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  1. Komfortzone ade!

    September 24, 2017 by Moira

    Der erste Monat ist um. Mehr und mehr merke ich, was mir wichtig ist und was mir hier fehlt. Da ich hier soweit außerhalb meiner Komfortzone bin, muss ich zwangsläufig Dinge tun, die ich lieber anders tun würde. Ich merke zum Beispiel, dass die Anstrengung, mit einem ganglosen Fahrrad zu fahren, nicht der einzige Nachteil des radelns ist. Da es hier schon früh dunkel wird und die Straßen nachts gefährlicher sind, kann ich mit dem Rad nicht unabhängig sein. Wenn ich also am abendlichen Sozialleben Aurovilles teilhaben möchte, muss ich mir wohl oder übel für diese Zwecke wahrscheinlich doch einen motorisierten Untersatz zulegen. Das mit dem Essen habe ich mir auch etwas anders vorgestellt. Es ist gar nicht so einfach, günstiges und gutes, vielfältiges Obst und Gemüse zu finden und da ich nicht Unmengen an Geld ausgeben möchte für jedes großartige Küchengerät, das mir hier fehlt, ändern sich meine Koch- und Essensgewohnheiten. Ich habe mich auch noch nicht an das indische Chaos gewöhnt, das hier in den Dörfern um Auroville ein wenig durchschwingt und bei Tagesausflügen nach Pondicherry nicht zu übersehen ist. Aber jede Herausforderung ist eine Chance und ich bin gespannt, wie ich mit kommenden Situationen umgehe.

    Jetzt stehen erstmal Schulferien an. Währenddessen werde ich an einem Lehrerausflug zu einem Tempel und an einem Schülerausflug in die Berge Tamil Nadus teilnehmen. Ich freue mich, mehr von Indien zu sehen.

     

    Eindrücke aus Pondicherry:


  2. Abenteuer Alltag

    September 10, 2017 by Moira

    Die Einführungswoche ist vorbei, der Anfang vom Alltag ist an der Reihe. Wir sind aus dem gemeinsamen Wohnen im Guesthouse aus- und ins WG-Leben zu viert eingezogen. Das Einrichten fühlt sich seltsam an und obwohl ich hier ein eigenes Zimmer habe, muss ich es mit Ameisen teilen. Die Geckomitbewohner in meinem Badezimmer habe ich wieder der Natur überlassen. Auch die ersten Arbeitstage habe ich bereits erlebt. Ich bin total glücklich mit der Entscheidung, in der Aikiyam School zu arbeiten. Im Moment begleite ich den Unterricht der zweiten Klasse und helfe einer von zwei Lehrerinnen, da die andere wegen eines Motorradunfalls für eine Weile abwesend ist. Die Lehrerin ist super nett zu mir, im Englisch- und Matheunterricht helfe ich beim Aufgaben korrigieren und verteile Sticker. Beim Tamilunterricht bekomme ich Eindrücke von der Sprache und lerne ein paar Worte. Der Morning Circle in der Klasse ist ein Highlight. Jeden Morgen bevor der Unterricht beginnt, sitzen die Kinder mit geschlossenen Augen und singen gemeinsam ein Mantra. Auch sonst mache ich lauter erste Erfahrungen, die vielleicht mal mein Alltag sein werden, und überrasche mich dabei selbst. Spontan habe ich mir wie einige andere aus der Gruppe für eine Weile ein Moped ausgeliehen und tuckere damit durch die Straßen. Dass das zu meinem Alltag wird, bezweifle ich jedoch. Denn obwohl es einfacher als erwartet, sehr entspannt und spaßig ist, machen mir die Umweltfaktoren hier ein wenig zu schaffen. Ich möchte nicht auch noch langfristig zu dem Nachhaltigkeitsdefizit in diesem Land beitragen, indem ich Moped fahre, obwohl es ein Fahrrad auch tun würde. Inzwischen fällt mir auch der Müll immer mehr auf und ich sehe Menschen, die ihre vollen Mülltüten am Straßenrand und in der Natur auskippen. Auch die Gefahren der Straße sind nicht ohne und fallen auf. Gerade im Dunkeln, wenn alle mit ihren Fernlichtern durch die Städte rasen, passieren viele Unfälle. Ich habe mir also bereits ein gebrauchtes Fahrrad für weniger als 3000 Rupies gekauft, mit dem ich dann wohl bald auf den Straßen zu sehen sein werde. Trotzdem ist das Mopedfahren eine coole Erfahrung und ich bin froh, sie gemacht zu haben. Der Tamilunterricht für unsere Gruppe hat angefangen und ich bin sehr motiviert, diese Sprache zu lernen. Ich war bis jetzt zweimal im Schwimmbad, das Schwimmen tut gut und darf gerne zu meinem Alltag gehören. Am Meer war ich auch schon, es ist nicht weit weg und abgesehen vom Müll auch ganz schön. Alles in allem bin ich recht zufrieden und freue mich auf die nächsten Tage, Wochen, Monate.


  3. Ein Druck auf den Ohren, Eindrücke auf den Straßen

    August 27, 2017 by Moira

    Ich sitze im Flugzeug, es gibt kein Zurück mehr, ich bin unterwegs. Es ist ein seltsames Gefühl, denn gerade in den letzten Tagen hat mich dieser Zwischenzustand zwischen der nicht mehr greifbaren Vergangenheit und der noch nicht greifbaren Zukunft ziemlich verwirrt. Nachdem ich mit ziemlichen Ohrenschmerzen in Dubai zum Umsteigen lande und mit anhaltendem Druck auf den Ohren aussteige, bekomme ich bereits den ersten Eindruck von Hitze und Luftfeuchtigkeit, was aber für den kurzen Weg total erträglich ist. Es geht weiter Richtung Chennai. Ich habe einen Fensterplatz und kann Indien schon mal von oben sehen, dann sind wir auch schon da, holen unser Gepäck und verlassen den Flughafen. Auf diesen Moment war ich sehr gespannt. Es sind nur 25 Grad, das heißt, das Klima erschlägt mich nicht so wie befürchtet, es ist eigentlich recht angenehm für den Einstieg in einem Land, vor dessen Hitze ich mehrfach gewarnt wurde. Aber das Kofferziehen mit meinem wie ich feststellen muss doch eher unhandlichen Koffer ist etwas unbequem. Wir kommen aber relativ bald bei den beiden für uns bestellten Kleinbussen an. Man kann das Hupen vom Verkehr schon hören und ich sehe einige Straßenhunde. Das Gepäck in und auf die Busse gequetscht, setze auch ich mich an meinen Fensterplatz und suche vergeblich nach einem Anschnallgurt – ach ja, Indien ist anders. Es geht los. Ich sehe Familien zusammen auf Motorrädern, ich sehe Kühe auf den Straßen, ich sehe bunte Marktstände, ich sehe unseren telefonierenden Fahrer. Ich sehe Ziegen auf den Straßen, ich sehe einen Jungen auf einem Feld sein Geschäft verrichten, ich sehe einen Mann mit vielen Taschen auf seinem Motorrad, ich sehe Müll (allerdings noch nicht so viel wie erwartet), ich sehe Überholmanöver, die ich vielleicht als waghalsig bezeichnen würde, wenn ich nicht so vielen Eindrücken ausgesetzt wäre. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine Kuh sehe. Ich bin so müde, aber ich zwinge mich, die Augen offen zu halten, um noch mehr Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Teepause, nachdem ich etwa zehn Mal sage, dass ich keine Milch im Tee möchte und daraufhin ein Glas Milch angeboten bekomme, nehme ich keinen Tee. Schließlich kommen wir in Auroville und in unserem Guesthouse für die erste Woche an, lernen unsere Mentoren und Koordinatoren kennen, essen etwas, das mir persönlich schon etwas zu scharf ist, bekommen Fahrräder und machen eine kleine Fahrradtour durch Teile Aurovilles, was sehr angenehm und entspannt ist (24./25.8.).

    Am zweiten Tag kommt es mir schon deutlich wärmer vor und die Temperatur steigt über den Tag schleichend. Wir fahren viel Fahrrad mit einem für das Wetter eher unangemessenen Tempo. Ich erkenne die Nachteile vom Fahrradfahren mit langem Rock, binde mir Knoten hinein, aber halte es dennoch für sinnvoll, nächstes Mal eine Hose anzuziehen. Wir sehen uns ein bisschen in Auroville um, nachdem wir unser erstes indisches Frühstück essen: Idli mit Wadai und zwei Chutneys. Das Essen ist von der Schärfe absolut okay und schmeckt gut. Im Visitor Center wollen zum ersten Mal Leute ein Foto von/mit mir machen. Das Mittagessen ist schon schärfer, aber alles wird getrennt auf einem Teller angerichtet, so dass man gut aussortieren kann, was zu scharf ist. Ein Affe, der von einem Baum herunterklettert, klaut Johanna ganz frech ihr Brot, dann wird er verscheucht. Am Abend fahren einige von uns nochmal zum Visitor Center. Während wir dort bei schöner Beleuchtung sitzen, regnet und gewittert es. Wir schaffen es aber zum Glück in einer Regenpause trocken zum Guesthouse zurück zu fahren. Der dunkle und matschige Weg ist trotzdem abenteuerlich. Julian fährt mitten durch eine riesige Schlammpfütze und verliert dabei seinen Schuh. Nach der Rettungsaktion fahren wir an einer Horde bellender Hunde vorbei, dann kommen wir an (26.8.).

    Heute, am dritten Tag, fange ich an, ein Gefühl für Orientierung zu entwickeln und finde schon einige Wege alleine, was gut ist, denn so bin ich nicht vom Tempo der anderen abhängig. Im Dunkeln würde ich aber natürlich trotzdem nicht alleine fahren. Ab und an kommen bei uns allen natürlich Fragen auf. Die Antworten der unterschiedlichen Leute hier sind aber auch meistens unterschiedlich. Ergo werde ich meine eigenen Erfahrungen machen müssen und auf meine Selbstständigkeit angewiesen sein. Ich bin gespannt auf die nächste Zeit (27.8.).