steht. AVAG-MF muss daher auch künftig wachsen, um den Menschen in der Region auch weiterhin helfen zu können. Insgesamt ist noch in vielen Dörfern in der Auroville-Region entsprechende Hilfe zur Selbsthilfe nötig.

Beitrag von VFAVR

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Der Verein zur Förderung der Auroville Region (VFAVR) hat auch in Zusammenarbeit mit AVAG bereits vor der Durchführung dieses Projekts nachhaltige Entwicklungsarbeit in der Zielregion geleistet. Das Projekt, das durch das BMZ teilfinanziert wurde, wurde daher ebenfalls sehr erfolgreich durchgeführt und hat das Leben der Zielgruppe positiv beeinflusst. VFAVR war für die Strukturierung und das Funding des Projekts hauptverantwortlich. Die Hauptaufgabe ist die Beantragung der entsprechenden Fördergelder beim BMZ und die anschließende Dokumentation des Projekts. Im Anschluss müssen die Ergebnisse der Arbeit dokumentiert und ausgewertet werden. Dies erfolgt in regelmäßiger Berichterstattung (quartalsweise) und in ausführlichen Zwischen- und Abschlussberichten. Innerhalb des Abschlussberichtes wurde auch die oben zusammengefasste Studie erstellt.

Bei Interesse kann die Studie natürlich gerne bei mir angefordert werden;  E-Mail: damian.pilka@student.ism.de .

Damian Pilka

Wer mehr über die Arbeit von VFAVR erfahren möchte findet hier weitere Informationen.


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