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Ausbildung in Auroville? YouthLink macht’s möglich!

4. August 2016 von Ehemaliger WWler

5782_10153178165371714_6137246724528745441_nHallo liebe Blog-Leser! Heute bekommt ihr im Interview mit der gebürtigen Aurovilianerin Suryamayi einen Überblick über YouthLinks Ausbildungs-Initiative in Auroville. Falls Ihr Euch fragt was YouthLink ist, klickt hier, das ist nämlich ne‘ coole Sache! 🙂 Der Artikel erschien ursprünglich in der letzten Ausgabe der AVI D News, die Ihr hier findet. Viel Freude beim Lesen und bis bald!

Matthias: Was hat Dich zur Arbeit mit Youth Link gebracht?
Suryamayi: Ich würde sagen, dass es für mich persönlich inspirierend war, zurück nach Auroville zu kommen und die Arbeit zu sehen, die Kavitha mit YouthLink geleistet hat. Vor allem, dass sie eine Struktur geschaffen hat, die es der Jugend erlaubt, sich wirklich zu engagieren, ihre Erfahrung einzubringen und ihre Teilnahme an Auroville-Prozessen zu gestalten. YouthLink ist auch insofern wichtig, als es die Verbindung zu den vielen Volontären, Praktikanten und Gästen herstellt, die nach Auroville kommen. Als ich vor 10 Jahren in Auroville aufwuchs, wäre ich Volontären nur durch reinen Zufall begegnet. Mir wurde klar, dass so viele inspirierende, energiegeladene junge Leute in Auroville leben und nach Auroville kommen. Aber es gab keine Plattform, die eine Interaktion ermöglicht hätte. Daher finde ich, dass die Entwicklung von YouthLink sehr positiv ist.

Matthias: Was hat Dich motiviert, mit YouthLink am Ausbildungsprogramm für Auroville zu arbeiten?
Suryamayi: Für mich war es aus sehr persönlichen Gründen inspirierend, als man mich nach meiner Rückkehr fragte, ob ich bei der Gestaltung des Ausbildungs-Programms helfen würde. Denn als ich mich als Jugendliche dafür entschied, das Abitur in Auroville zu machen, war das keine einfache Entscheidung. Als die letzten Schuljahre anbrachen, gab es absolut noch keine Garantie dafür, dass ich einen Abschluss würde machen können. Bis zu jenem Zeitpunkt verließen viele Jugendliche Auroville mit 14 Jahren, sehr jung, nicht notwendigerweise weil sie das wollten, sondern weil es in Auroville nicht genügend Auswahlmöglichkeiten in der Weiterbildung gab. Jetzt kann man bis zum Abitur in Auroville bleiben, danach werden wir jedoch wieder mit derselben Suche nach Alternativen zu einer Ausbildung außerhalb Aurovilles konfrontiert. Manche jungen Leute heißen die Idee, Auroville zu verlassen und eine neue Erfahrung zu machen, sehr willkommen. Andere können es sich aber entweder nicht leisten, Auroville zu verlassen oder wollen es nicht. Genau deshalb ist das Ausbildungs-Programm wirklich eine spannende Sache.

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Matthias: Was wären die Vorteile eines Weiterbildungssystems in Auroville?
Suryamayi: Wir verfügen in diesem Bereich in Auroville über umfangreiche Ressourcen. Wir genießen diese fantastische Kombination aus einer Einwohnerzahl von 2500 Menschen, was uns das familiäre Gefühl einer Kleinstadt gibt, in der die Leute die Jugendlichen kennen und sie ihnen am Herzen liegen. Deswegen sind die hier lebenden Experten für die Jugend auch direkt zugänglich. Obwohl die Gemeinschaft so klein ist, haben wir doch ein breites Spektrum an Experten verschiedenster Arbeitsfelder und eine Vielzahl an Gelegenheiten, von ihren zu lernen und mit ihnen zu arbeiten. Dies trifft sich gut mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft im größeren Zusammenhang, z.B. in Bezug auf die Nachfolge in der Leitung bestimmter Projekte und Initiativen. Manche Gründer wollen die Leitung ihrer Projekte nach 20, 30 Jahren weiterreichen, um ihren Weiterbestand zu gewährleisten. Wir haben eine Menge kleinerer Unternehmen oder Start-Ups, die dringend mehr Humankapital benötigen, um zu wachsen. Und es ist ein schöner Weg, junge Leute durch Training an eine Arbeit heranzuführen. So überbrückt ein systematisches Ausbildungsprogramm Lücken auf vielen verschiedenen Ebenen. Für die Zukunft streben wir an, dass diese Ausbildungsprogramme auch für Jugendliche geöffnet werden, die keine Aurovilianer sind, um eine derartige Erfahrung im Auroville-Kontext zu ermöglichen. So ein Austausch geschieht bereits mit verschiedenen indischen Institutionen.

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Matthias: Wie fügt sich das Ausbildungs-Rahmenprogramm in das Gesamt-Bildungssystem in Auroville?
Suryamayi: Der Bildungsaspekt ist sehr interessant, da wir uns in Auroville mit dem großen Konzept der integralen Bildung beschäftigen und viele Debatten darüber führen, was das denn eigentlich bedeutet. Ich denke, dass Ausbildungen oder auf Fertigkeiten basierende Trainings einen Ort, der das Prinzip der integralen Bildung hochhalten will, auf eine bedeutende Art und Weise interessant machen. Es könnte allein für die Bildungslandschaft Aurovilles einen wichtigen Beitrag bedeuten. Die Schulen unterstützen das Ausbildungsprogramm und ich hoffe, dass es eine stärkere Vernetzung zwischen den Schulen Aurovilles fördern würde. Unser Plan ist es, Jugendliche aus verschiedenen Schulen und solche von außerhalb des aurovilianischen Schulsystems im Kern des Ausbildungsprogramms zu vereinen. Wir bitten die Schulen, entweder existierende Klassen zu öffnen oder weitere Unterrichtsfächer anzubieten, die in einem Fertigkeiten-basierten Kontext nützlich sind. Es wäre wundervoll für die Schüler, tatsächlich die verschiedenen Herangehensweisen an Bildung erfahren zu können. Ich denke, dass das unsere Vorstellungen von integraler Bildung, die im Moment in den verschiedenen Schulen sehr unterschiedlich sind, weiten könnte.

DSC02821__1470312024_5.189.143.81Matthias: Was ist die Absicht hinter dem „Kernprogramm“ des angestrebten Ausbildungssystems?
Suryamayi: Das Kernprogramm dient verschiedenen Zwecken. Ausbildungen sind nichts Neues in Auroville und das BBC (Budget Coordination Committee) unterstützt sie auch. Auszubildenden wird eine Maintenance zugestanden, die während der Ausbildung ausgezahlt wird. Das BBC hat für dieses Jahr mehr zur Seite gelegt, also erwarten sie einen Anstieg an Ausbildungen. Was jedoch bis jetzt gefehlt hat, ist ein verbindendes Rahmenprogramm. Ein Auszubildender in der Forstwirtschaft wird gegenwärtig nur den eigenen Mentor in Anspruch nehmen und das wird die gesamte Erfahrung ausmachen. Eventuell würde man hier und dort Kurse belegen, wenn der Mentor sie empfiehlt. Mit dem Kernprogramm hoffen wir dagegen, dass es allen Auszubildenden möglich wird, sich als Teil von etwas Größerem zu verstehen. Wir haben das Gefühl, dass das sehr wichtig ist. Auch haben wir von Mentoren die Rückmeldung bekommen, dass sie Auszubildende in grundlegenden Kenntnissen unterrichten mussten, die nicht unbedingt Teil der Lehre sind. Das Kernprogramm könnte also dazu dienen, Auszubildende in Kenntnissen zu schulen, die allgemein verfügbar sein sollten, wie zum Beispiel englische Kommunikation, Tamil, angewandte Mathematik und so weiter. Wir wollen auf die Bedürfnisse der Auszubildenden reagieren, anstatt in einem Vakuum zu planen. Wir haben eine Liste von Leuten, die sich bereit erklärt haben, in diesen Bereichen etwas in Form von Workshops oder Seminaren anzubieten. Sollte die Gruppe der Auszubildenden zuerst an wirtschaftlichen Themen interessiert sein, käme das dann als Erstes auf den Terminplan. Die Idee dahinter ist, dass sich Auszubildende auch selbst in ihre Ausbildung einbringen und sich dafür einsetzen, weil sie so auf eine praktische, lebensnahe Art lernen.

DSC08649__1470312367_5.189.143.81Matthias: Ist das der Aspekt der integralen Bildung?
Suryamayi: Genau, das ist das „Puzzleteil“ der Integralen Bildung und wir sind sehr darauf bedacht, das in der Gestaltung des Kernprogramms auch zu ermöglichen. Um zu meiner persönlichen Erfahrung zurückzukommen – das ist es, was ich am meisten an meiner Bildung in Auroville geschätzt habe: persönlich an der Ausgestaltung meiner eigenen Bildung beteiligt zu sein – energetisch, mental und emotional. Nicht nur auf der Ebene der persönlichen Entwicklung, sondern ich habe es auch als unglaublich nützlich empfunden, als ich Auroville verließ, um im Ausland und in anderen Umfeldern zu studieren. In die Ausgestaltung meiner eigenen Bildung involviert zu sein, war an sich eine Fertigkeit.
Außerdem sollte die Erfahrung des Ausbildungsprogramms die Auroville-Dimension einschließen und neue Möglichkeiten bieten, diese zu erleben. Für die Entdeckung Aurovilles werden wir Leute engagieren, die über Folgendes sprechen: „Wie funktioniert die Ökonomie Aurovilles?“, „Wie funktioniert die Organisationsstruktur Aurovilles?“ Sodass die Auszubildenden tatsächlich begreifen, wie dieser Ort eigentlich funktioniert. Wenn ein Mentor der ganzen Gruppe etwas vorstellt, wird eine der Fragen an ihn sein: „Was bedeutet der Yoga der Arbeit für Dich?“ Denn das ist eine Schlüsselaufgaben Aurovilles: „Auroville ist für jene, die den Yoga der Arbeit ausüben wollen.“ Es wird enorm helfen, wenn die Auszubildenden von ihren Ausbildern hören, wie sie selbst an ihre Arbeit herangehen, denn jede Herangehensweise ist einzigartig. Das wird ihre eigene Perspektive in Hinblick darauf schärfen, was es bedeutet, in und für Auroville zu arbeiten. Auf diese Weise hoffen wir, tiefere Ebenen von Verständnis und Engagement im Auroville-Kontext zu fördern.

Matthias: YouthLink plant, ein zertifiziertes „Ecovillage Design Education“ (EDE)-Programm in Auroville zu implementieren?
Suryamayi: Ja, im Dezember kam jemand zu Besuch, der einmal Austauschstudent in Auroville war und jetzt für das Global Ecovillage Network (GEN) arbeitet, und führte einen kurzen EDE- Kurs mit uns durch. Das ist ein Programm, das von GEN und seinem Erziehungsprogramm „Gaia Education“ organisiert wird, ein offenes Curriculum, das im internationalen Austausch verschiedener Ökogemeinschaften durchgeführt werden kann. Der Rahmen dafür, wie ein EDE aussehen und was es beinhalten sollte, ist vorgegeben, aber der gesamte Inhalt kommt aus den Ökogemeinschaften, in denen EDE stattfindet. Das Programm kann in bestimmte Bereiche eingeteilt werden: soziale, umwelt-bezogene und weltanschauliche Bereiche. Wenn man das also auf den Auroville-Kontext übertrüge, ergäbe sich eine Auseinandersetzung mit Sri Aurobindo und Der Mutter im Bereich „Weltanschauung“. Im Bereich Umwelt würden die verschiedenen von Auroville unternommenen Initiativen vorgestellt werden.
Also begannen wir, ein EDE für Auroville zu entwickeln. Die Idee dabei ist, dass auch Auszubildende Suryamayian EDE teilnehmen und mit den EDE-Studenten möglicherweise das teilen würden, was sie in Bezug auf die drei genannten Bereiche während ihrer Ausbildung in Auroville erfahren haben. EDE würde gut in das aurovilianische Ausbildungsprogramm passen, da Gaia Education, der Träger der EDE-Programme, von der UNESCO als entscheidender Partner in ihrem „Global Action Program (GAP)“, anerkannt worden ist, das sich weltweit um Erziehung zum Thema „Nachhaltige Entwicklung“ bemüht. Wir befinden uns in einem Bewerbungs-Prozess, um für unsere EDE sowohl die Zertifizierung von Gaia Education zu erlangen, als auch Partner des GAP-Programms der UNESCO zu werden. Wir sind recht zuversichtlich, dass wir beides erhalten werden. Dies würde Verbindungen zwischen Jugendlichen aus Auroville und aus aller Welt fördern. Dafür würden wir Programm-Plätze in den EDE-Kursen für Jugendliche aus anderen Ökodörfern oder intentionalen Gemeinschaften reservieren. Zum Beispiel könnten wir jemanden aus Findhorn aufnehmen und im Austausch würde Findhorn für 3 Monate junge Aurovilianer einladen. Das könnte den Horizont für junge Aurovilianer enorm erweitern.

Matthias: Wie könnten Mitglieder von AVI oder ehemalige Freiwillige, Leute in Deutschland oder Freiwillige, die gerade in Auroville arbeiten, helfen?
Suryamayi: Nun ja, ich weiß, dass Deutschland sehr gute Ausbildungsprogramme hat und dass viele Freiwillige schon Ausbildungen hinter sich haben. Vielleicht gibt es Mitglieder von AVI oder junge Leute, die in der Lage wären, ihr Wissen in bestimmten Bereichen der Ausbildungsprogramme mitzuteilen. Das wäre sehr hilfreich. Fördergelder sind natürlich immer hilfreich. Wir werden sehen, ob das Auroville BCC (Budget Coordination Committee) in der Lage sein wird, alle für das Ausbildungsprogramm erforderlichen Maintenances abzudecken, wenn es sich einmal ausweitet.
Wichtiger im Sinne von Unterstützung wären bestimmte Materialien für bestimmte Ausbildungsbereiche oder Projekte: Zum Beispiel für jene, die zum Ende ihrer Ausbildung kommen und ein Abschlussprojekt oder eine Art Gesellenstück erarbeiten möchten, das ihnen wirklich erlaubt, mit allem, was sie gelernt haben, zu experimentieren und ein Produkt zu erstellen, das sie präsentieren können, das ihre Arbeit exemplarisch darstellt. Eine weitere Möglichkeit wären Mentorenschaften. Wenn Mitglieder von AVI zu Besuch kommen und etwas zum Kernprogramm beitragen möchten, könnte das interessant sein. Offen gesagt, wäre es auch sehr interessant, AVI selber vorzustellen, sodass die Jugend die Rolle von AVI wirklich versteht und den Kontakt herstellen kann. Junge Leute aus Auroville könnten Praktika im Ausland machen, in Deutschland, Frankreich oder wo auch immer es AVI Center gibt. Mitglieder von AVI könnten Auszubildenden aus Auroville Arbeitserfahrungen in ihren eigenen Arbeitsbereichen ermöglichen, auch nach ihrem Abschluss. Das wäre das natürlich auch sehr hilfreich.

Matthias: Vielen Dank für dieses Interview, Suryamayi.

youthlinkteam


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