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Wie ich in einen Tollywoodfilm geraten bin…

10. Dezember 2013 von Isabel

 

„Hey Isabel, hast Du Lust morgen in so ´nem Film mitzuspielen?“

-„Was?! Was für ein Film?“

“Morgen wird ein Film in Pondy gedreht und sie brauchen ein paar Weiße, weil die Szene in Europa spielt.“

-„Ok, warum nicht?…“

 

Also stehe ich am nächsten Morgen an der „solar kitchen“ und warte mit ein paar Freunden auf das Taxi, das uns abholen und zum Drehplatz fahren soll.

„Kleidet Euch bitte westlich“ Ok, was ist noch mal westlich? Auf jeden Fall lässt man wohl den Punkt auf der Stirn weg. Ok. Danach tut sich nur das Problem auf, dass ich gar nichts „richtig Westliches“ besitze. Ich gebe mein Bestes und heraus kommt ein T-Shirt und eine Stoffhose- stößt nicht auf allzu große Begeisterung.

„Habt ihr keine Jeans?!“  Ähem, nö.

Also geht´s zur Umkleide, schließlich sehen wir nicht westlich genug aus. Westlich bedeutet touristisch, wie sich schnell herausstellt. Aber wie aus dem letzten Jahrzehnt. ALLEN werden Shorts aufgezwungen und T-Shirts in den merkwürdigsten Farbkombinationen. Generell fragt man sich, wo es denn noch solche Klamotten zu kaufen gibt, aber die Koordinatoren sind zufrieden.

Gedreht werden nur noch die Tanzszenen, die besonders realistisch aussehen sollen indem Leute im Hintergrund völlig unbeteiligt Bücher lesen oder einfach vorbei laufen. Da die Szene im europäischen Herbst spielt, wird viel Rauch gemacht und gefärbte Plastikblätter verstreut. Die Tänzer tragen alle Pullover, nur die „Touris“ haben kurze Hosen und T-Shirts an, die Sonnenbrille darf natürlich auch nicht fehlen. Touristen tragen doch eh nie was anderes, selbst wenn es kalt ist, oder?

 

Bei einer Tanzszene am Strand wird plötzlich gefragt, wer denn „bike“ fahren wolle. „Ich“ (in der Annahme es handle sich um ein Fahrrad). Ok, hier.

Oh, das Fahrrad ist kein Fahrrad sondern ein unglaubliches Motorrad von KTM. Mir wird kurz erklärt wie die Gänge sind und dann soll ich mal durchs Bild fahren. In Ordnung. Nach dem ersten Take hat jemand die unglaubliche Idee, es wäre doch viel lustiger, wenn das Motorrad nicht durch den Hintergrund, sondern vorne an den Tänzern vorbei und dabei fast gegen die Hauptdarstellerin fahren würde, schließlich handelt es sich ja um eine Komödie…

Neue Anweisung: „Fahr einfach bei 7 los, schnell!!!“ Ähem, ok. Alle paar Takes würge ich erst mal schön ab und alles muss wieder auf Anfang, nur wegen mir, hehe. Gar nicht unangenehm. Hinzu kommt, dass an der Strandpromenade gedreht wird. Absperrung? Denkste. Nach jedem Take strömen die angestauten Fahrräder, Motorräder, Taxis, Busse in gewohnter Unordnung quer über den Drehort. Dumm, dass ich wieder zu meiner Anfangsposition zurückfahren soll und zwar schnell.

Dass mir tausend Fahrzeuge entgegen kommen und ich das Motorrad eh nicht so recht fahren kann macht die Sache nicht wirklich leichter. Hunderte von schaulustigen Augenpaaren verfolgen mich, was auch nicht allzu hilfreich ist. Irgendwie schaffe ich es dann doch immer irgendwie; nicht ohne ein paar Mal fast das Gleichgewicht zu verlieren, was vom entsetzten Lufteinsaugen des Besitzers begleitet wird: „You can ruin the take but PLEASE, PLEASE don´t ruin the bike!!!“

I´ll give my best…

Am Ende haben irgendwie alle überlebt und als Erinnerung bleibt nur ein farbenfroher Sonnenbrand zurück.

Man hat vergessen, dass die exotischen Requisiten bei zu langer Sonneneinstrahlung alle rot werden…


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